Odenwald 5 – Der Odenwald in Bayern

Letztes Jahr hatte ich mir etwas Zeit genommen, mir den wunderschönen Odenwald etwas genauer anzusehen (Anderen Berichte vorderer Odenwald, Michelstadt & Erbach, Bergstraße, Burgenstraße im Neckartal). Zeitlich hatte es aber nicht mehr für den bayrischen Odenwald gereicht, deswegen habe ich das dieses Jahr nachgeholt. Der östliche Teil des Odenwalds ist nämlich bayerisch, bzw. unterfränkisch. Odenwald ist es trotzdem noch: waldreiche Landschaften, Burgruinen, tolle Wanderwege und natürlich zahlreiche andere mögliche Aktivitäten, wie Radfahren. Die zwei größten Städte der Region sind Amorbach und Miltenberg.

Großheubach mit hübschem Kloster

Großheubach liegt nicht so richtig im Odenwald, bzw. wird von dem Spessart und Odenwald eingerahmt. Da ich aber schon in der Gegend war, hab ich es einfach mal mitgenommen. Schon früh wussten die Menschen die milde Lage am Main zu schätzen. Natürlich später dann auch von den Römern. Zum ersten Mal erwähnt wurde das Städtchen zwischen 1012 und 1121. Die Zugehörigkeit veränderte sich im Laufe der Jahre immer wieder: Zum Ende des 12. Jhd gehörten Sie zu den Schenken von Klingenberg, um 1270 waren es die Herren von Bickenbach. 1291 ging es in die Grundherrschaft vom Deutschen Ritterorden über. 1483 wanderte er zum Erzstift Mainz und blieb dort etwas länger. Nachdem der Kurstaates Mainz aufgelöst wurde, fiel Großheubach an das Großherzogtum in Frankfurt. 1814 wurde es dann an das Königreich Bayern zugewiesen – wo es dann auch blieb. Lange Rede, kurzer Sinn: sehr viel zu sehen gibt es hier nicht, wobei die Gegend um das historische Rathaus ganz hübsch ist. Hier gibt es ein paar ältere Fachwerkhäuser.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDer Turm zu Großheubach

Das historische Rathaus wurde 1612 als kombiniertes Fachwerk- und Steinhaus errichtet. Im EG befand sich ein Gefängnis.

Reisebericht Bayrischer Odenwald

Einen Besuch wert ist das nahe gelegene Kloster Engelberg. Erhöht thront es auf dem Engelberg über der Stadt und kann über die sogenannte Engelsstufen erreicht werden. Wer die 612 Stufen nicht erklimmen möchte kann alternativ auch mit dem Auto direkt bis nach oben fahren. Schon in der vorchristliche Epoche wurde der markante – damals noch Rulesberg – als eine heidnische Kultstätte genutzt. Um etwa 1300 wurde eine einfache Kapelle errichtet. Sie wurde dem Erzengel Michael geweiht und der Rulesberg wurde zum Engelsberg. Dank steigendem Pilgerstrom wurde 1630 dann das Kloster von den Kapuziner gegründet und 1828 wurde es von den Franziskaner übernommen. Heute ist as Kloster nicht nur ein beliebtes Ziel für Pilger, sondern auch für Touristen. Bekannt ist es außerdem für sein dunklen Biers aus Holzfässern, dass man in der Klosterschänke kosten kann.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDas Kloster von den Engelsstufen aus

Reisebericht Bayrischer OdenwaldVon hier oben hat man natürlich auch eine sehr schöne Aussicht

Reisebericht Bayrischer OdenwaldEin Spaziergang um das Kloster herum ist auch sehr schön…. 

Reisebericht Bayrischer Odenwald… über mangelnde Aussicht und Blumen/Grün kann man sich nicht beklagen

Reisebericht Bayrischer Odenwald

Reisebericht Bayrischer Odenwald

Reisebericht Bayrischer OdenwaldNatürlich kann man auch ein Blick in das Innere der Kirche werfen

Auf der anderen Seite Main Seite liegt Kleinheubach, wo ich ein Blick auf das Schloss Löwenstein geworfen habe. So wirklich lohnt sich der Besuch nicht, denn das Schloss befindet sich im Privatbesitz und das Gelände ist nicht für die Öffentlichkeit geöffnet. Man kann aber einen Teil des Schlosses vom Eingang aus sehen. Um das Schloss, welches zwischen 1721 bis 1732 errichtet wurde, gibt es einen großen Park, der sich für lange Spaziergänge anbietet, aber nicht weiter spektakulär ist. Hier und da lässt es aber einen schönen Blick auf das Gebäude zu.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDas Schloss Löwenstein aus dem Park heraus

Miltenberg – Fachwerk direkt am Main

Als nächstes ging es für mich nach Miltenberg. Die gute, strategische Position am Mainknie wurde bereits früh genutzt. Hier wurden Ringwälle errichtet, aber auch der römische Limes stieß hier auf den Main. Für Interessierte gibt es in der Region auch zwei römische Kastelle (Kastell Miltenberg-Altstadt und Kastell Miltenberg-Ost), die mit dem Fall des Limes ihre Funktion verloren und ab dem 4. Jhd nicht mehr von den Römer bewohnt wurden. Ab dem 6. oder 7. Jhd wurden diese Kastelle aber vermutlich im Zuge der fränkischen Ostkolonisation wieder genutzt und erweitert. Die Mildenburg – die oberhalb der Stadt liegt, ist nicht nur Namensgeber der Ortschaft, unter ihr entwickelte sich die Stadt. Auch diese Stadt hatte wechselnde Besitzer: 1803 gehörte es mal zu Mainz (was sich auch heute noch im Stadtwappen zeigt) (Wer sich noch an die Heunensäule aus meinem Mainz-Bericht erinnert: sie stammt aus Miltenberg aus dem beliebten Sandstein, der hier abgebaut wurde), 1806 zum Großherzogtum Baden, 1810 sogar zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt, 1816 schließlich zum Königreich Bayern. Besonders sehenswert ist die historische Altstadt, mit ihren zahlreichen Fachwerkhäuser.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldMiltenberg ist wirklich sehr schön und definitiv einen Besuch wert

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Direkt am Main gibt es verschiedene Parkmöglichkeiten. Hier startet auch mein Rundgang und ich gönnen mir einen entspannten Spaziergang entlang des Flusses, von wo man auch schon ein paar schöne Aussichten auf das Stadtbild hat. Von weitem ist auch bereits das Zwillingstor zu sehen, welches zur Mainbrücke gehört. Erstmals wurde die Brücke 1900 aus dem heimischen Buntsandstein errichtet und verbindet die Miltenberger Altstadt mit Miltenberg Nord. Zuvor gab es eine wichtige Fährverbindung. 1945 wurde die Brücke von deutschen Truppen gesprengt – so blieben nur die Pfeiler und das Torhaus erhalten. Die Sprengung erfolgte ohne Ankündigung, weswegen es einige Todesopfer zu beklagen gab. Nachdem zunächst wieder eine Fährverbindung eingerichtet wurde, wurde die Brücke dann 1950 wieder fertiggestellt werden.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Mainbrücke mit dem Zwillingstor

Zum Würzburger Tor hin verlasse ich das Flussufer und werde auf dem „Rückweg“ nun die Stadt erkunden. Das Tor begrenzte während des Mittelalters die Ostseite der Stadt und wurde 1379 errichtet. Da diese Stadtseite am gefährdetsten war, trug der Torturm damals noch einen Zinnenkranz mit geschützter Plattform, welcher dann aber im 15. Jhd durch eine Überdachung ersetzt wurde.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Stadt wurde im Westen vom Mainzer Tor und im Osten vom Würzburger Tor eingerahmt

Entlang der Hauptstraße geht es bis zum Engelplatz. Fachwerkhäuser mit hübschen Fassaden und Ladenschilder schmücken den Weg dorthin. Der Engelplatz ist ein öffentlicher Platz, an dem der Wochenmarkt statt findet. Besonders spannend ist er nicht, hier steht aber das neue Rathaus, die Klosterkirche und die Alte Post. Letzteres ist ein Barockpalais, erbaut 1712, der im 19. Und 20. Jhd als Postgebäude genutzt wurde.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDer Engelplatz mit Wochenmarkt und der Klosterkirche im Hintergrund

Reisebericht Bayrischer OdenwaldPutzige Details gibt es in Miltenberg einige zu entdecken

Ich verlasse die Hauptstraße und biege in eine der Seitengassen ab. Hier wird es plötzlich sehr ruhig – die Geschäftigkeit der Anwohner und Besucher scheint sich auf die Hauptstraße zu beschränken. Eine Treppe führt mich nach oben. Ich passiere die ehm. Stadtmauer und stehe vor dem Altem jüdischer Friedhof. Er wurde seit dem 15. Jhd genutzt – evtl. aber auch schon früher: Einen jüdischen Friedhof soll es bereits 1336 gegeben haben, allerdings ist nicht eindeutig bekannt, wo sich dieser befand. Der älteste noch lesbare Grabstein stammt aus dem Jahr 1812. Gegen Ende des 19. Jhd wurde der Neue Jüdische Friedhof errichtet, da dieser vollständig belegt war.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldTreppen steigen oder vielleicht doch lieber etwas Nachhilfe?

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDer Friedhof war während meines Besuches geschlossen, aber man kann einige gute Blicke drauf werfen

Reisebericht Bayrischer OdenwaldSchöne, alte, stimmungsvolle Grabsteine

Wenn man schon in Miltenberg ist, kann man auch gut was essen gehen. Wir sind dafür „Zum Riesen“ – das älteste Gasthaus Deutschlands. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1411. Das wunderschöne Fachwerkgebäude steht heute unter Denkmalschutz. Im Inneren hat man das Alte mit dem Neuen ganz gut verbunden und auch die Speisekarte ist als eine Art kleine Zeitung hübsch gestaltet. Obwohl das älteste Gasthaus natürlich auch viele Touristen anzieht, ist es trotzdem auch bei Anwohnern sehr beliebt. Wir haben es uns hier gut gehen lassen und waren mit dem Essen zufrieden. (Eine Reservierung wird allerdings empfohlen)

Reisebericht Bayrischer OdenwaldZum Riesen in seiner ganzen Pracht!

Reisebericht Bayrischer OdenwaldVon Innen und Außen – sehr hübsch!

Reisebericht Bayrischer OdenwaldFür mich gab es leckere Spinatklösse und natürlich auch etwas von dem Hauseigenen Bier

Es geht weiter die Hauptstraße runter und ich komme zum Alten Rathaus. Mächtig erhebt es sich das Gebäude aus Stein zwischen den Fachwerkhäusern. Erstmal erwähnt wurde es 1379, wo es auch als Tanz-, Ratssaal und Kauf- und Lagerhaus genutzt wurde. Heute steht das Gebäude allen möglichen Veranstaltungen zu Verfügung. In der Weihnachtszeit soll sich hier ein schöner und stimmungsvoller Weihnachtsmarkt befinden. An der Außenfassade gibt es Markierungen zu früheren Hochwasserständen.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldIn der Mitte das prächtige Alte Rathaus

Reisebericht Bayrischer OdenwaldHübsche Fassaden und Ladenschilder

Ein großer und belebter Platz ist der Marktplatz. Er ist gesäumt von schönen Fachwerkhäusern und in der Mitte steht der Marktbrunnen. Der Brunnen, der mit Blumen, tanzenden Putten und weiteren Figuren verziert wurde, wurde 1583 aus rotem Sandstein errichtet. An dem oberen Teil des Platzes befindet sich in einem prächtigen Fachwerkhaus das Museum Stadt Miltenberg. Das Gebäude „Alte Amtskellerei“ wurde 1542 auf dem Fundament eines älteren Gebäudes errichtet und wurde später der Sitz der Mainzer Kurfürstenverwaltung. In dem Museum befindet sich eine reiche Sammlung von Stadt- und Landgütern von der Römerzeit bis heute.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDer Marktplatz – in der Mitte mit dem Schnatterloch

Reisebericht Bayrischer OdenwaldSehr hübsches Fachwerk mit dem Marktbrunnen

Reisebericht Bayrischer Odenwald

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDas Museum Stadt Miltenberg soll eine liebevoll zusammengestelltee Dauerausstellung haben

Als kleine Stärkung habe ich mir ein leckeres Eis vom Cortina Eiscafé gegönnt und das Treiben auf dem Platz etwas beobachtet. Außerdem bin ich durch die kleinen Straßen rund um den Platz gestreift und habe hübsche Details, wie am Theater Lilli Chapeau, entdeckt.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldAn so einem schönen Platz isst sich der Nachtisch fast von alleine

Reisebericht Bayrischer Odenwald

Natürlich befindet sich am Marktplatz auch die schon von weitem sichtbare Stadtpfarrkirche St. Jakobus. Miltenbergs Stadtbild wäre nicht dasselbe ohne die prägenden Türme dieser Kirche. Die Kirche am Marktplatz besteht schon seit dem 13. Jhd – sie wurde aber immer wieder umgebaut und erweitert. Die letzte Renovierung und Neugestaltung wurde in 2004 beendet – Teile im Inneren aus den früheren Jahren (etwa 14. Jhd 17. Jhd) blieben aber noch erhalten.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Stadtkirche mit ihren prächtigen Türmen

Reisebericht Bayrischer OdenwaldIm Inneren der Kirche

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Säulen mit der Dreikönigsgruppe stammt noch aus der Zeit um 1400

Ebenfalls in der Mitte des Marktplatzes befindet sich das Schnatterloch. Oberhalb des Platzes steht der Schnatterlochtorturm, durch den man durch einen Durchgang in der ehm. Stadtmauer in den Wald gelangt. Bei starkem Regen kann das Wasser durch eine Entwässerungsrinne bis zum Marktplatz abfließen. Der Name Schnatter lässt sich aus dem alten Wort „Snade“ ableitet, welches eine Grenze bezeichnet. Früher floss das Wasser sogar bis zum Main und war ursprünglich die Stadtgrenze.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Entwässerungsrinne mit dem Schnatterlochtorturm

Mein nächstes Ziel war die Burg Miltenberg, die man über zwei Wege erreichen kann. Entweder man folgt dem Fußweg durch den Wald oberhalb des Schnatterlochtorturm oder nutzt den Treppenaufstieg hinter dem Marktbrunnen. Beide Wege sind sehr hübsch. Ich entscheide mich auf dem Hinweg für den Wald.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDurch das Tor in den Wald

Nach 5-10 Minuten Spaziergang durch den Wald erreiche ich die Burg Miltenberg, die heute auch ein Museum beherbergt. Die Burg steht auf einem Bergvorsprung und gehört zum ältesten Teil der Stadt. Sie wurde um 1200 als Feste für den Mainzer Erzbischof errichtet, inkl. dem 27m hohen Bergfried. Das Burggebäude selber stammt noch aus dem 14. Jhd, auch wenn es mehrfach erneuert wurde. Im Innenhof gibt es ein kleines Cafe. Der Eintritt kostet 3 €, dafür kann man das Museum im Inneren und auch die restliche Burg, sowie den Bergfried erkunden. Die Ausstellung im Museum hat mich nicht von den Socken gerissen, aber der kleine Eintritt ist die Burg trotzdem wert.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldWählt man den Waldweg erreicht man die Burg von hinten

Reisebericht Bayrischer OdenwaldBlick auf den Burghof

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Räumlichkeiten im Inneren sind ganz hübsch, auch wenn ich die Ausstellung nicht so spannend fand (ich alter Banause)

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDer Aufstieg zum Bergfried erfolgt entlang der Mauer 

Reisebericht Bayrischer OdenwaldWährend der Öffnungszeiten ist der Bergfried geöffnet…

Reisebericht Bayrischer Odenwald… natürlich hat man von hier oben eine grandiose Aussicht

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Burg Miltenberg von oben

Nachdem ich die Burg erkundet habe, verlasse ich sie wieder über den anderen Weg – der auch sehr schön ist – und komme wieder zurück zum Marktplatz. Von hier aus schlendere ich weiter entlang der Hauptstraße bis ich wieder am Parkplatz am Main die Altstadt verlasse.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldEs geht wieder zurück in die Altstadt 

Reisebericht Bayrischer OdenwaldSind wir in Bayern? Wäre mir fast nicht aufgefallen :-)

Reisebericht Bayrischer OdenwaldHier gibt es auch interessante Geschäfte

Reisebericht Bayrischer OdenwaldMit diesem Schild verabschiede ich mich aus der Altstadt in Miltenberg

Amorbach – Bayerisches Barock

Weiter ging es nach Amorbach. Die von Miltenberg etwa 10km entfernte Stadt gilt als Barockstadt mit verwinkelten Gässchen und wird auch gern das „Schmuckkästchen der Architektur“ genannt. Als erstes hätte die bereits vom weitem sichtbare Gotthardsruine auf dem Plan stehen können, da diese aber nur über eine Wanderung erreicht werden kann, wird sie bei Gelegenheit nachgeholt. Von dem Berg aus soll man mit einer großartigen Aussicht auf die dortigen Täler belohnt werden. Übrigens stammt der Name Amorbach nicht von dem lateinischen Wort „Amor“ für Liebe oder dem Gott Amor ab, sondern von dem mittelalterlichen Wort „amar“ für Emmer (Weizen). So benannt wurde hier ein Bach, der 788 zunächst Amerbach, 1144 dann Ammerbach und 1336 Amorbach genannt wurde und der Namensgeber der Stadt war.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Gotthartsruine thront über der Stadt

Dafür ging es zu der etwas außerhalb des Stadtkerns liegende Kapelle Amorsbrunn. Man sagt, dass im 8. Jhd der Odenwald von hier aus christianisiert worden sei. An dieser Stelle soll es eine früher Quellenkultstätte gegeben haben, auf dessen Reste die Kapelle im 12. Jhd errichtet wurde. Bis ins 17. Jhd wurde der Quelle der ehm. Kultstätte verschiedene Wunderheilungen nachgesagt und sie war bei Wallfahrern sehr beliebt. Sie wurde nachträglich erweitert. Auch heute noch ist die Kapelle ein beliebtes Ziel für Wallfahrer und Pilger, aber auch ein beliebter Ort für Hochzeiten. Man kann die Kapelle zwischen Mai und Oktober besichtigen.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldAn der Außenfassade befindet sich seit 1535 ein Christopherusbild

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDas Innere der Kapelle ist nicht besonders groß, aber dafür hübsch gemacht

Reisebericht Bayrischer Odenwald

Reisebericht Bayrischer Odenwald

Dann ging es für mich weiter in das Stadtzentrum, von wo aus mein Rundgang durch Amorbach begann. Mein erster Stop war an dem Templerhaus, ein mittelaterliches Gebäude, welches lt. einer Legende aus dem 18. Jhd von dem Templerorden errichtet wurde.  Der erste urkundliche Besitzer war die Adelsfamilie Rüdt von Collenberg, die das Gebäude bis zum Bau der Burg Bödigheim im 13. Jhd nutzte. Es wurde später verkauft und teilweise umgebaut. In diesem Zuge wurden die Fachwerkobergeschosse um 1291 ergänzt, was es zum älteste erhaltene Fachwerkhaus in Bayern macht. 1981 wurde das Gebäude von der Stadt Amorbach gekauft und saniert.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDas turmartiges Gebäude stellt eine typische Form eines kleinen Adelssitzes dar

Reisebericht Bayrischer OdenwaldEntlang des Flusses Mud reihens ich die Häuschen. Auf einer Brücke steht eine St.-Nepomuk-Statue

Reisebericht Bayrischer OdenwaldHübsches, idyllisches und gemütliches Amorbach

Die Ursprünge des Kloster Amorbach, auch Fürstliche Abtei genannt, sind nicht eindeutig bekannt – die Gründung wird aber auf das Jahr 734 geschätzt. Es ist eine ehm. Benediktinerabtei und zählt zu den frühesten Klostergründungen im mainfränkischen Raum. Zusammen mit dem Kloster Lorsch im Westen, dem Kloster Fulda im Norden und Kloster Mosbach im Süden sollte das Waldgebiet des Odenwaldes erschlossen werden. Ursprünglich wurde die Benediktinerabtei im romanischen Stil errichtet und später zwischen 1742 bis 1747 durch einen barocken Neubau ersetzt. Das Innere muss sehr prächtig eingerichtet sein und auch über eine sehr schöne Bibliothek verfügen – bei meinem Besuch war sie leider geschlossen. 1803 ging das Gebäude nach der Säkularisation an die Fürsten zu Leiningen über.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldNeben der Kirche befindet sich ein größerer Gebäudekomplet mit der Touristeninformation und einzelnen Geschäften

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie prächtige Kirche von vorne

Ich mache einen kurzen Abstecher zur Zehntscheuer, die 1488 erbaut wurde. Ursprünglich wurde sie als „Steuersäckel“ des Mainzer Kurfürsten errichtet. Durch die Säkularisation des Klosters, ging auch sie an das die Fürsten zu Leiningen über. Nachdem die Zehnt (10% Steuer an eine geistliche oder weltliche Institution) in 1848 abgeschafft wurde, verlor das Gebäude seine Bedeutung und wurde in den 30er Jahren zu einem Kino umgebaut. Nach dem Tod des Besitzers 1981 stand das Kino leer und verfiel mehr und mehr. 1990 zog der heimische Kulturkreis dort ein und dank Eigenmitteln, Krediten, Spenden und Benefizveranstaltungen konnte das Gebäude zu einem Theater mit Kleinkunstprogramm umgebaut werden.

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Reisebericht Bayrischer OdenwaldIch vermute mal, diese Tür wird nicht so oft genutzt

Am kleinen Marktplatz steht eine Mariensäule mit einer gekrönten Madonna und Kind. Im Hintergrund befindet sich ein schönes zweigeschossiges Fachwerkhaus aus dem 17. Jhd.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Säule, aber auch die Treppe des Wohnhauses besteht aus Sandstein

Ähnlich wie die Kirche in Miltenberg ist auch die Barocke Pfarrkirche St Gangolf weithin sichtbar. Aus Platzgründen wurde im 18. Jhd die ehm. gotische Kirche aus dem 12. Jhd durch einen Neubau ersetzt. Sie ist die heutige, die sich im Laufe der Jahre baulich so gut wie nicht verändert hat. Die katholische Pfarrkirche beherbergt Kunstwerke aus verschiedene Jahrhunderten. Besonders bekannt ist sie für die aufwändigen Deckenmalereien und ihre Orgel.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie dank ihrer Türme weithin sichtbare Kirche hat eine länge von 27m

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDer Innenraum ist sehr üppig dekoriert

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Reisebericht Bayrischer OdenwaldEiii, Guuude!

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Direkt neben der Kirche befindet sich das Fürstlich-Leiningensches Palais. Wie der Name bereits erahnen lässt, ist das Palais die Residenz der Fürsten von Leiningen. Es wurde 1724 bis 1727 errichtet und befindet sich bis heute im Familiensitz der ehm. Fürsten zu Leiningen.

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Eine Wanderung zur Zittenfelder Quelle

Wie wir schon häufig festgestellt haben, kann man im Odenwald hervorragend wandern gehen. Das wollten wir hier auch noch tun, und zwar zu der Zittenfelder Quelle bei Schneeberg. Dafür sind wir dieser Wanderroute gefolgt.

Kilometer: 9,31 km
Wir haben gebraucht: ca 2:55 Std (inkl. Pausen und Fotostops)
Aufstieg: 348m, Abstieg: 348m
(gemessen mit einer Tracking App)

Reisebericht Bayrischer OdenwaldHübsche Aussichten entlang der Morre 

Der erste Teil der Wanderung (bis Zittenfelden) ist wirklich sehr schön und sehr empfehlenswert. Man wandert, mal mehr mal weniger am Fluss Morre entlang durch einen – ich würde schon fast sagen – Märchenwald. Die Wege sind manchmal verwinkelt, als würde man durch einen Durchgang aus Bäumen gehen. Man sieht zahlreiche moosbewachsene Steine und hier und da kann man aus dem Wald hinaus auf das Tal blicken und hat eine sehr hübsche Aussicht.

Nach ein paar Kilometern kommen wir dann zu der Zittenfelder Quelle. Sie entspringt einer kleinen Höhle und bildet einen kleinen Bach, der nach etwa 450m in dem Fluss Morre mündet. Ein weiteres Highlight folgt keine 500m weiter: Die Wolfstanne. Fast 60m ragt die Tanne hinauf. 170 bis 200 Jahre ist sie alt. Den Namen hat sie vermutlich, weil es um 1866 noch größere Wolfsrudel in dieser Gegend gab.

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Zittenfelder Quelle – wirklich idyllisch!

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie beeindruckende Wolfstanne

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Kurz vor Zittenfelden führt uns der Weg wieder zurück. Der Weg ist immer noch sehr schön, aber nicht mehr so magisch, wie der erste Teil. Wir kommen an der Karre-Franz-Höhle vorbei, die ganz süß ist, aber auch sehr klein. Nach etwa 3 Std. sind wir fertig, zurück in Schneeberg und mit unserer Tour sehr zufrieden!

Reisebericht Bayrischer OdenwaldEin Hof nähe Zittenfelden – wie hübsch ist das denn bitte? Kann ich hier einziehen?

Reisebericht Bayrischer OdenwaldEin Sonnenblumenfeld direkt vor der Tür gibt es auch

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDie Karre-Franz-Höhle – die eigentlich keine richtige Höhle ist

Reisebericht Bayrischer OdenwaldHübsche Details in der Natur

Reisebericht Bayrischer OdenwaldEin Blick auf Schneeberg

Burgruine Wildenberg

Mein letzter Stop im bayerischen Odenwald war die Burgruine Wildenberg. Dafür habe ich am Waldmuesum Watterbacher Haus geparkt. Das Watterbacher Haus gilt als ältestes Bauernhaus  im Odenwald. Im Museum wird seine Geschichte und die unterschiedliche Nutzung des Waldes seit dem Mittelalter erzählt. Für mich ging es von dort aber direkt zu der Burgruine. Der Weg führt zunächst über das offene Feld in den Wald hinein. Gegen Ende der kleinen Wanderung geht es ein wenig bergab, bevor die Burgruine dann zwischen den Bäumen auftaucht. Ich habe etwa 15 Minuten für die Wanderung gebraucht.  

Reisebericht Bayrischer OdenwaldDas Waldmuesum Watterbacher Haus 

Reisebericht Bayrischer OdenwaldZwischen den Bäumen taucht die Burg schließlich auf

Reisebericht Bayrischer Odenwald

Reisebericht Bayrischer Odenwald

Reisebericht Bayrischer Odenwald

Die Errichtung der Burg wird auf zwischen 1180 und 1200 datiert. Als Erbauer gelten die Herren von Dürn. Nach finanziellen Schwierigkeiten musste die Burg aber um 1271 zumindest teilweise an das Erzstift Mainz verkauft werden. 1292 wurde es dann komplett erworben und wurde zum Amtssitz der Mainzer Verwaltung. Während eines Erdbebens in 1356 soll die Burg stark beschädigt worden sein. Von 1400 bis 1511 wurde die Burg erneuert und erweitert. Während des Bauernkrieges wurde sie 1525 niedergebrannt – seitdem ist sie eine Ruine.

Reisebericht Bayrischer Odenwald

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Durch den schönen Wald ging es danach wieder zurück zum Parkplatz. Meine Tour durch den bayerischen Odenwald war beendet. Für dieses Mal….

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Teil 1 meines Odenwald-Specials: der vordere Odenwald
Teil 2 meines Odenwald-Specials: die historischen Altstädte von Michelstadt & Erbach
Teil 3 meines Odenwald-Specials: Die Bergstraße – Wein und Burgen
Teil 4 meines Odenwald-Specials: die Burgenstraße entlang am Neckartal
Übersichtskarte mit allen genannten Punkte

Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)