Wiesbaden – Fahrradtour zum Kloster Eberbach

Auf einer Fahrradtour ging es von Mainz zum Kloster Eberbach, welches wir uns mal näher ansehen wollten. Dort haben wir etwas über Geschichte des Klosters erfahren und leckeren Wein getrunken…

Fahrradtour von Mainz zum Kloster Eberbach

Die Kollegin, mit der ich mir Mainz angesehen habe, geht zwar auch gern wandern, aber sie fährt auch genauso gern Fahrrad. Also hat sie mich eingeladen, mit ihr eine Radtour zu dem Kloster Eberbach zu machen. Von Mainz aus hatten wir eine Strecke von etwa 25km (einfach), die wir mit dem ein oder anderen Zwischenstopp gut bewältigt haben. Über die Eisenbahnbrücke bei der Rheininsel Petersaue ging es rüber auf die hessische Seite. Von dort aus sind wir am Rhein entlang geradelt, vorbei am Schloss Biebrich und Eltville.

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenDieses Jahr ist irgendwie der Wurm drin: es hat mal wieder geregnet! 

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenEin Blick nach Wiesbaden

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenDer Schiersteiner Hafen

Der kurze Blick auf Eltville hat mir schon sehr gut gefallen und ich weiß jetzt schon: hierher werde ich nochmal kommen. Am Anleger 511 haben wir einen kurzen Stop eingelegt und uns einen Snack mit Brezeln, Spundekäs und Wein als kleine Stärkung gegönnt.

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenEltville sieht mir nach einem schönen Ziel für eine Tagestour aus

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenIm Hintergrund mit der Kurfürstliche Burg Eltville

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenLeckerer Wein mit Blick auf den Rhein (Hey, das reimt sich fast!)

Nach der Stärkung ging es weiter bis zum Weindorf Erbach und von dort aus in die Weinberge. Das leichte Leben – mit gemütlich am Rhein entlang fahren – war jetzt erstmal rum. Nun ging es bergauf. Hier komme ich etwas ins schwitzen – aber dafür ging es erstaunlich gut. Natürlich kann man im Rheingau auch ausgiebig wandern gehen (da kommt die Wander-Tante in mir wieder durch!) – auf dieser Seite werden einige Routen vorgeschlagen. Nach ein paar anstrengenden Kilometern kommen wir schließlich beim Kloster an…

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenDie Weinberge über Eberbach

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenEs geht bergauf!

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenTrauben in den Weinbergen. Mmmh!

Angekommen am Kloster Eberbach

Dann sind wir endlich am Kloster Eberbach angekommen. Die ehem. Zisterzienserabtei Eberbach gehört zu den bedeutendsten Denkmäler des Mittelalters in Europa. Bekannt ist nicht nur das Kloster – sondern auch der preisgekrönte Riesling, der rund um das Kloster in den Weinbergen angebaut wird. Neben normalen Führungen werden hier auch Weinführungen angeboten. Letzeres soll sehr interessant und lecker sein – leider finden diese eher Abends statt, was für uns leider zu spät war. Heldenhaft haben wir auch die letzte normale Führung an diesem Tag knapp verpasst. Aber kein Problem. Der Eintritt kostet 9,50 €, dazu gab es eine Infobroschüre, in der verschiedene Stationen des Klosters beschrieben sind. Mit dieser sind wir dann auf eigene Faust zu dem Rundgang aufgebrochen.

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenDas Kloster Eberbach in seiner ganzen Pracht

Gegründet wurde das Kloster um 1136 herum. Den Ordenregeln nach lebten die Mönche in ungeheizten, feuchtkalten Räumen mit Sprechverbot, kärglicher Nahrung, Gebeten und harter Arbeit. Trotz dieser Regeln erlebte das Kloster einen großen Zulauf. Im Mittelalter wuchs das Kloster – dank der guten Wirtschaftsführung – weiter an: zu dem Kloster gehörte ein großer Landbesitz, sowie viele Wirtschaftshöfen. Zu verdanken hatten sie das u.a. dem dort angebauten Wein, der auch heute das Kloster prägt und es damals zum bedeutendsten Weinunternehmen in Mitteleuropa machte.

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Nachdem wir den Eintritt an der Kasse gezahlt haben, betreten wir das Innere des Klosters. Als erstes kommen wir in die Klausur – dieser Bereich liegt um den Kreuzgarten herum gelegen und den Mönchen vorbehalten. Die Laienbrüder – die es hier im Kloster ebenfalls gab, hatten einen eigenen Bereich. Um den Garten herum befindet sich ein hübscher Kreuzgang. Nach Auflösung des Klosters 1803 wurden zwei Flügel abgerissen und daher ist er nicht mehr vollständig erhalten. Dank Spendern konnte der übrige Kreuzgang saniert werden.

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenEin tolles Fotomotiv: der Kreuzgarten 

Nach der Auflösung 1803 erlebte das Kloster eine abwechslungsreiche Entwicklung: zunächst wurde es als Nervenheilanstalt, später auch als Gefängnis genutzt. Während des Ersten Weltkriegs unterstand es der Besatzungsbehörde. Nach dem Krieg bemühte man sich um die Wiederbesiedelung des Klosters – dazu kam es aber nicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es als Auffangstation für Flüchtlinge genutzt. 1998 wurde das Kloster an eine Stiftung übergeben, die sich um das Kloster und die Nutzung, sowie den Weinbau kümmern sollte. Erwähnenswert ist noch, dass hier zwischen 1985/1986 die Innenaufnahmen des Films „Der Name der Rose“ gedreht wurden. Dazu gibt es auch eine Dokumentation in dem Abteimuseum. Einmal im Jahr wird der Film in der Basilika aufgeführt und dazu gibt es passende thematische Führungen. 

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenDer Kreuzgang mit dem gotischen Kreuzrippengewölbe 

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Weiter ging es in den Kapitalsaal. Er war neben der Basilika einer der wichtigsten Räume des Klosters und der einzige, in dem die Mönche sprechen durften. Hier wurden Angelegenheiten besprochen und Ämter gewählt. Der Raum wurde Mitte des 14. Jhd umgestaltet zu einem Raum mit Sterngewölbe und einem einzigen Mittelpfeiler. Auffällig sind die schönen Ranken- und Blumenmalereien an der Decke, die um 1500 entstanden und bis heute erhalten geblieben sind.

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenHübsche Malereien an der Decke

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenUnd nochmal der Kreuzgarten ….

Um die Ecke weiter befindet sich die Basilika/Klosterkirche. Sie wurde innerhalb zwei Abschnitten erbaut: einmal 1145-1160 und 1170-1186. Die 80m lange Pfeilerbasilika fällt durch ihre Schlichtheit auf, aber auch durch das viele Licht, was sie den großen Maßwerkfenstern zu verdanken hat. Für Gottesdienste wird die Kirche heute nur noch selten benutzt. Dafür finden hier regelmäßig Konzerte statt.

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenIn der Kirche wurde sogar für einen Trailer von Game of Thrones gedreht

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Weiter ging es durch das Mönchsrefektorium, der Speisesaal der Mönche. Es ist der einzige Saal im Kloster, der ein schlossähnliches, barockes Aussehen hat. Der ursprüngliche Raum war fast doppelt so groß. Den Raum, den man heute bewundern kann, ist ein neu errichteter Speisesaal aus dem 18. Jhd. 

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenEin wenig Barock

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenEin Schrank mit wunderschönen Holzarbeiten

Der Cabinetkeller wurde im 15. Jhd zu einem Weinkeller umfunktioniert und daher stehen hier viele Weinfässer. Ursprünglich war aber das der Raum in dem die Mönche ihre Arbeiten verrichten konnten, u.a. Ausstellungen von Urkunden, Kopien von Büchern anfertigen oder geistliches Studium. 

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenHier wurden dann u.a. besonders wertvolle Weine eingelagert

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Als nächstes ging es in den Konversenbau – dieser trennte den Lebensbereich der Mönche von den Bereichen der Laienbrüder. Der Konversenbau entstand erst um das Jahr 1200 und ist das größte Gebäude der ganzen Anlage. Ein Teil wird heute als Tagungs- und Seminarzentrum benutzt – die Einnahmen fließen dabei komplett in den Erhalt der Klostereinlage.

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenHübsche Blumen in der  Konversengasse

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Ein sehr beeindruckender Raum ist das Laienrefektorium. Dieser Raum diente als Speisesaal der Laienbrüder im 12. und 13. Jhd. Nachdem die Zahlen der Laienbrüder zurück gingen, richtete man im 15. Jhd dann einen Weinkeller ein. Auch heute stehen hier noch Weinkeltern – der älteste ist von 1668!

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Wir verlassen das Kloster. Der dahinter liegende Bereich gehört zur Klosterschänke und zu dem Hotel. Früher fand man hier die Wirtschaftshöfe und Stallungen, die aber gegen Ende der 1990er Jahre saniert und zu einem Hotel umgebaut wurden. Heute gibt es neben dem Restaurant 28 Hotelzimmer. 

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Wir werfen noch einen Blick in den Prälatengarten – den Garten des Abtes. Beides wurde Anfang des 18. Jhd angelegt. Hier kann man gut die barocke Entwicklung im Gegensatz zu der Schlichtheit aus den anfangs Jahren sehen. Dazu gehört ein Gartenhaus, welches alleine dem Abt vorbehalten war.

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenDer Prälatengarten ist ein Ort der Ruhe

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenUm das Kloster herum mit Blick auf das Pfortenhaus

Als letztes werfen wir noch einen Blick in die Orangerie – denn die Mönche waren auch für ihre Arbeiten als Gartenbaumeister bekannt. Die Gärten des Klosters dienten nicht nur zur Selbstversorgung mit Obst und Gemüse, sondern auch als Anbaufläche für Heilkräutern. Die Orangerie, die um das Jahr 1756 erbaut wurde, diente ursprünglich für die Überwinterung empfindlicher Pflanzen.

Reisebericht Kloster Eberbach Wiesbaden

Da sich unsere Mägen langsam mit einem Hungergefühl meldeten, warfen wir noch einen Blick in die Klosterschänke Eberbach. Das Essen ist dort etwas gehobener und sah auch soweit ganz gut aus, aber uns hat es gerade nicht angesprochen und leider waren auch die Außensitzmöglichkeiten wegen dem schlechten Wetter geschlossen. Wir ziehen also weiter. Dafür werfen wir noch einen Blick in den Klosterladen und die Vinothek. Natürlich vergessen wir nicht, noch einen guten Wein vom Kloster Eberbach zu probieren und mitzunehmen. Nom!

Die Rückfahrt und die Suche nach etwas zu essen

Wir haben uns wieder auf die Fahrräder geschwungen und wollten uns dann auf dem Weg etwas zu essen suchen. Eberbach haben wir in unserer Naivität erstmal übersprungen, da wir was hübsches am Rhein suchen wollten. Auf unserem Weg passierten wir einige Restaurants und Stuben, aber entweder sie waren geschlossen, voll oder mit einer geschlossener Gesellschaft besetzt. Was eigentlich schon ungewöhnlich ist, weil man hier normalerweise viel Auswahl hat. Langsam wurden wir etwas ungeduldig. 

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenHübsche Aussichten unterwegs

Schließlich sind wir in der Schwabbel untergekommen. Jetzt regnete es auch mal wieder, also waren wir nicht undankbar für eine kleine überdachte Pause. Hier gönnten wir uns einen leckeren Flammkuchen und sehr köstliche Spinat-Klösse in Käsesoße.

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenEin bisschen „Strand-Feeling“ gab es hier auch

Reisebericht Kloster Eberbach WiesbadenSehr leckeres Essen in der Schwabbel

Da der Regen auch in nächster Zeit nicht aufhören wollte, haben wir unsere Kapuzen aufgezogen und sind das letzte Stück zurück nach Mainz in einem schnelleren Tempo zurück gefahren. Das Wetter war leider nicht auf unserer Seite gewesen, trotzdem war die Tour insgesamt sehr schön und absolut empfehlenswert. Wer etwas besseres Wetter und/oder mehr Zeit hat, kann die Tour auch über Ingelheim verlängern. Mit einer Fähre kann man auf die andere Seite übersetzen und dort entlang fahren. Dort soll die Strecke auch hübscher sein. Wer noch einen Tipp für leckeres Essen braucht: der Wein- und Biergarten des Campingplatz Inselrhein Heidenfahrt soll wirklich sehr lecker sein. Ansonsten ist das Kloster Eberbach natürlich auch ohne Wanderung oder Radtour ein empfehlenswertes Ziel!

Siehe auch:
Teil 1 von meinem Mainz/Wiesbaden Reisebericht: Mainz – die liebenswerte Stadt am Rhein
Teil 3 von meinem Mainz/Wiesbaden Reisebericht: Wiesbaden – die Landeshauptstadt Hessen
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten

Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)