Weihnachtsstimmung und Nibelungensage in Worms

Für einen Tag ging es für uns nach Worms, wo wir uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt angesehen haben und etwas Weihnachtsmarkt Feeling genießen wollten…

Weihnachtsmarkt? Dieses Jahr ist doch nix mit Weihnachtsmarkt. Richtig. Seit wir vor 2 Jahren den Weihnachtsmarkt in Marburg mit einem Besuch der Stadt verknüpft hatten, wollten wir das unbedingt nochmal machen und zwar mit Worms. Letztes Jahr haben wir es nicht geschafft, also stand schon seit Anfang des Jahres fest, dass es dieses Jahr an Weihnachten gefälligst zu klappen hatte. Und dann kam Corona und die Weihnachtsmärkte wurden abgesagt. Wir haben uns dann kurzerhand Glühwein in Thermoskannen gefüllt, Plätzchen und gebrannte Mandeln eingepackt und unseren eigenen Weihnachtsmarkt-to-Go mitgebracht. Gut eingepackt, mit viel Abstand zu anderen Menschen und frischer Luft ging es dann nach Worms. Wir hatten auf die schöne Beleuchtung in der Stadt für mehr Stimmung gehofft, aber heldenhaft wie wir waren, waren wir schon aus dem Stadtzentrum raus, bevor es dunkel genug für die Beleuchtung war. 

Reisebericht WormsGlühwein und gebrannte Mandeln – da kommt ein wenig Weihnachtsmarktstimmung auf, oder..? 

Ich war schon einige Male in Worms gewesen, aber hatte mir nie die Zeit genommen, mir die Stadt etwas genauer anzusehen. Dabei ist die Rheinhessische Stadt ein schönes Ziel für einen Tagesausflug. Bekannt ist sie u.a. als Hauptstadt der Nibelungen. Überall in Worms findet man Andeutungen oder Figuren zu der Nibelungensage. Die südöstlichen in der Rheinland-Pfalz liegende Stadt mit knapp 82.000 Einwohnern hat zahlreichen Sehenswürdigkeiten und geschichtsträchtigen Gebäuden zu bieten und gilt als einer der ältesten und geschichtsträchtigsten Städte Deutschlands. Im Mittelalter war sie Ort zahlreicher Reichstage und wichtiger politischer Entscheidungen. Gemeinsam mit Augsburgern, Trierern und Kemptenern wetteifert sie um den Titel der ältesten Stadt Deutschlands. Nebenbei ist sie noch eine Weinstadt – wovon wir leider nicht so viel mitbekommen haben, weil wir in keine Geschäfte gegangen sind. Aber was hat Worms so zu bieten?

Der Rundgang durch Worms beginnt…

Unser Rundgang in Worms beginnt etwas außerhalb des Stadtzentrums, am Wormser Wasserturm. Der historische Wasserturm ist 58m hoch und bildet – zusammen mit dem Gymnasium, der Lutherkirche und dem Finanzamt – das Kulturdenkmal die Denkmalzone „Karlsplatz“. Ursprünglich wurde der Turm zur Trinkwasserversorgung genutzt, bis er 1962 außer Betrieb genommen wurde. 

Reisebericht WormsDer historische Wasserturm

Vom Wasserturm aus nähern wir uns langsam dem Zentrum. Wir machen aber vorher noch einen Stop am Jüdischen Friedhof Heiliger Sand. Er ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas mit rund 2500 Grabsteine. Die ältesten Gräber sollen noch aus dem 11. Jhd sein. Sehr gern hätte ich mir den Friedhof genauer angesehen, aber leider war dieser wegen Corona geschlossen. 

Reisebericht WormsDer Friedhof ist geschlossen – ich kann nur ein Bild durch das Tor ergattern. Schade.

Rund um den Sankt Peter Dom und den Heylshofpark 

Wir erreichen den Lutherring. Unser nächstes Ziel ist hier der Heylshofpark. Unterwegs kreuzen wir noch das Denkmal des Lederarbeiters. Dieses Denkmal zeigt einen hart arbeitenden Lederarbeiter. Dieser schwere Beruf war damals die wirtschaftliche Grundlande der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Denkmal fast vollständig verloren. Lediglich der Kopf wurde gefunden, der von Geschosse durchlöchert war. In den Nachkriegsjahren wurde eine Reproduktion hergestellt, welche jetzt an dieser Stelle steht.

Reisebericht WormsDas Denkmal des Lederarbeiters

Reisebericht WormsWeee!

Der Heylshofpark ist ein romantischer Landschaftsgarten mit altem Baumbestand, Wasserspiel, Denkmälern und Putten. Ursprünglich befand sich hier die Residenz des Wormser Bischofs, bis dieses 1689 zerstört wurde. Auch wurde hier einst Martin Luther 1521 vor Kaiser und Reich dazu aufgefordert seine Schriften zu widerrufen – dazu später aber mehr. In dem Park gibt es verschiedene Stationen und für mich war er einer der Highlights in Worms – eine wahre kleine Oase der Ruhe. Wenn nicht gerade Corona herrscht, finden hier die alljährlichen Nibelungenfestspiele statt, ein Theaterfestival, das seit 2020 im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz stattfindet. Geöffnet ist der Park i.d.R. ab 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit (max 17 Uhr).

Reisebericht WormsDer Heylshofpark muss im Frühjahr oder Sommer auch richtig hübsch sein – hier mit der Büste des Wormser Politiker und Staatsmann Otto von Bismarck

Reisebericht Worms

Wir entdecken das Denkmal Johann Nikolaus Götz. Der Dichter wurde 1721 in Worms geboren und bekannt wurde er durch seine zahlreiche sinnenfreudige Dichtungen lyrischer Art, die er anonym veröffentlichte, da er selbst ein Geistlicher war. Er gilt als einer der angesehensten Dichter des 18. Jhd.

Reisebericht WormsDas Denkmal „Winterburger Nachtigall“ 

Reisebericht WormsSeine Verbundenheit zu seiner Heimatstadt drückte er mit diesen Worten aus: „Mein Worms ergötzt mich schon von Ferne..“

Nicht weit davon entfernt befindet sich der Herkulesbrunnen. Im April 1805 wurden die Ruinen des bischöflichen Hofes von Lederfabrikanten Cornelius Heyl, mitsamt Hofkellerei, dem Hof und dem Schlossgarten erworben. Er errichtete hier den Heylshof mit seiner Parkanlage. Er ließ auch den Brunnen nach dem Vorbild einer bedeutenden Grottenanlage im Hofgarten des Veitshöchheim Schlosses aus dem 18. Jhd anfertigen. Der untere Bereich des Brunnen ist als zweiläufige Kaskade angelegt, während der obere Teil einer Grotte nachempfunden wurde. Ursprünglich befand sich in der Grotte eine Herkulesstatue – diese steht inzwischen in dem benachbarten Museum.

Reisebericht WormsDer Herkulesbrunnen in seiner ganzen Pracht

Reisebericht WormsVerschiedene Wappen zieren hier die Wände

In der nördlichen Ecke des Parks befindet sich der Heylshofs. Das unter Denkmalschutz stehendes Museum steht an der Stelle, wo ursprünglich der traditionsreiche Wormser Bischofshof stand. Es wurde zwischen 1881 – 1884 errichtet und diente Cornelius Heyl und seiner Familie als Wohnhaus. Das Gebäude wurde später dann inkl. Garten an die Stadt Worms vermacht. Heute wird das Gebäude als Museum genutzt. Seit 1925 befindet sich hier die Kunstsammlung der Familie Heyl (Malerei, Porzellan, Keramik etc.) und es gibt auch regelmäßig Wechselausstellungen.

Reisebericht WormsDer Heylshof

Reisebericht WormsDer Blick vom Heylshof auf das Heylsschlösschen

Reisebericht WormsEine kopflose Putte

In Gedenken an Marin Luthers Auftritt gibt es hier auch zwei Denkmäler, die ihm gewidmet sind: einmal Luthers Tafel und Schuhe. Die Tafel zitiert Luthers Rede auf einem Bronzerelief aus dem Jahr 1971. Die Schuhe Luthers ist eine „begehbares“ Bronzeskulptur von 2017. Die Schuhe sind groß genug, dass man selbst hinein schlüpfen kann. Steht man drin, kann man auf die Weite des Parks blicken. Man kann die Schuhe als Aufforderung verstehen, in die historische Vergangenheit dieses Ortes einzutreten.

Reisebericht WormsSo einfach schlüpft man in Luthers Fußstapfen!

Auf der Südost Seite des Parks befindet sich das Heylsschlösschen. Dieses Palais wurde 1843 errichtet und 1851 durch die Familie Heyl erweitert. Das Gebäude wurde im Krieg stark beschädigt. Fast 20 Jahre musste das Schlösschen mit einem Notdach auskommen, bis Ende der 1960er Jahre mit dem Wiederaufbau begonnen werden konnte. Bei der Gelegenheit wurde das Gebäude auch erweitert. Der neue Bereich wurde verputzt, damit man ihn vom historischen Teil zu unterscheiden kann. Auch heute noch befindet sich das Gebäude im Familienbesitz.

Reisebericht WormsDas Heylsschlösschen mit dem Dom im Hintergrund

Reisebericht WormsWer muss hier auch direkt an den Dunklen Kristall denken?!

Direkt neben dem Park befindet sich der Sankt Peter Dom. Er ist der kleinste der drei rheinischen Kaiserdome und gehört zusammen mit denen aus Mainz und Speyer zu den großartigsten Schöpfungen romanischer Kirchenbaukunst. Er wurde auf der höchsten Erhebung der Stadt errichtet. Da dieser Hügel vor Hochwasser schütze, ließen sich schon früh Menschen hier nieder. Vermutlich wurde hier bereits um das Jahr 600 eine Kirche auf den Grundmauern eines römischen Forums errichtet – diese Kirche gilt als Vorläufer des heutigen Doms. Der Dom – in der Größenordnung wie wir ihn heute kennen – wurde zu Beginn des 11. Jhd errichtet und zwischen 1130-1181 umgebaut. 

Reisebericht WormsDie Nordseite des Wormser Doms

Reisebericht WormsDer Dom hat insgesamt 5 Türme. Die Aussicht von da oben muss grandios sein

Bis 1802 diente der Dom dem  Bischofs als Kathedrale von Worms und wurde danach zu einer katholische Pfarrkirche. Seit 1862 ist sie eine Propsteikirche und 1925 wurde sie zur „Basilica minor“ erhoben. Zu den besonderen Ereignissen, die hier statt gefunden haben, zählen die Nominierung Leos IX. als Papst im Jahre 1048, das Wormser Konkordat 1122, die Hochzeit von Kaiser Friedrich II. 1235, sowie der Reichstag zu Worms im Jahre 1521. 

Reisebericht WormsIm Inneren des Doms

Der Wormser Dom hat zahlreiche Jahrhunderte, Kriege und Zerstörungen getrotzt, trotzdem blieb er in all den Jahren nicht unversehrt. Während des Dreißigjährigen Krieg sollte der Dom durch französische Truppen gesprengt werden – was aber glücklicherweise misslang. Dafür brannte er aber völlig aus. 1698 wurde er wieder auf Vordermann gebracht. Ende 1792 wurden Speyer, Worms, Mainz und Frankfurt von französischen Revolutionstruppen erobert und der Dom zwischenzeitlich als Pferdestall und Lagerhalle genutzt. Zwischen 1818-1830 wurden seine Steine versteigert. 1886 konnte man dann aber schließlich mit einer gründlichen Renovierung beginnen. Das letzte der originalen Fenster wurde allerdings nicht während eines Krieges zerstört, sondern durch eine Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes im September 1921 in Ludwigshafen – obwohl der Wormser Dom 25km entfernt liegt.

Reisebericht WormsDie neuen farbigen Glasfenster kamen erst in der zweiten Hälfte des 20. Jhd hinzu

Reisebericht WormsNa, wenigstens herrscht hier etwas Weihnachtsstimmung ;-)

Reisebericht WormsDas Papstwappen des Wormser Dom

Im Stadtzentrum von Worms

Wir erreichen den Marktplatz, wo gleich drei Sehenswürdigkeiten auf uns warten. Einmal der Siegfriedbrunnen, der an Siegfried, den Drachentöter aus der Nibelungensage erinnern soll. Die Idee für den Brunnen hatte man bereit 1895, er konnte aber erst 1913 realisiert werden. Tatsächlich aufgestellt werden konnte er aber wegen dem Ersten Weltkrieg erst 1921. Hier steht auch noch ein weiterer Brunnen: der Gerechtigkeitsbrunnen, der Justitia – die Göttin der Gerechtigkeit – und Neptun und Herkules darstellt. Er stand ursprünglich da, wo heute der Siegfriedbrunnen steht. Es gab auch einen Vorgänger, der aber abgebrochen wurde. 1778 wurde er zu einem Pumpbrunnen umgestaltet und stand auf dem Karolinenplatz, wo er zerfiel. 1977 wurde er auf den Marktplatz zurück versetzt, wo er heute steht. Er ist der älteste erhaltene Brunnen Worms.

Reisebericht WormsDer Siegfriedbrunnen und die Dreifaltigkeitskirche

Reisebericht WormsDer Siegfriedbrunnen mit dem Haus zur Münze (Stadtbücherei) im Hintergrund

Hier steht auch die Dreifaltigkeitskirche, die von 1709 bis 1725 als barocke Kirche errichtet errichtet wurde. Sie ist die größte Kirche der Stadt, die heute als Konzertsaal genutzt wird. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche z.T. zerstört, aber die Außenmauern sind stehen geblieben, also wurde das Innenleben von 1955 bis 1959 neu konzipiert. Als Reformationsgedächtniskirche soll sie an den Auftritt Martin Luthers vor Kaiser und Reich auf dem Reichstag 1521 in Worms erinnern. Leider ist die Kirche am Wochenende geschlossen und wir hatten keine Möglichkeit sie uns von Innen anzusehen – im Internet gibt es aber eine schönen virtuellen Rundgang, mit zahlreichen Erklärungen. 

Reisebericht WormsDie Dreifaltigkeitskirche mit einem Drachen

Reisebericht WormsDer Gerechtigkeitsbrunnen

Reisebericht WormsDie astronomische Rathausuhr am Marktplatz

Weiter geht es zum Am Römischen Kaiser, – den Einkaufsmittelpunkt der Stadt. Wer shoppen will, ist hier richtig. Normalerweise findet von hier bis zum Obermarkt der Nibelungen Weihnachtsmarkt statt, den wir eigentlich besuchen wollten, der aber aufgrund von Corona natürlich nicht statt finden konnte. 

Reisebericht WormsDie Kaiser Passage – wer shoppen will, kommt hierher

Auf unserem Weg kommen wir am Winzerbrunnen vorbei, der 1983 von der Interessengemeinschaft „Wonnegauer Weinkeller“ gestiftet wurde. Als Mittelpunkt der Fußgängerzone stellt er einzelne Szenen dar, die ineinander verwoben scheinen, mit Bildern und Zitaten. Er scheint aber auch eine leichte Kritik an dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Wein als alkoholischem Getränk zu sein. 

Reisebericht WormsAm Winzerbrunnen kann man so allerlei Details entdecken

Zum Obermarkt ging es als nächstes. Hier wurden einst Lehen verteilt, aber auch ritterliche Kampfspiele abgehalten. Hier steht das Schicksalsrad – ein doppelseitiges Bronzerat. Auf der historischen Seite sind für die Stadt Worms bedeutende Ereignisse dargestellt, während auf der Rückseite der Alltag des Gemeinschaftsleben abgebildet wird. Das Rad kann gedreht werden – dreht man es gegen den Uhrzeigersinn geht man sozusagen rückwärts in die Vergangenheit, dreht man es mit dem Uhrzeigersinn wird einem der Wechsel von immer wiederkehrenden Erlebnissen vor Auge geführt. 

Reisebericht WormsDas Schicksalsrad am Obermarkt

Reisebericht WormsDie Rückseite des Schicksalrads

Ein weiterer, hübscher Stop ist das Lutherdenkmal. Luther spielt eine große Rolle in der Wormser Vergangenheit. Der Augustinermönch hatte einige Missstände der Kirche in Schriften veröffentlicht, die von seitens der Kirche als ketzerisch empfunden wurden. 1521 wurde er zum Reichstag nach Worms geladen, wo er diese Schriften widerrufen sollte, was er aber nicht tat, da man ihm keinen Beweis gegen seine Ansichten liefern konnte. Damit zog er nicht nur die Unmut der Kirche auf sich, sondern auch des Kaisers. Unterstützung erhielt er damals von einigen Fürsten und auch vom Volk wurde er mit Begeisterung empfangen. Nach seinem Besuch im Reichstag wurde er entlassen, aber nicht verhaftet. Der Kaiser verhängt über ihn die Reichsacht (Wormser Edikt / vogelfrei). Er wird – mit seinem Einverständnis – von dem Kurfürsten Friedrich der Weise „entführt“ um seine Sicherheit und die der ihm unterstützenden Fürsten (damit sie offiziell keinem Geächteten und Ketzer Unterschlupf gewähren mussten) zu sichern. Die reformatorische Bewegung bekam Zeit sich zu festigen.

Reisebericht WormsDas Lutherdenkmal

1868 wurde das Lutherdenkmal eingeweiht. Es gilt als einer der weltweit größte Reformationsdenkmal und zeigt, neben Luther, verbündete Fürsten und Reformatoren und Mitarbeiter Luthers, aber auch Allegorien, die auf historische Ereignisse der Reformation Bezug nehmen, wie z.B. die Augsburg mit der Friedenspalme oder die protestierende Speyer. Es gibt in Worms auch einen Luther Rundgang, wo alle 5 Orte in der Innenstadt, die mit Luthers Geschichte der frühen Reformation in Worms verbunden sind.

Reisebericht WormsMartin Luther

Reisebericht WormsDie protestierende Speyer in Form einer Frauenfigur

Und noch ein Denkmal: das Ludwigsdenkmal. Es soll an die militärischen Leistungen des 1892 verstorbenen hessischen Großherzogs Ludwig IV. aus Darmstadt erinnern. Er befehligte die Truppen im Krieg gegen Frankreich. Das 24m hohe Denkmal stammt von dem Stadtbaurat Karl Hofmann, der auch schon die Pläne für die Rheinbrücke und den Wasserturm entwarf. Es wurde 1895 enthüllt. Bei der Gelegenheit wurde der Ludwigsplatz mit zentralem Wasserbecken und Fontäne neu gestaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Platz zu einem öffentlichen Parkplatz umgebaut und das Denkmal abgetragen. Seit den 1990er Jahren befinden sich keine Parkplätze mehr auf dem Platz und er wurde wieder umgebaut. Das Denkmal kehrte als Rekonstruktion an seinen ursprünglichen Ort zurück.

Reisebericht WormsDas Ludwigsdenkmal

Direkt neben dem Ludwigsplatz befindet sich die Kirche St. Martin. Die romanische Basilika ist dem heiligen Martin von Tours geweiht, der als römischer Soldat im 4. Jhd in Worms vor einer Schlacht gegen die Germanen den Wehrdienst verweigerte. Lt. einer Legende steht die Kirche heute an dem Platz, an dem Martin wegen der Dienstverweigerung eingekerkert wurde. Die älteste Erwähnung der Kirche stammt aus dem Ende des 10. Jhd. Während unseres Besuches fand gerade ein Gottesdienst in der Kirche statt, also haben wir mal davon abgesehen, dass Innere zu besichtigen. Viel spannender fand ich aber den Innenhof, der voll ist von Pflanzen und Bäumen und in der Mitte ein schmiede-eisernen Brunnen. Wie ein kleines verwunschenes Versteck. Zum Glück gibt es auch genug Sitzplätze, um den Ort der Ruhe in vollen Zügen zu genießen zu können.

Reisebericht WormsDie St. Martin Kirche

Reisebericht WormsHier hat es uns besonders der hübsche Innenhof angetan

Reisebericht WormsDer Innenhof ist wie eine eigene kleine Welt voller Ruhe

Reisebericht WormsHübsche bewachsene Hauswände in der Martingasse

Reisebericht Worms

Wir kommen wieder zurück zum Thema Luther, denn wir erreichen die Martinspforte (auch Alte Stadtapotheke genannt). An dieser Stelle kam Luther damals in die Stadt. Das Gebäude wurde 1904 errichtet und macht mit seiner kunstvoll gestalteten Fassade auf sich aufmerksam. Optisch orientiert sich das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude an der 1689 zerstörten spätmittelalterlichen Martinspforte, welches ein Tor der inneren Stadtmauer war. 

Reisebericht WormsZwischen dem 3. und 4. Stockwerk kann man das Wappen der Stadt Worms sehen

Reisebericht Worms

Im jüdischen Viertel

Als nächstes ging es durch das jüdische Viertel. Worms – oder auch Warmaisa in hebräisch – wurde früher auch als „Klein Jerusalem“ bezeichnet. Die Juden kamen mit den römischen Eroberern als Händler hierher und – zumindest in Friedenszeiten – lebten Juden und Christen mit- und nebeneinander. Die Stadt Worms mit ihrer Wasserstraße Rhein bot eine gute zentrale Lage für den Fernhandel, den sie perfektionierten. Bekannt ist, dass die Juden hier im frühen Mittelalter einen Fernhandel mit Oberitalien über die Alpen rheinabwärts bis nach Dorestad bei Utrecht pflegten. Innerhalb der Stadtmauern hatten die Juden ihren eigenen Stadtbezirk (Ghetto) und konnten hier ihrem eigenen Glauben nachgehen. Im jüdischen Viertel gibt es noch einige historische Gebäude – wie z.B. die Synagoge – die heute zu den ältesten ihrer Art in Deutschland zählen. Wir schlendern durch die hübsche Judengasse, die parallel zur inneren Stadtmauer verläuft und ursprünglich an beiden Ende durch Tore von der restlichen Stadt getrennt wurden. Sie war bis zum 18. Jhd das jüdische Ghetto. Glücklicherweise wurde während der Jahrhundertwende ein Durchbruch geschaffen und heute kann die Straße ganz normal begangen werden.

Reisebericht WormsDie Judengasse hat ihren eigenen Charme

Die Nibelungensage in Worms

Wie bereits erwähnt, ist die Stadt eng mit der Nibelungensage verwoben, denn Teile der Sage sollen in Worms und ihrer Umgebung stattgefunden haben. Das Nibelungenlied ist wohl die bekannteste mittelhochdeutsche Niederschrift und Ausformung der Nibelungensage, die wohl um 1200 entstand. Die eigentliche Nibelungensage ist aber deutlich älter: Man vermutet, sie geht auf das Zeitalter der germanischen Völkerwanderung zurück. Historisch orientiert man sich an der Zerschlagung des Burgunderreiches, welche in der Region Worms in der Spätantike um 436 statt fand. Vermutlich wird die heutige Nibelungensage aber kaum mehr einen historischen Hintergrund beinhalten, da die Sage ursprünglich nur in mündliche Überlieferung existierte und sie so im Laufe der Zeit vermutlich ausgeschmückt und abgewandelt wurde, bis sie nieder geschrieben wurde. Der Text ist heute z.T. nur noch fragmentarisch in 37 verschiedenen Handschriften aus dem 13. bis 16. Jhd erhalten. Die drei ältesten vollständigen Texte gehören inzwischen zum UNESCO Weltdokumentenerbe.

Reisebericht WormsÜberall in Worms findet man Anspielungen auf das Nibelungenlied

Das Nibelungenlied lässt sich in zwei Teile aufteilen: in Teil 1 geht es darum, wie Siegfried den Nibelungen Schatz erkämpft und seine Ehe mit Kriemhilds und seinem Tod, während es im 2. Teil um Kriemhilds Rache geht. Aber mal eine ganz kurze Zusammenfassung (nach bestem Gewissen): Der junge Siegfried möchte für die Königstochter Kriemhild werben. Zunächst ist die Begeisterung am Hof nicht so groß, aber dann schließt er mit ihrem Bruder Gunther eine Vereinbarung: er hilft ihm die mächtige isländische Königin Brünhild zu besiegen und dann dürfte er um Kriemhild werben. Brünhild würde nur einen Mann heiraten, der sie in drei Kampfspielen (Steinwurf, Weitsprung und Speerwurf) besiegen würde. Das ist besonders schwierig, da sie, solang sie noch Jungfrau ist, über übernatürliche und  magische Kräfte verfügt. Gunther kann sie nicht besiegen, aber Siegfried hatte bereits den Hort des verstorbenen Königs Nibelung erobert (das übrigens vermutlich in Norwegen sein soll). Außerdem hatte er bereits einen Drachen erschlagen und in dessen Blut gebadet und sei seitdem unverwundbar. Siegfried konnte Brünhild dank eines Tricks – eine Tarnkappe, die ihn unsichtbar macht –  schlagen und Gunther steht als Sieger da. Er kriegt Brünhild und Siegfried Kriemhild.

Irgendwann kommt es zwischen den Königinnen zum Streit über Rangordnung, aber auch weil Brünhild am Anfang skeptisch über den Sieg von Gunther über sie war. Lange Rede, kurzer Sinn: Sigfried wird von Gunthers Gefolgsmann Hagen getötet (mit dessen Einwilligung), indem ihm ein Speer in den Rücken gerammt wird. An dieser Stelle befand sich ein Lindenblatt als Sigfried im Blut des Drachen badete und so verhinderte es, dass das Drachenblut ihn hier unverwundbar machte. Kriemhild ist unglücklich über den Tod ihres Mannes, aber auch über den geraubten Nibelungenschatz (der wohl irgendwo im Rhein versenkt wurde) und schmiedet Rachepläne, die erst 13 Jahre später erhört wurden: Der mächtige Hunnenkönig Etzel will sie heiraten und so wird sie zu einer mächtigen Herrscherin. Es dauert aber noch weitere 13 Jahre, bis Kriemhild ihre Brüder zu einem Hoffest einladen kann, dass in ihrer neuen Heimat (vermutlich Ungarn) statt fand. Die Burgunden nehmen die Einladung an. Dort kommt es zu einem Blutbad und sowohl Gunther, als auch Hagen und Kriemhild sterben. Das Geheimnis wo der Nibelungenschatz versteckt ist, bleibt für immer ungelöst und das Burgundenreich war zerschlagen.

Reisebericht WormsÜberreste der Wormser Stadtmauer

Seit 2001 gibt es in Worms das Nibelungenmuseum, dass in die historischen Wormser Stadtmauer integriert wurde. Hierbei handelt es sich aber um kein Museum im klassischen Sinn, dass Stücke sammelt und ausstellt – wie auch, bei der Nibelungensage sind historische Funde eher rar -, es handelt sich eher um eine audiovisuelle Dauerausstellung mit mythischem Charakter. Die Besucher werden mit einem Multimedia-Guide ausgestattet und das Museum soll zu einem begehbares Hörbuch werden.

Reisebericht WormsDas Nibelungenmuseum

Das Museum ist in mehrere Themen unterteilt: Sehturm, Hörturm und Mythenlabor. Der Seh- und der Hörturm befinden sich in den zwei Wehrtürme der historischen Stadtmauer aus dem 12. Jhd. Während man sich im Sehturm dem literarischen Werk in seinen Grundzügen und historischen Rahmenbedingungen widmet, ist der Hörturm als Schreibstube des Erzählers angelegt worden. Hier können sich die Besucher Passagen des Originalliedes auf mittelhochdeutsch anhören. Im unteriridische Mythenlabor können die Besucher ihren Rundgang nochmal Revue passieren lassen. Dieser Teil des Museums ist auch barrierefrei. Die Besucher, die aus z.B. gesundheitlichen Gründen die Türme nicht besteigen können, können hier den gesamten Rundgang auf Monitoren miterleben. Gern hätte ich das Museum besucht – bei uns war es leider wegen Corona geschlossen.

Reisebericht WormsDie historische Stadtmauer am Nibelungenmuseum

An mehreren Stellen in der Stadt kann man einen Blick auf die historische Stadtmauer von Worms werfen. Bereits während der spätrömischen Zeit um etwa 360 n. Chr. wurde hier die erste Stadtmauer errichtet, da die Überfälle von der anderen Rheinseite zunahmen. Dieser Mauerring diente als Befestigung bis ins Hochmittelalter und zieht einen Ring um den Altstadtkern. Während vom Inneren Ring noch eindrucksvolle Reste übrig sind, ist vom äußeren Ring – der später noch hinzu kam – nur noch einzelne Abschnitte übrig geblieben. Heute folgen die innerstädtischen Grünanlagen Adenauerring und Lutherring dem Verlauf der ehm. Stadtmauer. Von den damals 11 Türmen sind heute nur noch die zwei erhalten geblieben, die wir am Nibelungenmuseum sehen können.

Reisebericht WormsDie Befestigungsanlage mit dem alten Tor

Reisebericht WormsÜberreste der Stadtmauer in der Rheintorgasse

Als nächstes führte uns unser Weg zum Nibelungenturm an der Nibelungenbrücke. Jeder, der schonmal in Worms war (und von der hessischen Seite aus angereist ist), kennt ihn, den repräsentativer Eingang zur Stadt Worms: Der Nibelungenturm. Der 53m hohe Brückenturm wurde 1897-1900 errichtet und ist der ehm. Mainzer Pforte nachempfunden. Aber fangen wir am Anfang an: der erste bekannte Fährbetrieb bei Worms ist urkundlich aus dem Jahr 858 belegt. 1720 begann man mit der Planung einer Brücke, die aber noch 130 Jahre auf sich warten ließ, bis 1855 die erste Schiffsbrücke (schwimmende Brücke) errichtet wurde. Zusammen mit dem Nibelungenturm wurde dann auch 1900 die erste feste Brücke errichtet – die Ernst-Ludwig-Brücke. Damals gab es auf der hessischen Seite noch einen zweiten Brückenturm, der aber kurz vor Kriegsende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Auch die Brücke selbst wurde durch die sich zurückziehenden Wehrmacht gesprengt. 

Reisebericht WormsDer beeindruckende Nibelungenturm

Reisebericht WormsDer Rhein von der Nibelungenbrücke 

Nach dem Krieg richtete man provisorische Brücken ein, die aber den Bedarf nicht decken konnten. 1953 konnte die heutige Rheinbrücke eingeweiht werden, welche auch heute noch der einzige Übergang des Rheins zwischen Mannheim im Süden und Mainz im Norden ist. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung wurde von 2005 – 2008 parallel zur „alten“ Rheinbrücke eine „neue“ Brücke errichtet, die eine führt stadteinwärts, die andere stadtauswärts. 

Reisebericht WormsDie Stadt Worms verabschiedet sich von uns mit einem hübschen kleinen Sonnenuntergang

Reisebericht WormsEinen Blick durch das Tor auf die Ernst-Ludwig-Schule

Unser Nachmittag in Worms neigt sich langsam dem Ende entgegen. Wir spazieren noch etwas am Rhein entlang und kommen am Hagendenkmal vorbei. Dieses Denkmal erinnert an die Versenkung des Nibelungenschatzes im Rhein durch Hagen von Tronje. Es wurde 1905 im Stadtpark aufgestellt und dann 1932 an das Rheinufer versetzt – wo es aufgrund der Geschichte auch besser hinpasst, wie ich finde.

Reisebericht WormsHagen versenkt den Nibelungenschatz im Rhein

Reisebericht WormsWas für ein entschlossener Gesichtsausdruck!

Wir trinken unseren letzten Glühwein aus und dann geht es schon wieder nach Hause. Ob mit Weihnachtsmarkt oder ohne – Worms ist definitiv einen Besuch wert!

Reisebericht WormsWorms entlang des Rheins

Reisebericht WormsDer Mond ist aufgegangen

Reisebericht WormsTschüß Worms! Es war schön mit dir

Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route

 

Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse