Nepal 1 – Angekommen in Nepal

An diesem Tag sollten wir Indien verlassen und die Grenze nach Nepal überqueren. Neues Land – neue Sitten ?

Tschüß Indien!

So! Es hieß ein letztes mal in Indien aufstehen und fertig machen (oho! Wie dramatisch!). Es ging richtig früh zum Bahnhof um Richtung Nepal zu fahren. Für den heutigen Tag war nicht wirklich was geplant, außer Strecke und Grenzüberquerung hinter uns zu bringen. Leider weiß man nie wirklich, wie lange so eine Grenzüberquerung dauern kann, daher haben wir lieber etwas mehr Zeit eingeplant. 

Von Varanasi ging es mit dem Zug zunächst nach Gorakhpur. Ich war ziemlich müde und hätte gern etwas geschlafen, aber Chai- und Essensverkäufer rannten gefühlt alle 2 Minuten durch unser Abteil und verkündeten lautstark ihre Botschaften – was ein schlafen/dösen unmöglich gemacht hat. Die Fahrt dauerte gefühlt eine Ewigkeit, aber irgendwann waren wir dann endlich da. Gorakhpur ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und das war es auch schon. Sie ist nicht besonders hübsch, noch gibt es hier wirklich was zu sehen. Spektakulär ist vielleicht der Bahnhof der Stadt mit der längsten Eisenbahnplattform der Welt – 1,35 km ist sie lang. Wir mussten sie nicht komplett ablaufen, aber ja.. sie war lang ;-)

Reisebericht Indien PushkarIndien ist ein tolles Land, mir hat es gut gefallen! Insgesamt fand ich unsere Route sehr gut – in Pushkar hätte ich glaube ich gern mehr zeit verbracht :)

Von hier aus ging es dann mit einem privaten Bus die letzten 110km bis zur Grenze. Endlich kann ich mich auf meinen Platz chillen, Musik auf die Ohren legen und meiner Leidenschaft nachgehen, die ich auf Reisen ganz besonders liebe: Landschaften gucken (In den Zügen hatte ich leider meistens keinen Fensterplatz). Zunächst mussten wir aber aus Gorakhpur raus. Das hat fast eine ganze Stunde gedauert, denn die Stadt war so überfüllt und vollgestopft. Überall lag Müll rum – ganze „Flüsse“ aus Müll – so etwas habe ich in meinem Leben noch nie gesehen! Auch bisher auf der Reise nicht. Irgendwann haben wir es dann aber geschafft und es ging Richtung Sonauli, wo wir die Grenze überqueren würden. 

Reisebericht Nepal LumbiniKein schönes Foto, aber an dem Tag habe ich die Kamera mal Kamera sein lassen – Gorakhpur

Sonauli kommt langsam in Sicht, da sehen wir schon auf einer Spur einen LKW nach dem anderen. Eine Schlange von gut 7 km zieht sich über die Straßen. Das ist eine Schlange für den Güterverkehr (?) und Reisende müssen sich hier zum Glück nicht einreihen, also fahren wir weiter. In der Stadt angekommen, sagen wir unserem Bus auf wiedersehen. Erst einmal heißt es auschecken aus Indien. Wir stellen uns an der Grenzstation an und warten erstmal. Keiner weiß so richtig was los ist, aber es tut sich nichts. Nach etwa einer Stunde kommt wieder etwas Bewegung rein. Vor uns ist eine Gruppe von Mönchen – als die durch sind, sind wir auch endlich dran. Dann geht es Ratzfatz – der Pass wird kontrolliert, es wird nochmal ein Foto gemacht, Ausreisestempel einsammeln und wir sind raus aus Indien! 

Reisebericht Nepal LumbiniUnser erster „Sonnenuntergang“ in Nepal

Hallo Nepal!

Nepal liegt zwischen Indien und Tibet und ist bekannt als ein Land für Bergsteiger. Jährlich kommen rund 1 Millionen Touristen in das Land in Südasien um auf Trekkingreisen zu gehen. Immerhin kann man von Nepal aus auf eine Trekkingtour zum Mount Everest – der höchste Berg der Welt – starten, aber auch zu vielen anderen Gipfeln des Himalaya Gebirges. Nepal ist nach Afghanistan das zweit ärmste Land Asiens und gehört zu den 10 ärmsten Ländern der Welt. Das Land und seine Wirtschaft hat unter jahrelangen Kriegen schwer gelitten, die Zugänge zum Land sind nicht besonders von Vorteil: es hat keinen direkten Zugang zur internationalen Schifffahrt und die Berge behindern den Luftverkehr. Die meisten Einheimischen leben von der Landwirtschaft, die in Nepal meistens reine Handarbeit ist. Leider verdient man in der Branche nicht viel Geld.

Reisebericht Nepal PokharaDer Gipfel Machapuchare im Himalaya Gebirge

Besucher können mit einfachen Unterkünften und Restaurants kostengünstig durch Nepal reisen. Bei Trekkingtouren kann es ein wenig teurer werden, aufgrund der schwierige Transportsituation von Essen, Materialien und Rohstoffen in die Berge – dennoch liegen diese noch unter den europäischen Preisen. Wer möchte, darf sich am handeln probieren. Dennoch sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass die Einheimischen von dem Verdienst leben.

Reisebericht Nepal Kathmandu

Nepal besitzt aufgrund seiner Lage verschiedene Klimazonen und eine artenreiche Flora und Fauna. Das nepalesischen Tiefland im Süden bietet ein subtropischen Klima mit warmen Temperaturen. Der Norden und Osten des Landes ist von zahlreichen riesigen Berggipfeln geprägt. Insgesamt ist Nepal dem indischen Nachbarland sehr ähnlich. Mir kam es aber etwas ruhiger und entspannter und auch farbenfroher vor – letzteres liegt vermutlich an den vielen bunten Gebetsflaggen, die man an so vielen Orten sehen kann. Nepal hat eine ganz besondere Atmosphäre! 

Zeit für ein paar Fakten:
  • Hauptstadt: Kathmandu
  • Sprache: Nepali & Englisch, einige weitere indoarische Sprachen
  • Einwohner: 28.090.000
  • Währung: Nepalesische Rupie (NPR)
  • Strom: 230-240 Volt, Typ C, D und M möglich (wobei ich in jedem Hotel mind. einen Anschluss für den normalen C Stecker finden konnte)
  • Zeitumstellung: + 4:45 Std vor Deutschland (MEZ)
  • Beste Reisezeit: Generell: Oktober & November, Februar bis Mitte April, für Trekking zwischen Mitte Februar und Mitte Mai & Ende September bis Anfang Dezember

Nepal

Einreise & Visum

Ich kann mir vorstellen, dass es am Flughafen evtl. nochmal etwas anders abläuft. Da wir in Nepal über Land eingereist sind, haben wir das Visum an einem kleinen Grenzschalter bekommen. Positiv ist schon mal, dass für deutsche kein vorab Antrag gestellt werden muss (wie in Indien). Wir bekommen ein Antragsformular, welches wir ausfüllen. Wichtig ist hier, die richtige Aufenthaltsdauer einzutragen. Man kann wählen zwischen 15, 30 oder 90 Tage und dementsprechend ist auch der Preis unterschiedlich. Für mich haben 15 Tage gereicht. Wichtig ist dass man ein Passfoto dabei hat und den Betrag für das Visum. 

Reisebericht Nepal PokharaUnterwegs in Nepal 

Mich hat das Visum 30$ gekostet und wir wurden bereits vorab darauf hingewiesen, dass wir dies unbedingt in Dollar (ich habe gelesen, dass man es am Flughafen wohl auch in Euro zahlen kann, aber ich bin mir nicht sicher wie richtig das ist …) und in bar dabei haben müssen. Die Scheine müssen nagelneu aussehen. Wirklich perfekt. Wir hatten die Dollar vorher unterwegs gewechselt und unsere waren nagelneu – sie wurden skeptisch von allen Seiten beäugt, aber waren dann in Ordnung. In unserer Gruppe hat jemand einen Schein, der ein kleines bisschen angerissen war (wirklich nur ein ganz kleines bisschen!) und er wurde nicht akzeptiert. 

Reisebericht Nepal Kathmandu

Wer sich den Stress bei der Einreise nicht geben möchte, kann dies wohl aber auch online machen. Ansonsten muss man nur die Standards beachten. Informiert auch am besten vorab nochmal im Detail. Abgesehen von dem Schein-Drama lief bei uns alles glatt und wir durften nach Nepal einreisen. Juhu!

Etwas Geschichte ? 

Die Geschichte des Landes ist geprägt durch Einflüsse aus Indien und China, ebenso wie von Mythen und Legenden. Eine der ursprüngliche Ethnie Nepals waren die Newar, die als Ureinwohner des Kathmandu-Tals gelten. Sie wanderten ein, nachdem ein Gebirgssee durch ein Erdbeben versiegt ist und ein fruchtbares Land hinterließ. Lange Zeit stand Nepal unter indischer Herrschaft. Im 14. Jhd wurde das Land unter den Newar geeinigt und befreit. 1768 wurde es gewaltsam erobert und zum Königreich Gorkha. Die Britischen Ostindien-Kompanie mischte sich ein und es kam zu Territorialstreitigkeiten, die 1814 zum Gurkha-Krieg führten. Am Ende wurden die Regionen Sikkimi und Terai abgetreten und eine ständige britische Residenz wurde in Kathmandu zugelassen – so wurde Nepal zu einem britischen Schutzstaat.

Reisebericht Nepal KathmanduTempel in Kathmandu

1846 kam es wieder zu einem bluten Machtwechsel und einem neuen Regierungssystem. Der König behielt nur nominelle Macht und das Amt des Ministerpräsidenten wurde erblich und war der alleinige Herrscher. Trotzdem blieben die Briten Verbündete des Landes und Nepal stellte z.B. während des Ersten Weltkriegs Soldaten für die Britisch-Indische Armee zur Verfügung. Mitte des 20. Jhd kam es immer wieder zu Unruhen, da der König wieder auf die Anerkennung seines Amtes pochte. Es wurde wieder eine Konstitutionelle Monarchie (die die Macht des Monarchen durch eine Verfassung regelt und einschränkt) eingeführt. Politische Unruhen, aber auch Überschwemmungen und Hungersnöte schwächten das Land. Zwischen der Monarchie und dem Parlament ging es hin und her. Schließlich hatte man ein Parlament, welches zum größten Teil direkt vom Volk gewählt wurde. Der König war zwar nur noch Formell an der Spitze, konnte allerdings durch sein Vetorecht relevante Entscheidungen treffen. Die Politik war nicht so vorteilhaft für Nepal und die soziale Situation war weiterhin auf umfangreiche Entwicklungshilfen aus dem Ausland angewiesen. Von 1996 bis 2006 befand sich das Land in einem Bürgerkrieg gegen die Monarchie und das hinduistische Klassensystem. Dabei kamen mehr als 12.700 Menschen ums Leben. Ende 2007 fanden Wahlen statt die 2008 die Monarchie abschaffte und Nepal wurde zu einer demokratische Republik.

Reisebericht Nepal Kathmandu

Das Land wird immer wieder von starken Erdbeben heimgesucht, da es sich auf einer Grenze zweier tektonischer Platten befindet (Indisch-Australische Platte). 2015 kam es zu einer Reihe von sehr schweren Erdbeben über mehrere Monate, die unzähligen Menschen das Leben kostete und als tödlichste Katastrophe des Landes gilt. Auch heute – so viele Jahre nach diesem Beben – liegen noch viele Kulturgüter des Landes in Trümmern oder sind beschädigt.

Reisebericht Nepal LumbiniViele bunte Gebetsflaggen 

Ein wichtiger Bestandteil des Landes ist die Religion – Religion und Alltag sind unzertrennlich miteinander verbunden. Etwa 80% bekennen sich zum Hinduismus und 10% zum Buddhismus. Dann haben wir noch 4% Islam und der Rest setzt sich aus weiteren Religionen wie z.B. dem Christentum zusammen. Ganz klar kann man die Zählung von Hinduismus und Buddhismus allerdings nicht trennen, da viele Nepalesen beides gleichzeitig praktizieren. Im Laufe der Jahre sind die beiden Religionen miteinander verflochten, die Kultstätten stehen nebeneinander, es werden dieselben Götterfiguren beider Religionen unter unterschiedlichen Namen verehrt.

Indien & Nepal / Gut zu wissen / Geld 

Die meisten Gut-zu-wissen-Punkte aus meinem ersten Indien Bericht treffen eigentlich auch auf Nepal zu. Die Länder sind sich sehr ähnlich – man könnte es vergleichen mit Deutschland und Holland. Die Sprachen der beiden Länder haben gewisse Gemeinsamkeiten und stammen aus einem ähnlichen Sprachstamm – wenn sie sich auch im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlich entwickelt haben. Devanagari nennt sich die Schrift, die sowohl von Indien, als auch von Nepal genutzt wird. 

Hier noch ein Kommentar zum lieben Geld: Die nepalesische Währung sind Nepalesische Rupie (NPR). Für Reisende, die beide Länder bereisen ist es gut zu wissen, dass man indische Rupien in Nepal weiterhin benutzen kann (offiziell bis 100 INR Scheine), nepalesische allerdings nicht in Indien! Offiziell ist die Ein- und Ausfuhr der Rupien nicht gestattet – aber auch hier wurde es nicht kontrolliert. Es macht Sinn sich in größeren Städten mit Geld einzudecken, da in kleineren Ortschaften nicht immer eine Geldversorgung gewährleistet werden kann (insbesondere bei Trekking Reisen in die Berge). 

Reisebericht IndienNepalesische Rupie mit hübschen Tiermotiven

Wie auch schon in Indien (und vielen anderen Ländern) gehört Trinkgeld im Sevicebereich dazu und viele sind darauf angewiesen. Manche größere Restaurants berechnen automatisch eine Service Charge von 10 %  –  dann muss kein Trinkgeld mehr gegeben werden. 

Reisebericht Nepal Lumbinihübsches Nepal!

Essen in Nepal

Das Essen in Nepal ist dem indischen Essen natürlich sehr ähnlich, wobei ich es insgesamt als weniger scharf empfunden habe. Oder sagen wir: die scharfen Gerichte waren scharf und normalen Gerichte waren normal. Darüber hat sich mein Gaumen und mein Magen sehr gefreut. 

Durch die kulturelle und geografische Vielfalt des Landes gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Gerichte. Es gibt zahlreiche indische, tibetanische und thailändische Einflüsse. Wie auch schon im indischen ist das Gericht Dal Bhat um Linsencurry und Reis sehr bliebt, oder besser gesagt, das Nationalgericht des Landes. Auch sehr beliebt sind Samosas – gefüllte und frittierte Teigtaschen. Was auf keiner Speisekarte fehlen kann ist eine nepalesische Nudelsuppe mit Gemüse und manchmal auch Hühnchen. Wer etwas exotisches sucht, probiert vielleicht Yak-Fleisch und Käse – die domestizierte Rinderart im Himalaya Gebirge. Dies gibt es aber nur in größeren Höhen zu kaufen oder wenigen Restaurants, z.B. in Kathmandu oder Pokhara. 

Reisebericht Nepal LumbiniEine Nudelsuppe! Yummi

Ein Gericht, das man auch überall findet sind Momos! Hierbei handelt es sich um kleine Teigtaschen aus Nudelteig, die mit den deutschen Maultaschen vergleichbar sind. Gefüllt sind sie mit Fleisch, es gibt aber auch viele vegetarische Varianten. Oft werden sie auch gekocht oder frittiert angeboten. Meistens wird dazu eine (scharfe) Soße serviert – schmecken tun sie aber auch ohne. Ich habe sie mehrfach probiert und war eigentlich immer ganz happy damit. 

Reisebericht Nepal PokharaEinmal durften wir Momos auch selbst machen! Sie sahen zwar nicht so hübsch aus, waren dafür aber um so leckerer ;-)

Wie auch schon in Indien ist es sehr leicht sich in Nepal vegetarisch und auch vegan zu ernähren. Aber Achtung für Veganer: auch hier wird nicht zwischen vegan und vegetarisch unterschieden, also besser zweimal hingucken. 

Von der Grenzstation ging es mit einem neuen Bus (den wir auch für den Rest der Reise behalten konnten, juhu!) zu unserem nächsten Hotel, das nicht weit entfernt lag. Nach diesem langen Tag konnten wir endlich die Beine hochlegen und uns auf unsere restliche Reise in Nepal freuen!

Siehe auch:
Teil 6 meines Indien Reiseberichts: Mutter Ganges und Varanasi
Teil 2 meines Nepal Reiseberichts: Lumbini | Der Geburtsort des Buddhismus
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route
Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse