Nepal 6 – Im Kathmandu-Tal: Bhaktapur & Panauti

An meinem letzten Tag in Nepal ging es für mich in das Kathmandu-Tal, wo ich die beiden schönen Städte Panauti und Bhaktapur besucht habe…

Mein letzter Tag in Nepal

Das Kathmandu-Tal liegt in einem auf 1300-1400m Höhe liegenden Talkesse, welches einen Durchmesser von ungefähr 30km hat und von Bergen umgeben ist. Es wird zwar Tal genannt, allerdings ist es eher ein flaches und ausgedehntes Becken. Das Klima begünstigt die Region, denn die Temperatur fällt fast nie unter den Gefrierpunkt, sie steigt im Sommer aber auch nur selten auf 30°C. Das ermöglicht eine gute landwirtschaftliche Nutzung, das eine Besiedlung durch den Menschen gefördert hat. Diese kann auf min. 2000 Jahre in dieser Region nachgewiesen werden. Die Region war schon immer das kulturelle und politische Zentrum des Landes. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiHübsche Details in Bhaktapur 

In meinem Reisebericht über Kathmandu habe ich die Legende erwähnt, die man sich über die Entstehung des Kathmandu-Tales erzählt. Tatsächlich soll das Tal tatsächlich früher mit Wasser gefüllt gewesen sein, aber man geht davon aus, dass ein Erdbeben für die Risse in den Bergen verantwortlich war, woraufhin das Wasser abfließen und das Gebiet von Menschen – den Newar – besiedelt werden konnte. Die größten und bekanntesten Städte in diesem Tal ist die Hauptstadt Kathmandu, Lalitpur (welche mit Kathmandu verschmolzen ist), Bhaktapur und Panauti. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiTolle Handarbeiten aus Panauti

Da ist er auch schon! Der letzte Tag der Reise. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergehen kann. Für meinen Kathmandu-Tal Besuch habe ich mir noch eine Tour rausgesucht und zwar diese hier mit Royal Mountain Travel. Natürlich kann man Panauti und Bhaktapur auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, aber dafür war ich ehrlich gesagt an meinem letzten Tag zu faul. Ich wurde von meiner Guide pünktlich abgeholt. Unterwegs waren wir in einem Auto, das einen sehr guten Eindruck gemacht hat, mit einer eigenen Fahrerin und der Guide. Die Tour wurde alleine für mich durchgeführt, es gab keine weiteren Teilnehmer. Gekostet hat sie mich etwa 32 Euro, zusätzlich anfallende Eintrittsgebühren waren nicht enthalten. 

Grandiose Newar Schnitzereien in Panauti

Als erstes ging es nach Panauti. Die kleine Stadt liegt am Rand des Kathmandu-Tals. Sie wird auch gern „Little Bhaktapur“ genannt, da die beiden Städte gewisse Ähnlichkeiten haben, Panauti aber deutlich kleiner und weniger touristisch ist. Man geht davon aus, dass sie zwischen 750 und 1200 v. Chr. gegründet wurde. Aufgrund der guten Lage an einer Handelsroute war sie eine blühende Handelsstadt, was man kaum noch glauben kann – so klein und verschlafen wie sie heute wirkt. Die Bewohner sind zum Großteil Nachfahren der Newar. Bekannt ist die Stadt besonders für ihre feinen und wunderschönen Schnitzarbeiten, die man an vielen Holzfenstern und Türen bewundern kann. Insgesamt gibt es hier zahlreiche Tempel und viele kleine Gassen in der gut erhaltenen Altstadt zu bewundern. Abgesehen vom alten Palast, der dank dem Erdbeben 2015 in Trümmern liegt, gehört sie zu den am besten erhaltenen Städten der Region. Eine Legende besagt, dass Panauti besonders widerstandsfähig gegen Erdbeben sein soll und es scheint, dass das Beben 2015 diesen Glauben bestätigen konnte. 

In keinem Land auf der Erde wird so viel gefeiert wie in Nepal – gern auch über mehrere Tage hinweg. In Panauti gibt es zwei besondere Ereignisse, das jährlich statt findende Panauti Jatra – welches 3 Tage zum Ende des Monsums statt finden – und das alle 12 Jahre stattfindende Makarmela Festival. Während meines Besuches sollte auch ein Fest anstehen (Asche auf mein Haupt, ich weiß leider nicht mehr welches) und die Straßen waren mit kleinen, schimmernden Girlanden geschmückt. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiFeierstimmung in Panauti

Vom Durbar-Platz und dem Layaku-Palast im Stadtzentrum ist nach dem Erdbeben 2015 leider nicht mehr viel übrig geblieben. Heute ist er eher zu einem Spielplatz für Kinder geworden. Früher soll sich hier der Königspalast der Stadt befunden haben. Da Panauti aber schon lange kein Königreich mehr war, wurde er nicht mehr als solches genutzt. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiHeute befindet sich an diesem Platz nur noch Überreste 

Wir streifen zunächst durch die schmalen Gassen Panautis. Es scheint, als wäre die Zeit hier ein wenig stehen geblieben. Die Gassen sind leer und ruhig. Überall sieht man die prächtigen Arbeiten der Newar, die aus Salbäumen gefertigt sind. Diese Bäume findet man besonders im Süden des Landes (einschließlich des Kathmandu-Tals), welche die Holzarbeiten hier geprägt haben. Die traditionellen Newar Häuser bestehen aus Vor- und Hinterhöfen. Meine Guide führt mich in einen solchen Hinterhof, wo sie mich nochmal besonders, auf die tollen Schnitzereien aufmerksam macht. Typisch für Städte, die durch die Newars dominiert waren, findet man auch hier Straßen und Wege die mit rot-braunen Ziegelsteinen gepflastert sind. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiSchmale Gassen in Panauti

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiViele hübsche Holzarbeiten gibt es in Panauti zu sehen

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiPanauti hat auch zahlreiche Tempel – sowohl buddhistische als auch hinduistische zu bieten

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiEin kleiner Schrein am Straßenrand

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Panauti ist wohl der Indreshwor Mahadev Tempel. Der Tempel befindet sich auf einem weitläufigen Hof mit Statuen, Schreine und kleine Tempel. Er ist mit seinen 3 Stockwerken einer der höchsten Tempel im Pagodenstil und der älteste Hindu Tempel in Nepal. Der Bau des Shiva gewidmeten Tempels begann 1295. Er ist das religiöse Zentrum der Region und zahlreiche Gläubige kommen hier her zum beten. Die Säulen sind mit aufwendigen Schnitzereien verziert. Der Eingang wird von zwei steinernen Löwen bewacht. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer wunderschöne Indreshwor Mahadev Tempel

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDie Löwen-Wächter verharren vor dem Eingang

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDie Säulen – auch Tudals – sind etwa 15m lang und mit Bildern von Göttern verziert 

Bei Shiva gewidmeten Tempel sieht man häufig die Figur eines Stieres. Das kommt daher, dass der Stier als das loyales Begleittier Shivas gilt. In dem Fall ist er unter dem Namen Nandi bekannt. Er dient vor Tempeleingängen als Wächter, wird aber auch als Schutzgott der vierbeinigen Tiere angesehen. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer Nandi dieses Tempels

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiAuf dem Gelände stehen noch weitere kleine Tempel

Dann sehe ich neben dem Tempel einen Stein. Meine Guide erzählt mir dazu die passende Legende – es scheint hier mehrere Versionen zu geben, aber mir wurde diese hier erzählt: Hier lebten einst ein Weiser Mann namens Gautam Rishi und seine wunderschöne Frau Ahalya. Indra, der König der Götter, war von Ahalyas Schönheit so bezaubert, dass er sich als ihr Mann verkleidete und sie verführte. Als Gautam Rishi von einer Reise nach Hause kam und beim Liebesakt herein platze, verfluchte er seine Frau und sie wurde zu einem Stein. Später soll sie aber von Rama (eine Inkarnation des Gottes Vishnu) gerettet worden sein. Indra wurde selbstverständlich auch verflucht und soll seine Hoden verloren haben. Außerdem erschienen zahlreiche Vaginas auf seinem Körper. Nachdem er viele hundert Jahre zu Shiva gebetet hat, wurde auch er erlöst …. Ja, dazu fällt mir nichts mehr ein…

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDieser Stein soll die verfluchte Ahalya sein

Auf dem Gelände des Tempels befindet sich außerdem das Panauti-Museum, indem sich eine Sammlung von einigen Artefakten, wie Messingwaren, Holzarbeiten, kleine Statuen und Kunstwerke, befindet. Das Museum ist nicht sehr groß, aber es gibt einige schöne Werke zu sehen. Es wurde geschaffen um die Werke vor Diebstahl zu schützen – denn gerade in kleinen Tempeln sind diese häufig nicht vor Dieben sichern. Der Eintritt kostet 300 NRP Eintritt (ca 2,20 Euro) und dazu gibt es eine nette Broschüre mit vielen Infos über die Stadt. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDas Panauti-Museum

Nachdem Besuch des Museums verlassen wir das Gelände des Tempels und ziehen weiter. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiEiner von vielen kleinen Tempeln in Panauti

Wir erreichen bald die Spitze, wo die beiden Flüsse Roshi Khola und Punyamati Khole zusammenfließen. Gern schreiben die Leute solchen Zusammenflüssen eine religiöse Bedeutung zu. Lt. einer Legende soll es hier sogar noch einen dritten, unterirdischen Fluss namens Lilamati geben. Dieser Zusammenfluss macht die Ortschaft auf jeden Fall heilig und jedes Jahr im Januar kommen zahlreiche Pilger hierher um sich im Fluss von ihren Sünden rein zu waschen – zu vergleichen mit dem Ganges in Indien

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiWeitere Tempel – im Hintergrund sehen wir den 3-Stöckigen Krishna-Nyarayan-Tempel

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiHier fließen die Flüsse in einander – während oder nach dem Monsum vermutlich spektakulärer ;-)

Wir überqueren den Fluss Punyamata über eine Hängebrücke um auf die andere Flussseite zu kommen. Hier befindet sich der Shree Brahmayani Tempel. Er ist der Göttin Brahmayani gewidmet, die als eine der Muttergöttinnen des Kathmandu-Tals gilt und die „Hauptgöttin“ von Panauti ist. Der Tempel wurde im 17. Jhd erbaut. Das Götterbild im inneren des Tempels wird bei einem jährlich stattfindenden Festival in einen Streitwagen gesetzt und durch die Stadt gezogen. An diesem Tempel scheint auch gerade eine Einäscherung statt zu finden, wie ich sie schon in Varanasi und Kathmandu gesehen habe, von daher ziehen wir weiter und lassen den Angehörigen ihre Ruhe. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiWir überqueren den Fluss über eine Hängebrücke

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDiese scheinen generell gern auch als Wäscheleine benutzt zu werden :)

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer Shree Brahmayani Tempel

Damit haben war unser Rundgang in Panauti beendet und es ging zurück zum Auto. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & Panauti

Die älteste der drei Königsstädte: Bhaktapur

Von Panauti aus ging es weiter in die Stadt Bhaktapur. Sie ist die älteste der drei Königsstädte und wurde im 8. Jhd gegründet. Auch diese Stadt lag günstig auf einer Handelsroute zwischen Tibet und Indien und erlebte ihre Blütezeit im 14.-16. Jhd. Während dieser Zeit war sie die mächtigste Stadt im Kathmandu-Tal und sogar für 300 Jahre die Hauptstadt des Landes. Heute gilt sie noch als die Kulturhauptstadt Nepals und als wichtigste Newar Stadt mit einigen der schönsten Architekturen dieser. Sie ist voll von Pagoden und historischen Tempelanlagen und hat sich ihren mittelalterlichen Charme erhalten. Die Stadtverwaltung unterstützt Anwohner dabei ihre Häuser im traditionellen Baustil (z.B. Holzschnitzereien und traditionelle Ziegel) zu errichten und sie zu erhalten. So hat Bhaktapur es in die Liste der 10 saubersten Städte Asiens geschafft. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiAuch in Bhaktapur sieht man wahnsinnig schöne Holzschnitzereien an den Gebäuden

Die Menschen in Bhaktapur leben überwiegend von der Landwirtschaft und der Handwerkskunst, wie dem Töpfern, Metall-, Kunst- und Holzarbeiten. Diese traditionellen Handwerksarbeiten der Stadt sind über die Stadtgrenze hinaus als einzigartig bekannt. Leider wurde bei einem Erdbeben 1934 fast ein Drittel der Tempel und Gebäude zerstört. Einige wurden restauriert, aber viele gingen für immer verloren. Auch dem Erdbeben 2015 vielen weitere historische Gebäude zum opfer. Die meisten zerstörten Gebäude wurden aber stehen gelassen, um sie nach und nach zu restaurieren. Heute ist die Innenstadt Autofrei, was einen besuch sehr angenehm gestaltet. Das Zentrum kostet für Besucher 1500 NRP (ca 10,90 Euro), was aber für den Erhalt der Gebäude verwendet wird. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiManche Gebäude sind noch immer zerstört

Wie auch schon in Panauti wird auch in Bhaktapur gern gefeiert. Es muss ein ganz besonderes Erlebnis sein, zu einem der großen Festivals hier zu sein. Die Stadt befindet sich dann im Ausnahmezustand und ziehen mit lauten Menschenzügen, die in traditionelle Gewänder gehüllt sind, von Tempel zu Tempel. Ein gutes Beispiel dafür ist das Bisket Jatra, das zu Nepals Neujahrstag mitte April gefeiert wird. 

Die Fahrerin lässt die Guide und mich am östlichen Teil des Stadtzentrums raus. Von hier aus ziehen wir durch die hübschen Straßen der Stadt. Obwohl wir noch gar nicht im eigentlichen Zentrum angekommen sind, sehe ich schon zahlreiche hübsch verzierte und detailreiche gearbeitete Gebäude. Wunderschön!

Reisebericht Nepal Bhaktapur & Panauti

Wir erreichen den ersten der drei großen Plätze der Stadt, den Dattatraya Platz (auch als Tachupal Tole bekannt). Hier befindet sich der älteste Teil der Stadt, der besonders für seine Holzschnitzereien bekannt ist. Er hat eine Größe von etwa 80m Länge und 25m Breite. Der Platz selbst, aber auch die Straßen die zu ihm führen, sind mit vielen kleinen Geschäften versehen. Man bekommt das Gefühl sich im mittelalterlichen Nepal zu befinden. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiViele kleine Geschäfte säumen den Platz

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer Dattatraya Platz

Hier befindet sich auch der prächtige Dattatraya Tempel, der den Platz beherrscht. Er wurde 1427 errichtet und ist der Göttlichen Dreifaltigkeit (Vishnu, Shiva und Brahma) gewidmet, was nicht sehr häufig passiert und den Tempel damit zu etwas besonderem macht. Der 3-stöckige Tempel soll aus dem Stamm eines einzigen Baumes errichtet worden sein und ist der älteste der Stadt. Am Eingang sieht man zwei Ringergerstalten: Jai Malla und Patta. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer Dattatraya Tempel

Gegenüber davon liegt der Bhimsen Tempel, der vermutlich im Laufe des 17. Jhd errichtet wurde. Er wurde dem Gott des Handels gewidmet. Vor dem Tempel steht eine Säule mit der Figur eines Löwens aus Messing der seine Pfote hebt. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer Bhimsen Tempel mit seinem prächtigen Dach

Am Dattatraya Platz befindet sich auch ein Museum für Holzschnitzerei – wer mehr darüber erfahren möchte, ist hier sicherlich gut aufgehoben. Ein besonderes Highlight – das man auch ohne Museumsbesuch sehen kann – ist das Pfauenfenster. Es befindet sich in der Gasse an der Ostseite des Museums. Es ist ein wahres Meisterwerk der Schnitzkunst und gilt heute als Symbol für die deutsch-nepalesische Zusammenarbeit. Das Fenster konnte dank deutscher Mittel aufwändig restauriert werden. Juhu!

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiWer ein besonders tollen Blick auf das Fenster werfen will, besucht den Laden direkt gegenüber. Der Besitzer lässt einen sehr gern in das obere Stockwerk um ein Foto zu machen

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiInteressante Details …

Nicht weit vom Pfauenfenster entfernt befindet sich der The Peacock Shop, in dessen 4 Stöckigem Gebäude sich eine kleine Papierfabrik befindet. Der Laden bietet hübsche Papierproduktionen aus eigener Herstellung an und wer will, kann einen Blick in die Fabrik werfen und sich die verschiedenen Etappen der Papierproduktion genauer ansehen. Hier wird nicht nur Papier hergestellt, sondern auch Lesezeichen, Kalender, Postkarten, Bücher und einiges mehr. Außerdem befinden sich im Keller – und generell im Haus – einige wunderschöne traditionelle Handwerksarbeiten. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiPapier in den unterschiedlichsten Farben – toll!

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiNeben dem hübschen Papier kann man auch einen Blick auf die tollen Holz- und Steinarbeiten im alten Haus werfen

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiAuf dem Dach wird Papier getrocknet

Von hier aus geht es weiter zum nächsten Spot. Dabei schlendern wir durch die hübschen Gassen der Stadt. Auch wenn alles sehr einfach und sich teilweise auch im Bau befindet, fällt auf, dass die Stadt insgesamt der sauber ist! Es liegt praktisch kein Müll herum! Das ist toll!

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDie Straßen zwischen den wichtigen Plätzen sind mit zahlreichen Läden gesäumt

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiHier wird auch fleißig restauriert/gebaut – auch wenn mir die Baustelle nicht so sicher vorkam, aber was weiß ich schon ;-)

Wir erreichen den nächsten Platz, den Taumadhi Platz, der als zweitwichtigster Platz der Stadt gilt. Hier kann man besonders die Baukunst von mehrstöckigen und rechteckigen Tempeln, aber auch Steinskulpturen, bewundern. Holzschnitzereien sowieso. Er bildet das Zentrum der Unterstadt. Während sich an der Südseite eher neuere Privathäuser befinden, hat er auch zwei wichtige Tempel zu bieten. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer Taumadhi Platz

Dominiert wird der Platz vom Nyatapola Tempel, der sicher ein beeindruckender Anblick für sich ist. Bei meinem Besuch war der Tempel von oben bis unten in ein Gerüst eingepackt und man konnte leider nicht viel sehen. Zwar hat er glücklicherweise das Erdbeben von 2015 überstanden, aber die Schäden waren trotzdem gewaltig, weswegen er immer noch restauriert wird. Er hat 5 Stockwerke und wurde 1708 errichtet. Gewidmet ist er der hinduistischen Glücksgöttin Lakshmi. Was man zum Glück aber noch sehen kann, sind die beeindruckenden Steinfiguren, die den Treppenaufgang säumen und den Tempel bewachen. Die ersten bilden zwei Krieger, gefolgt von zwei Elefanten und zwei Löwenähnlichen Fabeltieren. Man sagt, dass die Figuren je nach Stufe immer 10x stärker werden, wie die Figur darunter. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer Nyatapola Tempel muss leider noch restauriert werden

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDie großartigen Steinfiguren – die zwei Krieger sollen so stark sein wie 10 Männer, und die Elefanten zehnmal so stark wie die Krieger, die Löwen sollen so stark sein wie 10 Löwen

Hier befindet sich außerdem der Bhairavnath Tempel, der Bhairava gewidmet ist – einer Form Shivas. Der Tempel selbst befindet sich – nicht so wie üblich bei solchen – im Erdgeschoss, sondern in einem der oberen Stockwerke. Außerdem hat er keinen Sockel, die normalerweise bei Tempeln dieser Art üblich waren. Vermutlich kommt es daher, dass der Tempel ursprünglich auf einem Wohnhaus errichtet wurde. Im 17. Jhd wurde das Gebäude um zwei weitere Stockwerke erweitert. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer Bhairavnath Tempel

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer Jagannaath Tempel am südlichen Teil des Platzes

Der Taumadhi Platz befindet sich im Töpferviertel, wo sich auch der Töpfermarkt befindet. Wie der Name schon erahnen lässt, kann man hier die Töpferhandkunst von Bhaktapur erleben, denn hier wird das alte Handwerk noch so wie vor Jahrhunderten ausgeübt. Der Ton wird vorbereitet, auf Drehscheiben in Form gebracht und dann zum trocknen in die Sonne gelegt. In dem ein oder anderen Geschäft kann man auch selbst Handanlegen und natürlich auch ein solches Werk kaufen. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiTöpferhandwerk liegt zum trocknen in der Sonne

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiWir schlendern weiter durch die Straßen von Bhaktapur

Als letztes machen wir am Hauptplatz der Stadt halt, dem Durbar Platz. Er liegt am Rande des Stadtzentrums und es gibt hier einige sehr schöne historische Gebäude zu bewundern. Während des 18. Jhd galt der Platz als Mittelpunkt Nepals und damals sollen sich hier 99 Gebäude aneinandergereiht haben. 

Im westlichen Teil des Platzes befindet sich der Char Dham-Tempel, der genaugenommen aus 4 Tempeln besteht. Heute sind allerdings nur noch drei von Ihnen zu sehen (BadriNath, Gopinath Krishna und Rameshwar Tempel), da einer von ihnen bei dem Erdbeben 2015 zerstört wurde (Kedarnath-Tempel). Sie wurden errichtet um hinduistischen Pilgern, die nicht nach Indien zu den bekannten Char Dham-Tempeln in Uttaranchal reisen konnten, eine alternative zu bieten. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDie Char Dham-Tempel

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDas westliche Tor zum Durbar Platz

Wie sich das für einen Durbar Platz gehört, gibt es hier auch einen Königspalast. Er besteht aus mehreren Teilen – früher hatte die große Palastanlage wohl mal 99 Höfe. Viele wurden bei den Erdbeben 1934 und 2015 zerstört. Heute sind die bekanntesten Bereiche das Lion und Golden Gate, der Taleju-Schrein und der 55 Windows Palace. Der Königspalast befindet sich an der Nordseite des Platzes. Er ist wohl der älteste Palast im Kathmandu-Tal und im Gegensatz zu anderen (Kathmandu & Patan) ist er aus einer Festungsanlage entstanden. Auf dem unteren Foto sieht man den mittleren Teil (weiß), der etwas moderner und mit zwei Stockwerken errichtet wurde und den rechten Teil, der als klassische Newar-Architektur und mit drei Stockwerken errichtet wurde. Nicht mit drauf ist der linke Flüge, der am traditionellsten errichtet wurde. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDer Königspalast am Durbar Platz

Der rechte Teil des Königspalast ist der 55 Windows Palace. Er gilt als der schönste Teil des Palastes und stammt aus dem 15. Jhd. Seinen Namen hat er dank der durchgehenden Fenstergalerie erhalten – und wenn man jedes noch so kleine Fenster mitzählt, soll die Anzahl sogar stimmen. Dieser Bereich des Palastes hat zwar während der Erdbeben im Inneren Schäden genommen, aber glücklicherweise blieb das Äußere erhalten. Gegenüber des 55 Windows Palace befindet sich eine Figur des Königs Bhupatindra Malla, der den Palast im 17. Jhd umbauen ließ.

Vor dem linken Flügen befindet sich das Lion Gates. Es wird von zwei Löwen flankiert und hier befand sich der eigentlichen Eingang des Königspalastes. Zu beiden Seiten befinden sich Abbildungen von Hindu-Gottheiten. Heute befindet sich hier das National Art Museum. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDas Löwentor

Die meisten Bereiche des Palastes sind für die Öffentlichkeit geschlossen. Wer aber trotzdem einen kurzen Blick hinein werfen möchte, betritt den Komplex über das Golden Gate, über welches man in den Innenhof gelangt. Das Gate selbst gehört zu den aufwendigsten und bedeutendsten Toren Nepals. Über dem Tor kann man eine Abbildung von Garuda – ein halb mensch-, halb adlergestaltiges Reittier des Vishnu – im Kampf mit Schlangen. Außerdem noch die vierköpfige und zehnarmige Figur der Gottheit Taleju Bhawani, die die Familiengottheit der Malla-Könige war, welche das Tor errichten ließen. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDas Goldene Tor

Im Inneren befindet sich der Taleju-Schrein, der für Nicht-Hindus geschlossen ist. Hier darf auch nicht fotografiert werden, aber man einen Blick in den hübschen Tempel vom Eingang aus werfen. Daneben befindet sich auch das königliche Wasserbecken Naga Pokhari. Es wurde ursprünglich zum rituellen Eintauchen des Abbild von Taleju verwendet.

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDie Göttin Taleju 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiNaga Pokhari – das Becken ist von einer sich windenden Schlange umgeben

Ein paar weitere hübsche Tempel findet man im süd-östlichen Bereich des Platzes, wie z.B. den Siddhi Lakshmi-Tempel, der 2015 bei dem Erdbeben zusammenbrach, aber wieder aufgebaut werden konnte. Er fällt besonders auf, durch seine prächtigen Steinwächter, die immer Paarweise (männlich und weibliche Figuren) auf der zentralen Treppe stehen – diese das Erdbeben glücklicherweise auch überstanden haben. Außerdem befindet sich hier auch der Vatsala Devi Tempel, der 1672 erbaut wurde. Auch er wurde 2015 stark zerstört und befindet sich aktuell noch im Wiederaufbau. Der Tempel beinhaltete eine Taleju Glocke, die zum Morgen- und Abendgebet läutete. Ein weiterer Tempel ist der Pashupatinath-Tempel, der eigentlich auch zum königlichen Palast gehörte. Er ist eine Nachbildung des Haupttempels von Pashupatinath und wurde 1475 erbaut. Er gehört zu den ältesten Tempeln auf dem Platz. Er ist besonders für seine erotischen Schnitzereien an den Dachstreben bekannt. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiLinks der 55-Fenster-Palast, in der Mitte der Siddhi Lakshmi-Tempel, und rechts der Pashupatinath-Tempel

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiDie Steinwächter des Siddhi Lakshmi-Tempels

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiLinks der der Pashupatinath-Tempel und in der Mitte der 55-Fenster-Palast

Zum Abschluss gab es für mich noch einen Dahi. Ein Joghurt, der von den Newars hergestellt wurde und meistens in kleinen Tontöpfchen verkauft wird. Bekannt ist er als der Königsjoghurt aus Bhaktapur. Das Rezept wird gehütet und wenn man außerhalb von Bhaktapur so einen Joghurt bekommt, ist es nicht das original Rezept. Man kann den Joghurt in Restaurants bestellen, oder an kleinen Läden am Straßenrand kaufen. Letzteres ist natürlich günstiger. Ich habe meinen bei einem kleinen Shop gekauft, direkt nachdem wir den Durbar Platz verlassen haben, auf der rechten Seite. 

Reisebericht Nepal Bhaktapur & PanautiIch fand den Königsjoghurt sehr lecker! Nom!

Bye bye Indien und Nepal

Wir gingen zurück zum Auto, welches mich wieder zurück zum Hotel brachte. Damit war meine Indien/Nepal Reise beendet! Am nächsten Tag ging es zum Flughafen und zurück nach Deutschland. Bereits etwas nostalgisch beobachte ich den Himalaya, der während des Fluges an mir vorbei zieht (für einen tollen Blick auf den Himalaya von Kathmandu aus am besten einen Sitzplatz auf der rechten Seite buchen), während ich meine Reise revue passieren lasse. Mein erster Flug ging von Kathmandu nach Dehli, wo ich umsteigen musste. Der Flug hatte Verspätung und ist gelandet, als mein zweiter Flug eigentlich mit dem Boarding beginnen sollte. Ich bin also raus gehechtet und habe versucht so schnell wie möglich zu meinem neuen Gate zu kommen. Eine Kontrolle (ich wurde glaube ich noch nie so oft Kontrolliert beim Umsteigen!) nach der anderen – zusätzliche Corona-Maßnahmen haben es nicht vereinfacht (und waren mMn auch so wie sie durchgeführt wurden völlig sinnfrei) – und ich kam irgendwann hechelnd, röchelnd und schwitzend am neuen Gate an. Glücklicherweise hatte mein Flieger dann noch 40 Minuten Verspätung. Hätte ich das vorher gewusst, hätte mein Sitznachbar nicht neben einer Schweiß durchtränkten Person sitzen müssen, aber irgendwas ist ja immer, oder?  ;-) Mit meinem Reisezeitpunkt hatte ich großes Glück – ein paar Tage später hat Indien die Grenzen wegen Corona geschlossen. 

So. Mein kurzes Fazit: eine grandiose Reise und zwei grandiose Länder. Mir war es teilweise doch etwas zu stressig (und meine nächste große Reise wird bestimmt in ein „ruhigeres“ Land gehen), aber das wusste ich schon vorher. Trotzdem wollte ich diese Kultur unbedingt mal selbst erleben und bin sehr froh, das alles so gut geklappt hat. Indien und Nepal sind beide definitiv einen Besuch wert! Namaste.

Siehe auch:
Teil 5 meines Nepal Reiseberichts: Die Hauptstadt Kathmandu
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route
Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse