Vietnam 6 – My Son | das Vermächtnis der Cham-Kultur

Was wir unbedingt noch sehen wollten, war die alte Tempelanlage der Cham-Kultur My Son, die mitten im vietnamesischen Dschungel liegt. Während eines Tagesausflugs besuchten wir die Ruine und genossen ein bisschen das Indiana-Jones-Feeling…

Von Hoi An nach My Son

Die Tempelstadt My Son (Mỹ Sơn) liegt etwa 50km südwestlich von Hoi An entfernt mitten im vietnamesischen Dschungel. Um sie zu besuchen sind wir in Hoi An in eines der zahlreichen Cafes gegangen und haben dort kurzfristig eine Tour gebucht. Einen genauen Preis habe ich leider nicht mehr im Kopf, aber die Tour auch sehr günstig. Am nächsten Morgen wurden wir von einem Bus abgeholt und es ging los. Unser Guide erklärte uns unterwegs einiges Interessantes. Nach etwa einer Std. erreichten wir die Tempelanlage.

Während der Guide unsere Tickets holte (Eintrittspreis war nicht in der Tour enthalten, aber mit 150.000 VND (ca 5,40 €) wäre das fast teurer als die Tour selbst gewesen), schlenderten wir durch das kleine Champa Museum am Anfang, wo man sich einen Überblick über die Ruine verschaffen kann.

Reisebericht Vietnam Hoi An My SonMy Son hat btw. nichts mit „mein Sohn“ zu tun. Es bedeutet auf vietnamesisch „schöner Berg“ – das Tal in der die Ruine liegt, ist von Bergen umgeben.

Reisebericht Vietnam Hoi An My Son

Unterwegs in der Ruine 

Im Eingangsbereich warteten bereits ein paar von diesen „Golfwagen“ die uns zur Tempelanlage bringen wollten, bevor wird endlich auf eigenen Füßen durch die Anlage spazieren durften. Auf dem Gelände ist es wichtig, auf den gekennzeichneten Wegen zu bleiben, da bis heute nicht ausgeschlossen werden kann, dass irgendwo noch Blindgänger aus dem Vietnamkrieg rum liegen und man möchte ungern derjenige sein, der sie findet…

Reisebericht Vietnam Hoi An My Son

Reisebericht Vietnam Hoi An My Son Die Tempel bestehen aus gebrannten Ziegelsteinen und die Reliefs aus Sandstein

Reisebericht Vietnam Hoi An My SonAm Anfang waren die Tempel wohl aus Holz – erst ab dem 7. Jhd. wurden sie aus Stein errichtet

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Im 2. und 3. Jhd entstand an der Küste Vietnams die Cham-Kultur, die sehr stark von der indischen Kultur beeinflusst war. Dies drückte sich in dem hinduistischen lauben der Verehrung von Shiva, aber auch in der Kunst, aus. 1999 wurde das Gelände, das als die größet Cham Ruine in Vietnam gilt, zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und ab 2002 begannen dort Ausgrabungen, die auch von UNESCO gefordert wurden.

Reisebericht Vietnam Hoi An My Son

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Reisebericht Vietnam Hoi An My Son Manche der alten Tempel kann man betreten und in ihnen befinden sich noch alte Fundstücke

Reisebericht Vietnam Hoi An My Son Alte Inschriften in Stein…

Im Laufe des 14. Jhd drangen die Vietnamesen immer weiter for und so mussten die Cham My Son aufgeben. Nachdem das Champa Reich untergegangen war, geriet die Anlage in Vergessenheit und wurde erst gegen 1885 durch fanzösische Kolonialherren wiederentdeckt. Die École française d’Extrême-Orient (EFEO) hat die Anlage untersucht und erfasst die Überreste von 71 Tempeln, die nach und nach restauriert wurden. 1969 wurde das Gelände während des Vietnamkrieges aber stark bombadiert und etwa 50 Tempel wurden stark beschädigt oder zerstört. Nach dem Krieg sollte der Wiederaufbau beginnen – dieser wurde auch durch internationale Experten unterstützt -, was aber nicht so leicht ist, denn die Bauweise der Cham konnte bisher nicht gut reproduziert werden.

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Reisebericht Vietnam Hoi An My Son Man findet viele Figuren/Gesichter an den alten Tempelanlagen

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Reisebericht Vietnam Hoi An My Son Diese Pflanze klappt bei Berührung ihre Blätter ein :-)

Das Reich der Champa

Ab 192 entwickelte sich das Reich der Champa um Da Nang herum. Zu dem Zeitpunkt erhob sich das Tuong Lam-Volk gegen ihre chinesischen Herren und gründeten einen unabhängigen Staat. Über mehrere Jhd. hinweg existierte dieses Reich unabhängig – sie lebten von der Landwirtschaft, dem Handel auf dem Seeweg und dem Fischen. Bereits früh bestanden religiöse Verbindungen nach Indien, die div. Übereinstimmungen in der Kultur der Chams erklären. Noch heute leben Nachfahren der Cham an der Küste Vietnams.

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Im 10. Jhd erreichte My Son seinen Höhepunkt. Die Cham befanden sich damals aber fast durchgängig im Krieg mit den Khmern, die im Westen und im Norden Vietnams lebten. Ab dem 11. Jhd führte das zu immer häufigeren Überfällen und Plünderungen. Üblich war es hier, dass bei einem solchen Überfall, die Köpfe der Statuen zu stehlen, da man damals davon ausging, dass dort die Macht steckte. Forscher konnten später nachvollziehen, welcher Stamm mit wem verfeindet war, da man dort solche Köpfe fand und sie zuordnen konnten.  

Reisebericht Vietnam Hoi An My Son eine Kopflose Figur…

Reisebericht Vietnam Hoi An My SonDementsprechend sind vollständige Figuren eher selten

Unterwegs im Kim Bong Carpentry Village

Nachdem wir die Ruine ausgiebig erkundet hatten, ging es mit dem Bus zurück Richtung Hoi An. Auf halber Strecke wechselten wir das Gefährt, denn ab hier ging es mit dem Boot weiter. Wir schipperten den Fluss Thu Bon Richtung Hoi an entlang, während es für uns ein einfaches Essen gab. Auf dem Rückweg unternahmen wir noch einen kleinen Zwischenstopp im Kim Bong Carpentry Village.

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Dieses Handwerksdorf gibt es bereits seit mehr als 600 Jahren. Seine Blütezeit hatten die einzigartigen und kunstvollen Holzarbeit in diesem Dorf im 16. und 17. Jhd., wo Boote, aber auch Hausgegenstände hergestellt wurden, was Hoi An als Hafenstadt zusätzlich wachsen ließ und die Holzarbeiten in der Altstadt von Hoi An prägte. Heute werden überwiegend Handwerksprodukte für den Tourismus hergestellt. Man kann durch das Dorf schlendern und den Künstlern bei der Arbeit zu sehen und direkt vor Ort auch Objekte erwerben.

Reisebericht Vietnam Hoi An My Son Großartige Arbeiten…

Reisebericht Vietnam Hoi An My Son Manche Holzarbeiten werden mit schimmernden Muschelstücken verziert

Reisebericht Vietnam Hoi An My Son

Reisebericht Vietnam Hoi An My Son Es wird sogar noch Bootsbau betrieben – natürlich, für den Tourismus

Nach dem Rundgang endete unsere Tour am Hafen der Altstadt von Hoi An. 

Markenschutz in Vietnam

Was man in Vietnam noch beachten sollte ist: es gibt keinen Markenschutz. Ob es sich um Touren handelt, Restaurants oder Hotels – es wird gern und oft bei anderen geklaut. Wenn etwas gerade erfolgreich läuft, tauchen plötzlich weitere z.B. Hotels auf, die denselben Namen tragen und jeder erhebt den Anspruch das Original zu sein.

Gerade bei Touren sollte man aufpassen – es gibt für alles unzählige Angebote. Manche in einem Reisebüro, manche in einer Hotel-Lobby – aber viele davon haben keine offizielle Lizenz. Die geklauten Angebote sind natürlich auch günstiger, was aber nicht bedeutet, dass die Tour dann dieselbe ist und meistens ist die Qualität schlechter. Häufig weisen aber die Originale auf ihrer Website darauf hin und wo man sie finden kann.

Siehe auch:
Teil 5 meines Vietnam Reiseberichts: Hoi An – eine Stadt wie ein Freilichtmuseum
Teil 7 meines Vietnam Reiseberichts: Durch die demilitarisierte Zone – DMZ Tour
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten

 

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