Sächsische Schweiz – Über die Heilige Stiege in die Bussardboofe

Angekommen im Osten ging es zum Wandern und boofen in die Sächsische Schweiz. Über die Heilige Stiege sollten wir unser Ziel erreichen…

Vom Felsenlabyrinth Luisenburg aus ging es aber erstmal für mich weiter Richtung Chemnitz. Von hier aus wappneten wir uns für die Sächsische Schweiz und es ging weiter nach Schmilka. Für die diesjährige Tour hatten wir uns diese Route ausgesucht, die perfekt eine schöne Wanderung mit unserer ausgewählten Boofe verband. 

Auf in die Sächsische Schweiz

In Schmilka angekommen ging es erstmal auf Parkplatz suche. Die ist immer etwas kniffelig, weil viele Parkplätze kostenpflichtig sind, man ein Ticket aber immer für den jeweiligen Tag ziehen kann, was aber etwas unglücklich bei einer Übernachtung ist. Schließlich werden wir fündig. Wir warten noch auf den dritten im Bunde und schlendern solange etwas an der Elbe entlang. Dieses Jahr hatte ich etwas Pech gehabt, da ich mir wenige Tage vor dem geplanten Termin den Rücken übel gezerrt hatte (oder auch: Die Bandscheibe schickt mir ihre Grüße). Zwar war ich ausgestattet mit Schmerzmitteln und Wärmepflaster, aber seinen wir ehrlich: Mit Rucksack und kaltnassem Wetter auf anstrengenden Wanderwegen unterwegs zu sein, ist vielleicht nicht die cleverste Idee gewesen, aber die alternative wäre gewesen, es ohne Ersatz abzusagen und dann war mir das so doch lieber. Ich bin auch nicht unbedingt für meine smartness bekannt ;-)

Reisebericht Sächsische Schweiz

Wir sind vollzählig und unsere Wanderung beginnt von Schmilka aus über den Wurzelweg in den Wald. Das Wetter ist wieder mal etwas wechselhaft und mit kritischem Blick behalten wir den Himmel im Auge. Glücklicherweise bleibt es auch hier zunächst trocken. 

Reisebericht Sächsische SchweizWir durchqueren Schmilka Richtung Wald

Reisebericht Sächsische Schweiz

Über die Heilige Stiege in die Bussardboofe

Wir hatten uns für dieses mal wieder eine recht hohe Boofe mit Aussicht ausgesucht: die Bussardboofe (N50.90808 E14.23722). Diese befindet sich oberhalb von der Heiligen Stiege auf einem Felsplateau. Die Sächsische Schweiz mit ihrer zerklüfteten Felsenlandschaft hat einige steile Gipfel, die normalerweise nur für Kletterer erreichbar sind. Um manche Bereiche erreichbarer zu machen, hat man begonnen Treppen und Leitern anzubringen – eine Stiege. So kann der Gipfel auch ohne Sicherungstechnik erklommen werden, trotzdem sollte man eine gewisse Trittsicherheit und eine erhöhte Aufmerksamkeit haben. Geklettert werden muss hier (zumindest auf der Heiligen Stiege) aber (zum Glück) nicht. 

Man liest immer wieder, dass die Heilige Stiege ihren Namen daher hat, dass es sich bei ihr um den Weg für die Kirchgänger aus Schmilka zur Lichtenhainer Kirche gehandelt habe. So kurios diese Geschichte wäre (immerhin knapp 6km (einfach) mitten durch die Sächsische Schweiz), belegt ist das nicht und tatsächlich wohl auch nicht sehr plausibel, da Schmilka der Kirche in Bad Schandau zugeordnet war. 

Reisebericht Sächsische SchweizHier beginnt auch schon der steile Anstieg

Es gibt mehrere historische Erwähnungen von z.B. von 1698 über eine steinerne Treppe im Heringsgrund oder eine Heilige Stiege von 1812, die aber entweder kartografisch nicht nachweisbar sind oder einer anderen Stiege zugeordnet werden können. Unsere heutige Heilige Stiege wurde vermutlich erst in der ersten Hälfte des 19. Jhd nach und nach durch Waldarbeiter und Jäger errichtet. Die erste Stiege war wohl zunächst nur aus Holz und wurde als „kümmerliche Treppe“ beschrieben. Ab den 1950er Jahren wurde sie durch Bergsteiger in deren Freizeit instand gehalten, bis sie dann ab 1969 durch die heutigen stählernen Leitern und Treppen ersetzt wurden. Insgesamt überwindet man auf ihre stolze 903 Stufen und einen Höhenunterschied von fast 200 Metern. Damit ist sie die Steiganlage mit den meisten Stufen in der Sächsischen Schweiz. Die Heilige Stiege gehört zu den gut gesicherten Stiegen, die auch für Wanderer einfach passierbar ist, im Gegensatz zu ungesicherten Klettersteiges, wie z.B. die Starke Stiege oder die Rübezahlstiege. 

Reisebericht Sächsische SchweizJetzt heißt es erstmal Treppensteigen

Ich – so unsportlich, wie ich zu diesem Zeitpunkt war – spüre am Ende jeder der 900 Stufen in meinen Beinen und bin froh, als wir endlich oben angekommen sind. Orientiert haben wir uns über GPS und schließlich erreichten wir den Punkt, wo sich die Bussardboofe befinden sollte. Sie lag über uns, aber wir konnten keinen Weg entdecken, wie wir dort hinkommen sollten. Wir sind ein wenig auf und ab gelaufen, aber das einzige, was wir mit viel Fantasie als Pfad identifizieren konnten, war so ziemlich alles, aber kein Pfad. Eigentlich ging es einfach nur bergauf an irgendwelchen Felsbrocken vorbei, durch irgendwelche Felsspalten. Wir versuchen aber unser Glück und hangeln uns irgendwie hoch und müssen fast schon ein bisschen klettern. Mit Sack und Pack auf dem Rucksack hält sich meine Begeisterung in Grenzen (mein schmerzender Rücken hat es mir auch nicht erleichtert), aber zum Glück drängen mich meine Mitreisenden weiter nach oben. 

Angekommen in der Bussardboofe

Wir haben schließlich eine gewisse Höhe erreicht, aber entdecken können wir die Boofe immer noch nicht. Wir klettern mal in die eine Richtung, mal in die andere, aber wir wissen nicht wohin. Glücklicherweise kommen ein paar Range… äh.. Wanderer um die Ecke, die ebenfalls in dieser Boofe nächtigen und geben uns einen Tipp, in welche Richtung es weitergehen sollte. Hier um die Ecke, dann noch den kleinen Abhang runter krackseln, da dann noch einem um den Felsen rum und wir haben die Boofe schließlich gefunden. Puh. Ich bin mir nicht sicher, ob wir sie ohne Hilfe gefunden hätte und ich war dann auch heilfroh, das wir letztendlich doch noch an unserem Ziel angekommen sind und niemand (= Ich) dabei unterwegs den Felsen runtergepurzelt ist. 

Reisebericht Sächsische SchweizWas für eine grandiose Aussicht!

Die Aussicht entschädigt uns für alles! Sack und Pack wird stehen gelassen und die Aussicht wird erstmal ausgiebig zelebriert. Unser Gipfelbier haben wir uns verdient. Obwohl das Wetter recht bescheiden ist und es auch schon recht frisch ist, teilen wir uns die Boofe mit etwa 3-4 anderen Gruppen. Die Boofe ist groß und auch angenehm überdacht, aber ich möchte gar nicht wissen, wie gut besucht sie bei schönem Wetter ist. Am kuriosesten fand ich eine Gruppe, die noch bei fast völliger Dunkelheit angekommen ist – ich bin mir nicht sicher, ob ich den Weg im Dunkeln hätte machen wollen, aber vermutlich bin ich auch einfach nur ein Schisser.

Reisebericht Sächsische SchweizDie Sächsische Schweiz – schön, wie immer

Reisebericht Sächsische SchweizZum Glück ist die Boofe sehr groß und jeder hat hier platz gefunden 

Reisebericht Sächsische SchweizDas Lager wurde aufgeschlagen

Reisebericht Sächsische SchweizKunst und Boofen-Markierung sind auch am Start

Reisebericht Sächsische Schweiz

Reisebericht Sächsische SchweizDas obligatorische Gipfelbier Foto – der dritte im Bunde war zu faul um fürs Foto dazuzukommen, daher unvollständig ;-)

Nebel in der Sächsischen Schweiz

Nachdem wir unser Lager aufgeschlagen haben, verzehren wir unser Abendessen. Dann wird noch ausgiebig gequatscht und es dauert nicht lange, bis es dunkel wurde und wir uns in unsere Schlafsäcke verkrochen haben. Mich plagt mein schmerzender Rücken, aber zunächst schlafe ich zufrieden ein. Ab etwa 2 Uhr Nachts wache ich dann im halbe Stunden tackt auf, weil ich in der Position nicht mehr liegen kann. Mühsam – wie ein gestrandeter Wal – versuche ich meine Position zu wechseln und schlafe wieder ein, bis ich wieder aufwache und das Spiel von vorne beginnt. Sagen wir mal: die Nacht hat sich sehr gezogen. Dafür habe ich mitbekommen, dass es im Laufe der Nacht mehrfach ordentlich geregnet hat und wir sehr froh sein konnten, eine schöne, überdachte Boofe zu haben. Auch bekam ich in den frühen Morgenstunden besuch von einer kleinen Maus, die in unseren Sachen nach Essbarem gesucht hat. 

Reisebericht Sächsische SchweizDichter Nebel am Morgen

Reisebericht Sächsische Schweiz

Irgendwann gebe ich schließlich auf und krieche aus meinem Schlafsack. Alle anderen schlafen noch. Ich hatte aber bemerkt, dass Nebel aufgezogen ist und eines meiner Highlights in der Sächsischen Schweiz sind die Nebelfotos, die ich so gerne am Morgen mache. Letztes Jahr war leider nichts mit Nebel, das holte der aber dieses mal ordentlich nach. Die Landschaft ist mit einem dicken Nebel überzogen und ich beobachte, wie er sich mit der Zeit verändert. Ich spaziere auch ein wenig durch die Gegend und schaue mir alles nochmal genau an. 

Achtung, Nebel-Fotos are incoming: 

Reisebericht Sächsische SchweizAm Anfang eine trübe Suppe… 

Reisebericht Sächsische Schweiz… wird es im Laufe des Morgens mal etwas weniger suppiger, mal wieder mehr…

Reisebericht Sächsische SchweizInteressante Felsformationen

Reisebericht Sächsische SchweizDer Wanderweg unterhalb des Felsplateaus – auf dem Foto sieht das richtig unspekakulär aus

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Reisebericht Sächsische SchweizHier gab es Frühstück mit grandioser Aussicht

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Reisebericht Sächsische SchweizDer Blick aus der Boofe

Reisebericht Sächsische SchweizWährend ich schon lange durch die Gegend krüppele, schlafen andere noch, hihi

Der Heimweg beginnt…

Irgendwann kommt immer der Punkt, wo wir unsere Sachen packen und schweren Herzens unsere Boofe verlassen müssen. Jetzt wo es wieder Richtung Zivilisation gehen sollte, waren wir uns unsicher, wie wir von diesem Felsplateau runter kommen sollte. Der Weg, den wir hoch gekommen waren, sah von oben noch unattraktiver aus, als beim Aufstieg. Daher probierten wir es mal mit der andere Richtung und mussten feststellen, dass wir zwar beim Aufstieg den direkteren Weg genommen hatten, der eigentlichere Weg aber erst noch gekommen wäre, wenn wir dem Wanderpfad noch ein Stück gefolgt wären. Das letzte Stück gekracksel bis zur Boofe bleibt einem zwar auch dann nicht erspart, aber es wäre trotzdem einfacher gewesen. Aber nun ja, viele Wege führen nach Rom und der Weg ist das Ziel. Oder so ;-)

Reisebericht Sächsische Schweiz

Der Rest der Wanderung ist sehr schön und hält auch keine verrückten Passagen mehr für uns bereit. Gemächlich wandern wir zurück Richtung Schmilka.

Reisebericht Sächsische SchweizAuch auf dem Rückweg warteten noch ein paar Treppen auf uns

Reisebericht Sächsische SchweizNachdem wir die letzte Treppe passiert hatten, geht es erstmal nur gemächliche Wanderwege weiter

Aussichtspunkt die kleine Bastei

Auf den letzten Metern erwartete uns noch ein imposanter Aussichtspunkt: die kleine Bastei. Nicht zu verwechseln mit der Bastei-Brücke oder weiteren Aussichtspunkten mit demselben Namen (z.B. am Reinhardtsdorfer Elbehang). Von hier oben hat man einen wunderbaren 180° Panoramablick auf das Elbtal mit seinen vielen Bergen, wie z.B. den Zirkelstein. Er liegt etwas versteckt im Wald, ist aber gut ausgeschildert. Im Gegensatz zur bekannten Bastei-Brücke ist hier auch viel weniger los. Dafür müssen wir zwar einen kleinen Abstecher von unserer Route machen, aber der ist nicht weit und hat sich auf jeden Fall gelohnt. Zum Sonnenuntergang muss es hier auch richtig schön sein. 

Reisebericht Sächsische SchweizBlick auf das Elbtal von der kleinen Bastei aus

Von hier aus geht es relativ zügig zurück nach Schmilka über die Kahntilke – ein zum Wurzelweg alternativer Auf-/Abstieg von Schmilka aus in den Wald, der teils aus Holztreppen, teils aus wurzeligem Weg besteht. Er ist definitiv spannender als der Wurzelweg, aber auch – zumindest für mich an diesem Tag – verhängnisvoller: Ich rutsche zum Abschluss nochmal richtig schön auf dem nassen Boden aus und setze mich ordentlich auf den Hintern. Ich fühle mich dieses mal wirklich wie ein trotteliger Wanderlegastheniker und schiebe das einfach mal auf meinen Rücken – für irgendwas musste das ja gut sein. Der Weg bietet sich auch an, wenn man nur für die Aussicht zur kleinen Bastei möchte. 

Reisebericht Sächsische SchweizDer Abstieg über die Kahntilke zurück nach Schmilka

Reisebericht Sächsische SchweizAngekommen zurück in Schmilka

Damit endete auch dieses mal unsere Wanderung in der Sächsischen Schweiz und zufrieden ging es wieder Richtung Heimat. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr!

Siehe auch:
Teil 1 meines Reiseberichts: Das Felsenlabyrinth Luisenburg
Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse