Vietnam 7 – Durch die demilitarisierte Zone – DMZ Tour

Es ging wieder zurück nach Norden – auf dem Rückweg wollten wir aber nicht die Gelegenheit verpassen etwas über die Geschichte Vietnams zu erfahren: es ging von Hue aus auf eine DMZ Tour nach Dong Hoi….

Von Hue nach Dong Hoi: auf der DMZ Tour

Jetzt hieß es schon wieder den Rückweg Richtung Hanoi antreten. Damit es aber nicht zu langweilig wird, hatten wir uns für diesen noch ein paar Sachen aufgehoben. Mit einem Open Tour Bus ging es von Hoi An zurück nach Hue, wo wir eine Nacht verbracht haben. In Hue haben wir über das Stop and Go Cafe eine DMZ Tour mit einem Veteran Guide gebucht. Ende der Tour war in Dong Hoi – das hatten wir so mit dem Anbieter vereinbart. Mit 3.169.000,00 VND (ca 118,95 €) für 2 Personen nicht ganz so günstig, aber das lag in erster Hinsicht daran, dass wir auf dem Rückweg den Umweg nach Dong Hoi gemacht haben. Das war so für uns ingesamt günstiger.

Was ist denn eine DMZ Tour? DMZ bedeutet demilitarisierte Zone und steht in Vietnam für ein Gebiet zwischen Nord- und Südvietnam, wo noch ehemalige amerikanische Militärbasen und andere Überbleibsel aus dem Krieg stehen. Wir hatten die Tour bei dem Stop and Go Cafe gebucht, da die Guides Veteranen aus dem Krieg sind und die Touren so besonders eindrücklich sein sollen. Unser Guide war ein Dolmetscher auf der amerikanischen Seite gewesen. 

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Überreste des Kriegs…

Ein „bisschen“ Geschichte

Wenn man so über die Geschichte Vietnams liest, fällt auf, dass die Vietnamesen ständig von irgendenwem erobert und beherrscht wurden. In den früheren Dynastien waren es die Chinesen. 1771 bricht ein Bürgerkrieg auf, der mit französischer Hilfe 1802 gewonnen wurde. Das Land bekommt erstmals den Namen „Viet Nam“ und wird mit französischer Beratung regiert. Die Franzosen verstärken mitte des 19. Jhd ihren Druck auf die Kaiser, was zum Zorn der verarmten Bevölkerung führt, welcher sich gegen die französische Missionare richtet. Es kommt zu Gegenmaßnahmen durch die Franzosen und ab 1862 muss das Gebiet um Hue (welches zu dem Zeitpunkt die Hauptstadt war) an sie abgegeben werden. Vietnam steht ab da an unter französischer Kolonialherrschaft.

Als im Zweiten Weltkrieg Frankreich durch deutsche Truppen besetzt wird, waren die Länder in Südostasien militärisch isoliert. Die Japaner marschieren ein – diese Verwalten Vietnam bis 1945 zusammen mit der damalige französischen Kolonialverwaltung. Dieser Zustand verschlimmert die Situation für die vietnamesische Bevölkerung aber dramatisch und es kommt zu einer schlimmen Hungersnot, bei der etwa zwei Millionen Menschen sterben.

Die Japaner stürzen die französische Herrschaft und setzen Bảo Đại als Kaiser ein. Als Japan am 25. August 1945 kapitulierte musste dieser allerdings abdanken – die Chinesen und USA unterstützen zu dem Zeitpunkt die Việt Minh – eine Widerstandsgruppe zur Abwehr der Abwehr des japanischen Imperialismus und französischen Kolonialismus.

Vietnam erklärte sich zum unabhängigen Land. Dies hält allerdings nicht lang, denn nur wenige Tage später landen britische Truppen in Saigon. Im Norden marschieren die Chinesen ein und die Franzosen erzwingen die Wiedererrichtung ihres kolonialen Regimes. Dies führt 1946 zum Ausbruch des Indochinakrieges (Indochina steht für die Festlandsgebiete Südostasiens). Die Franzosen werden nach jahrelangem Guerillakampf schließlich 1954 besiegt, was das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Indochina war. In der Genfer Konferenz wird die Teilung von Vietnam in die nördliche Demokratische Republik Vietnam mit der Hauptstadt Hanoi und die südliche Republik Vietnam mit der Hauptstadt Saigon beschlossen.

Ein fingierter Zwischenfall im Golf von Tonkin im Juli 1964 ist der beginn des Vietnamkriegs. Es gab nie eine offizielle Kriegserklärung. Ab 1965 begann die USA mit dem systematischen Luftkrieg gegen Nordvietnam und die Bodentruppen operieren in immer größeren Zahlen im Süden. Während die Öffentlichkeit in den USA bisher eher für den Vietnamkrieg war, schwenkt die Meinung um als über die Kriegsgreuel, Massaker und Napalm-Opfer in Vietnam berichtet wird. Offiziell wird deshalb 1969 der Abzug der Truppen beschlossen – die Bombardierungen und Luftangriffe (insbesondere die Verwendung von Agent Orange) geht jedoch noch bis 1973 weiter.

Am 28. Januar 1973 wurde ein Waffenstillstand vereinbart und damit endete die Kriegsbeteiligung der USA. Der Krieg zwischen Nord- und Südvietnam ging allerdings noch weiter. Am 30. April 1975 wurde Saigon eingenommen und Südvietnam kapitulierte bedingungslos – damit war der Vietnamkrieg zu Ende. Am 2. Juli 1976 wurde Nord- und Südvietnam endlich wieder als Sozialistische Republik Vietnam wiedervereint.

Was Vietnam für Ausländer einfach zu bereisen macht, sind die lateinischen Buchstaben, anstatt der Schriftzeichen wie in anderen asiatischer Länder. Mein erste Gedanke war, dass die französischen Kolonialherren diese eingeführt haben – aber das stimmt nicht. Die Schrift wurde bereits seit dem 16. Jhd genutzt, als Portugisische Missionare in das Land kamen – davor haben die Vietnamesen auch kaligrafische Schrift genutzt, die auf der chinesischen Schrift basierte. Die Franzosen haben die lateinische Schrift allerdings offiziell eingeführt und tatsächlich kann man div. Parallelen zwischen der vietnamesischen und der französischen Sprache nicht leugnen (z.B. Bahnhof bedeutet auf französisch „Gare“ und im vietnamesischen „Ga“).

Highway of Horror

Unser erster Stop auf unserer DMZ Tour war der Highway of Horror… Am 1. Mai 1972 verlor Südvietnam die Provinz Quang Tri. Auf der Nationalstraße No 1 flüchteten die Soldaten – aber auch viele unschuldige Zivilisten. Als Ziel des Angriffs galten eigentlich die Soldaten, aber die Flüchtlinge dazwischen vielen ebenfalls den Artillerie- und Infanteriewaffen zum Opfer. Innerhalb von kürzester Zeit verloren hier tausende von Menschen ihr Leben….

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen…

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Dieses Denkmal erinnert noch an diese furchtbare Zeit..

Viele der Zivilisten wurden hier begraben. Nach und nach bekamen die jenigen, die noch Familie hatten und die es sich leisten konnten ein Grab oder die Gräber wurden zu ihren Familien verlegt. Bei den Opfern ohne Familie lässt nur noch ein Hügel erkennen, dass hier jemand begraben wurde…

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Hinten: ein nachträglich erbautes Grab, vorne: ein namenloses Grab…

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Long Hung Church

Diese Kirche wurde während des Kriegs 81 Tage und Nächte lang belagert/beschossen. Sie galt als einer der wichtigsten Positionen um die Stadt Quang Tri zu beschützen. Während die Stadt um die zerstörte Kirche wieder aufgebaut wurde, sollte diese so bleiben – als Denkmal für den Mut der Soldaten.

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Heute dominiert hier langsam aber sicher die Natur…

Doc Mieu Base

Der nächste Stop war an der Doc Mieu Base, wo noch ein alter US Panzer direkt neben der Autobahn steht. Die Basis selbst wird wieder vom Land für militärische Zwecke benutzt, daher konnte diese nicht besichtigt werden.

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone … der fährt nirgendwo mehr hin!

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Ben Hai River – Hien Luong Bridge

Schließlich hatten wir die ehemalige Grenze zwischen Nord- und Südvietnam erreicht. Am Ben Hai River steht die Hien Luong Bridge. Die ehemalige Grenze wird durch einen Strich in der Mitte der Brücke gekennzeichnet. Der gelbe Teil der Brücke steht für den Süden und der blaue für den Norden. Früher war der Norden rot gestrichen, aber nach der Wiedervereinigung änderte man dies in blau – das steht für Frieden. 

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Heute gilt die 165m lange Brücke als wichtiges nationales Denkmal der Wiedervereinigung Vietnams.

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Der ehemalige Wachturm der Südseite – hier wurden über einen Lautsprecher lautstark Propaganda auf die andere Seite des Flusses „geblasen“

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Đền thờ Liệt sĩ Trung Hải – ein Wiedervereinigungsdenkmal zu Ehren derer, die im Krieg gestorben sind…

Auf der anderen Seite angekommen besuchen wir das Museum. Hier sieht man alte (Fund)Stücke aus der Kriegszeit – es wird aber auch berichtet, wie es Überlebenden ergangen ist und wie die Vietnamesen noch heute über Nachwirkungen des Kriegs leiden (durch Agent Orange, aber auch Schäden, die durch Bomben die während des Kriegs nicht detoniert sind und noch nachträglich angerichtet wurde)

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Eine Statue von Ho Chi Minh

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Auf der anderen Straßenseite steht ein weiteres Denkmal, das mit einem großen aufwändig Mosaik geschmückt ist. Das Mosaik stellt den Krieg, das Leben in den Tunnel und – am auffälligsten – die Siegesfeiern dar.

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Direkt daneben befindet sich das Gebäude, in dem die Vorgespräche zur in 1954 stattgefundenen Genfer Konferenz statt gefunden haben. Im Inneren sind die Teilnehmer bei dem Gespräch nachgestellt.

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Vinh Moc Tunnels

Der letzte Stop waren die Vinh Moc Tunnel – dabei handelt es sich um ein 2,8km langen Tunnelsystem, in der die damalige Bevölkerung von Vinh Mocs Schutz gesucht hat. Das Gebiet gehörte zu einem der am stärksten bombardierten Gebiete, daher begann man 1965 mit dem Bau der Tunnel, was etwa 2 Jahre gedauert hat.

Das Tunnelsystem hat drei Stockwerke und war für 94 Familien/300 Personen ausgelegt. Die Tunnel haben eine Tiefe von 10, 15 und 20-30m Tiefe mit 13 Zugängen. Die Bevölkerung lebte in den etwa 1,60-1,70 engen Tunneln für fast 5 Jahre. Es wurden 17 Kinder in den Tunneln geboren. Es gibt noch die größere Tunnelanlage Cu-Chi im Süden Vietnams, aber Vinh Moc ist besser erhalten und noch im Originalzustand. Heute kann man noch die erste und zweite Ebene besichtigen – die dritte ist zu nass und modrig. Der Eintritt kostet 25.000 VND (ca 0,89 €). Ein Guide ist hier aber zu empfehlen, da die Tunnel sehr dunkel und verwirrend sein können. 

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Ein kleines Museum mit einer Übersichtskarte

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Eine Karte der drei Ebenen

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Einer der vielen Eingänge

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Links: eine Kammer für Flüchtlinge, Rechts: ein Durchgang – es ist ganz schön eng!

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone links: Licht am ende des Tunnels! Rechts: eine Familienkammer – viel Platz gibt es hier nicht!

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Links: eine „Gebärstation“, Rechts: hier würde es runter zum 3. Stock gehen

Einer der Ausgang führt uns zum Cua Tung Beach – ein schmaler, aber hübscher Strand. Hier können wir kurz frische Luft schnappen, bevor es wieder zurück in die Tunnel geht…

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Ein weiterer Ein- und Ausgang – während des Kriegs waren diese natürlich weniger offensichtlich und versteckter 

Kurzes Nachwort

Über so Touren zu berichten finde ich immer etwas schwierig. Ich möchte auf der einen Seite informieren, aber auch nicht pietätlos sein oder „dramatisch“ mir irgendwelchen Todeszahlen um mich werfen. Es ist halt nicht so schön, wie über einen tollen Tag am Strand und mit Bergen zu schreiben. Die Tour haben wir auf Wunsch meines Reisebegleiters gemacht. Ich hätte sie von mir aus wahrscheinlich nicht gebucht – nichtsdestotrotz fand ich es interessant und es gehört zu der Geschichte von Vietnam dazu und der Vietnamkrieg hat das Land stark geprägt. Wenn ich auf reisen bin, möchte ich ein Land kennenlernen und dazu gehören manchmal auch die weniger schönen Seiten. Ich kann so eine Tour jedem empfehlen, der sich für die Geschichte interessiert. Wer lieber nur Sightseeing machen und entspannen möchte, sollte das vielleicht aber lieber auslassen, denn es ist doch schon teilweise sehr bedrückend….

Dong Hoi – eine modernere Kleinstadt in Vietnam

Nach unserer DMZ Tour wurden wir von unserem Fahrer in Dong Hoi an unserem Hotel abgesetzt. Die Stadt befindet sich an der schmalsten Stelle Vietnams – vom Meer bis zur Westgrenze ist das Land hier gerade mal 40km breit! Diese ganze Region wurde im Vietnamkrieg stark von amerikanischen Bombern zerstört und danach wieder aufgbaut. Daher ist die Stadt eher eine neuere Stadt und es fehlen die klassischen asiatischen Einflüsse einer Altstadt.

Der Tourismus scheint (vielleicht daher?) hier noch nicht angekommen zu sein und offenbar bekommt man hier nicht so oft Europäer zu Gesicht, denn wir sind in dem kleinen Ort gerade zu eine Attracktion. Kinder winken uns interessiert zu, Rollerfahrer starren uns an, Frauen kichern, wenn sie uns sehen. Bevor der Tag zu Ende geht, machen wir noch einen kurzen Spaziergang zum Meer. 

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Aber die Kabel dürfen auch hier nicht fehlen…

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Am Meer ist es schön grün

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Die Tam Toa Church – eine katholische Kirche aus dem 19. Jhd. 1968 wurde sie während des Krieges zerstört – sie sollte als Denkmal unberührt bleiben

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Im kleinen Hafen gibt es hier auch lauter Bötchen

 Unser Hotel in Dong Hoi 

Da es nicht viel Auswahl in Dong Hoi gab, haben wir uns für das Hoa Binh Hotel entschieden. Mit 303.893,2500 VND (ca 10,92 €) auch sehr günstig. Allerdings war das Zimmer auch wirklich sehr einfach und das „schlimmste“ was wir in Vietnam hatten (aber auch das günstigeste ;-) )

Das Fenster führte raus auf den Gang, das Badezimmer war nicht besonders sauber (ein Handtuch auch eindeutig schon benutzt…) und etwas schmuddelig und das Bett war selbst für vietnamesische Verhältnisse steinhart. Die Dame am Empfang konnte praktisch kein Englisch. Dafür war das Frühstück wirklich sehr lecker! Für eine Nacht und für den Preis geht das schon mal, aber wir waren froh, dass wir nur einen Abend dort hatten.

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone Sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus…

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone … auf den zweiten Blick aber eher Pfui als Hui… :D

Reisebericht DMZ Tour demilitarisierte Zone

Siehe auch:
Teil 6 meines Vietnam Reiseberichts: My Son | das Vermächtnis der Cham-Kultur
Teil 8 meines Vietnam Reiseberichts: Phong Nha Ke Bang National Park | Höhlentour
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten

 

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