Marokko 8 – Die Stadt des Windes: Essaouira

An meinem letzten Tag in Marokko ging es in die hübsche und unglaublich entspannte Hafenstadt Essaouira. Zwischen Möwen, Palmen, dem Atlantik und einer hübschen Stadt habe ich mich von diesem tollen Land verabschiedet….

Mit dem Bus nach Essaouira

Das Ende meiner Tour war erreicht. Ich hatte noch einen Tag extra und wollte diesen gut nutzen. So buchte ich mit Supratours Tickets für den Bus nach Essaouira, hin und wieder zurück. Mit jeweils 3 Std fahrt eine lange Strecke für eine Tagestour, aber ich wollte die Stadt am Meer unbedingt noch besuchen. Die Fahrt war günstig, die Busse waren pünktlich und alles lief wie geplant.

Wer während der Fahrt aufmerksam ist, hat vielleicht das Glück Ziegen auf Bäumen zu sehen. Alternativ machen auch viele Private Touren an diesen Bäumen einen kurzen Fotostop. Bei diesen Bäumen handelt es sich um die Arganbäume, die nur im Südwesten Marokkos wachsen. Der zunächst seltsame Anblick ist in dieser Region aber normal: Wenn die Ziegen nichts zu essen finden – was häufiger passiert, denn die Vegetation ist hier eher karg -, klettern sie auf die Bäume und fressen die Blätter und Früchte des Baumes.

Reisebericht Marokko EssaouriaOh! Ziegen auf Bäumen! – Aus dem Bus heraus

Natürlich erkannten die Einheimischen diese „skurrile Attraktion“ und inzwischen ist immer einer fleißiger Geschäftsmann neben diesen Bäumen zu finden, der für die Fotos ein Trinkgeld sehen möchte. Ich überlege, ob ich es schade finde, dass ich diesen Fotostop verpasst habe, aber entscheide mich dagegen. Leider sieht es so aus, dass genau diese Ziegen aus anderen Regionen her gebracht werden und von den Bauern in die Bäume gesetzt werden um damit Geld zu verdienen. Das ist für die Ziegen sehr anstrengend, denn sie müssen den ganzen heißen Tag lang in den Bäumen ausharren – für die Bäume ist es auch noch schlecht, denn die Hufe beschädigen die Äste. Daher verzichte ich gern auf einen Fotostop.

Angekommen in Essaouira

Kurz darauf bin ich in Essaouira angekommen. Die weiße Stadt am Atlantik begrüßt mich mit einem rauen Wind – aber das ist hier nicht unnormal, trägt sie nicht umsonst den Beinamen „Stadt des Windes“. Und gerade deswegen ist sie so beliebt bei Wind- und Kitesurfern. Der Name bedeutet „die Eingeschlossene“ und lässt sich vermutlich von der Stadtmauer ableiten, die die Medina umgibt und auch heute noch fast vollständig erhalten geblieben ist. Sie wurde damals von den Portugiesen erbaut, die die Stadt aber Mogador nannten. Damit ehrten sie den islamischen Heiligen Sidi Mogdul, der auch noch heute der Schutzpatron Essaouiras ist. Bis zu der Unabhängigkeit Marokkos 1956 behielt sie diesen Namen.

Reisebericht Marokko Essaouria

Besiedelt war die Region bereits im 7. Jhd. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Herrscher: von den Vandalen, über div. Berberstämme und auch die Almoraviden – die wir bereits aus Marrakesch kennen. Im 15. Jhd wurde das Gebiet von den Portugiesen erobert, die die Stadt allerdings 1510 wieder aufgaben. Anschließend versuchten mehrere Lände wie Spanien, England, die Niederlande und Frankreich immer wieder die Stadt zu erobern, aber erfolglos. Die Saadier zogen in Essaouira ein. 1765 wurde der Hafen zum größten Seehafen Marokkos ausgebaut. Dies und auch, dass sie während des 18. und 19. Jhd ein wichtiger Knotenpunkt für den Karawanenhandel war, verhalf der Stadt zu großem Wohlstand. Zumindest bis 1893 – durch die Besetzung Timbuktus durch die Franzosen, verlor die Stadt wichtige Handelsverbindungen und damit an Bedeutung.

Reisebericht Marokko Essaouria

In den 1960er Jahre wurde die Stadt von den Hippies entdeckt. Auch heute ist sie noch ein sehr entspannter Ort, der zum Seele baumeln lassen einläd. Ein Tag reicht um alles zu sehen, aber ein weiterer Tag zum Atmosphäre aufsaugen ist sicherlich auch nicht verkehrt, wenn man die Zeit hat. Die Häuser sind größtenteils weiß mit Fensterläden die im traditionellen blau gestrichen sind. Dies soll gegen den bösen Blick helfen. Ungewöhnlich für die Medina ist, dass sie recht geradliniger und übersichtlich angelegt ist. Insgesamt ist Essaouira klein, überschaubar und kann ganz wunderbar zu Fuß erkundet werden.

Ach ja und auch Filmfans können sich auch über etwas freuen: Hier wurde z.B. das mittelalterliche Jerusalem für den Film Königreich der Himmel gedreht, aber natürlich wurden auch die Szenen der Stadt Astapor für Game of Thrones. 

Essaouira an der Atlantikküste

Vom Busbahnhof geht es direkt zum Strand. Ich liebe das Meer und ich freute mich bereits, wieder „zurück“ zu sein. Hier wird der Wind noch etwas stärker. Der Strand von Essaouira ist eher nicht für einen Strandurlaub mit faul in der Sonne liegen geeignet (obwohl am Strand auch einige Liegen herum stehen), dafür umso mehr für Wind- und Kitesurfer. Ansonsten ist der Strand nicht besonders malerisch – er ist gesäumt von Stadt und dem Hafen. Mir gefällt es hier trotzdem und ich spaziere etwas durch den Sand.

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Strand von Essaouira 

Mir fällt gleich auf, dass das Wasser recht braun erscheint. Das liegt aber weniger daran, dass das Wasser hier so dreckig wäre, sondern daran, dass das Wasser hier noch relativ flach ist und es mit der Brandung dann eben so braun scheint.

Reisebericht Marokko EssaouriaEin paar Schirme im Wind

Reisebericht Marokko EssaouriaAm Strand kann man lange Spaziergänge machen

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Wind spielt mit den Wellen

Wer seinen Blick in die Ferne richtet, wird mehrere kleine Inseln vor der Küste entdecken, die Iles Purpuraires. Die größte der Inseln ist die Insel Mogador. Sie wurden bereits während der Antike von den Phöniziern besiedelt, die von hier aus besser an die Ressourcen des Meeres kamen. Später wurde hier auch der königsblaue Farbstoff hergestellt. Seit 2005 ist die etwa 3km lange Insel zum Naturschutzgebiet ernannt worden und darf nicht betreten werden darf. Dort brüten u.a. die Eleonor-Falken, daher ist lediglich eine Inselumrundung mit dem Boot möglich. Westlich vom Hafen befindet sich die Insel Petite Ile d’Essaouria. Vom Hafen aus kann man auch sehr gut die Überreste ehm. Festungen sehen.

Reisebericht Marokko EssaouriaDie Petite Ile d’Essaouria vom Hafen aus

Für mich geht es weiter Richtung Hafen. Der Fischereihafen liegt außerhalb der Stadtmauern. Er hat sich einige Traditionen erhalten, – hier werden auch noch Boote aus Holz gefertigt. Neben den zahlreichen Booten, die dort mit den Wellen hin und her schaukeln, gibt es auch noch einen großen Fischmarkt. Zahlreiche Möwen kreisen kreischend über dem Hafen – auf der Hoffnung nach einem Leckerbissen. Dazwischen kann man Fischer beobachten, die ihre Netze flicken oder Verkäufer an den zahlreichen Ständen, die ihren Fisch unters Volk bringen wollen. Die Stände bestehen häufig nur aus improvisierten Tischen. Die Stimmung ist hier eine ganz besondere. Ich nehme mir etwas Zeit, mir das Geschehen einen moment lang anzusehen.

Reisebericht Marokko EssaouriaVom Bab El Marsa kommt man von dem Hafen in die Stadt

Reisebericht Marokko EssaouriaDie Möwen warten auf ihren Moment

Reisebericht Marokko EssaouriaIm Hafen werden kleine Boote gebaut, aber auch an großen gearbeitet

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Hafen von Essaouira gehört auch heute noch zu den wichtigsten Handelsplätze in Marokko

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Hafen und die Stadtmauer

Reisebericht Marokko EssaouriaManche gönne sich auch eine bestimmt verdiente Pause

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Fischmarkt – zwischen Fisch, Möwen und Katzen…

Reisebericht Marokko Essaouria.. hat hier jemand was von Katzen gesagt? Die sind natürlich auch am Start

Ich wende mich der Mauer zu, die hier mit ihren mächtigen Wehrtürmen am Hafen thront. Sie gehören zu der ehm. Befestigungsanlage der Sqala du Port d’Essaouira, die tapfer den Atlantikwellen trotz. Sie wurde 1769 zum Schutz vor Piraten, aber auch der Brandung errichtet. Der Eintritt kostet 50 Dirham (ca 4,70 €) – dafür kann man auf der Mauer entlang schlendern und auch den Turm besteigen. Von hier oben hat man eine grandiose Aussicht auf die Stadt, das Meer und die Inseln.

Reisebericht Marokko EssaouriaImposante Wehrtürmen der Stadtmauer

Reisebericht Marokko EssaouriaDie Sqala du Port mit ein paar Booten

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Blick von dem Aussichtsturm auf den Hafen

Reisebericht Marokko EssaouriaHier stehen noch ein paar der alten Kanonen

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Hafen mit Blick auf die Insel Mogador

Die Stadtmauer von Essaouira 

Vom Hafen ist es nur ein paar Minuten Fußmarsch bis zum Platz Moulay Hassan. Der Platz ist gesäumt von zahlreichen Cafes und Fisch Restaurants. Dahinter beginnt die Medina der Stadt, die völlig untypisch für Marokko einen symmetrischen Grundriss hat – übrigens die einzige Medina in Marokko. Wer sich die Stadtmauern Essaouiras etwas genauer ansehen will, kann hier über die kleine Mauer klettern (es gibt mehrere Stellen, von man sehr leicht rüber klettern kann) und außerhalb der Mauern am Meer entlang laufen kann. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf die Sqala, aber auch auf die Stadt.

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Moulay Hassan Platz

Reisebericht Marokko EssaouriaDie Stadt mir ihrer Mauer

Reisebericht Marokko Essaouria

Ich halte mich zunächst links und schlängel mich durch die Medina entlang der Stadtmauer. Wie auch die Sqala du Port wurde die Sqala der Kasbah im 18. Jhd. errichtet. Beide flankieren die ehm. Zitadelle. Die Innenseite der Mauer hat eine länge von 2km und führt mich bis zum Zentrum der Festung. Die ehm. Kasematten wurden heute in kleine Geschäfte umgewandelt.

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Weg entlang der Stadtmauer ist sehr ruhig – hier und da gibt es einen kleinen Laden

Reisebericht Marokko EssaouriaStände in den ehm. Kasematten der Festung

Reisebericht Marokko EssaouriaKanonen auf der Mauer und unterhalb kleine Geschäfte

Reisebericht Marokko EssaouriaAlte Kanonen aus der portugiesischen Zeit 

Ein aufstieg auf die Mauern der Sqala der Kasbah ist kostenfrei möglich. Hier findet man zwischen den alten portugiesischen Kanonen Kunsthandwerk, monumentale Tore und eine grandiose Sicht auf das Meer und den nördlichen Teil der Stadt. Es lohnt sich, sich einfach zwischen die Mauer zu setzen und einen Moment den Gewalten des Meeres zuzusehen. Dazu das Geschrei der Möwen. Manchmal weht der Wind so stark, dass die Gischt über die Mauern spritzt.

Reisebericht Marokko EssaouriaTeile der ehm. Stadtbefestigung

Reisebericht Marokko EssaouriaBlicke auf den nördlichen Teil der Stadt

Reisebericht Marokko EssaouriaDas raue Meer vor Essaouira 

Die kleine Medina von Essaouira

Ich laufe entlang der Avenue de L’ilstiqlal durch die Medina. Die Avenue ist die Hauptstraße hier und führt einmal quer durch. Hier befindet sich der Souk von Essaouira und es wimmelt hier von Shops und kleinen Ständen, die sich auch auf die Seitenstraßen ausgebreitet haben. Die Verkäufer sind hier unaufdringlicher und entspannter als ihre Verwandten in z.B. Marrakesch. Das Handeln ist hier sehr entspannt – manchmal kann ich sogar Preisschilder entdecken.

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Souk entlang der Avenue de l’Istiqlal

Reisebericht Marokko EssaouriaDer Turm der Ben Youssef Moschee

Reisebericht Marokko Essaouria

Wenn man wieder fast zurück am Moulay Hassan Platz ist, verlasse ich die Medina durch ein Tor und stehe vor der L’Horloge d’Essaouira. Die Uhr wurde 1926 an einem Turm – weithin sichtbar – angebracht. Obwohl sie regelmäßig gewartet wurde, blieb sie 1997 stehen. Über 10 Jahre stand die Uhr still, bis das Gebäude 2012 vollständig renoviert wurde, einschließlich der Uhr. Sie gilt als das Herz der Medina und als Wahrzeichen der Stadt. Über das Tor neben dem Turm kann man wieder in die Medina eintauchen.

Reisebericht Marokko EssaouriaEin- oder Ausgang für die Avenue de L’ilstiqlal

Reisebericht Marokko EssaouriaDie Horloge d’Essaouira

Reisebericht Marokko Essaouria

Alternativ kann man sich von der Medina weg bewegen und den Stadtkern über das Tor Bab Sbaa wieder verlassen. Über das „Löwentor“ kommt man wieder zum Strand zurück. Das befestigte Tor wurde 1866 errichtet und ist eines der Haupttore der heutigen Medina. Ich tauche aber wieder in die Medina ein und genieße noch etwas die Atmosphäre dieser entspannten Hafenstadt bevor es mit dem Bus für mich wieder zurück nach Marrakesch ging.

Reisebericht Marokko EssaouriaDas Bab Sbaa in einer hübschen Gasse

Reisebericht Marokko Essaouria

Geld in Marokko

Abschließend noch ein Wort zum Thema Geld. Der marokkanische Dirham darf offiziel weder ein- noch ausgeführt werden, allerdings wurde ich bei Abreise nicht danach kontrolliert. Bei Kleingeld wird wohl auch nichts gesagt. Ich habe mein Geld mit meiner normalen Bankkarte aus dem Automaten bekommen (max. Betrag sind 2.000 Dirham) und das hat immer problemlos funktioniert. Natürlich kann man aber auch z.B. Euros in Wechselstuben tauschen. Große Scheine sind eine Qual für jeden – häufig kann der Gegenüber dir das entsprechende Rückgeld nicht raus geben, daher horte jegliches Kleingeld was du hast für den Notfall und Toilettenpausen unterwegs. Große Scheine kannst du in Restaurants (bei höheren Endbeträgen) oder auch in größeren Supermärkten los werden. In einer Wechselstube kannst du natürlich auch direkt nach kleinen Scheinen fragen.

Reisebericht Marokko Essaouria

Trinkgeld nennt sich hier Bakschisch – dies ist das persische Wort für Geschenk/Gabe und wird als kleine Belohnung für eine Dienstleistung angesehen. Dies gilt nicht als Betteln und gehört zu den alltäglichen Einkünften der Marokkaner dazu. Dies gibt man (ähnlich wie beim Essen) immer mit der rechten „reinen“ Hand. Mit links käme es einer Beleidigung gleich.

Essen in Essaouira

Natürlich musste ich in Essaouira auch noch etwas essen – denn hier kann man gut und für kleines Geld essen. Praktischerweise waren auch Freunde von mir gerade vor Ort, also hat man sich zu einem leckeren Mahl getroffen. Unsere Wahl fiel auf das kleine Restaurant Triskala, nahe der Kasbah. Die Einrichtung war sehr hübsch mit kleinen Tischen und Stühlen, die schräg an den Wänden hingen, das Essen lecker und teuer war es auch nicht. Für mich gab es Falaffel, gerösteten Schafskäse mit Salat und dazu einen leckeren Smoothie. Insgesamt waren wir zufrieden. Eine Reservierung wird hier wohl empfohlen, da der Laden sehr klein ist.

Reisebericht Marokko Essaouria

Auf Wiedersehen Marokko

Das war es auch schon! So schnell sind zwei Wochen rum – am nächsten Tag ging es für mich auch schon wieder in die Heimat ins kalte Deutschland zurück. Marokko hat mir sehr gut gefallen. Es ist ein wunderbares Reiseland und ich kann mir gut vorstellen, dass ich wieder zurück kommen werde! (Ich möchte doch noch ein richtiges Wüstenerlebnis haben! Hehe)

Siehe auch:
Teil 7 meines Marokko Reiseberichts: Die pulsierende Stadt Marrakesch

Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route
Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse