Marokko 3 – Die gewaltige Medina von Fès

Unser Weg führte uns nach Fes. Die zweitgrößte Stadt Marokkos hat eine gewaltige Medina, in der man sich ohne Hilfe verlaufen könnte. Neben der Medina haben wir uns ein paar Handwerksbetriebe angesehen und etwas über diese alte Kunst gelernt…

Angekommen in Fes

Von Chefchaouen ging es fast 200km in den Süden nach Fes. Nach rund 3 ½ Std sind wir in der zweitgrößte Stadt Marokkos angekommen. Die Stadt „Medinat Fas“ wurde 789 gegründet. 809 wurde eine weitere Stadt „Al-Aliya“ auf der linken Flussseite des Wadi Fès gegründet. Letztere entwickelte sich schnell zu einer richtigen Stadt mit Palast, Markt und einer Moschee, was vermutlich u.a. der lebenswichtigen Wasserquellen zu verdanken war. Zwischen 817-818 erlebte die Stadt einen großen Einwanderungszustrom dank vertriebener/verbannter Familien aus Spanien und Tunesien. Diese brachten technisches und handwerkliches Können mit – Fes entwickelte sich zum kulturellen Zentrum und religiösen Herzen Marokkos. Einen weiteren Einfluss spielte wohl auch, dass die Region viele grundlegenden Rohstoffen für das Handwerk zu bieten hatte. Dazu lag sie sehr günstig an der Kreuzung wichtiger Handelswege. Medinat Fas und Al-Aliya wurden im Mittelalter zu einer Stadt vereinigt.

Reisebericht Marokko Fes

Ihren Status verlor Fes nach der Gründung von Marrakesch im 11. Jhd. Gewann diese aber wieder, nach deren Einnahme durch die Meriniden in 1250. Die Meriniden gründeten sie 1276 unter dem Namen „El Medinet El-Beida“ neu und ließen einige neue Paläste, Gärten aber auch eine Mauer errichten. Bald setzte sich die Bezeichnung Fès el Jedid („das neue Fès“) durch. Zu Beginn des 14. Jhd erlebte die Stadt einen großen Aufschwung. Während eines Erdbebens in 1522 wurde ein Teil der Stadt zerstört. Viele Gebäude wurden damals aber restauriert oder neu aufgebaut.

Man kann Fes in drei Stadtteile aufteilen: Die Altstadt/Medina, die von der Stadtmauer eingeschlossen wird, die mittelalterliche Neustadt (Fes el Jedid) mit dem Königspalast und das jüdische Viertel und die Ville Nouvelle, die ursprünglich als Residenzviertel für die Europäer entstand und heute flächen- und einwohnermäßig den größten Teil der Stadt darstellt.

Reisebericht Marokko FesDie Avenue Hassan II in der Ville Nouvelle – ansonsten habe ich hier nicht sonderlich viel spektakuläres gefunden

Den Abend haben wir mit einer Veranstaltung in einem Riad ausklingen lassen. Angeboten wurde ein Essen (mit Vor-, Haupt- und Nachspeise) mit Unterhaltung in Form von traditioneller Musik, Bauchtanz und einer Zaubershow. Leider kann ich diese Veranstaltung nicht wirklich empfehlen, da es sehr touristisch aufgezogen wurde. Das Essen war in Ordnung, aber nichts besonderes. Die traditionelle Musik war sehr gut und unterhaltsam, während die Bauchtanzshow bei mir eher starkes fremdschämen hervorrief (Leute wurden aus dem Publikum raus gezogen und das Niveau war… nun ja..) und die Zaubershow war ein Witz. Aber das Riad war sehr hübsch. Wie auch immer: hier kann man sich das Geld wirklich sparen.

Reisebericht Marokko FesDas einzig Sehenswerte an diesem Abend war das schöne Riad und die traditionelle Musik

Die königliche Residenz in Fes

Wir haben uns für eine geführte Tour durch die Medina von Fes entschlossen, da sie wirklich gewaltig ist. Unsere Tour startete mit dem obligatorischer Besuch des Königspalast. Der Palast wurde im 17. Jhd errichtet und dient dem König Mohammed VI. als Sommerresidenz. Der Palast kann nur von außen betrachtet werden und ist selbst von hohen Mauern umgeben. Im Inneren soll es neben dem prunkvollen Palast auch einige schöne Gärten und eine Moschee geben.

Reisebericht Marokko FesIst man zur richtigen Zeit hier, soll es sogar eine Wachablösung zu sehen geben

Fes ist übrigens eine der Königsstädte Marokkos. Insgesamt gibt es vier Städte, die diesen Titel tragen: Fès, Marrakesch, Meknès und Rabat. Jede dieser Städte war zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte die Hauptstadt einer Dynastie und die jeweiligen Hauptstadt wurde prunkvoll ausgebaut – was sie heutzutage wiederum zu einem beliebten Ziel für Reisende macht. Fes ist die älteste der vier Königsstädte und war mehrfach die Hauptstadt. Einmal die der Idrisiden von 807-926, dann die der Meriniden von 1248-1465 und die der Alawiden während 1666-1672 und 1727 bis 1912. Nachdem Rabat von den Franzosen zum Verwaltungssitz von Französisch-Marokko bestimmt wurde, hat Fes seinen Titel als Hauptstadt zwar verloren, ist aber trotzdem ein wichtiges Zentrum der Kultur, des Handwerkes und des Handels geblieben. Der König residierte auch nach 1912 weiterhin in Fes. 

Reisebericht Marokko FesDer gewaltige Haupteingang des Palastes hat 7 verzierten Messingtüren 

Reisebericht Marokko FesDer Platz vor dem Königspalast

Vom Königspalast geht es über einen kurzen Spaziergang durch das jüdische Viertel, auch Mellah genannt. Vergleichbar war diese Art von Viertel mit den europäischen Ghettos und sie liegt immer in der Nähe der Medina. Die Mellah von Fes ist die älteste und wurde 1438 eingerichtet. Aufgrund von gewaltsame Ausschreitung gegen die Juden wurden sie damals zu ihrem eigenen Schutz von ihrem bisherigen Stadtviertel in der Medina an diesen Platz umgesiedelt. Nach dieser Mellah wurden alle weiteren Viertel dieser Art in Marokko benannt. Inzwischen sind aber viele jüdischen Marokkaner ausgewandert und diese Viertel werden überwiegend von Moslems bewohnt.

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Reisebericht Marokko FesDas Bab as-Semmarine – eines der vielen Stadttore, welches von Störchen besetzt wurde ;-)

Reisebericht Marokko FesStörche machen auf ihrer Reise in den Süden sehr gern halt in Marokko

Eine Aussicht über Fes

Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie gewaltig die Medina von Fes ist, fährt zum Aussichtspunkt Borj-Sud. Von hier aus hat man eine grandiose Aussicht! Hierbei handelt es sich um eine Festung aus dem 16. Jhd. Auf der gegenüber liegenden Seite befindet sich eine zweite Festung, die Borj Nord. Beide Festungen wurden errichtet, als ein arabischer Stammesverband 1554 die Stadt einnahm. Mit Ihnen sollte die Stadt und die Umgebung überwacht werden. Das Innere lässt sich leider nicht besichtigen, aber die Aussicht sollte man nicht verpassen!

Reisebericht Marokko FesDie Medina von Fes ist wahrlich gigantisch!

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Reisebericht Marokko FesDie Festung Borj-Sud aus der Medina heraus

Reisebericht Marokko Fes Auf der Nordseite befinden sich außerdem die Merinidengräber

Die Medina von Fes

Nun ging es für uns also in die Medina! Sie ist von der alten Stadtmauer umgeben und kann über verschiedene Tore, wie dem Bab Boujeloud, betreten werden. Unser Guide weist uns darauf hin, wenn wir den Anschluss an die Gruppe verlieren, wir einfach bleiben sollen wo wir sind und warten sollen, dass man uns wieder einsammelt. Es würde regelmäßig passieren, dass Leute auf der Tour verloren gehen. Er fügt scherzend hinzu, dass sich jährlich viele Touristen hier verlaufen und sie dann einfach für immer hier bleiben.  

Reisebericht Marokko FesEsel in der Medina von Fes – ganz normal

Reisebericht Marokko FesZum Glück findet man auch mal Gassen, die weniger belebt sind und kann hier mal kurz verschnaufen

Die Medina von Fes ist mit ihren 9000 Gassen die größte mittelalterliche Altstadt der Welt und gehört seit 1976 zum Unesco-Weltkulturerbes. Hier lebt der Orient! Viele der Gassen sind so eng, dass man – zusammen mit der Masse an Menschen, die sich hier durch die Medina schlängelt – kaum durch kommst. Nebenbei versuchst du das bunte Spektakel zwischen Gewürz-, Lebensmittel-, Souvenir- und Teppichhändlern, Gerbereien, Kupferschmiede, Töpferwaren und andere Handwerksarbeiten in dich aufzunehmen. Überall sitzt jemand, der versucht seine Waren zu verkaufen. Dazu das Getümmel aus Einheimischen und Touristen, die versuchen den besten Preis auszuhandeln oder ihren Weg durch die labyrinthartige Medina suchen. Dazwischen noch Esel, die Waren transportieren und gemütlich durch die engen Gassen trotten. Hört man von hinten laute Rufe, sucht man sich schnell eine kleine Ecke und macht Platz: von hinten kommt jemand mit einem Handkarren, der schnell durch möchte. Kurz stehenbleiben für ein Foto ist in manchen Gassen unmöglich. Kurz: die Medina von Fes ist ein quirliges Gewusel aus Menschen, Handkarren, Eseln und Waren! Ich gebe zu, ich war etwas überfordert und war froh, dass wir unserem Guide folgen konnten.

Reisebericht Marokko FesIn Fes findet man alles: zwischen Datteln, Oliven, Gebäck, Holz, Kupfer, Teppichen und vieles, vieles mehr

Reisebericht Marokko Fes

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Reisebericht Marokko FesDa weiß man direkt, welche die richtige Richtung ist…

Wir machen einen Stop bei der Madrasa Bū ʿInānīya – dieses bemerkenswerte Gebäude wurde zwischen 1350 und 1357 erbaut und wurde als eine Art Hochschule genutzt. Im Gegensatz zu den meisten Medressen (Bezeichnung für eine Schule in der Islamwissenschaften unterrichtet wird), die nur eine einfache Gebetshalle haben, hat diese hier eine eigene Moschee. Sie gehört zu den gewaltigsten Bauwerke der marokkanischen Meriniden-Dynastie und wurde 1995 aufwändig restauriert und erforscht.

Reisebericht Marokko FesDer prächtige Innenhof der Hochschule

Reisebericht Marokko FesSo viele hübsche Details! 

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Wir betreten den rechteckigen Innenhof und sind direkt beeindruckt. Die Hochschule ist u.a. wegen ihrer reichen Dekoration berühmt: Die Innenfassade ist von prächtigen Kacheln und Holzschnitzereien und fein gearbeiteten Verzierungen geschmückt. Um den Innenhof herum befindet sich eine 2-Stöckige Galerie, in der sich die Wohnräume der Studenten befanden. Die Unterkünfte sind – im Gegensatz zu dem reich geschmückten Innenhof – sehr bescheiden. Die oberen Stockwerke können auch betreten werden – hier bekommt man einen näheren Einblick in das Leben der Hochschule, bzw. das der Studenten. Der Eintritt kostet btw. 20 MAD. 

Reisebericht Marokko FesDurch kleine Fenster kann man in den Innenhof blicken

Reisebericht Marokko FesDie Galerie mit den Schlafsälen der Schüler

Reisebericht Marokko FesMit den typischen grünen Dächer von Fes 

Auf unserem Weg durch die Medina kamen wir auch an der Universität Al-Qarawīyīn vorbei. Sie wurde 859 als Medresse gegründet und ist nicht nur die älteste Universität von Fes – sie ist sogar die älteste noch bestehende Bildungseinrichtung der Welt. 1957 wurde sie zur Universität und auch heute wird sie noch als diese genutzt. Gegründet wurde sie von Fatima al-Fihri, Tochter eines reichen Kaufmanns. Während des 14. Jhd – als Fes einen großen Aufschwung erlebte – war die Universität weltberühmt und war einer der bedeutendsten Zentren der Geistlichkeit und Kultur im Islam.

Reisebericht Marokko FesWir werfen einen Blick durch die Tür, denn wir dürfen leider nicht rein

Wir werfen außerdem einen Blick in das Zaouia de Moulay Idriss – ein Mausoleum. Neben dem Grab von von Zaouia Moulay Idris II befindet sich hier außerdem eine Moschee. Moulay Idris II regierte von von 807 bis 828 Marokko und gilt als Gründer der Stadt. Das Mausoleum gilt als eines der heiligsten Heiligtümer Marokkos und wird sowohl von Einheimischen, als auch Besucher, die den muslimischen Glauben teilen gern besucht. Nicht-muslimische wie wir dürfen leider nicht rein. Der Eingang sieht aber auch schon sehr hübsch aus.

Reisebericht Marokko Fes

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Unser Weg führt uns weiter zum Place Seffarine – dem Platz der Kupferschmiede. Die Souks in Fes sind in unterschiedliche Bereiche geteilt, z.B. Holz-, Keramik-, Metall-, Ledersouk. Um den Place Seffarine dreht sich alles um Kupfer! Und das lässt sich kaum überhören. Hier kann man die Handwerkern beim verarbeiten von Kupfer beobachten. Laut hämmern sie auf ihre zukünftigen Stücke ein. In den umliegenden Geschäften findet man Pfannen, Kupfertajinen, Kannen und alles andere, was aus Kupfer ist.

Reisebericht Marokko FesDer Platz wird dominiert von einem gewaltigen alten Baum und fleißigen Arbeitern

Reisebericht Marokko FesPäng – Päng! Kupferarbeiten können ganz schön laut sein

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Apropos Handwerk…. 

Handwerk in der marokkanischen Hauptstadt des Handwerks

Während unserer Tour durch Fes hatten wir auch die Möglichkeit ein paar Handwerksbetrieben über die Schulter zu gucken, die ihre Produkte noch auf die traditionelle Art herstellen. Denn Fes gilt als die Hauptstadt des marokkanischen Handwerks! Angefangen haben wir im Töpferviertel Ain Noqbi und natürlich haben wir hier eine Töpferei besucht. Das Töpferhandwerk wird seit dem 11. Jhd in Fes betrieben und heute gibt es noch etwa 18 große Handwerksbetriebe. Auf einem kleinen Rundgang durch den Betrieb wurden uns die Arbeitsschritte kurz erklärt. Zunächst wird der Ton aus dem Flusstal in Blöcken angeliefert. Hier wird er zerkleinert und für mehrere Tage in einem Wasserbecken eingeweicht. Von da aus kommt er auf eine Drehscheiben, wo ein Mitarbeiter den Ton in Form bringt. Ist die Form zufriedenstellend, wird das Stück für etwa 2-3 Tage getrocknet. Anschließend wird es für 6 Std. bei etwa 800 Grad in einem Ofen gebrannt.

Reisebericht Marokko FesÜberall auf dem Gelände stehen fertige und unfertige Stücke herum

Reisebericht Marokko FesHier wird der Ton vorsortiert

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Reisebericht Marokko FesDer Ton in Aktion auf der Drehscheibe

Ist das alles geschafft, wird es angemalt. Hier bekommen die Stücke ihre charakteristischen Verzierungen. Die Farben bestehen aus Naturmaterialien – z.B. wird das berühmte Fes-Blau (das als eines der Wahrzeichen von Fes gilt) aus Kobaltoxid gewonnen. Ist auch die Farbe fertig aufgetragen, wird das Stück wieder gebrannt und es ist fertig. Fliesen werden nochmal in einer weiteren Werkstatt in Form gebracht. Alles per Handarbeit!

Reisebericht Marokko FesHier kommt die Farbe ins Spiel!

Reisebericht Marokko Fes

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Reisebericht Marokko FesUnfertige und fertige Arbeiten

Natürlich hat der Betrieb auch noch einen kleinen Verkaufsladen, wo man dann Stücke erwerben kann. Die ganze Tour ist schon auch etwas touristisch und die Preise der Stücke waren auch etwas höher, als z.B. auf dem Markt – dafür war die Qualität aber auch besser. Bei uns wurde niemand genötigt etwas zu kaufen – von daher war das nicht unangenehm. Ich fand die Tour insgesamt sehr interessant.

Reisebericht Marokko FesHier werden traditionelle Keramikmosaike in Form gebracht…

Reisebericht Marokko Fes.. und dann einzeln zusammengepuzzelt 

Für das nächstes Handwerk besuchten wir eine Geberbei im Gerberviertel. Ähnliches Prinzip wie bei der Töpferei schon: wir besuchen den Betrieb Chouara Tanneries, kriegen eine kurze Führung und anschließend kann man etwas kaufen, oder eben auch nicht. Wir betreten den Laden und riechen schon direkt den penetranten Geruch. Es werden kleine Minzzweige verteilt, die man sich unter die Nase halten kann, damit der Geruch erträglicher wird. Wie sehr das hilft oder nicht – darüber streiten sich die Geister. Ich fand den Geruch nicht ganz so schlimm, aber evtl. hatten wir an dem Tag auch einfach Glück gehabt. 

Reisebericht Marokko Fes

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Dann geht es eine Treppe hinauf und wir stehen auf einer Terrasse. Von hier aus hat man nicht nur eine schöne Sicht auf die Umgebung, sondern auch auf die Gerberei. Wir erblicken viele ummauerte Löcher in unterschiedlichen Größen, in denen Männer stehen, die stapfend und barfuß das dort drin befindende Leder bearbeiten. Das Leder wird gegerbt, getrocknet und gefärbt, bevor es weiter verarbeitet werden kann. Der widerlichen Geruch entsteht durch Fleisch- und Fellreste, aber auch durch Taubendreck, der das Leder zusätzlich weich machen soll und die Verarbeitung erleichtert. Hier wird das Leder noch auf traditionelle Methode bearbeitet – keine Chemie. Das soll das Leder nicht verätzen. Über mehrere Stunden wird das Leder bearbeitet. Puh! Das ist wirklich mal eine harte Arbeit!

Reisebericht Marokko FesLeder hängt zum Trocknen herum

Reisebericht Marokko FesDas ist wirklich ein Knochenjob!

Das letzte Handwerk auf unserer Tour war eine Weberei. Wir huschen durch eine schmale Gasse und stehen plötzlich in einem großen Raum, mit zahlreichen Stoffen und 2 traditionelle Weberstühlen. Alleine hätten wir diesen Betrieb wohl nicht gefunden (zu finden unter The Bougueddach Collective in der Map, aber ich bin mir nicht 100% sicher, ob das richtig ist). Auch hier ist das Prinzip wie bei den vorherigen Betrieben: man erklärt uns wie die Stoffe gewebt werden und anschließend können wir etwas kaufen. Mit den Webstühlen werden hier feine Stoffe gewebt. Es gibt diese in Baumwolle, oder aber auch aus Agavenfäden – diese Stoffe fühlen sich besonders geschmeidig an, wie Seide. Der Webstuhl wird mit dem Fuß angetrieben. Mit der Hand bewegt der Weber die Spule geschickt mit geübten Zügen hin und her. Spannend zu sehen, wie hieraus Stoff wird.

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Ich brauche noch einen Schal für unseren Ausflug in die Wüste, also nutze ich hier die Gelegenheit. Es wird ein strahlend blaues Tuch. Damit ich es auch schon richtig fühlen kann, wird mir auch ein Turban gebunden.

Reisebericht Marokko FesEiner der faszinierenden Webstühle

Religion in Marokko

Marokko ist ein muslimisches Land, denn rund 98,7% der Bevölkerung sind Muslime. Etwa 0,1% gehören dem Christentum an und rund 2000 Menschen sind Juden. 90% der muslimischen Marokkanern gehören zu den Sunniten, die die größte Glaubensrichtung im Islam ist. Nach dem Tod des Propheten Mohammed stellte sich die Frage wer sein Nachfolger werden soll. Daraus entstanden verschiedene Gruppierungen, z.B. die Sunniten, die lieber einen Mann ihres Vertrauens als Nachfolger von Mohammed wählen wollten und dabei weniger auf seine Herkunft achten wollten. Ihre wichtigste Gegengruppe sind die Schiiten, die der Meinung waren, dass der Nachfolger ein Familienangehöriger von Mohammed sein musste.

Das Land und die Gesellschaft ist stark geprägt von der Religion. So gehört für viele Marokkaner die 5 Gebete am Tag und auch der Fastenmonat Ramadan zum Alltag dazu. Während des Ramadans verzichten zahlreiche Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf sämtliche Speisen und Getränke. Der Zeitraum ist immer unterschiedlich, aber i.d.R. fällt die Fastenzeit auf einen Monat zwischen März und Mai. Wer dies nicht live miterleben möchte, sollte während dieser Zeit Reisen nach Marokko vermeiden, denn dann schlagen die Uhren ein wenig anders, z.B. ist dann Essen tagsüber schwer zu bekommen – logischerweise.

Da ich nicht während des Ramadans in Marokko war, waren für mich die 5 Gebete am Tag am präsentesten. Salāt wird das rituelle Gebet genannt. Zu bestimmten Zeiten (Morgendämmerung, Mittag, Nachmittag, Sonnenuntergang, Abend) betet der Muslime Richtung Mekka – die heiligste Stadt des Islams. Während unserer Reise haben wir zahlreiche dieser Gebete gehört, insbesondere den zur Morgendämmerung, der uns morgens immer aus dem Schlaf geholt hat ;-)

Essen in einem wunderbaren Riad als Abschluss

Unsere Tour endet in einem Restaurant (Ryad Nejjarine), wo wir uns etwas zu Essen bestellen. Das Essen ist gut. Nicht das beste, was ich auf der Reise hatte und irgendwie auch touristisch, aber auch nicht schlecht. Der wahre Grund, warum man dieses Restaurant wohl aber aufsucht ist die großartige Kulisse: das Riad ist wunderschön. An der Decke hängen zwei gewaltige Lampen mit wunderbaren Details. Generell sind überall hübsche Details zu sehen. Ein Fest für die Augen!

Reisebericht Marokko Fes

Apropos Essen – eine Spezialität in Fes ist die Pastilla: ein traditionelles marokkanisches Gericht. Die Pastete wird traditionell mit Taube gefühlt – man findet sie aber heutzutage häufiger mit Hühnchen. Hier wird süßes und herzhaftes vermischt: als Topping kommt Zimt, (Puder)Zucker und geröstete Mandeln obendrauf. Klingt gewöhnungsbedürftig, soll aber ganz lecker sein. Da es keine vegetarische Version davon gab, habe ich es nicht probieren können.  

Siehe auch:
Teil 2 meines Marokko Reiseberichts: Chefchaouen, die blaue Stadt
Teil 4 meines Marokko Reiseberichts: Durch die beeindruckende Todra-Schlucht
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route
Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse