Marokko 2 – Chefchaouen, die blaue Stadt

Unser nächstes Ziel auf unserer Marokko Rundreise war Chefchaouen! Warum sie die blaue Stadt genannt wird, ist nach einem kurzen Blick klar. Auf einer Wanderung haben wir außerdem das Rif-Gebirge erkundet. Eine der schönsten Ziele unserer Reise …

Angekommen in Chefchaouen

Nachdem wir Rabat verlassen hatten, ging es auf dem direkten Wege Richtung Chefchaouen. Am späten Nachmittag erreichten wir unser Ziel und mit Sack und Pack ging es durch die Medina zu unserem Hotel. Da die Medinas i.d.R. von Fahrzeugen wegen der kleinen, verwinkelten Gassen nicht angefahren werden können, sind wir das letzte Stück gelaufen. Untergekommen sind wir btw. In dem Hotel Chams – was zwar nichts besonderes, aber sehr Stimmungsvoll eingerichtet war. Die Lage war auch nicht schlecht. Auf dem Weg zu unserem Hotel war bereits klar: die Bezeichnung die blaue Stadt ist alles andere als übertrieben!

Reisebericht Marokko ChefchaouenChefchaouen begrüßt uns mit einem ganz schicken Sonnenuntergang

Chefchaouen gehört zu den schönsten Städten Marokkos. Das kleine Bergdorf, dass sich in einem kleinen Tal befindet, ist in einem mal helleren, mal dunkleren blau gestrichen. Die Medina ist recht klein und nicht so überfüllt, wie die anderer Städte und kann relativ einfach erkundet werden. Die Gassen sind zwar durchaus auch mal schmal und verwinkelt, aber nicht so verwirrend, als das man sich wirklich verirren könnte. Man schlendert durch die kleinen Gassen, als würde man sich in einer anderen Welt befinden! Zu der blauen Farbe kommen rot gedeckte Terrakotta Dächer, die dem ganzen noch einen andalusischen Flair verleiht.

Reisebericht Marokko ChefchaouenZahlreiche blaue Häuschen… 

Das Jahr 1471 gilt als das Stadtgründungsjahr – damals lebte hier nur eine kleine berberische Bevölkerung. Dank der aus Spanien ausgewiesene Muslime und Juden erlebte die Stadt 1492 einen größeren Einwohnerzustrom – dies prägt auch heute noch die Architektur der Altstadt. Lange Zeit galt Chefchaouen als heilige Stadt und war Ausländern unter Androhung der Todesstrafe versperrt. Erst spanische Truppen konnten die Öffnung der Tore durchsetzen und sie wurde die Hauptbasis der spanischen Protektoratsarmee – erst 1956 wurde die letzte spanische Flagge des Protektorates eingeholt. Ein Grund warum hier in der Region noch heute eher spanisch als französisch gesprochen wird.

Reisebericht Marokko ChefchaouenDas Dorf liegt in einem Tal – umgeben vom Rif Gebirge 

Kaum sind wir angekommen, ging es für uns auch direkt zum Abendessen in das Zentrum der Medina. Über unzählige kleine Treppchen des Restaurants Chez Hicham (man konnte sich hier schon fast verlaufen!) ging es für uns auf die Aussichtsterrasse des Restaurants. Das Essen war hier zwar ein wenig touristisch und nicht überwältigend, aber die Aussicht auf die die Stadt war schon mega! Im Zentrum der Medina gibt es div. Restaurants mit schicken Aussichtsterrasse – man sollte es nicht verpassen, zumindest einmal auf einer zu essen.

Reisebericht Marokko ChefchaouenDie Aussicht aus dem Restaurant Chez Hicham – nicht schlecht, oder?

Ein morgendlicher Spaziergang in Chefchaouen

Es gibt in Chefchaouen selbst nicht so wahnsinnig viele Sightseeing-Attraktionen, bzw. ist die Stadt selbst die Attraktion. Unser Programm am nächsten Tag begann mit der Erkundung des Zentrums. Wir stellten unseren Wecker auf 6 Uhr, denn gerade am Morgen kann man die blauen Gassen gemütlich und ungestört erkunden und natürlich auch fotografieren. Zwischen 7.30 und 8 Uhr beginnen die Händler ihre Stände aufzubauen und Waren auszupacken. Wer die Gassen Chefchaouens ohne fotografieren möchte, sollte dementsprechend früher aufstehen. Uns ist das wach-werden relativ einfach gefallen, denn direkt neben unserem Hotel liegt eine Moschee. Das Morgengebet beförderte uns daher schon recht zeitig aus unseren Träumen.

Reisebericht Marokko ChefchaouenAls unsere Erkundungstour beginn ist es sogar noch etwas dunkel

In den leeren Gassen der Medina gibt es so einiges hübsches zu erkunden. Ich lasse an dieser Stelle einfach mal Bilder sprechen:

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Reisebericht Marokko ChefchaouenSelbstverständlich sind hier auch die Markisen blau!

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Reisebericht Marokko ChefchaouenDas blau soll übrigends vor dem bösen Blick schützen!

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Reisebericht Marokko ChefchaouenKatzen gibt es hier natürlich auch unzählige

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Reisebericht Marokko ChefchaouenNatürlich darf auch das obligatorische Instagram-Foto nicht fehlen….

Rund um den Plaza Uta El Hammam

Alle Gassen der Medina laufen auf dem belebten Plaza Uta El Hammam zusammen. Hier schlägt das Herz der Medina. Der Platz ist von zahlreichen Cafes und Restaurants gesäumt. In der Mitte steht ein gewaltiger Baum, der mit einigen Lichtern geschmückt ist. Es sieht aus, als wäre für Weihnachten dekoriert worden. Viele Straßen von gerade größerer Städte in Marokko werden Nachts von hübschen, festlichen Lichtern beleuchtet. Lt. unserem Guide hängen diese aber das ganze Jahr und das hat natürlich nichts mit Weihnachten zu tun. Um den Baum herum gibt es Sitzplätze. Ein perfekter Platz um das Treiben zu beobachten.

Reisebericht Marokko ChefchaouenDie Moschee am frühen Morgen – der Platz ist noch menschenleer

An diesem Platz befindet sich auch die Moschee und die roten Mauern der Kasbah – diese wirkt wie eine grüne Oase inmitten all den blauen Häuschen. Für 60 Dirham (ca 5,60 €) kann man die Kasbah besichtigen. Neben dem Garten gibt es hier noch ein kleines ethnografisches Museum und eine noch kleinere Kunstgalerie. Von dem Turm soll man eine grandiose Aussicht auf die Medina haben.

Reisebericht Marokko ChefchaouenDie Kasbah inmitten der Medina von Chefchaouen 

Chefchaouen bei Tag

Es mag ein Erlebnis sein, Chefchaouen am frühen morgen alleine für sich zu haben – es ist aber ebenso ein Erlebnis tagsüber durch die Medina zu streifen. Jetzt sind die belebten Gassen mit farbenfrohen Ständen gefüllt. Wir haben uns treiben lassen. Auch hier lasse ich wieder einfach ein paar Bilder sprechen.

Reisebericht Marokko ChefchaouenRund um den Platz Plaza Uta El Hammam ist fast immer was los

Reisebericht Marokko ChefchaouenWer shoppen möchte, wird hier genug Auswahl finden

Reisebericht Marokko ChefchaouenBraucht irgendjemand etwas Farbe? 

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Reisebericht Marokko ChefchaouenPutzige kleine Blumentöpfe – ob die wohl auch jemand gießt? 

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Reisebericht Marokko ChefchaouenIn Chefchaouen sind sogar die Tüten blau!

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Eine Wanderung durchs Rif-Gebirge

Chefchaouen ist, aufgrund seiner tollen Lage inmitten des Rif-Gebirges, ein Paradies für Wanderer. Die umliegenden Berge sind von zahlreichen Wanderpfaden durchzogen und man hat von da oben eine grandiose Aussicht. Natürlich durften wir uns die Gelegenheit für eine tolle Wanderung nicht entgehen lassen. Wir haben hierbei auf das Angebot einer geführter Wanderung zurück gegriffen, auch wenn das prinzipiell nicht zwingend notwendig ist. Die Strecke führte uns südöstlich von Chefchaouen durch das Gebirge zu einer kleinen Ortschaft, dessen Namen ich nicht raus finden konnte – welches offiziell wohl aber noch zu Chefchaouen gehört. Für die Strecke von etwa 7,5km mit knapp 570 Höhenmetern haben wir etwa 3 Std gebraucht – mit zahlreichen Schnatter- und Foto-Stops. Natürlich gibt es auch mehrtägige Angebote, falls man noch mehr von dem Tallasemante Nationalpark sehen will. 

Reisebericht Marokko Chefchaouen

Noch innerhalb Chefchaouen ging es direkt bergauf. Wir wandern auf staubigen Pfaden entlang von Kakteen und anderen exotischen Pflanzen. Unser erstes Ziel ist die Spanische Moschee, die oberhalb der Stadt thront. Von hier oben hat man eine grandiose Sicht auf die Medina. Wer sich nicht so für Wanderungen begeistern kann, sollte sich trotzdem überlegen, zumindest bis hier oben zu laufen (ca 20 gemütliche Minuten) – die Aussicht ist es wert! Wandert man auf eigene Faust hierher, sucht man sich einen der östlichen Ausgänge aus der Medina. Hier führt ein schmaler Weg am Gebirge entlang zur Moschee – es ist ganz einfach zu finden. Die Moschee selbst ist nicht besonders spannend.

Reisebericht Marokko ChefchaouenUnsere Wanderpfade oberhalb von Chefchaouen

Reisebericht Marokko ChefchaouenWas für eine grandiose Aussicht!

Reisebericht Marokko ChefchaouenDie Spanische Moschee und etwas Gebirge

Von der Moschee aus geht es weiter für uns über die Hügel. Ich freue mich sehr, endlich etwas mehr von Marokkos Landschaft zu sehen. Wir wandern an einigen, schon fast restlos abgearbeiteten Feldern vorbei. Moment.. Ist das..? Gerade in den 60er und 70er war Chefchaouen ein beliebter Treffpunkt für Hippies. Zwar ist es offiziell verboten, aber insgeheim doch noch geduldeten: Chefchaouen ist eines des Zentren des Haschisch-Anbaus in Marokko. Das lässt sich auch „erriechen“. Für uns geht es weiter bergauf.

Reisebericht Marokko Chefchaouen

Reisebericht Marokko ChefchaouenEines von vielen Haschisch-Feldern rund um Chefchaouen

Nach einigen Metern haben wir den höchsten Punkt auf der Wanderung erreicht. Die Aussicht auf die Umgebung ist herrlich! Von hier aus geht es wieder sanft bergab zu einer kleinen Ortschaft mit einer Moschee und einigen einfachen Häusern. Wir passieren die Ortschaft und kurz darauf haben wir das Ende unserer Wanderung erreicht. In der kleinen Herberge (?) Dar rihana gibt es für uns ein köstliches Essen, bevor es dann mit einem Jeep am frühen Nachmittag wieder zurück nach Chefchaouen ging. Die Ortschaft scheint nicht über eine normale Straße erreichbar zu sein. Die Fahrt war holprig und wir waren über das Multitasking des Fahrers (fahren unter erschwerten Bedingungen, Leute grüßen, telefonieren) sehr beeindruckt.

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Meine erste Tajine – Essen in Marokko

Nach der anstrengenden Wanderung (es ging ja ordentlich bergauf und die Sonne hat wirklich geknallt!) waren wir mehr als hungrig. Für uns wurde bereits ein Menü geordert (welches im Preis der Wanderung enthalten war), das aus Vorspeise, Hauptspeise und Nachspeise bestanden hat.

Reisebericht Marokko ChefchaouenWir hatten einen wunderbar luftigen und schattigen Platz für unsere Stärkung

Unsere Vorspeise bestand aus marinierten Oliven, Fladenbrot und verschiedenen Dips. In jedem marokkanischen Restaurant bekommt man dies als Vorspeise eigentlich immer ungefragt zum Essen dazu. Ich bin kein Fan von Oliven, aber alle anderen waren begeistert. Außerdem gab es dazu noch Harrira – eine reichhaltige Suppe aus Linsen und Kichererbsen. Minztee darf natürlich auch nicht fehlen.

Reisebericht Marokko Chefchaouen

Als Hauptgericht haben wir eine grandiose Tajine serviert bekommen. Dabei handelt es sich nicht um ein spezielles Gericht, sondern eher um eine Zubereitungsart. Die Speisen werden in einem runden, aus Lehm bestehendes Schmorgefäß gekocht. Der Deckel läuft meistens Spitz zu. Klassischerweise wird die Tajine auf einem Holzkohlefeuer gestellt. Durch das Gefäß wird das Essen etwa 1 – 2 Std gleichmäßig und schonend und gleichmäßig gegart und dabei vor dem verbrennen geschützt. Kurz gesagt: jede Tajine kann anders sein: es gibt diese in vegetarisch oder mit verschiedenen Fleischsorten. Ich hatte auf meiner Reise einige vegetarische Tajines – diese waren immer sehr ähnlich. Bei den Fleisch-Tajines konnte es aber große Unterschiede geben! Durch die längere Garzeiten werden Tajines häufig bereits vorab vorbereitet. Wenn der Topf leer ist, dann ist er leer. Wir waren schon in Restaurants, wo die Tajine bereits ausverkauft war. Auf einer Marokko Reise sollte man aber versuchen möglichst viele unterschiedliche Tajines zu probieren – Gesund ist es auf jeden Fall!

Reisebericht Marokko Chefchaouen

Unsere Tajine kam mit Couscous, welcher in Marokko natürlich auch sehr beliebt ist. Als Nachtisch gab es noch frische Früchte, die auch sehr lecker waren. Wir waren mehr als zufrieden mit unserem Mahl.

Als afrikanisches Land muss der verwöhnte europäische Magen auch in Marokko etwas Vorsicht walten lassen. Es gibt da diese schöne Regel: „Schäle es, koche es oder lass es!“ – die trifft hier ganz gut zu. Trotzdem habe ich hier und da auch mal Salat mit gegessen und ich habe es ohne größere Zwischenfälle überlebt – in unserer Gruppe gab es aber ein paar die Magenprobleme hatten, daher sollte man sowas bewusst konsumieren oder eben nicht konsumieren. Auch sollte man natürlich kein Wasser aus dem Wasserhahn trinken. Traditionell wird in Marokko – wenn es kein Besteck gibt – mit der rechten Hand gegessen – die linke gilt als unrein. Als Tourist bekommt man aber eigentlich immer direkt Besteck hingestellt. Ansonsten ist die Marokkanische Küche sehr bunt und lecker und es gibt sehr viel zu probieren. Mehr zu meinen Versuchen in dem jeweiligen Bericht!

Sonnenuntergang

Unser Tag in Chefchaouen endete mit einem sehr schönen Sonnenuntergang! Idealerweise genießt man ihn von der Spanischen Moschee aus – zusammen mit dem Stadtbild. Aber seid gewarnt: diese Stelle ist kein Geheimtipp mehr und pünktlich zum Sonnenuntergang tummeln sich hier zahlreiche Menschen, die den Sonnenuntergang auch sehen möchten. Wir waren nach dem langen Tag zugegebenermaßen etwas faul und haben es nur bis zur Hälfte geschafft. Aber auch von dort, war der Sonnenuntergang wirklich sehr hübsch!

Reisebericht Marokko Chefchaouen

Reisebericht Marokko Chefchaouen

Damit endete unser Tag in unserem nördlichsten Ziel auf unserer Marokko Reise. Chefchaouen war tatsächlich eines meiner Highlights auf der gesamten Reise – auch wenn es nicht so wahnsinnig viel zu sehen gibt. Man sollte auf jeden Fall die Medina zu unterschiedlichen Zeiten erkunden. Es gibt dort so viel unterschiedliches zu sehen!

Siehe auch:
Teil 1 meines Marokko Reiseberichts: Unterwegs in Casablanca & Rabat
Teil 3 meines Marokko Reiseberichts: Die gewaltige Medina von Fès
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route
Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse