Venedig 1 – Ein langes Wochenende in Venedig

Ah, Venedig! Endlich habe ich die einzigartige italienische Stadt in der Lagune – auch la Serenissima genannt – besucht…

Ein langes Wochenende in Venedig

Ich wollte die italienische Stadt schon so lange besuchen, aber ich gebe zu: ich habe mich immer ein wenig davor gedrückt. Denn ihr Ruf eilt ihr Voraus: es ist hier richtig voll und teuer. Ich habe mich jetzt mal getraut und kann sagen: die Stadt mir ihren zahlreichen Kanälen ist ein Kunstwerk für sich! 

Über Venedig

  • Land: Italien
  • Sprache: italienisch
  • Einwohner: 261.905 (2017)
  • Währung: Euro
  • Strom: F+L (Adapter kann nötig sein)
  • Trinkgeld: in Restaurants werden häufig Gebühren berechnet, dann ist kein Trinkgeld mehr nötig
  • Zeitumstellung: keine
  • Beste Reisezeit: eigentlich immer, aber am besten außerhalb der Saison

Reisebericht Venedig

Eigentlich besteht Venezia aus 3 Teilen.  Die Altstadt – die jeder kennt, mit ihren Sehenswürdigkeiten. Dann die Inseln der Lagune: Murano, Burano, Torcello, Lido di Venezia und Pellestrina und der größte Teil, mit den meisten Einwohnern: das Stadtviertel Mestre und Marghera, welches sich auf dem Festland befindet. 

Absolut besonders ist, das die Altstadt eine riesige Fußgängerzone ist. Die Stadt selbst ist über eine 3 km lange Brücke mit dem Festland verbunden. Mit Ausnahme eines kleines Teils am Ende der Brücke, gibt es keinerlei Fahrzeuge auf der Insel (sogar Radfahren ist verboten!). Das gibt der Stadt etwas zeitloses. 

Reisebericht Venedig Wunderschön: Gondeln und die Farben von Venedig

Alles begann vor langer Zeit, als die Bewohner des Festlandes vor dem Hunnenkönig Attila heimgesucht wurden. Aus Angst vor Überfällen flüchteten sie in der Lagune, mit ihren 120 damals noch sumpfigen Inseln. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden so auf Millionen von Holzpfählen, die in den Untergrund gerammt wurden, Häuser, Brücken, Straßen und Paläste. Unter dem Schlamm befand sich fester Lehmboden – so ließ sich das alles verwirklichen.

Heute hat die Stadt ein einmaliges kulturelles Erbe mit zahlreichen Palästen, Museen und Kirchen entlang des Canale Grande. Über 417 Brücken (wovon sich rund 72 in Privatbesitz befinden!) sind die 3000 malerischen kleinen Gassen und Straßen miteinander verbunden und ermöglichen es die rund 150 Kanäle zu überqueren. Was immer wieder zu Verwirrungen führt: die Gebäude sind nicht der Straße nach durch nummeriert – sie haben innerhalb eines Viertels eine fortlaufende Nummer. 

Reisebericht VenedigEin toller Ort für Fotografen – in Venedig gibt es unzählige hübsche Ecken

Diese absolute Einmaligkeit zieht natürlich Unmengen von Touristen an. Das ganze hat auch seine Schattenseite: täglich strömen 70.000 von Besuchern in die Stadt. Es kann gut sein, dass 2030 Venedig nur noch von Touristen bewohnt wird. Inzwischen leben nur noch rund 54.000 Einwohner in der Altstadt und sie werden immer weniger. Das kommt daher, weil die Mieten und die Lebenshaltungskosten auf der Insel immer teurer werden, das sich die meisten diese kaum noch leisten können und so auf das Festland umziehen müssen. Viele Vermieter finden es auch lukrativer an Touristen zu vermieten, als an Einheimische.

Ein anderes Problem ist der schlechte Zustand der Häuser. Trotz vieler Renovierungsarbeiten. Das Wasser macht den Häusern im Erdgeschoss zu schaffen – gerade bei Hochwasser. Im 18. Jhd wurden die Instandsetzungsarbeiten von der Stadt vernachlässigt, was auch noch heute Einfluss auf die Gebäude hat. Die Insel sinkt jedes Jahr um 1-2 Millimeter. 

Vom Flughafen in die Stadt und öffentliche Verkehrsmittel

Ich bin per Flugzeug angereist. Vom Flughafen aus hat man mehrere Möglichkeiten die Stadt zu erreichen, z.B. mit dem Bus über die Landseite. Ich habe mich allerdings für eine andere Variante entschieden – diese ist zwar ein bisschen teurer als mit dem Bus, aber den Spaß wollte ich mir gönnen: mit der der Fähre Alilaguna. Für 15 € einzelnd (oder 25 € als Kombiticket  über diese Website) bekommt man direkt schon eine Bootstour geboten. Falls man das Ticket online vorab kauft einfach bis zur Fährstation durch laufen. Dort kann man den Voucher dann in ein Ticket umwandeln.

Bei den öffentlichen Verkehrsmittel muss man erstmal durchblicken. Es gibt die Vaporretos, die als Wasserbusse rund um die Insel ihre Linien abfahren (Einzel-Tickets ca 7,50 €). Dann gibt es noch die Traghettos, die einige wenige Haltestellen haben und mit denen man eben schnell den Canal Grande überqueren kann, wenn es in der Nähe keine Brücke gibt. Diese Tickets kosten hier rund 2 €. 

Reisebericht VenedigDie Haltestelle eines Vaporretos

Reisebericht Venedig Eine Traghetto Haltestelle am Canal Grande

Es lohnt sich, sich ein Tagesticket für die Vaporretos zu kaufen – mit ihnen kommt man auch zu den Inseln der Lagunen. Einige Sehenswürdigkeiten kommen auch erst richtig von der Wasserseite zur Geltung, also schadet es nicht, die ein oder andere Fahrt extra zu machen. Tickets sind auch hier ein wenig günstiger, wenn man sie vorab im Internet bucht (hier). Diese können dann vor Ort – an z.B. einem Automaten an der Haltestelle – entwertet werden.

Ein Spaziergang über Giudecca 

Als ich in Venedig ankomme regnet es. Fast den ganzen Tag war es kalt, windig und nass. Nicht so der tolle Start. Allerdings hält mich das nicht davon ab, die Stadt zu erkunden. Der Regenradar verspricht Hoffnung für den späteren Nachmittag. 

Reisebericht VenedigDunkle Wolken über dem Markusplatz

Mein Bericht beginnt im Süden von Venedig – mit der kleinen, langgezogenen Inselgruppe Giudecca. Sie kann innerhalb von wenigen Minuten von der Hauptinsel Venedigs mit den öffentlichen Vaporettos erreicht werden. Sie hat einige gemütliche Cafes und Restaurants und ist bei Studenten sehr beliebt. Einmal die Promenande entlang des Wassers zu spazieren, gilt als einer der schönsten Spaziergänge in Venedig. Man hat eine grandiose Aussicht auf die Lagune und kann unzählige putzige Boote beobachten.

Reisebericht VenedigDas Wetter könnte besser sein – aber das Risiko besteht leider immer ;-)

Reisebericht Venedig Schöne Aussichten auf Giudecca

Reisebericht VenedigDie charakteristischen Farben von Venedig kommen trotz grauem Wetter raus

Reisebericht VenedigMit ein bisschen Sonne wird es bestimmt noch schöner

Reisebericht VenedigAuf dem Spaziergang überquert man 5 Brücken

Sehenswerte Gebäude gibt es auf diesem Weg auch, wie die Chiesa del Santissimo Redentore oder auch Chiesa Il Redentore genannt.  Sie ist einer der beiden Votivkirchen in Venedig, die zur Rettung vor der Pest gestiftet wurde. 1575 brach die Pest in Venedig aus und kostete etwa ein Viertel der Bevölkerung das Leben. 1577 wütete sie immer noch in der Stadt und man entschied sich zum Bau der Kirchen. Im Mai wurde der Grundstein gelegt und im Sommer 1577 war die Pest aus der Stadt verschwunden. Als Dank für das Verschwinden der Pest wird seitdem jedes Jahr am 3. Sonntag im Juli das Redentore Fest (Erlöserfest) gefeiert. 

Reisebericht VenedigBei dem Aussehen hat sich der Architekt von einem Tempel inspirieren lassen

Reisebericht VenedigIm Inneren befinden sich – wie bei vielen Kirchen in Venedig – aufwändige Gemälde 

Man sollte auch nicht verpassen, einen Stop auf der kleinen Nachbarinsel Giorgio Maggiore zu machen und die San Giorgio Maggiore-Kirche zu besichtigen. Die Insel ist mit einer Größe von 490m Länge und 320m Breite sehr überschaubar. Tatsächlich hat sie nur 11 ständige Bewohner – alle männlich und im Kloster lebend. In der Basilika aus dem 16. Jhd ist besonders erwähnenswert das aus kostbarem Holz angefertigten Chorgestühl, welches heute als große Handwerkskunst gilt. Außerdem noch Gemälde wie das Abendmahl und eine Szene aus dem alten Testament von Jacopo Robusti Tintoretto .  

Der Kirche selbst kann kostenfrei besichtigt werden. Der Kirchturm kostet rund 6 €. Mit einem Aufzug geht es zu der Aussichtsplattform, von wo man eine sagenhafte Aussicht auf die Stadt hat. Tatsächlich ist es hier auch deutlicher ruhiger und die Schlange ist deutlich kürzer als am Markusturm. 

Reisebericht Venedig Die Insel Giorgio Maggiore zum Sonnenuntergang

Reisebericht Venedig Gemälde, Kunstwerke und eine Orgel

Reisebericht VenedigEin toller Ausblick auf die Lagune

Der ruhige Stadtteil Castello

Der nordöstliche und größte Teil der Stadt ist der Stadtteil Castello. Früher war es das religiöse Zentrum – heute, trotz der Nähe zu dem überfüllten San Marco, ein ruhiger und gelassener Ort. Bäckereien und Restaurants findet man hier zahlreich. Im Osten gibt es einige grüne Parkanlagen, ansonsten gibt es zahlreiche historische Kirchen zu besichtigen.

Reisebericht VenedigRegen, Regen und Regen! Aber immerhin kein Hochwasser

Besonders nennenswert ist die Kirche Santi Giovanni e Pablo. Die Basilika ist die größte Kirche der Stadt. Auf den ersten Blick wirkt sich bescheiden – was dem Armutsideal des Dominikanerorderns entspricht, aber im Inneren gibt es tolle Steinkunst und Grabmale zu besichtigen. Die 1234 gestiftete Kirche beherbergt die Grablege von 27 Dogen. Sie sind in verschiedenen Stilen gehalten, z.B. barocke Opulenz, aber auch ernst und würdevoll. Für 3,5 € Eintritt kann man das Innere bewundern. Fotografieren ist leider nicht erlaubt.

Direkt neben der Basilika befindet sich die Scuola Grande di San Marco, mit einer der schönsten Fassaden der venezianischen Frührenaissance. Auf dem Platz davor befindet sich das Reiterstandbild Monumento Colleoni. Dieses wurde Bartolomeo gewidmet – einem Generalkapitän der Landesstreitkräfte. Er galt als reich, mächtig und arrogant – aber er kämpfte immer wieder für Venedig. In seinem Testament legte er fest, dass sein Vermögen an die Stadt gehen soll, wenn ihm dafür ein Standbild errichtet wird. Damals war der Personenkult in Venedig noch nicht so populär – weswegen man relativ wenige Standbilder findet -, aber man wollte auch nicht auf das Vermögen verzichten. Bartolomeo hatte sich als Standort die Basilika San Marco ausgesucht, aber statt dessen wurde es an diesem Platz errichtet. 

Reisebericht VenedigLinks: Die Scuola Grande di San Marco, rechts die Santi Giovanni e Pablo

Reisebericht VenedigHübsche Detailarbeiten in der Fassade

Reisebericht VenedigDas Reiterstandbild des Bartolomeo 

Reisebericht VenedigHübsche Gebäude gibt es in Venedig zahlreich

Er nennt sich selbst der „schönste Buchladen der Welt“: die Acqua Alta Library. Ein wirklich besonderer, kleiner Laden. Neben unzähligen Büchern gibt es auch Zeichnungen, Bilder und Postkarten zu kaufen. Ganz besonders freuen sich die Besucher aber über die Katzen der Besitzer, die zwischen den Regalen herum streunen. Im Geschäft selbst befindet sich auch eine Gondel, in der ein Haufen Bücher ihren Platz gefunden haben. Geht man einmal durch, wird man auf der Rückseite des Ladens ein Treppe aus Büchern entdecken können. Was für ein verrücktes Fotomotiv! 

Reisebericht VenedigEine Gondel und ein Buchladen

Reisebericht VenedigUnzählige Bücher bilden eine Treppe

Eine Sache ist mir in Venedig immer wieder ins Auge gesprungen: In der Stadt gibt es relativ wenige Gärten und Grünanlagen, daher sind die Ecken, die grün sind, mir immer besonders aufgefallen. In diesem Fall die Chiesa San Giorgio dei Greci, die griechisch-orthodox Kirche aus dem 16. Jhd befindet sich leicht verborgen durch Oleanderbüschen an einem der Kanäle. Nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken ist die Anzahl der in Venedig lebenden Griechen so stark angestiegen, dass sie hier ihre eigene Kirche errichteten. Sehr markant ist der schiefe Kirchturm. 

Reisebericht Venedig Die Italiener haben es mit schiefen Türmen!

Reisebericht VenedigIch kann mir gut vorstellen, wie zugewachsen das im Sommer sein muss

Besonders markant für Castello ist das Arsenal – die Werft und Waffenlager. Hier befanden sich Gebäude die als Lagerräume, Werkstätten und Wohnalagen für die Arbeiter dienten. Später entwickelte es sich zu einer Schiffswerft mit der Flottenbasis Venedigs. Besonders auffällig sind hier das Wassertor und das Landtor. Das Wassertor wird von zwei Türmen flankiert, während das Landtor im Renaissancestil errichtet wurde. Antike Statuen, die ursprünglich für Piräus in Athen geschaffen wurden und 1687 als Kriegsbeute nach Venedig gebracht wurden, haben hier ihr neues Zuhause gefunden.

Außerdem befindet sich hier in unmittelbarer Nähe das Museo storico navale, das Schifffahrtsmuseum. Es ist das wichtigste Marinemuseum in Italiens und befindet sich in einem alten Kornspeicher aus dem 16. Jhd. Hier kann man auch alte Schiffe in ihrer vollen Größe bewundern. 

Reisebericht VenedigLinks: das Landtor, mitte & rechts: das Wassertor

Reisebericht VenedigDie Löwen von Piräus

Reisebericht VenedigSo grün! Die Kanäle von Venedig

Reisebericht VenedigDas Schifffahrtsmuseum von Venedig

Nicht weit von meiner Unterkunft entfernt befindet sich der Platz Campo Bandiera e Moro und die Basilika Parrocchia di San Giovanni in BragoraBei mir war der Platz recht ausgestorben – was wohl u.a. an dem Wetter gelegen hat -, ansonsten ist das hier wohl ein gemütlicher Platz mit einigen kleinen Cafes. Die Kirche selbst (war bei mir geschlossen) hat eine reiche Innenausstattung mit div. hübschen Gemälden. 

Reisebericht VenedigRegen auf dem Campo Bandiera e Moro

Übernachtet in Venedig

Genächtigt habe ich im Hotel Aquablue San Marco*. Grundsätzlich kann ich diese Unterkunft empfehlen, allerdings ist sie eher weniger was für empfindlichere Leute. Die Lage war ganz gut – man ist schnell am Wasser und in ca 15 min bis zum Markusplatz gelaufen. Die Sauberkeit war nicht überall perfekt – aber im Zimmer selbst konnte ich mich nicht beklagen. In den Gängen war ein etwas seltsamer Geruch, den ich aber nicht im Zimmer wahrnehmen konnte. Es war recht hellhörig und die Leute sind auch spät Abends noch durch die Gänge getrampelt (aber da kann das Hotel weniger was für).

Die Kommunikation mit den Gastgebern war schnell und freundlich – Check in erfolgte automatisch via Instruktionen per Email (die Mail kam erst 1-2 Std vorher – finde ich etwas unglücklich, wenn man Unterwegs kein Internet hat um das spontan zu checken, zumal man vorher keine Info darüber bekommen hat – aber bei mir hat alles gut geklappt). Insgesamt kein Hotel, dass man gesehen haben muss, aber dafür war es sehr günstig (für Venedig). Wer also nicht so viel Geld für die Übernachtung ausgeben möchte und dafür ein paar Abstriche machen kann, wird hier nicht verkehrt sein. 

Reisebericht VenedigDen Eingang kann man in seiner schmalen Gasse schnell übersehen

Reisebericht VenedigEin Einzelzimmer mit einem gemeinsamen Bad – ich brauche erstmal nicht mehr

Siehe auch:
Teil 2 von meinem Venedig Reisebericht: Zum Markus Dom und über den Canal Grande
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten

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