Marokko 7 – Die pulsierende Stadt Marrakesch

Ein weiteres Highlight in Marokko ist natürlich die pulsierende Stadt am Fuße des Atlasgebirges Marrakesch! Prächtige Riads, grüne Gärten, quirlige Märkte und leckeres Essen – Willkommen in der Rote Stadt…

Marrakesch – die Perle des Südens

Marrakesch ist die viertgrößte Stadt des Landes und gehört zu den vier Königsstädten. Die Stadt ist ein Fest für die Sinne, denn sie bietet alles, was man vom Orient erwartet: eine unglaublich geschäftige Medina, die nie zu schlafen scheint mit ihren Souks, wo einfach alles Angeboten wird. Von Gewürzen, zu Stoffen, über Lampen, Keramik, Souvenirs, Leckereien und noch vieles vieles mehr. Die Medina besteht aus zahlreichen verwinkelten Gassen. Dazwischen ein Gewusel an Menschen, Mopeds und Eselkarren. Man sagt, wenn man sich nicht mind. einmal in den Gassen verlaufen hat, war man nicht da. Etwas Ruhe findet man in den vielen orientalische Riads, mit prächtigen, detaillierten Brunnen und bunten Mosaiksteinen oder den herrlich grünen Gärten der Stadt. Marrakesch wird auch die Rote Stadt (oder auch Ockerstadt) genannt, da ein Großteil der Gebäude eine blass rote Farbe haben.

Reisebericht Marokko MarrakeschStreetart in Marrakesch

Reisebericht Marokko MarrakeschDer hübsche Bahnhof in Marrakesch

Sie wurde 1070 von den Almoraviden (eine Berberdynastie) gegründet und zu der Hauptstadt ihres Reiches gemacht. Die Stadt wurde erweitert und die Stadtmauern – die bis heute erhalten geblieben sind – wurden errichtet. Im 12. Jhd wurde die Stadt von den Almohaden (eine muslimische Berber-Dynastie, die sich als religiöse Bewegung gegen die Almoraviden gebildet hatte) erobert. Sie brachten der Stadt Reichtum und Wohlstand. Die Meriniden (eine weitere Berberdynastie) wollten auch mitmischen und eroberten Marrakesch 1269. In der Zeit wurde Fes zur Hauptstadt ernannt und Marrakesch wurde vernachlässigt und begann zu verfallen. Später wurde Marrakesch wieder zur Hauptstadt, allerdings nur unter der Herrschaft der Saadier – danach war wieder Fes der Regierungssitz. Während der Herrschaft der Saadier gelangte sie auch wieder ihren alten Glanz zurück.

Reisebericht Marokko MarrakeschVorsicht! Kutschen auf der Straße

Reisebericht Marokko MarrakeschEin Teil der Stadtmauer, die die alte von der neuen Stadt trennt

Vor unserer Reise in die Wüste waren wir bereits für 1 1/2 Tage in Marrakesch gewesen. Unsere Tour aber in Marrakesch endete, habe ich dies zu einem Bericht zusammen gefasst. In Marrakesch kann man sich einige spannende Dinge ansehen. Hier meine Auswahl: 

Marrakeschs Gärten

Le Jardin Secret

Inmitten der geschäftigen Medina liegt der Jardin Secret. Der Ursprung dieses Gartens geht noch auf die Saadier-Dynastie im 16. Jhd zurück. Nach dem Niedergang dieser wurde der Palast, wie auch viele weitere Gebäude in Marrakesch, Ende des 17. Jhd zerstört. Mitte des 19. Jhd wurde ein neuer Palast errichtet, der mehrfach den Besitzer wechselte, bevor der letzte von Ihnen 1934 verstarb und das Gelände dann langsam verfiel. 2008 hatte man die Idee den Garten wieder herzurichten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 2016 konnte der Garten geöffnet werden.

Reisebericht Marokko MarrakeschHübsche Blumen im Jardin Secret

Reisebericht Marokko MarrakeschHier gibt es auch einen kleinen Teich mit ein paar Schildkröten

Reisebericht Marokko Marrakesch

Heute blühen hier unterschiedlichste Pflanzen. Der Garten ist zu einem wunderbaren und ruhigen Ort in der chaotischen Medina geworden. Man hört Vögel zwitschern. Ein leichter Wind weht durch die Bäume. Es gibt viele Sitzmöglichkeiten, wo man die Seele baumeln lassen kann. Obwohl neben uns noch einige andere Besucher da sind, verläuft es sich auf dem Gelände und es fühlt sich nicht überfüllt an. Der Garten ist aufgeteilt in einen exotischen Garten und einen islamischen Garten. Während im exotischen Garten Pflanzen aller Welt wachsen, ist der islamische Garten nach dem Vorbild des 18. Jahrhunderts restauriert worden. Er ist eine Oase der Ruhe mit Schatten spendenden Bäumen. Der Grundriss soll an die Beschreibung des Himmels erinnern, wie sie im Koran beschrieben wird.

Reisebericht Marokko Marrakesch

Reisebericht Marokko MarrakeschIn der Mitte sieht dieser wunderbare Pavillon 

Der Eintritt für den Garten kostet 60 Dirhams (ca 5,60 €). Daneben gibt es noch einen Turm, von dem man eine ganz hübsche Aussicht auf die Stadt hat. Dieser kostet 35 Dirham extra (ca 3,30 €) und man kauft das Ticket für eine feste Uhrzeit. Von einer erhöhten Terasse hat man eine schöne Sicht auf den Garten – diese kann kostenfrei bestiegen werden.

Reisebericht Marokko MarrakeschDie Aussicht von der erhöhten Terrasse auf den Garten… 

Reisebericht Marokko Marrakesch… und die Aussicht auf die Stadt vom Aussichtsturm

Der Cyber Park

Ein weiterer, sehr grüner Platz in Marrakesch ist der Cyber Park. Er liegt außerhalb der Medina und ist ein öffentlicher Park, der kostenfrei besucht werden kann. Er war ursprünglich einer der königlichen Gärten aus dem 18. Jhd, die der Sultan seinem Sohn schenkte, der später als Nahrungsmittelproduktionsgebiet genutzt wurde. Während der Kolonialisierung wurde er in einen botanischen Garten umgebaut, der nach der Unabhängigkeit Marokkos verfiel. Ab 2003 hat sich eine Stiftung seiner angenommen und ihn wieder hergerichtet. Damals entschied man sich für eine Mischung aus historischer Restauration und modernen Einflüssen. Heute gibt es hier einen modernen Garten, der aus weitläufigen Rasenflächen mit Wasserspielen und vielen Bäumen besteht und dem historischen Arsat-Garten, in dem zahlreiche Oliven- und Orangenbäume, aber auch Rosen zu finden sind. In dem Garten soll es kostenfreies WLAN geben – das habe ich aber nicht ausprobiert. 

Reisebericht Marokko MarrakeschAuch der Cyber Garten ist ein ruhiger Ort für gemütliche Spaziergänge

Reisebericht Marokko Marrakesch

An dieser Stelle möchte ich noch den Jardin Majorelle erwähnen, der zwar auch noch auf meiner Liste gestanden hat, den ich aber zeitlich nicht mehr geschafft habe. Der große botanische Garten wurde 1923 von dem französische Maler Jacques Majorelle angelegt. 1980 wurde er von Yves Saint Laurent gekauft, der eine Stiftung gründete, die sich bis heute um den Garten kümmern. Nachdem Tod von Laurent wurde seine Asche im Rosengarten verstreut. Auf Fotos sieht es hier sehr hübsch und bunt aus – er gilt als einer der schönsten Gärten von Marrakesch.

Durch die Medina – die Souks von Marrakesch

Kommen wir zur Medina von Marrakesch. Sie zeigt die Stadt von ihrer ursprünglichen und lebhaften Seite. Besonders spannend sind hier die vielfältigen Souks, die kein Ende zu nehmen scheinen. Wie auch schon in Fes sind sie hier so vielseitig, geschäftig und farbenfroh, dass sie zu einem Besuch in Marrakesch einfach dazu gehören – auch wenn sie einen vielleicht auch etwas überfordern können. Natürlich gibt es hier alles zu kaufen was man möchte – neben Souvenirs auch zahlreiche alltägliche Produkte und natürlich zahlreiche Köstlichkeiten.

Reisebericht Marokko MarrakeschDurch dieses Tor tauchen wir in die Medina von Marrakesch ein

Reisebericht Marokko Marrakesch

Reisebericht Marokko MarrakeschDas sind ja riesige… Zucchinis! 

Gerade nach den sehr ruhigen Tagen auf dem Land, war Marrakesch gerade zu eine Explosion an Eindrücken für mich, die mich etwas überfordert haben. Schlendert man durch die verwinkelten Gassen, kann man kaum ein paar Meter laufen ohne angesprochen zu werden. Jeder möchte dich auf seinen eigenen Stand aufmerksam machen. Dabei wird hier mit allen Tricks gearbeitet: es wird gerufen, gewunken, man wird am Arm gepackt. Waren – denen man ganz bestimmt nicht widerstehen kann, so denkt sich das vermutlich der Verkäufer – werden einem unter die Nase gehalten. „Smell, smell!“ oder „What is this?“ – gerne versuchen die Verkäufer einen auch direkt durch Fragen in ein Gespräch zu verwickeln. Ich habe mich bereits mit allem eingedeckt, was ich besorgen wollte und lehne höflich, aber bestimmt ab. Bleibt man einfach mal stehen, weil man sich orientieren möchte oder auf jemanden wartet, bekommt man schnell das Gefühl überall im Weg zu sein. Wehe, du bleibst vor dem Stand eines Händlers stehen ohne an seinen Produkten interessiert zu sein! Es ist unglaublich anstrengend und manchmal bin ich auch genervt – trotzdem möchte man nicht aufhören, weiter zu gehen. Wer weiß was es spannendes hinter der nächsten Ecke zu entdecken gibt?

Reisebericht Marokko MarrakeschManche Ecken sind entspannt und ruhig… 

Reisebericht Marokko Marrakesch… manche etwas geschäftiger. An den richtigen vollen Plätzen konnte ich kein Foto machen

Der Platz Jemaa el-Fna

Eines der Highlights hier ist der Jemaa el-Fna – DER zentrale Platz in der Medina von Marrakesch. Neben zahlreichen Garküchen und Ständen mit frisch gepresstem Säften, gibt es hier auch Gaukler und Schlangenbeschwörer. Der Name bedeutet „Versammlung der Toten“ und rührt daher, dass damaligen Sultane diesen Platz als Hinrichtungsstätte nutzten und sogar auch aufgespießte Köpfe zu Schau gestellt wurden. Richtig aufblühen tut der Platz am Abend, wo er sich in ein wildes Treiben aus Gauklern, Wahrsagerinnen, Geschichtenerzählern, Künstlern und Musikern verwandelt. Aber Vorsicht: möchte man ein Foto von einem Darsteller machen, wird man direkt zur Kasse gebeten. Hier ist nichts umsonst. Daneben die dutzenden Essensstände, in deren offenen Küchen die Speisen vor sich hin brutzeln. Ein Besuch des Platzes ist ein Muss! Wem das ganze zu viel wird, kann sich eine Pause auf einer der verschiedenen Dachterrassen gönnen und das Treiben aus „sicherer Entfernung“ beobachten.

Reisebericht Marokko MarrakeschStände, Stände, Stände … 

Reisebericht Marokko Marrakesch… umgeben von blass roten Häusern

Reisebericht Marokko MarrakeschEin Blick zur noch ruhigen Mittagszeit von einer der Dachterrassen aus

Reisebericht Marokko MarrakeschAbends blüht der Platz dann richtig auf! 

Der Gewürzmarkt

Wir streifen über die unterschiedlichen Märkte, aber der Gewürzmarkt hat es uns besonders angetan. Auf dem Platz sind zahlreiche Stände aufgebaut mit Körben, Holzfiguren, Teppichen und natürlich: Gewürzen. Während es hier morgens noch recht ruhig ist, füllt sich der Platz im Laufe des Vormittags sehr schnell. Tagsüber herrscht hier ein Gewusel von Einheimischen, Touristen und Verkäufern.

Reisebericht Marokko MarrakeschEin wildes Treiben auf den Märkten von Marrakesch

Dazwischen versuchen geschäftstüchtige Frauen dir die Hände mit Henna zu bemalen und wollen nicht locker lassen, ehe die Kunst getan ist (Wer solch ein Kunstwerk auf seiner Hand möchte, sollte aber vorsichtig sein, wo genaue er es machen lässt. Manchmal enthalten die Farben giftige Stoffe und nachdem die Kunst getan ist, vergisst die ein oder andere Frau gern mal, welcher Preis vereinbart wurde und fängt mit den Verhandlungen von vorne an). Chamäleons sitzen in kleinen Käfigen und der Besitzer wartet nur auf einen verwunderten Tourist der stehen bleibt. Ehe du dich versiehst, sitzt das Tier auf deiner Hand und du kannst nicht entkommen.

Reisebericht Marokko MarrakeschDie Gewürze entpuppen sich auch als hervorragendes Fotomotiv!

Wer Gewürze kaufen möchte, ist hier genau richtig, aber Vorsicht: keine Gewürze kaufen, die den ganzen Tag in der Sonne liegen. Diese verlieren ihre Würze! Wie auch schon bei seinem „großen Bruder“ dem Jemaa el-Fna, gibt es hier das ein oder andere Cafe mit einer hübschen Panorama Aussicht für eine kleine Pause.

Reisebericht Marokko MarrakeschDer Gewürzmarkt von oben

Riads und weiteres Sehenswertes

Um Marrakesch zu erkunden, darf man sich ruhig ein paar Tage Zeit lassen. Normalerweise bin ich auf Reisen immer organisiert und habe einen guten Plan, wie ich das meiste innerhalb kürzester Zeit mitnehmen kann. In Marrakesch ist viel Zeit dafür „drauf gegangen“ durch die Straßen zu irren auf der Suche nach dem gewünschten Ziel. Die kleinen Gassen in der Medina können so verwirrend sein, dass auch die Karte auf dem Handy manchmal nicht genau weiterhelfen kann oder manchmal ist es auch nicht ganz eindeutig, wo der Eingang des gesuchten Riad zu finden ist. Tragisch war das nicht – denn immerhin ist es genau das, was Marrakesch ausmacht: sich treiben lassen und die Atmosphäre der Stadt aufzunehmen.

Koutoubia-Moschee

Trotzdem habe ich es geschafft mir ein paar Sachen anzusehen, wie z.B. die Koutoubia-Moschee. Sie ist die größte Moschee in Marrakesch und der 77m hohe Turm ist von fast überall in der Stadt zu sehen. Der Name bedeutet „Moschee des Buchhandels“ und bezieht sich auf den Buchhändler Souk, der sich damals in der Nähe der Moschee befand. Nach der Eroberung Marrakeschs durch die Almohaden wurde 1147 eine Moschee an dieser Stelle errichtet. Dabei wurde ein alter Palast (Ksar el-Hajar) der Almoraviden überbaut. Die neu errichtete Moschee wurde allerdings kurz nach ihrer Fertigstellung (angeblich wegen falscher Ausrichtung) im Jahr 1157 durch den heutigen Bau ersetzt.

Reisebericht Marokko MarrakeschDie Moschee mit alten Ruinenteilen der vorherigen Moschee im Vordergrund

Die Moschee ist das Wahrzeichen der Stadt und leider für Nicht-Muslimen nicht geöffnet.

Reisebericht Marokko MarrakeschDie Moschee aus dem Lalla Hasna Park heraus

Reisebericht Marokko MarrakeschDer Turm ist von fast überall in der Stadt von weitem zu sehen

Das Bab Agnaou

Einer der bedeutendsten historischen Torbauten in Marrakesch kann man im Süden der Medina entdecken. Das Tor Bab Agnaou – was vermutlich soviel bedeutet wie „schwarzes Tor“. Es bildet die Grenze zwischen der Medina und dem ehm. Regierungsviertel. Es ist eines der 19 Tore (Bab) in Marrakesch, wurde um 1190 rum gebaut und hatte keinerlei Verteidigungsaufgaben.

Reisebericht Marokko Marrakesch

El-Badi-Palast oder Bahia-Palast ?

Natürlich wollten wir uns auch einen prachtvollen Riad ansehen. Wir wollten mit dem El-Badi-Palast beginnen. Er gilt als einer der meistbesuchten Bauten Marrakeschs und wurde Ende des 16. Jhd von den Saadiern errichtet. Finanziert werden konnte er durch ein üppiges Lösegeld, welches die Portugiesen nach der Schlacht der Drei Könige zahlten. 15 Jahre dauerte der Bau an und nach fertigstellung war er eines der aufwändigsten Handwerksarbeiten der saadischen Zeit. Seinen niedergang erlebte der Palast, als die Zeit der Saadier in Marrakesch vorbei war und der neue Sultan die kostenbaren Baumaterialien und Dekorationen in seinen neuen Palast nach Meknes brachte. Leider wurde der Palast während unseres Aufenthalts renoviert (oder wir haben nicht den richtigen Eingang gefunden) und er war geschlossen.

Reisebericht Marokko MarrakeschHübsche Details im Bahia-Palast

Also zogen wir weiter zu unserer nächsten Option: dem Bahia-Palast, der mit 10 Dirham (ca 90 Cent) Eintritt sogar günstiger war als er El-Badi-Palast (70 Dirham, ca 6,50 €). Nachdem wir ein wenig suchen mussten, haben wir den Eingang dann auch schließlich gefunden. Der Bahia Palast zählt zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und ist, wie auch schon die Gärten, eine Oase der Ruhe. Er wurde Ende des 19. Jhd von den Alawiden erbaut und galt damals als der größte seiner Zeit. Sein Name bedeutet „der Glanzvolle“ und ja: Kaum haben wir den ersten Innenhof erreicht ist der El-Badi-Palast vergessen. Wir sind begeistert. Diese detailverliebten Arbeiten von bunten Mosaiken und Ornamenten haben mich direkt abgeholt und an jeder zweiten Ecke frage ich mich, wie ich dies und jenes am besten in einem Foto einfangen kann. In den Innenhöfe ist es herrlich grün, dank der zahlreichen Orangenbäume, die hier wachsen.

Reisebericht Marokko MarrakeschTausende Handwerker haben 7 Jahre an diesem prächtigen Palast gebaut!

Reisebericht Marokko MarrakeschEiner der wunderbar grünen Innenhöfe

Reisebericht Marokko Marrakesch

Reisebericht Marokko Marrakesch

Reisebericht Marokko MarrakeschIn manchen Räumen gibt es kleine Ausstellungen

Die meisten Räume sind leer, aber das nimmt dem Palast nicht seinen Glanz. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie die damaligen Sultane, Prinzen und Prinzessinnen hier gelebt haben müssen. Wir folgen dem Rundgang durch die verschiedenen Räume und Innenhöfe und irgendwann erreichen wir den Ausgang. Wir sind ein wenig traurig. Wir hätten noch viele weitere Stunden durch die prachtvollen Räume spazieren können. Wir hatten Glück und waren relativ zeitig dort, weswegen es noch recht ruhig war. Als wir den Palast verlassen haben, kamen uns Ströme an Menschen entgegen. Wer die Ruhe hier genießen möchte, sollte also möglichst früh hier her kommen. Man kann den Palast auf eigene Faust erkunden, oder auch einen Guide buchen.

Reisebericht Marokko Marrakesch

Reisebericht Marokko Marrakesch

Reisebericht Marokko Marrakesch

Reisebericht Marokko MarrakeschNicht nur die Wände sind voller Details – es lohnt sich auch ein Blick nach oben

Das Dar-Si-Said-Museum

Vom Bahia-Palast ging es weiter zum Dar-Si-Said-Museum – eines der bedeutendsten Museen des Landes. Es beschäftigt sich mit den kunsthandwerklichen Erzeugnissen der Berberkultur aus dem Hohen und Anti-Atlas bis zur Oasenregion des Tafilalet. Es befindet sich in einem Riad, das im 19. Jhd dem Kriegsminister des Sultans gehörte. 1932 – während der Kolonialisierung – wurde es in ein Museum umgewandelt.

Reisebericht Marokko MarrakeschFeine Textilien der Berber

Reisebericht Marokko MarrakeschAber auch das Riad ist sehr hübsch!

Im Vordergrund scheinen die Teppiche zu sein und zunächst habe ich mich gefragt, ob ich mir wirklich ein Museum über Teppiche ansehen möchte. Ich bin sehr froh, dass ich mich dazu entschieden habe, denn zur Ausstellung gehören auch Holzarbeiten, Schmuck, Waffen, Keramik, Musikinstrumente und andere Textilien. Die Stücke sind alle sehr hübsch und wieder mit so vielen hübschen Details verarbeitet, das man immer wieder ins Staunen gerät.

Reisebericht Marokko Marrakesch

Das Riad selbst ist auch schön anzusehen. Details können die Marokkaner einfach. Wie auch schon die Riads gibt es hier die typischen hübschen Mosaike, prächtige Holztüren und einen hübschen, grünen Innenhof mit einem Pavillon. Bei einem Eintritt von 10 Dirham (ca 90 Cent) kann man eigentlich gar nicht nein sagen, oder?

Reisebericht Marokko MarrakeschNatürlich darf der obligatorische, schicke Innenhof auch nicht fehlen!

Das Musée de Marrakech

Als letztes besuchte ich das Musée de Marrakech im Norden der Medina. Das Kunstmuseum befindet sich im Dar-Menebhi-Palast. Der Palast wurde Ende des 19. Jhd erbaut, später restauriert und 1997 zu einem Museum gemacht. Er ist ein typisches Beispiel für klassische maurischen Architektur mit einem Hamam, einem Springbrunnen im Innenhof und aufwändigen Kacheln und Schnitzereien. 

Reisebericht Marokko Marrakesch

Reisebericht Marokko MarrakeschHistorische Waffen zwischen mega hübschen Details

Ausgestellt sind hier neben historischen Gegenständen, wie Bücher, Münzen und Töpferwaren der Berber, der jüdischen und der islamischen marokkanischen Kultur auch traditionelle und moderne marokkanische Kunst. Rein optisch beeindruckt mich die riesige, detaillierte Lampe im Hauptraum besonders. Die Größe des Palastes und der Ausstellung ist im Vergleich zu den anderen von mir besuchten Riads/Museen deutlich kleiner. Wenn ich also nur ein Riad/Museum hätte besuchen können, wäre dies nicht meine erste Wahl. Wer sich aber für das Thema interessiert und die Zeit hat, bekommt einen weiteren hübschen Riad mit vielen tollen Details zu sehen. Der Eintritt kostet 30 Dirham (ca 2,80 €).

Reisebericht Marokko MarrakeschBesonders hübsch war der Hauptraum … 

Reisebericht Marokko Marrakesch… mit seiner beeindruckenden, riesigen Lampe!

Gegenüber dem Museum befinden sich noch zwei weitere Sehenswürdigkeiten, die ich nicht besuchen konnte, da sie wegen Renovierungsarbeiten geschlossen waren. Einmal das Koubba el-Baadiyn – der einzige Schrein, aus der Herrschaft der Almoraviden, der die Zeit überdauert hat. Das Gebäude wurde 1117 als Zentrum einer Brunnenanlage errichtet um die Trinkwasserversorgung in der damals schnell anwachsenden Stadt zu gewährleisten. Ende des 19. Jhd geriet sie in Vergessenheit und wurde erst 1948 wiederentdeckt.

Daneben haben wir noch die Medersa Ben Youssef – eine ehm. Koranschule, die wirklich sehr sehenswert sein muss. Sie wurde um 1340 gegründet und bis 1960 genutzt. Heute ist der Bau (wenn er nicht gerade renoviert wird ;-) als Museum genutzt.

Wir bewegen uns Richtung der Saadier-Gräber und kommen an der Moschee Moulay el Yazid vorbei. Sie wird auch als al-Mansur- oder Kasbah-Moschee bezeichnet, da sie sich im Kasbah-Viertel von Marrakesch befindet. Sie wurde im 12. Jhd erbaut und während des 16. und 18. Jhd restauriert. Dabei blieb ihr ursprüngliche Charakter jedoch erhalten. Sie war ursprünglich als Moschee für Hofbeamten und dem höheren Militär und deren Familien gedacht. Wie es üblich ist, darf auch diese Moschee nicht von Nicht-Muslimen betreten werden.

Reisebericht Marokko MarrakeschDie Kasbah-Moschee am Rand der Medina

Eigentlich wollten wir die Saadier-Gräber besichtigen, haben es uns aber kurzfristig anders überlegt. Die Gräber sind die wichtigste Nekropole der Saadiern, die zwischen die von 1549 bis 1664 über Marrokko herrschten. Ursprünglich war das Gelände der Garten der Kasbah-Moschee, doch auch schon lange vor der Herrschaftszeit der Saadier wurden hier bereits Herrscher beigesetzt. Nachdem der erste Saadier-Sultan seine Grabstätte hier fand, baute man hier ein Grabmal.

Jahre nachdem die Saadier-Dynastie ihr Ende fand, wurde sie mit hohen Mauern umschlossen um das Andenken an diese Dynastie verschwinden zu lassen. Das Mausuleoum wurde erst 1917 zufälligerweise wiederentdeckt. Das Innere ist wohl nicht sehr groß, aber soll dafür sehr prächtig sein! Weswegen wir uns aber letztendlich dagegen entschieden haben, war die sehr lange Warteschlange vor den Gräbern (und wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es im Inneren auch nochmal eine Warteschlange…). Dann ist der Eintritt mit 70 Dirham (ca 6,50 €) auch kein Schnäppchen. Wer sich die Gräber ansehen möchte, sollte möglichst direkt Morgens hier her kommen.

Sicherheit in Marokko?

Wie sicher ist Marokko eigentlich? Erstmal ist es ein politisch stabiles Land und ich habe mich nicht unsicher oder bedroht gefühlt, obwohl ich hier und da auch alleine unterwegs war. Das „schlimmste“ was mir passiert ist, das irgendwelche Kerle genervt haben. Da ich aber jahrelanges Training im Ignorieren und stur-vorbeilaufen habe, hielt sich das bei mir sehr in Grenzen. Natürlich muss man – wie eigentlich überall – auf die typischen Sachen achten: zu Diebstahl kann es überall kommen, also immer auf die Taschen und Wertsachen aufpassen. Was man nicht braucht, am besten in der Unterkunft oder direkt zu Hause lassen. Betrügereien in der Tourismus Branche sind auch üblich, erleichtern einen meistens aber nur um etwas Geld: falsche Guides, Verkäufer die Touristen bewusst mit einem angeblich zufälligen und netten Gespräch „einfangen“ und überteuerte/gefälschte Produkte andrehen. Nicht alle, die freundlich zu einem sind, meinen es auch so. Häufig wollen sie einfach nur dein Geld.

Natürlich gibt es auch wieder die Regionen, die man meiden sollte: entlegene Gebiete der Sahara und Grenzregionen zu Algerien und Mauretanien. Im Rif-Gebirge muss man auch etwas aufpassen – dort wird Cannabis angebaut. Kauft oder nehmt keine Drogen an – werdet ihr damit erwischt, könnt ihr im Gefängnis landen. Natürlich sollte man auch Demonstrationen und Menschenansammlungen meiden. Dunkle, einsame Gassen sollten auch gemieden werden. Insbesondere in der Medina sollte man es unbedingt vermeiden alleine im Dunkeln unterwegs zu sein.

Ansonsten gibt es ein paar Regeln die man wie immer beachten sollte: achte auf deine Kleidung – kleide dich respektvoll. Respektiere auch die Religion vor Ort. Fotografiere nicht ungefragt irgendwelche Leute und beleidige niemals den König oder andere Amtspersonen (ist tatsächlich sogar gesetzlich verboten). Ansonsten hilft wie immer der gesunde Menschenverstand und die Chancen stehen sehr gut, dass du keine schlechten Erfahrungen machen wirst ;-)

Essen in Marrakesch

Natürlich kann man in Marrakesch ausgezeichnet essen gehen und wir haben uns durch ein paar Restaurants durchprobiert. Direkt am Place des Saveurs findet man das kleine Restaurant Earth Cafe mit einem kleinen Außenbereich, von der man das Treiben auf den Straßen beobachten kann. Ich bin auf den Laden aufmerksam geworden, da es ein rein vegetarischer Laden (auch mit veganen Gerichten) ist und ich mich zur Abwechslung gefreut habe, dass ich alles auf der Karte bestellen konnte. Das Essen war auch sehr lecker! Für mich gab es neben Minztee und frisch gepressten Orangensaft einen Veggie-Burger

Reisebericht Marokko Marrakesch

Im Café Des Épices haben wir nur etwas getrunken, von daher kann ich zu den Gerichten nichts sagen. Für mich gab es einen frisch gepressten Avocado Saft, der hervorragend war. Btw. sind frisch gepresste Säfte immer super lecker und üblich in Marokko. Man sollte so viele probieren wie man kann – aber Vorsicht an günstigen Ständen können sie evtl. mit Leitungswasser gepanscht sein. Zurück zum Cafe: dieses befindet sich direkt am Gewürzmarkt und von der Dachterrasse hat man eine großartige Sicht auf den Markt und Marrakesch. Ein guter Platz um sich das Treiben auf dem Platz ganz in Ruhe anzusehen. 

Reisebericht Marokko Marrakesch

Dasselbe gilt für das Restaurant Taj’in Darna am Platz Jemaa el-Fna. Von der Dachterrasse hat man einen tollen Blick auf den ganzen Platz! Von dem Cafe Argana und Restaurant Café de France soll man auch einen tollen Blick haben – dort haben wir es aber nicht mehr hin geschafft. Das Taj’in Darna ist schon etwas touristischer, aber die Aussicht verzeiht das. Ich hatte ein vegetarischen Couscous mit Kichererbsen und Gemüse. Ich war mit meiner Wahl zufrieden und uns hat es allen geschmeckt. 

Reisebericht Marokko Marrakesch

Etwas gehoben waren wir im Restaurant Nomad unterwegs. Hier befindet man sich ebenfalls am Gewürzmarkt und auch hier gibt es eine Aussichtsterrasse mit toller Aussicht. Das Nomad bietet traditionelle regionale Küche und internationale Gericht mit marokkanischem Touch an. Uns hat es wirklich allen hervorragend geschmeckt. Für mich gab es eine vegetarische Pastilla – was mich sehr gefreut hat, da Pastilla normalerweise mit Fleisch sind. Zum Nachtisch gab es auch einige leckere Optionen. Für mich gab es Amlou und Hibiskusblüten-Eis. Nom nom! Ach ja: eine Reservierung wäre hier empfehlenswert!

Reisebericht Marokko Marrakesch

Meine Empfehlungen schließe ich ab mit deer Sky-Bar im Hotel Renaissance. Dieses liegt zwar etwas außerhalb, aber von hier hat man auch eine schicke Aussicht auf die Stadt! Leider ohne Foto, da ich an dem Abend meine Kamera nicht mit dabei hatte. 

Siehe auch:
Teil 6 meines Marokko Reiseberichts: Kashbah Aït Ben Haddou & Hoher Atlas in Aroumd
Teil 7 meines Marokko Reiseberichts: Die Stadt des Windes: Essaouria
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route
Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse