Odenwald 3 – Die Bergstraße – Wein und Burgen

Südlich von Darmstadt befindet sich die Bergstraße, mit der ich schon seit Kindheitstagen zahlreiche Burgen verbinde. Sie hat aber noch mehr zu bieten: hübsche Fachwerkhäuschen in den Altstädten, Weinberge – natürlich mit leckeren Wein – und eine grandiose Aussicht!

Die Bergstraße – Wein und Burgen

In diesem Beitrag meiner Odenwald-Reihe geht es um die Bergstraße– sie befindet sich zwischen Darmstadt und Heidelberg und liegt an der Bergkette des westlichen Odenwalds, zwischen dem Rhein und Neckar. Durch die Berge wird sie vor kalten Ostwinden geschützt und dadurch ist das Klima recht mild. Mit vielen Sonnenstunden und der tollen Landschaft kann man fast ein wenig heimisches Toskana-Feeling genießen. Daher ist es so, dass hier auch Pflanzen wachsen, die sonst eher im südlicheren Europa zuhause sind. So soll Kaiser Joseph II 1764 gesagt haben: „Hier fängt Deutschland an, Italien zu werden“. Aber es dreht sich an der Bergstraße weniger um südeuropäische Früchte – sondern mehr um den Wein (der aber natürlich auch von den vielen Sonnenstunden profitiert). Und natürlich die vielen Burgen. Den Wein brachten vermutlich die Römer mit, die die Bergstraße bereits damals als Handelsweg nutzten. Weinfeste werden hier gern zelebriert, z.B. war ich dieses Jahr zum 1. Mai auf der großen Weinwanderung und habe hier darüber berichtet.

Was gibt es hier also zu sehen und zu erkunden:

Burg Frankenstein – Burg mit gruseliger Geschichte?

Beginnen wir doch mit einer der vielen Burgen: die Burg Frankenstein! Gern wird dargestellt, dass diese Burg der Namensgeber für das bekannte Buch Frankenstein ist, aber das ist tatsächlich sehr unwahrscheinlich, denn die im Buch beschriebene Gegend passt nicht zum Odenwald. Die Burg wurde erstmals 1252 erwähnt, war zu diesem Zeitpunkt aber schon erbaut und in Benutzung. In 1662 verkauften die Frankensteiner die Burg an Landgraf Ludwig VI von Hessen-Darmstadt und zogen nach Franken, wo die Nachfahren auch heute noch leben.

Reisebericht Odenwald Bergstraße

Da der Ludwig die Burg nur wegen dem Territorialbesitz kaufte, verfiel die Burg zusehens. Sie wurde während der Eroberungskriege noch von Frankreich als Zufluchtsort genutzt. Dann kam das Gerücht von einem verstecken Schatz auf – weswegen es zu größeren Zerstörungen auf der Suche nach diesem kam und so war die Burg im 18. Jhd sehr verfallen. Dann wurde alles – wie Dächer, Ziegel, Holz – zu Geld gemacht was ging und sie wurde zudem als billiger Steinbruch genutzt. Im Zuge der im 19. Jhd entstandenen Burgenromantik ließ Großherzog Ludwig III sie wieder restaurieren, dabei wurde die Restaurierungsarbeiten aber nicht besonders gut durchgeführt und vieles nicht historisch korrekt wieder aufgebaut.

Reisebericht Odenwald Bergstraße

Einer Legende nach, soll der Ritter Georg unterhalb der Burg einen Lindwurm erschlagen haben. Der Lindwurm terrorisierte ein Dorf und sollte durch die Opferung seiner heimlichen Geliebten besänftigt werden. Daher besiegt er ihn nach einem langen Kampf, vergiftete sich dabei aber und starb.

Heute ist die Burg ein beliebtes Ausflugsziel und hat ein Restaurant mit Aussichtsterrasse in der Vorburg. Im Herbst findet hier jedes Jahr ein Halloween-Festival statt, dass zu den größten Deutschlands gehört. Die Burg ist täglich ab 9 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. 

Schloss Alsbach – schöne Burgruine mit toller Aussicht

Eine weitere sehenswerte Burge ist das Alsbacher Schloss. Die früher noch Burg Bickenbach genannte Burg wurde um 1235 über dem Dorf Alsbach erbaut. Obwohl sie um 1463 nieder brannte, wurde die schnell wieder aufgebaut. Sie wechselte im Laufe der Jahre ihre Besitzer und im Laufe des 17. und 18. Jhd verfiel sie zusehends zu der Ruine die wir heute besichtigen können. In der Mitte des Burghofs befindet sich der 19,3m hohe Bergfried, den man für 0,50 € besteigen kann. Von hier aus hat man eine schöne Aussicht auf die Bergstraße.

Reisebericht Odenwald Bergstraße Das Alsbacher Schloss vom Melibokus aus

Reisebericht Odenwald Bergstraße lange Schlossmauern…

Um die Erhaltung der Burg zu finanzieren, finden auf dem Gelände zahlreiche Veranstaltungen rund um die Burg statt, wie z.B. der große Kunst- und Handwerksmarkt an Pfingsten mit Rittern, Gauklern und Handwerkerständen. Im Burghof gibt es einige Nachbildungen zu historischen Lagerplätzen, eine Schmiede und eine kleine Küche.  Vor dem Burghof gibt es einen kleinen Schlossgarten, der mit mittelalterlichen und modernen Kräutern bepflanzt ist. Außerdem gibt es hier ein Restaurant und einen eigenen Schlosswein.

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Reisebericht Odenwald Bergstraße der kleine Schlossgarten befindet sich direkt beim Eingang

Die Burg kann kostenfrei besichtigt werden. Es ist von Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen ab 11 Uhr geöffnet (kann saisonal bedingt abweichen). Montag und Dienstag ist die Burg geschlossen.

Melibokus – der höchste Berg der Bergstraße

Nicht zu übersehen ist der markante Melibokus – der höchste Berg der hessischen Bergstraße. Mit seinen 517m höhe ist er ein beliebtes Ziel für Wanderer und Mountainbiker. Auf dem Gipfel befindet sich eine Aussichtsplattform, von der man einen tollen Blick auf die Rheinebene hat. Dort gibt es auch einen kleinen Gastraum, wo man Samstags, Sonntags und an Feiertagen ab 11 Uhr seinen kleinen Hunger stillen und für 1 € den Aussichtsturm besteigen kann.

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Reisebericht Odenwald Bergstraße Hier gibt es eine Rampe für Drachenflieger

Schloss Auerbach – beeindruckende Ruine einer Wehrburg

Natürlich muss hier auch das Schloss Auerbach – oder auch Auerbacher Schloss – erwähnt werden. Sie gehört zu den imposantesten und mächtigstehn Burgen im südlichen Hessen. Im 13 Jhd. wurde die Burg errichtet und war als uneinnehmbare Burganlage geplant – so entstand hier eine große Festungsanlage. Die Waffen wurden im Laufe der Jahre besser und um das 16 Jhd. verlor die Burg  auch ihre uneinnehmbare Wirkung und dadurch schließlich auch ihre strategische Bedeutung. Durch div. Kriege und durchziehende Truppen wurde das Schloss herunter gebrannt und nach und nach verwüstet, dass schließlich nur eine Ruine zurück blieb. Erst als 1820 ein Turm einstürzte begann man wieder mit einem Aufbau und Sicherung der Ruine. Heute gibt es hier ein vielfältiges Programm mit Burgschenke und Erlebnisgastronomie mit regelmäßig statt findenden Rittermahle. Die Burg und der südliche Turm kann kostenlos besichtigt werden.

Reisebericht Odenwald Bergstraße

Reisebericht Odenwald Bergstraße

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Reisebericht Odenwald BergstraßeBesonders beeindruckend ist die 300 jährige und 7m hohe Waldkiefer.

Zwingenberg – die älteste Stadt der Bergstraße 

Zwingenberg liegt in steiler Hanglage am Melibokus und ist mit 7.000 Einwohnern relativ übersichtlich. Mit ihrem Stadtrecht von 1274 ist sie die älteste Stadt der hessischen Bergstraße, aber gleichzeitig auch eine der kleinsten Städte. Sie hat eine gut erhaltene Altstadt mit einigen Fachwerkhäusern. Wenn es einen hier hin verschlägt, gibt es ein paar Sachen, die man sich ansehen kann: wie z.B. die historische Scheuergasse (hessisch für Scheunen).

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Ein Spaziergang durch die mittelalterliche Obergasse bis zum Marktplatz, der umgeben von Fachwerkhäusern aus dem 17. Jhd ist mit einem hübschen Brunnen in der Mitte, der ursprünglich mal Teil der Wasserburganlage war, ist auch sehenswert.

Reisebericht Odenwald Bergstraße Fachwerkhäuser soweit man sehen kann…

Reisebericht Odenwald Bergstraße Wobei der Brunnen mit seiner blauen Farbe ein bisschen was von einem Swimming Pool hat :-)

Auch kann man einen Bilck auf die Bergkirche werfen – die Kirche aus dem 12. Jhd ist das Wahrzeichen der Stadt und wurde nach der Zerstörung 1693 umfangreich renoviert. Ursprünglich hatte die Stadt eine große Stadtmauer – heute kann man noch ein Teil von sehen: die Aul ist der letzte erhaltene Eckturm. Ursprünglich gab es hier keinen Durchgang – dieser wurde nachträglich hinzugefügt. Damals gab es hier nur ein „Schlupfpförtchen“.

Reisebericht Odenwald Bergstraße die Spitze der Bergkirche ragt hinter den Häusern hervor

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Reisebericht Odenwald Bergstraße Der Eckturm der Aul inmitten von Wohnhäusern

Wer eine schöne und anstrengende Wanderung machen möchte, die das Schloss Alsbach, den Melibokus, das Schloss Auerbach und Zwingenberg beinhaltet, sollte sich diese Route mal näher ansehen. Ich habe die Wanderung gemacht und mir hat sie sehr gut gefallen. Parken tut man am besten an einer der Burgen und wandert von dort aus los. Mit den Öffentlichen startet man am Besten von Zwingenberg aus. 

Bensheim – die größte Stadt der Bergstraße 

Eine weitere Stadt an der Bergstraße ist Bensheim, die mit 40.168 Einwohnern die größte der Bergstraße ist. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie von den Franzosen und Schweden besetzt und von den Bayern befreit, die durch einen unterirdischen Geheimgang in die Stadt kamen – diese Geschichte ist noch als „Fraa von Bensem“ bekannt. Die Stadt hat natürlich eine schicke Altstadt mit hübschen Fachwerkhäusern zu bieten, aber auch ein vielfältiges Kulturprogramm.

Mein Rundgang durch Bensheim beginnt am Rinnentor – ein putziger, kleiner Torturm der zur Stadtbefestigung vom 13.-14. Jhd gehörte. Der Torturm war – nachdem man die Stadtmauer nicht mehr zur Sicherung der Stadt benötigte – mal größer gewesen. Aber aus Platzgründen wurde dieser 1885 auf den jetzigen Torturm reduziert – ein Verlust, der der Stadt und den Bürgern erst im Nachhinein bewusst wurde, da dieses Tor auch ein Wahrzeichen der Stadt war.

Reisebericht Odenwald Bergstraße Heute ist der Rinnentorturm ein Denkmalgeschütztes Kulturdenkmal

Der Hospitalbrunnen wurde 1842 um 43m an der Stelle, wo er heute steht neu aufgebaut.  Eigentlich war als Bezeichnung „Weinbrunnen“ vorgesehen, allerdings setzte dieser Name sich nicht gegen die traditionelle Bezeichnung durch, da der Brunnen gegenüber der Hospitalkirche St. Joseph steht.

Reisebericht Odenwald Bergstraße Erst um 1935 wurden der Hospitalbrunnen mit den zwei Putten (die vermutlich noch aus dem 18. Jhd stammen) und den Weintrauben und Ranken geschmückt.

Den kleinen Fluss Lauter kann man über die Mittelbrücke überqueren, die die Vorstadt mit der Altstadt verbindet. Ursprünglich stand hier eine Holzbrücke, die aber 1732 bei einer schlimmen Überschwemmung – zusammen mit div. Häusern – davon gespült wurde. Das Ehepaar Ernsperger spendete – weil sie bei der Überschwemmung mit dem Leben davon gekommen waren – aus Dank der Brücke die zwei Heiligenfiguren.

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Der zentrale Platz in Bensheim ist der Marktplatz – er ist von einigen hübschen Fachwerkhäusern umgeben, wie das ehemalige Gasthaus „Zur Armbrust“ aus dem Jahre 1615, oder die sogenannte „Zierde des Marktplatzes“ – drei einheitlich aussehende Fachwerkhäuser an der Südseite von 1682. Hier findet neben dem Wochenmarkt auch div. Jahrmärkte und der Weihnachtsmarkt statt. Verweilen kann man in einer der vielen Cafes und Gasthäuser. In der Mitte befindet sich Marktbrunnen aus dem 18. Jhd, der aber auch immer wieder erneut und auch versetzt wurde. Die Kinderfiguren am Rand stehen für die 4 Jahreszeiten. Neben dem hessischen Wappen findet man hier Figuren des Ackerbaus, der Gerechtigkeit und des Handwerks. Auf der Spitze sieht man den heiligen Georg – dargestellt als drachentötender Ritter.

Reisebericht Odenwald Bergstraße Der Marktplatz – umringt von Fachwerk an einem ruhigen Sonntag

Reisebericht Odenwald Bergstraße Die Figur des Marktbrunnen ist erst bei einer Erneuerung in 1895 hinzugefügt worden.

Unweit vom Marktplatz befindet sich der Fraa-vun-Bensem-Brunnen von 1935 – er zeigt die Sagenfigur einer alten Frau, die die bayerischen Befreier während des von Franzosen und Schweden besetzten Dreißigjährigen Krieges durch den Mühlgraben führte, damit diese Bensheim befreien konnten. In dem Zusammenhang ist auch das Sprichwort „Hinnerum, hinnerum, wie die Fraa vun Benshem“ bekannt.

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Einen kleinen Hügel hinauf kommt man zur Katholische Kirche St. Georg Bensheim. An dieser Stelle befand sich bereits sehr früh ein Gotteshaus – diese war aber lange schon sehr baufällig und wurde 1826 dann abgerissen und die heute St. Georg Kirche wurde erbaut und 1830 eingeweiht. Vorbild war dafür die 1823 zerstörte St. Pauluskirche in Rom. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche während eines Bombenangriffs schwer beschädigt und während der 1950er Jahre wieder aufgebaut.

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Mein Weg führt mich am Roten Turm vorbei – der früher auch mal zur Stadtmauer gehörte und an dem Synagogen-Mahnmal vor der Anne-Frank-Turnhalle, die an die ehemalige Synagoge von 1892 erinnern soll, die mal an dieser Stelle stand und in 1938 zerstört wurde. Bensheim hat div. unter Denkmalschutz stehende Höfe – wie den Walderdorffer Hof – das älteste vollständig erhaltene Fachwerkhaus Südhessens von 1395, oder den Dalberger Hof – ein alter Adelshof der Familie Dalberg von 1586/87, in dem Teil der Stadtmauer mit eingebaut wurden

Reisebericht Odenwald Bergstraße Der Rote Turm hatte früher mal ein Walmdach, welches 1833 durch den Zinnenkranz ersetzt wurde.

Reisebericht Odenwald Bergstraße Das Bild zeigt die Synagoge sowohl in unversehrtem und zerstörten Zustand

Reisebericht Odenwald Bergstraße Der Walderdorffer Hof ist heute ein Weinlokal und ein Restaurant

Reisebericht Odenwald Bergstraße Der Dalberger Hof wurde verschieden genutzt: mal als Platz für den Gottesdienst, dann als Schule, als Zollamt. In den 1950er wurde er zu einem Restaurant umgebaut

Mein letzter Stop in Bensheim ist der Stadtpark mit dem Gut Rodensteiner Hof. Das Wohnhaus, das vermutlich bereits 1570 hier stand, wechselte mehrfach den Besitzer und wurde dann in der zweiten Hälfte des 19. Jhd aufwändig saniert. Nach dem Tod der Besitzer ging das Gut 1904 an die Stadt Bensheim über. Heute befinden sich neben Büroräumen und Wohnungen ein Cafe in dem Hof.

Reisebericht Odenwald Bergstraße Vom Park aus gelangt man auch in die Weinberge bei Bensheim

Eine tolle Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Weinberge hat man von dem Kirchberg, ein wenig außerhalb von Bensheim. Er ist nur zu Fuß und nicht mit dem Auto erreichbar – aber die kurze Wanderung lohnt sich. Oben angekommen kann man sich beim Kirchberghäuschen mit etwas Essen oder einem leckeren Glas Wein belohnen.

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Fürstenlager Bensheim

Ein wenig außerhalb von Bensheim befindet sich das Fürstenlager. Zu Beginn des 18. Jhd wurde hier ein Mineralbrunnen entdeckt und daraus entstand ein Kurbetrieb. Für die Aufenthalte der Fürsten wurden daher zunächst Gebäude errichtet und Landgraf Ludwig X entschied dann das Fürstenlager als Sommerresidenz auszubauen. Mit dem Tod des Herzogspaares um 1829/30 wurde der Kurbetrieb eingeschränkt, da auch der Mineralgehalt der Quelle sank. Ein Großteil der Gebäude ist bis heute unverändert erhalten geblieben. Der Park hat eine Größe von 42 Hektar – und hier gibt es allerlei zu erkunden. 

Das Fürstenlager ist ein tolles Ziel für einen Tagesausflug. Hier hatte ich bereits im Detail über das Lager und den nahe gelegenenen Goethebrunnen berichtet: Tagesausflug: Fürstenlager und Schloss Schönberg / Bensheim

Reisebericht Odenwald Bergstraße In dem Herrenhaus (rechts) befindet sich heute ein Cafe

Reisebericht Odenwald Bergstraße Auf dem Gelände kann man ausgedehnte Spaziergänge durch den Wald und über Felder machen

Felsenmeer – grandiose Felsenlandschaft mit Riesen-Sage

Ein kleiner Leckerbissen für Naturliebhaber ist das Felsenmeer bei Lautertal – eine Felsenlandschaft aus Quarzdiorit. Früher wurde das Felsenmeer von Steinmetzen zur Steingewinnung genutzt – heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel. Natürlich hat das Felsenmeer auch eine Sage, die von zwei Riesen – Felshocker und Steinbeißer – handelt. Im Streit bewarfen sie sich gegenseite mit Steinen. Da Steinbeißer hier im Vorteil war, begrub er Felshocker bald unter vielen Steinen und so entstand das Felsenmeer. Sehr romantisch. Realistisch betrachtet, entstand das Felsenmeer wohl eher vor Millionen von Jahren während der Verschmelzung der Urkontinente. Der obere Erdmantel des Odenwalds – damals noch etwa auf der Höhe des Äquators – bricht auf und die Gesteinsschmelze läuft heraus, kühlt an der Erdkruste ab und so begann es. Im Lauf der Millionen Jahren veränderte sich die Landschaft und die Witterungsbedingungen und schließlich formten sich die uns bekannten Felsen.

Reisebericht Odenwald Bergstraße

Reisebericht Odenwald Bergstraße

Das Felsenmeer selbst ist kostenfrei, aber es werden 3 € Parkgebühr erhoben, die aber auch zum Erhalt der Landschaft genutzt werden. Einmal im Jahr findet hier im Herbst die Veranstaltung Felsenmeer in Flammen statt – die schon lange auf meiner Liste steht und ich es bisher leider noch nicht geschafft habe.

Heppenheim – die schönste Stadt der Bergstraße 

Ob Heppenheim die schönste Stadt an der Bergstraße ist, ist wohl letztendlich Geschmackssache. Auch wenn sie weniger Sehenswürdigkeiten in dem Sinne hat, haben mir die putzigen und charmanten Gassen der Altstadt einfach am besten gefallen. Die Stadt hat außerdem was sagenhaftes – wer sich aufmerksam umschaut wird in der Altstadt die vielen Laternen mit ihren Scherenschnitten entdecken – 150 um genau zu sein. Die Scherenschnitte erzählen von Sagen aus ganz Hessen – am Laternenpfahl wird auf einer kleinen Tafel die Geschichte zu den illustrierten Laternen erzählt. Man kann sich hierzu einen Audio-Guide ausleihen oder im Sommer eine Führung über den Laternenweg machen.

Reisebericht Odenwald Bergstraße

Reisebericht Odenwald Bergstraße

Das die Römer die Bergstraße als Handelsweg nutzten, kann man in Heppenheim hautnah erleben: in der Ferdinand-Feuerbach-Anlage kann man etwa 20qm römische Pflasterung sehen, die 1955 bei Kanalisationsarbeiten gefunden und hier hin versetzt wurde.

Reisebericht Odenwald Bergstraße rein optisch nicht so spannend, aber ein Stück Geschichte!

Reisebericht Odenwald Bergstraße Rund um den Marktplatz findet man einige der charmante Fachwerkgassen 

Am Marktplatz kann man sich einmal im Kreis drehen – denn jedes Haus ist hier sehenswert. Am auffälligsten ist hier wohl das Rathaus – welches ursprünglich im Jahre 1551 errichtet wurde, aber dann abgebrannt ist, nachdem französische Truppen die Stadt nach plünderungen 1693 in Brand steckte. Das steinerne EG überstand den Brand und 7 Jahre später wurde das heutige Fackwerk gebaut. Heute hat es auch ein Glockenspiel, das 5x täglich zwischen 8 Uhr morgens und 10 Uhr abends spielt. Ebenfalls ein schönes Gebäude ist die ehem. Apotheke Pirsch – in diesem Gebäude brannte der Dachstuhl als der Chemiker Justus Liebig während privater Experimente es mit Knallsilber versehentlich in brand setzte. Justus Liebig hatte 1817/18 in der Apotheke eine Lehre begonnen – nach dem Feuer war diese allerdings zuende. In der Mitte des Platzes befindet sich seit der ersten Hälfte des 18. Jhd der Marktbrunnen. Die Statue zeigt Maria mit einer goldenen Liile und Strahlenkranz.

Reisebericht Odenwald Bergstraße Am Marktplatz gibt es auch jede einige Cafes und Restaurants – ein schöner Platz für ein Päuschen – mit Blick auf die Weinberge und die Starkenburg

Reisebericht Odenwald Bergstraße Der Marktbrunnen mit der ehem. Apotheke Pirsch im Hintergrund (mitte rechts)

Reisebericht Odenwald Bergstraße die absolut putzige Schunkengasse auf dem Weg zur St. Peter Kirche

Die Pfarrkirche St. Peter Kirche wurde von 1900- 1904 errichtet  – wobei es an dieser Stelle natürlich schon ältere Vorbauten gegeben hat, die auch mit verbaut wurden, z.B. gehören das Untergeschoss des Nordturms noch zu einem Bau aus dem 12. Jhd. Sie wird auch gern wegen ihrer Größe „Dom der Bergstraße“ genannt.

Reisebericht Odenwald Bergstraße eine steile Treppe mit Blick aus dem grünen heraus auf die Kirche

Reisebericht Odenwald Bergstraße die Vorderseite der Kirche mit Blick auf die (eingepackte) Starkenburg

Starkenburg – Jugendherberge mit Sternwarte

Über der Stadt trohnt die Starkenburg auf dem Schlossberg. Im Jahre 1065 wurde sie in Auftrag gegeben und gehört damit zu den ältesten des westlichen Odenwalds. Nachdem die Burg 1621 von spanischen und 1630 von schwedischen Truppen besetzt war, wüteten die Franzosen (nicht nur) während des Dreißigjährigen Krieg in Heppenheim. 1765 verlor die Burg an strategischer Bedeutung, sie verfiel und wurde als Steinbruch genutzt. Im 18. Jhd begann man dann mit dem Wiederaufbaue. Heute befindet sich in der Burg eine Jugendherberge, die der Burg etwas an charme nimmt, da sie natürlich entsprechend umgebaut wurde. Im unteren Bereich gibt es einen gemütlichen Biergarten. Man kann die Burg bequem per Fuß über mehrere Wanderwege erreichen oder bis zum Naturparkparkplatz mit dem Auto fahren. Die Öffnungszeiten variieren je nach Monat und Tag – der Eintritt ist kostenfrei.

Reisebericht Odenwald Bergstraße Der Bergfried war bei meinem Besuch wegen Renovierungsarbeiten eingepackt, daher habe ich einen der Westtürme fotografiert ;)

Reisebericht Odenwald Bergstraße ein romantischer Turm mitten im Wald

Reisebericht Odenwald Bergstraße Von der Burg aus hat man eine tolle Sicht auf die Stadt und die St. Peter Kirche

Unweit von der Burg befindet sich die Starkenburg-Sternwarte: eine von ehrenamtlichen arbeitenden Astronomen in einem gemeinnützigen Verein. Alles begann mit den Freunden Martin Geffert und Alfred Sturm und ihre Begeisterung für die Sterne. Sie lernten sich 1938 während ihrer Lehre kennen. Sie steckten Freunde mit ihrer Leidenschaft an und als 1957 der Komet Arend-Roland sichtbar wurde, zogen sie mit ihrem selbst zusammen gebauten Teleskop los. Es kamen immer mehr Begeisterte dazu und 1968 waren – nach 3 Jahren – die Verhandlungen um das Gelände bei der Starkenburg abgeschlossen: der Bau konnte beginnen und die Sternenwarte wurde 1973 eingeweiht. Heute hat der Verein 160 Mitglieder und jeden Dienstagabend finden öffentliche Vorträge statt. In den Wintermonaten findet außerdem freitagsabends öffentliche Beobachtungsstunden statt.

Reisebericht Odenwald Bergstraße

 Siehe auch:
Teil 1 meines Odenwald-Specials: der vordere Odenwald
Teil 2 meines Odenwald-Specials: die historischen Altstädte von Michelstadt & Erbach
Teil 4 meines Odenwald-Specials: die Burgenstraße entlang am Neckartal
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten

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