Vietnam 5 – Hoi An – eine Stadt wie ein Freilichtmuseum

Endlich waren wir in Hoi An angekommen – die Altstadt hat einen ganz besonderen Charme und man fühlt sich 200 Jahre in die Vergangenheit Vietnams zurückversetzt. Besonders Nachts ist sie mit ihren vielen Lampions traumhaft schön…

Hoi An war unsere südlichste Stadt in diesem Urlaub und auch unsere malerischste unserer vietnamesischen Stadt. Die Altstadt schmiegt sich an den Fluss, sie hat verwinkelte kleine Gässchen mit alten Gebäuden, die viel Geschichte zu erzählen haben. Man findet hier chinesische Häuschen, Tempel aus Holz, typische vietnamesische schmale Stadthäuser und französische Architektur aus der Kolonialzeit, die sich farbenfroh präsentiert.

Früher hatte Hoi An mal der größte Hafen Südostasiens und gehörte zur Seidenstraße. Heute noch ist die Stadt für seine Seidenschneidereien bekannt. 

Die Altstadt

Die Sehenswürdigkeiten von Hoi An liegen in der Altstadt und können bequem zu Fuß erreicht werden. Sie wurde aufgrund ihres gut erhaltenen südostasiatischen Handelshafen aus dem 15. – 19. Jhd 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Sie wirkt wie ein Freilichtmuseum und man fühlt sich in eine anderen Zeit zurückversetzt wenn man durch die Straßen schlendert. Zum Glück ist die Altstadt jeden Tag zwischen 8-11 Uhr, 14-16 Uhr und 18:30 – 21 Uhr für motorisierte Fahrzeuge gesperrt, was das schlendern wirklich angenehmer macht.

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Einfach nur malerisch…

Wer die alten Gebäude genauer erkunden möchte, kann sich für 120.000 VND (ca  4,33 €) ein Pauschalticket kaufen und so für 24 Std. 5 von 18 Sehenswürdigkeiten besuchen. Wir haben uns das nicht zweimal sagen lassen und uns einige angesehen. In den Gebäuden kann man unterschiedliches sehen, wie alte Familienschreine oder Versammlungshallen. In einigen kann man die Nachfahren der Familien treffen und sie erzählen einem etwas über die Geschichte des Hauses und der Familie. Manchmal gibt es auch kleine Shops, wo man Souvenirs kaufen kann.

1. Die japanische Brücke

Bei der Japanischen Brücke handelt es sich um eine überdachte Tempelbrücke die zwischen 1593 und 1595 erbaut wurde. Sie verband damals das chinesische mit dem japanischen Viertel – daher der Name. Sie gilt als das Wahrzeichen der Stadt. Zugegeben – hier haben wir unser Ticket nicht eingelöst. Abends war es hier so voll, dass wir uns da nicht auch noch reinquetschen wollten. Tagsüber war niemand da, der ein Ticket sehen wollte. 

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg So leer sieht man sie nur am Vormittag – zu späterer Stunde ist sie wirklich sehr überlaufen!

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Am Ein- und Ausgang befindet sich eine Statue eines Affens und eines Hundes – sie stehen für die Jahre in dem der Bau begonnen und beendet wurde

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2. Phuoc Kien Assembly Hall

Als nächstes zog es uns in diese ehemalige Versammlungshalle. Das Gebäude wurde 1692 errichtet und gehört der größten chinesischen ethnischen Gruppe von Hoi Ans. Hier wird die Meeresgöttin und Beschützerin der Seefahrer Thien Hau verehrt.  Ursprünglich war das Haus nur eine strohbedeckte Pagode und war Buddha gewidmet. Sie wurde beschädigt und musste 1759 verkauft werden und zwar an einen reichen Händler aus China: Phuoc Kien. In der Versammlungshalle findet man viele Tiersymboole und Statuen – sie kommen aus der chinesischen Kultur.

An der Decke hängen jede menge Räucherspiralen mit Zetteln daran. Auf diesen Zetteln stehen Wünsche und diese werden über den Rauch an die Göttin und Verstorbene geleitet. Natürlich ist es da günstiger, wenn die Spiralen lange brennen, daher findet man häufig einen Meter lange oder besonders dicke Räucherspiralen – diese brennen bis zu einem Monat.

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Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg jede menge „Räuchertelefone“

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Die Meeresgöttin Thien Hau 

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Kunstvolle Details…

3. Quan Thang Ancient House

Das Quan Thang Ancient House zählt du den schönsten alten Häusern Hoi Ans. Es ist über 150 Jahre alt und im inneren ist alles aus wunderbar schönem dunklen Holz: Balken, Fensterläden, sogar Dachsparren. Die Inneneinrichtung wurde liebevoll erhalten und man kann über die großartige Handwerkskunst nur staunen. Das Gebäude wurde im frühen 18. Jhd erbaut und gehörte dem reichen Kaptain Quan Thang.

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Wunderbare Holzarbeiten und ein kleines Geschäft

4. Duc An House

Das Duc An House wird bereits in der 6. Gerneration der Familie bewohnt. Der Haus, so wie man es heute sieht wurde allerdings erst 1850 erbaut. Ursprünglich war es mal einer der erfolgreichsten Buchläden in Zentralvietnam, das berühmte vietnamesische und chinesische Texte, aber auch ausländische Arbeiten von Rousseau und Voltaire verkaufte. Im frühen 20. Jhd war es dann eine Apotheke für chinesische Medizin, die aber bald ein Zentrum der anti-französischen Aktivitäten wurde. Im Haus kann man noch einige Gegenstände des revolutionären Chao Hong Lanh sehen.

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Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Einige Erinnerungsstücke von Herrn Lanh

5. Tran Family Chapel

In der Tran Family Kapelle werden die Vorfahren der Tran Familie verehrt. Das Gebäude wurde vor über 200 Jahren von einem Mandarin erbaut und hier spiegelt sich das Leben der vietnamesischen Aristokraten wider. Im grünen Vorgarten befinden sich einige alte Zierpflanzen und Obstbäume. Als der damalige König Tran Tu Nhac 1802 als Abgesandter nach China schickte, wollte dieser seinen Nachkommen etwas hinterlassen und sich bei seinen Vorfahren bedanken – daher ließ er dieses Haus aus wertvollem Holz bauen.

Auch heute noch versammeln sich die Mitglieder der Tran Familie zu bestimmten Termine hier um seinen Vorfahren Dankbarkeit zu zeigen. Dabei wird auch die Bindung des Clans untereinander gestärkt.

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Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Münzen gibt es in der vietnamesischen Währung heute nur noch sehr selten. Hier kann man eine Sammlung bewundern, die Münzen zu vielen verschiedenen Herrschern bereithält…

6. Quang Trieu Assembly Hall

Als letzteres haben wir uns noch die Quang Trieu Assembly Hall angesehen. Diese Versammlungshalle gehört zu den berühmtesten Gebäuden Hoi Ans und hier war es auch recht voll. Sie befindet sich in der nähe der Japanischen Brücke. 1885 wurde sie von Chinesen erbaut und war ein Ort für chinesische Fischer und Händler.

Nicht zu übersehen ist der Brunnen direkt im Eingangsbereich in dem sich ein großer Drache aus Keramik befindet, aber auch im Inneren gibt es noch einige schöne Statuen der kantonesischen Kultur zu bewundern.

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Ein großartiger Brunnen

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Auch hier gibt es Räuchertelefone :D

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Insgesamt gibt es 18 Gebäude, die man besichtigen kann und es ist schwer sich für nur 5 zu entscheiden. Auf der Website von Hoi An gibt es eine Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten. Und natürlich gibt es noch einige weitere Gebäude die absolut sehenswert sind. Wie der Buddhistische Tempel Chùa Pháp Bảo, der einen großen Garten mit Buddha Figuren und vielen Pflanzen hat.

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Hier wird fleißig gepflanzt…

Wenn man der Straße Bạch Đằng direkt am Wasser folgt kommt man zu einem kleinen Street Market wo man allerlei kaufen kann. 

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Ansonsten macht das Schlendern durch die kleinen Gassen der Altstadt einfach Spaß und man kann hier einiges Entdecken…

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg ein hübsches altes Holzhäuschen

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Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Ein Fotoshooting in den Straßen der Altstadt

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Direkt am Fluss gibt es einige Bötchen – diese haben übrigends Augen, damit sie auf dem Wasser besser sehen können :-)

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Hoi An bei Nacht

Ein ganz besonderes Erlebnis ist die Altstadt allerdings bei Nacht! Zum Glück sind die Straßen dann hier für Fahrzeuge gesperrt, denn dann ist es hier richtig voll! Die Straßen werden nur durch die Lampions erhellt und es gibt fast keine elektrischen Straßenlaternen. So werden die kleinen Gassen mit romantischem Licht erhellt – ein wahres Highlight. 

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Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Die beleuchteten Häuser am Fluss

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Noch schnell eine Bootstour auf dem Fluss?

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Essen in Hoi An

In Hoi an kann man richtig gut und bei schöner Aussicht essen gehen. Gerade am Fluss reiht sich ein Restaurant an das nächste. Die Preise sind deutlich günstiger, wenn man nicht direkt am Wasser isst, oder auf der anderen Seite des Flusses. 

An unserem ersten Abend zog es uns in das Tam Tam Cafe wo es für mich Banh Xeo gab. Das sind vietnamesische Crepes, die mit Salat, Sprossen und Garnelen gefüllt werden. Dazu gab es eine leckere Erdnusssauce und ein Kokos Milchshake. 

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Banh Xeo (rechts) und eine gute Nudelsuppe (links) – und das bei der Aussicht!

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Zum Nachtisch gab es noch ein sehr leckeres Stück Kuchen!

Am nächsten Abend haben wir uns mal was traditionelles aus Hoi An gegönnt. Es gab Banh Bao Vac (links) – auch „White Roses“ genannt, das sind kleine Ravioli ähnliche Teigtaschen die mit Fleisch und Garnelen gefüllt sind – und Cao Lau (rechts) – braune Nudeln mit feinen Scheiben Schweinefleisch, Mungobohnensprossen und knusprigen Teig-Croutons.

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Sehr lecker!

Am nächsten Abend gab es wieder Cao Lau – denn das war wirklich sehr lecker – zusammen mit einem Hausbier des Restaurants – das ist häufig günstiger als das Bier in Flaschen. 

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Unser Hotel

Genächtigt haben wir im Thanh Binh III Hotel, das zwar außerhalb der Altstadt liegt, aber nur wenige Gehminuten entfernt ist. Das Zimmer war in schön und mit 918.32 VND (ca 33 €) pro Nacht auch günstig. Übrigens bekommt man hier auch – wie in den meisten Hotels in Vietnam – kostenloses Trinkwasser ins Zimmer gestellt. 

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Die Weihnachtsdeko darf auch hier nicht fehlen…

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Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Wir waren etwas überrascht: wir mussten uns unser Zimmer mit putzigen kleinen Geckos teilen :-D

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Im Innenhof des Hotels war ein größerer Pool!

Mitbringsel aus Vietnam

Wer shoppen möchte ist in Hoi An richtig – das war die touristischste Stadt, die wir auf unserer Reise besucht haben. Während man in z.B. Hanoi länger nach Postkarten suchen mussten, gab es hier alles: Postkarten, Kühlschrankmagneten, Tshirts und was das Touristenherz noch so begehrt. 

Ein tolles Erinnerungsstück – wo ich dann auch zugegriffen habe – ist natürlich ein klassischer vietnamesischer Hut, ein Non la.  Diesen gibt es in den unterschiedlichesten Variationen: groß, klein, einfach, kunstvoll verziert. Eine Legende besagt, dass die Göttin, die vor Regen schützt einen solchen Hut getragen hat und ihn an die Menschen weitergegeben hat.

Reisebericht Vietnam Wolkenpass Hai Van Pass Marmorberg Ungünstiges Foto – aber auch ich habe jetzt einen Non la :D

Wer in Hoi An ist und noch ein Traditionelles Ao Dai kaufen möchte, hat hier die Gelegenheit sich eins schneidern zu lassen. Dabei handelt es sich um die weibliche traditionelle Nationaltracht Vietnams. Es besteht aus einem knöchellangen Seidenkleid, das an beiden Seiten bis zur Hüfte hochgeschlitzt ist. Darunter trägt man meistens Seidenhosen. Im Norden wird es eher zu festlichen Anlässen geträgen – im Süden dienen sie auch als Schuluniformen. Manchmal – zu bestimmten zeremoniellen Festlichkeiten – wird das Kleidungsstück auch mal von Männern getragen, dann aber meistens aus Baumwolle.

Siehe auch:
Teil 4 meines Vietnam Reiseberichts: über den Wolkenpass zu den Marmorbergen
Teil 6 meines Vietnam Reiseberichts: My Son | das Vermächtnis der Cham-Kultur
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten