Wandern am Kühkopf – der Nachtigallenweg

Geplagt von Corona Social Distancing und den heißen Temperaturen des Sommers, sind wir los gezogen um ein wenig kühlen Schatten am Kühkopf zu genießen…

Wandern am Kühkopf

Nachdem ich dank Corona viel Zeit zuhause verbracht habe, war es mal wieder Zeit für eine Wanderung. Diese hier haben wir uns ausgesucht, da ich schon ewig zum wandern in den Kühkopf wollte. Da die Temperaturen eher warm angekündigt waren, haben wir uns eine gemütliche Route rausgesucht und sind los marschiert.

Kilometer: 8,89km
Wir haben gebraucht: ca 3 Std (inkl. Pausen und Fotostops – das geht auch deutlich schneller wenn man das möchte)
Aufstieg & Abstieg: je 50m
(gemessen mit einer Tracking App)
Markierungszeichen: 2

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegDer Altrhein bei Stockstadt – ein Mäandern des Rheins

Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue

Der Kühkopf ist eine etwa 2400ha große Rheinuferlandschaft und damit das größtes Naturschutzgebiet in Hessen. Alleine 1700ha gehören zu der Insel Kühkopf, welche durch eine künstliche Rheinkorrektur im 19. Jhd entstanden ist. 1983 brachen die Hochwasserdämmer in diesem Gebiet und wurden nicht mehr instandgesetzt, so entwickelte sich das Gebiet zurück zu seinem natürlichen Ursprung. Diese Landschaft, die früher eine typische Überschwemmungslandschaft das Rheins war, bietet heute vielen europaweit bedrohten Tierarten einen Lebensraum. Inzwischen sind nur noch etwa 1% der deutschen Flussauen in einem natürlich Zustand. Damit gehört der Kühkopf zu einer von nur drei großen Auenschutzgebieten in Mitteleuropa, die noch an das Abflussgeschehen des Flusses angeschlossen sind. 

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegAm Kühkopf gibt es so viel großes und kleines zu entdecken

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg

Dank der Überflutungen konnten wieder eine natürliche und unbeeinflusste Wiederbewaldung statt finden. Heute findet man hier die größten zusammenhängenden Auenwälder am Oberrhein. Der Wasserstand schwankt hier um rund 7m! Ein- oder zweimal im Jahr wird das Gebiet überflutet, was zu dieser besonderen Artenvielfalt führt. Die Hartholzauen sind auf solche Überflutungen angewiesen, die durch menschliche Eingriffe immer weniger werden. So bildet dieser Ort zahlreichen Nist- und Zufluchtsstätten für Vögel und Insekten. 

Der Nachtigallenweg

Für unsere Wanderung haben wir uns für den etwa 7,5km langen Nachtigallenrundweg entschieden. Insgesamt bietet das Naturschutzgebiet aber viele Wandermöglichkeiten. Insgesamt etwa 60km Wanderwege. Mit dem PKW darf man nicht auf die Insel fahren, aber es gibt am südlichen Teil nahe Stockstadt mehrere große Parkmöglichkeiten. Die Insel kann über zwei Brücken erreicht werden – einmal die im Süden und über eine zweite im Nordosten bei Erfelden. 

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg

Wir starten von Stockstadt aus und überqueren den Altrhein über die südliche Brücke. Kurz darauf biegen wir auf den Nachtigallenweg ab, der mit der Nr. 2 gekennzeichnet wird. Der Weg führt uns direkt in einen wunderschönen Wald. Generell führt die Wanderung fast nur durch den schattigen Wald – eignet sich daher hervorragend für warme Sommertage. Bei uns ist das Wetter etwas wechselhaft – es ist nicht zu warm und hier und da tröpfelt es ein wenig, was wir aber dank des Waldes kaum mitbekommen. Trotzdem kommt auch immer wieder die Sonne raus – eigentlich ein perfektes Wanderwetter. An schwülen Tagen sollte man hier unbedingt Insektenschutz einpacken, denn dann soll es hier viele Mücken geben!

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegWunderschöne Waldwege im Kühkopf

Frösche quaken lautstark vor sich hin – zu Gesicht bekommen wir diese nicht. Hier und da sehen wir den Rhein zwischen den Bäumen hindurch schimmern, aber der Weg führt uns weiterhin durch den Wald. Entlang des Weges findet man immer wieder Tafeln, die einen über die typischen Pflanzen und Tieren des Auenwaldes informieren. 

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegDichter Schilf im Altrhein

Der Vogel-Beobachtungsstand am Schlappeswörth

Wir erreichen den Schlappeswörth – ein kleiner Seitenarm, der den kleinen vom großen Kühkopf trennt – und entdecken einen Beobachtungsstand. Natürlich wollen wir einen Blick auf die Landschaft jenseits des Waldes werfen. Wir haben uns ein paar Brote für unterwegs eingepackt und verspeisen sie gemütlich, während wir die Aussicht bewundern. Insbesondere von dem oberen Beobachtungspunkt eröffnet sich eine tolle Aussicht auf die Wasserfläche und den kleinen Kühkopf. Besonders gut kann man hier wohl Vögel beobachten, wir entdecken dann aber direkt eine paar Wildschweine inkl. Nachwuchs. Später gesellen sich noch ein paar Störche hinzu, wir entdecken aber auch einen Falken und Gänse.

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegDer putzige Beobachtungsstand mit zwei „Etagen“

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegVon unten ist man etwa versteckter…

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg… und von oben hat man den vollen Überlick!

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegEine kleine Wildschwein Familie wartet bereits auf uns 

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegAber auch Störche sind schon am Start!

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegDer Beobachtungsstand ist ein schöner Platz um einfach mal ein paar Minuten zu ruhen und die Natur zu beobachten

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegSpäter kommen noch ein paar Gänse hinzu

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegLibellen, Frösche und kleine Echsen kann man hier auch bewundert – toll, oder?

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegGänse und Wildschweine verstehen sich

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegEin Falke fliegt auch mal vorbei

Wir reißen uns von dem Anblick los und ziehen weiter. Ein wenig verläuft der Weg noch parallel zum Seitenarm bis wir dann wieder Richtung Innerem des Kühkopfs abbiegen. Der Weg führt uns zu einer kleinen Lichtung, wo wir uns auch hier ein wenig Zeit nehmen, die Landschaft, aber auch die kleinen Bewohner der Insel zu entdecken. 

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegGrüne, wilde Wiesen auf dem Kühkopf

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegHallo, wen haben wir denn hier? 

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg… und hier?

Der Name Kühkopf Knoblochsaue klingt schon irgendwie lustig. Gab es hier mal Kuhköpfe mit Knoblauchsauce? Hihi, nein, zum Glück nicht. Zu der Zeit der karolingischen Herrschergeschlechter waren diese Ländereien unter den Königen aufgeteilt. Im mittelhochdeutsch wurde König noch „künec“ ausgesprochen, was mit der Zeit zu Kühkopf wurde – wenn man sich das Gebiet auf der Karte ansieht, sieht die kleine Insel ein bisschen aus wie ein Kopf. Knoblochsaue kommt von der Familie Knobloch, der das Gebiet im 15. Jhd gehörte. 

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg

Wir folgen dem Nachtigallenweg – wer die Wanderung aber noch etwas verlängern möchte, hat hier aber auch die Möglichkeit andere Abzweigungen zu nehmen. Im Nord-Westen soll es auch ein paar Aussichtstürmchen geben. Insgesamt ist die Wanderung nicht besonders spektakulär, weil man fast nur durch den Wald läuft und es keine Attraktionen in dem Sinne gibt. Trotzdem ist der Wald so schön und so ruhig! Wir sind einfach mal stehen geblieben und haben nur den Geräusche der Natur gelauscht. Balsam für die Seele! Wenn man sucht, wird man auch hier immer wieder tolle Entdeckungen machen. 

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegDer Kühkopf hat zahlreiche gewaltige und beeindruckende Bäume

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegMal sind die Wege des Nachtigallenweg etwas größer, mal etwas kleiner

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegZum Fähranleger oder doch lieber nach Stockstadt?

Reisebericht Wanderung Kühkopf NachtigallenwegHier gibt es auch ein paar überwucherte Bäume.. 

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg … oder auch „verrückte“ mit ein paar „Lianen“ – hat schon fast ein bisschen Urwald-Feeling

Nach ein paar Kilometer sind wir wieder am Anfang angekommen. Es gibt praktisch keine Höhenmeter, also insgesamt eine sehr schöne, gemütliche Runde. Am Ende kommen wir noch am Hofgut Guntershausen vorbei. Hier befinden sich die ehm. Kuhställe des Hofgutes, welches heute das das Umweltbildungszentrum „Schatzinsel Kühkopf“ ist. Ein Besuch soll sich wohl lohnen und ist auch kostenfrei, wir waren aber nicht drin. 

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg

Hessens letzter Öl-Förder-Turm

Es ist nicht so, dass man es gesehen haben muss, wer aber noch etwas Geschichte mitnehmen möchte, macht noch einen Abstecher zu Hessens letztem Öl-Förder-Turm. Man kann das auch direkt am Anfang der Wanderung machen, wir waren aber so mit quasseln beschäftigt, dass wir es verpeilt haben und daher am Ende nachgeholt haben (ist auf Google Maps mit „Kühkopf, 64589 SÖlförderpumpe Bohrloch „Stockstadt 38“tockstadt am Rhein“ markiert, falls jemand nach dem genauen Standort sucht). 

In den 1930er Jahren wurde im Kühkopf Öl gefunden, welche ab 1952 abgepumpt wurde. Insgesamt gab es 47 Pumpen, die das Öl aus 1.530 und 1.720 m nach oben förderten und es arbeiteten hier damals etwa 500 Menschen. Die Bohrungen wurde 1994 eingestellt – bis dahin wurden hier etwa 1 Mio Tonnen Erdöl aus dem hessischen Ried gefördert. Die letzte Pumpe – genannt Stockstadt 38 – steht immer noch und zählt als Industriemerkmal. 

Reisebericht Wanderung Kühkopf Nachtigallenweg

Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse