Marokko 1 – Unterwegs in Casablanca & Rabat

Für zwei Wochen sollte es durch das wunderschöne Marokko gehen. Meine Reise begann in der größten Stadt des Landes: Casablanca…

Auf nach Marokko!

Ehrlich gesagt hatte ich Marokko ewig nicht als Reiseziel auf dem Schirm gehabt. Erst, als ich durch einen Reisebericht auf eine Wüsten-Tour aufmerksam wurde, habe ich angefangen mich ein wenig zu informieren. Kurz darf war ich begeistert und dann war auch schon eine Reise gebucht. Für zwei Wochen ging es durch dieses wunderschöne Land, das so vielfältig und abwechslungsreich ist. Marokko hat traumhafte Landschaften zu bieten, wunderbare Farben, pulsierende Städte, verwinkelte Gassen in alten Medinas, mächtige Berge, wilde Küsten, die beeindruckende Sahara und natürlich die Atmosphäre von 1001 Nacht! Gereist bin ich mit einer Reisegruppe, dementsprechend waren Route und Unterkünfte vorgegeben.

Reisebericht Marokko Merzouga

Zeit für ein paar Fakten:
  • Hauptstadt: Rabat
  • Sprache: arabisch, französisch, versch. Berberdialekte
  • Einwohner: 33.986.655
  • Währung: Dirham (MAD)
  • Strom: Typ C+E (bei schmalen Steckern kein Adapter notwendig, bei breiten ggf. schon)
  • Trinkgeld: (Bakschisch) wird erwartet, Restaurant 5-10%, Kofferträger/Zimmermädchen 3-15 MAD, Fahrer & Guides 20-100 MAD pro Tag
  • Zeitumstellung: UTC+1 / eine Stunde Zeitunterschied (während der Winterzeit keinen Unterschied)
  • Beste Reisezeit: Je nach Region unterschiedlich, aber Pauschal Frühling & Herbst (April, Mai, Oktober & November)

Reisebericht Marokko

Marokko kann im ersten Augenblick schon auch ein ganz schöner Kulturschock sein. Einiges läuft hier anders als bei uns. Auf der einen Seite ist Marokko durchaus sehr modern, – gleichzeitig kann es aber auch sehr traditionell sein. Handeln steht natürlich ganz oben auf der Liste in Sachen Geld ausgeben – sei es beim shopping, aber natürlich auch beim Taxi und wo es noch geht. Kleingeld sollte man immer aufbewahren und nicht vergeuden, denn häufig haben die Empfänger kein Wechselgeld (für größere Beträge). Wer Unterwegs mal kurz aufs Klo will, sollte auch immer 1-2 Dirhams zur Hand haben, denn das ist eigentlich nirgendwo umsonst.

Etwa 98,7% der Bevölkerung ist Muslime und die Religion ist im Alltag fest verankert. Wenn es möglich ist, wird 5x am Tag gebetet und von den Dächern der Moscheen aus wird das Gebet mit Lautsprechern in die Welt hinaus gerufen (grandios, wenn die Unterkunft neben einer Moschee ist und man zwischen 5-6 Uhr Morgens geweckt wird, Aaah!). In Sachen Kleidung tut sich etwas: im Idealfall sind Knie und Schultern bedeckt und man trägt luftige, nicht zu enge Sachen. Ich habe aber häufiger Frauen gesehen, die auch in kurzen Hosen, oder Shirts mit Spaghettiträger rum gelaufen sind und hatte nicht den Eindruck, dass diese negativ aufgefallen sind. Das kann man in den großen Städten wie Marrakesch schon machen (hier sieht man aber auch schon einheimische Frauen ganz selbstverständlich ohne Kopftuch und mit z.B. engen Jeans) – auf dem Land ist das natürlich nochmal was anderes.

Reisebericht Marokko Casablanca

Da Marokko mal eine französische Kolonie war, wird hier auch noch fleißig französisch gesprochen. Fast alle Schilder gibt es auch in französisch und die meisten Marokkaner sprechen die Sprache auch sehr gut – meistens besser als englisch. Im Norden ist auch spanisch geläufig. Wer also kein arabisch kann, kommt sehr gut mit französisch über die Runden. Ich habe mich sehr gefreut, da ich französisch spreche – im Gegensatz zu spanisch. Wer kein französisch spricht, wird aber auch mit englisch zum Ziel kommen.

Abschließend noch ein paar Begriffe, über die ihr in jedem Fall während eines Marokko Aufenthalts stolpern werdet:

  • Eine Medina ist die Bezeichnung für eine Altstadt, meist für nordafrikanischer Städte. Übersetzt bedeutet es „Stadt“. Manchmal wird auch zwischen Old- und New-Medina unterschieden. Meistens gibt es hier auch Souks, die Gassen sind lebhaft, verwinkelt und eng. Verlaufen ist hier vorprogrammiert. Die alten Medinas sind i.d.R. größenteils auch Fußgängerzonen und können nicht mit dem Auto angefahren werden. Ein absolutes Muss ist die Medina in z.B. Fes und Marrakesch.
  • Bei einem Kasbah handelt es sich um eine innerhalb oder außerhalb von Städten liegenden Festungen
  • Ein Souk ist ein Markt und meistens findet man ihn in der Medina. Hier findet der alltägliche Handel statt, es gibt viele Handwerksbetriebe, Lebensmittel, aber auch klassische Souvenirstände. Manchmal gibt es spezielle Souks, z.B. nur (oder größenteils) für Gewürze.
  • Ein Riad ist ein traditionelles marokkanisches Haus/Palast mit einem Innenhof bzw. inneren Garten. Heute schmücken sich aber viele Unterkünfte mit dem Titel „Riad“, ohne das sie wirklich eins sind.

Reisebericht Marokko Casablanca

Casablanca – die größte Stadt Marokkos

Casablanca – hier sollte meine Reise also beginnen. Ich hatte schon vorab gelesen, dass die größte Stadt Marokkos auf Rundreisen gern mal übergangen wird, da sie nicht so viel Sehenswertes zu bieten hat. Da ich nun aber schon mal hier war, habe ich mir das näher angesehen. Die Stadt geht auf eine Siedlung aus dem 8. Jhd zurück, die lange Zeit ein Hauptort der Berber war. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sie sich zu einem wichtigen Platz für Getreidehandel und zu einem gefürchteten Stützpunkt für Piraten. Immer wieder versuchten die Portugiesen, die Stadt – damals noch als Anfa bekannt – einzunehmen. 1575 schafften sie es auch und verpassten ihr den portugiesischen Namen Casa Branca („Weißes Haus“). Bis Mitte des 19. Jhd ließen sich hier vermehrt spanische Händler nieder und der Name änderte sich in das spanische „Casablanca“.

Reisebericht Marokko CasablancaCasablanca – zwischen Jugendstil… 

Reisebericht Marokko Casablanca… und Moderne

Die Situation zwischen Einheimischen und Siedler eskalierte, als bei Arbeiten ein Friedhof entweiht worden sein sollte. Benachbarte Stämme drangen in die Stadt ein. Die französische Regierung mischte sich ein und bombardierte die Stadt. Es kam zu Plündereien. Bis die Situation geklärt war, war fast jeder Einwohner tot, verwundet oder geflohen. Seit dem 20. Jhd erlebt die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung – etwa 80 % der marokkanischen Industrie sind hier angesiedelt. Der Hafen ist mit etwa 60 % des Seehandels des Landes der wichtigste Hafen Marokkos.

Reisebericht Marokko CasablancaCasablanca hat sich trotzdem auch das traditionelle erhalten

Das Zentrum

Lange Rede, kurzer Sinn. Unsere Erkundungstour hat am Mohammed V Square begonnen, wo sich heute das städtische Verwaltungszentrum befindet. Der öffentliche Platz hat eine historische und symbolische Bedeutung für Casablanca. Er wurde 1916 zu Beginn der französischen Kolonialisierung erbaut. Wegen der vielen Tauben wird er im Volksmund aber auch „Pidgeon-Square“ genannt. Der Platz wird gesäumt von einigen Gebäuden aus den 20er Jahren mit Jugendstil-Einflüssen. Er grenzt an die Straße Boulevard de Paris, welche in den 20er bis 40er Jahren ein Experimentierfeld junger französischer Architekten war. Leider sind viele davon seit der Unabhängigkeit dem Verfall ausgeliefert – wobei immer mehr Renovierungsarbeiten durchgeführt werden. Außerdem befindet sich neben dem Justizpalast hier auch das Rathaus, das Hotel de Ville mit seinem markanten Glockenturm.

Reisebericht Marokko CasablancaDer „Pidgeon-Square“ mit seinen gefiederten Einwohnern

Reisebericht Marokko CasablancaAuf der linken Seite befindet sich der Justizpalast, auf der rechten das Rathaus

Reisebericht Marokko CasablancaWeiße Gebäude und Jugendstil entlang des Boulevard de Paris

Nicht all zuweit vom Platz entfernt befindet sich die Casablanca Kathedrale oder auch Cathédrale du Sacré-Cœur. Sie wurde 1930 erbaut und wurde nur bis 1956 als Kirche genutzt. Nach der Unabhängigkeit Marokkos wurde die religiöse Funktion aufgegeben und später wurde hier ein Kulturzentrum geschaffen. Regelmäßig finden hier Ausstellungen statt und es gab hier auch schon Musikveranstaltungen. Während meines Besuches schien die Kathedrale renoviert worden zu sein – man konnte sie zumindest nicht von Innen besichtigen.

Reisebericht Marokko CasablancaDie Casablanca Kathedrale inmitten von grün

Reisebericht Marokko CasablancaObwohl sie als Kathedrale bezeichnet wird, war sie nie Sitz eines Bischofs

Etwas südlich von dem Mohammed V Square befindet sich die Èglise Notre-Dame-de-Lourdes. Sie wurde zwischen 1954 bis 1956 als katholische Kirche errichtet und gilt als eindrucksvolles Beispiel der europäischen Moderne. Die 26m hohe Kirche sieht ein wenig aus wie ein Zelt aus Beton. Sehr hübsch sind die Fenster mit Buntglas, die dem Inneren der Kirche einen farbenfrohes Touch verleihen.

Reisebericht Marokko Casablanca

Reisebericht Marokko Casablanca

Es ging für mich weiter südlich, zum Verwaltungsgebäude Mahkama du Pacha. Das 1941-1942 errichtete Gebäude dient heute als Gerichtsgebäude, Residenz des Paschas (Gouverneurs), parlamentarische Empfangshalle und Gefängnis. Teile des Inneren können besichtigt werden und sollen einige hübsche Fotomotive auf Lager haben. Leider war ich während eines Samstags in Casablanca und da hatte das Verwaltungsgebäude natürlich geschlossen – aber ein Blick soll sich wohl lohnen.

Reisebericht Marokko CasablancaHübsche Tür! Das Innere hat bestimmt auch das ein oder andere schicke Fotomotiv zu bieten!

Ich schlendere ohne bestimmtes Ziel weiter und entdecke den Habous Market mit vielen kleinen Läden und Ständen, die typische Produkte aus Marokko anbieten.

Reisebericht Marokko CasablancaFür mich war der Habous Market ein sanfter Einstieg in Sachen Souks

Die Medina von Casablanca

Für mich ging es weiter zur Medina – obwohl diese in Casablanca nicht ganz so spektakulär sein soll wie in anderen Städten. Sie ist der älteste Teil von Casablanca. Der Weg führt mich über ein gewaltiges Eingangsportal auf einen belebten Platz, wo Händler ihre Waren in Ständen, aber auch auf dem Boden, anpreisen. Nach dem Platz folgt ein System aus kleinen, verwinkelten Gassen, die vollgestopft mit weiteren Ständen sind. Handeln ist hier natürlich gang und gäbe. Eine Sache, die ich ja noch nie besonders gut konnte – ich schlendere also erstmal weiter. Generell werden auf den Souks mehr oder weniger immer dieselben Waren angeboten. Man muss also nicht, wenn man etwas hübsches entdeckt, sich sofort drauf stürzen. Es macht durchaus Sinn, sich vorher noch etwas umzugucken und zu vergleichen.

Reisebericht Marokko CasablancaEiner der Eingänge zur Medina von Casablanca

Wer keinen guten Orientierungssinn hat, kann hier auch schon mal in den schmalen Gassen verloren gehen. Ich schaffe es auf die andere Seite, wo sich die Sqala befindet. Sie befindet sich am Nordrand der Medina und besteht aus alten Wehrmauern und ein paar alten Kanonen. Eigentlich ganz putzig. Die Aussicht ist nicht ganz so prickelnd, da sie von Baustellen umgeben ist. Gegenüber befindet sich der heutige Fischereihafen.

Reisebericht Marokko CasablancaDie Wehrmauern gehören noch zu einer Festung aus dem 18. Jhd

Reisebericht Marokko CasablancaWorauf soll man da zielen?

Für die Casablanca-Filmfans geht es hier nochmal etwas Richtung Norden. Hier befindet sich Rick’s Café – zwar nicht das Original aus dem Film, aber nachempfunden. Das Gebäude war ursprünglich ein traditionellen marokkanischen Herrenhaus aus dem Jahr 1930. In 2004 wurde es von einer ehm. amerikanischen Diplomatin umgebaut und in Rick‘s Cafe verwandelt.

Die Moschee von Casablanca

Kommen wir zum wahren Highlight von Casablanca: die Moschee Hassan II. Sie ist nicht nur eines der größten religiösen Gebäude Afrikas, sondern auch eine der wenigen Moscheen die für Nichtmuslime geöffnet ist. Genau genommen ist das 210m hohe Gebäude die fünftgrößte Moschee und das höchste religiöses Bauwerk der Welt. Sie wurde anlässlich des 60. Geburtstags des damaligen marokkanischen Königs Hassan II. errichtet und konnte am 30. August 1993 – pünktlich zum Geburtstag des Propheten Mohammed – eingeweiht werden. 6 Jahre lang arbeiteten rund 2.500 Arbeiter, 6.000 Künstler und 10.000 Handwerker an diesem Kunstwerk. Offiziell gilt die Moschee als ein Geschenk des Volkes an seinen König. Die sehr hohen Baukosten von rund 600 Mio Euro – die zum Großteil vom Volk bezahlt werden mussten – zogen allerdings eher die Kritik des Volkes auf das Projekt. Nach der Eröffnung wurde der Schriftzug „Hassan-II.-Moschee” immer wieder mit „Moschee des Volkes“ übermalt. Wir sind richtig beeindruckt – überall hübsche Details, Türen, Holzarbeiten und traditionell marokkanischen Mosaiken.

Reisebericht Marokko CasablancaWunderschön liegt die Moschee auf einem großen Platz direkt an der Küste

Reisebericht Marokko CasablancaSo viele prächtige Details!

Reisebericht Marokko CasablancaDer Platz vor der Moschee

Reisebericht Marokko Casablanca

Reisebericht Marokko CasablancaWas soll man zu so hübschen Details noch sagen?

Reisebericht Marokko Casablanca

Reisebericht Marokko Casablanca

Reisebericht Marokko Casablanca

Reisebericht Marokko Casablanca

Die Moschee kann im Zuge einer Führung besichtigt werden. Die Gebetshalle hat eine Fläche von 20.000m² – hier würde sogar der vatikanische Petersdom Platz finden! Insgesamt 25.000 Personen können sich zum Gebet hier einfinden. An technischen Schnickschnack wurde auch nicht gegeizt: die Mosche hat ein sich automatisch öffnendes Dach – so kann man z.B. direkt unter dem Sternenhimmel beten -,  eine Fußbodenheizung und einen Laserstrahl, der nachts Richtung Mekka strahlt und auch noch in 30km Entfernung zu sehen sein soll. Im UG befindet sich spezielle Räume für die Waschung mit 41 Brunnen.

Reisebericht Marokko CasablancaDie beeindruckende Gebetshalle

Reisebericht Marokko Casablanca

Reisebericht Marokko CasablancaSo viele prachtvolle Details aus Marmor, Zedernholz, Zelliges-Mosaiken und Licht

Wie es so üblich ist, muss man vor dem Eintreten in die Moschee seine Schuhe ausziehen – dafür gibt es im Eingangsbereich extra Stofftüten, in die man seine Schuhe packen kann. Angemessene Kleidung gehört natürlich auch zum Pflichtprogramm. Positiv überrascht war ich, dass man als Frau kein Kopftuch tragen musste. Die Führung kostet 120 Dirham (ca 11,20 €) und man bekommt einige Infos während des etwa 45 Min Rundgangs. Sie startet zu festen Zeiten – am Besten vorher mal die Website checken, da die Zeiten je nach Jahreszeit oder z.B. zum Ramadan unterschiedlich sein können. 

Reisebericht Marokko CasablancaDie Mosche wurde im Stil der islamische Architektur mit marokkanischen Elementen und maurische Einflüsse errichtet

Reisebericht Marokko Casablanca

Reisebericht Marokko Casablanca

Reisebericht Marokko CasablancaIm UG findet man 41 Brunnen in Form von Lotusblumen

Reisebericht Marokko Casablanca

Zu der Moschee gehört auch ein kleines Museum, dass für 30 Dirham (ca 2,80€) besichtigt werden kann (und noch ein wenig günstiger als Kombiticket mit der Moschee zusammen). Da wir gerade eine Moschee-Führung verpasst hatten und mehr als genug Zeit bis zum Start der nächsten hatten, haben wir uns das Museum angeguckt. Die Ausstellung ist sehr klein und es gibt nicht viel zu sehen. Prinzipiell kann man das auslassen.

Reisebericht Marokko CasablancaIm Museum kann man aber auch nochmal verschiedene Designs und Stile bewundern

Innerhalb der 45 Min, die wir in der Moschee verbracht haben, hat sich das Wetter komplett verändert. Eben hatten wir noch strahlenden Sonnenschein mit blauem Himmel und plötzlich ist Casablanca in einen dichten Nebel gehüllt!

Reisebericht Marokko CasablancaDie Moschee im Nebel! Gut, dass wir unsere Fotos schon vorher gemacht haben

Die Promenade entlang der Küste: La Corniche 

Von der Moschee aus wollen wir weiter am Meer entlang schlendern – obwohl man dank des Nebels nicht so viel sieht. Auf der Höhe des El Hank Lighthouse sieht die Gegend nicht mehr so wirklich schön aus. Wir fragen uns, ob sich hier eines der vielen Slums Casablancas befindet. Darüber hatte ich gelesen – auf der einen Seite ist Casablanca für eine Entwicklung und auch seinen Reichtum bekannt, auf der anderen Seite für seine extreme Armut. Es gibt rund 500 Armenviertel in und um Casablanca herum. Die Menschen leben in sog. Bidonvilles (franz. „Blechdosenstadt“), provisorische Unterkünfte. Die Lage scheint aber langsam besser zu werden. Wir fühlen uns hier am Straßenrand nicht unsicher und ziehen erstmal weiter.

Reisebericht Marokko CasablancaDer El Hank Lighthouse – auch Leuchtturm von Casablanca genannt – ist 51m hoch und wurde 1920 in Betrieb genommen

Unser eigentliches Ziel ist die Promenade la Corniche. Sie verläuft entlang der Küste, und ist gerade am Wochenende für viele junge Menschen der Mittel- und Oberschicht ein bliebter Platz. Außerdem findet hier das Nachtleben Casablancas statt. Für uns wirkt diese Promenade wie ein ganz anderer Ort: schicke Restaurants, noble Hotels, angesagte Clubs und ein Einkaufszentrum, dessen Preise sich kaum von denen westlicher Länder unterscheiden. Wir sind aber eher wegen der Aussicht hier. Hier gibt es div. Strände und die felsige Küste des Atlantiks. Ok, es ist immer noch neblig, also so richtig viel sehen wir nicht – aber es lässt sich erahnen, was der Platz zu bieten hat. Da sich ein wenig Hunger bemerkbar macht, machen wir eine kurze Pause in einem der vielen Restaurants und gönnen uns ein leckeres Essen – sogar mit ein wenig (nebliger) Panorama Aussicht auf die Brandung.

Reisebericht Marokko CasablancaStrände und ein wenig erkennbare Brandung – wir haben uns eher von dem Einkaufszentrum etc. fern gehalten

Reisebericht Marokko CasablancaHier gibt es auch einige schicke Restaurants mit – normalerweise – ganz guter Sicht

Rabat – die Hauptstadt Marokkos

Am nächsten Tag haben wir Casablanca verlassen und unser Weg sollte uns in das über 300 km entfernte Chefchaouen führen. Unterwegs haben wir aber noch einen Stop in Rabat eingelegt. Da dies nur ein kurzer Bericht über Rabat wird, fasse ich ihn mit Casablanca zusammen. Rabat ist die Hauptstadt des Landes und die Stadt, in der der König residiert. Sie ist kein typischer Touristenmagnet und kann auch nicht mit so vielen Attraktionen glänzen. Trotzdem hat die Stadt ihren eigenen Charme – sofern wir das nach knapp 2 Std beurteilen können. Gesehen haben wir eigentlich nur die Kasbah of the Udayas.

Reisebericht Marokko CasablancaDie Anlage von außen…

Reisebericht Marokko Casablanca… und der Blick auf die Mauern und die Stadt

Ursprünglich war die Stadt einmal eine islamische Grenzfestung mit dem Namen Ribat, die von Berbern im 10. Jhd an der Flussmündung des Bou-Regreg errichteten. Im 12. Jhd wurde die Festung um eine Kasbah erweitern. Im 17. Jhd wählten Piraten die Stadt als Stützpunkt und bescherten der Stadt eine wirtschaftliche Blütezeit, gefolgt von Zuwanderern aus Andalusien, die wiederum zu einem Bevölkerungswachstum führte. Mit beginn der Französischen Kolonialzeit wurde Rabat 1912 zum Sitz des Generalresidenten und 1956 zur Hauptstadt.

Reisebericht Marokko CasablancaEine typische blau-weißes Gasse in der Kasbah des Oudaia

Reisebericht Marokko Casablanca

Die Kasbah des Oudaia ist eine Festungsanlage, die auf einer Klippe direkt an der Atlantikküste thront. Nachdem die Stadt von Berbern erobert wurde und die vorherige Kasbah teilweise zerstört wurde, wurde sie um eine Moschee und einen Palast erweitert. Als der Anführer rund 50 Jahre später starb wurde die Kasbah dem Verfall preisgegeben. Trotzdem gilt sie auch heute noch zu den wichtigsten Bauwerken dieser Zeit. Innerhalb der Mauern findet man einige hübsche Ecken und kleine Gassen. Man betritt die Kasbah über ein drei Stockwerke hohes prachtvolles Tor und kann das kleine Gassenlabyrinth dort hinter ganz einfach auf eigene Faust erkunden. Die Farben der Häuser beschränken sich größenteils auf weiß und blau.

Reisebericht Marokko CasablancaDas Wetter sah etwas verregnet aus, aber zum Glück ist es trocken geblieben

Reisebericht Marokko Casablanca

Zunächst erkunden wir den Teil direkt an der Küste, der auch schon recht Festungsmäßig wirkt. Von hier aus haben wir einen schönen Blick auf das Meer und die restliche Stadt. Nachdem wir uns hier ausgibig umgesehen haben, ziehen wir weiter – mehr ins Innere der Kasbah. Man lockt uns mit einer Aussichtsterasse, die ein schöne Panorama Aussicht verspricht. Auf dem Weg dorthin passieren wir kleine Läden und Stände mit Souvenirs. Es herrscht eine angenehme Ruhe. Wir schlendern auch noch durch den Andalusian Garden – eine Anlage aus dem 17. Jhd, mit vielen Pflanzen. Auf der Aussichtsterasse gönnen wir uns etwas Tee und Gebäck.

Reisebericht Marokko CasablancaHübsche Details

Marokko ist wahrlich das Land der Katzen. Ich glaube wir waren an keinem Ort, wo wir nicht mind. eine Katze gesehen haben. In den Städten waren es unzählige! Die meisten davon sahen auch gesund und kräftig aus. In Marokko ist es wohl nicht üblich, Katzen als Haustiere zu halten. Trotzdem sind sie überall – in Restaurants, im Souvenir Laden – schlafend auf Teppichen oder in Körben – , auf Autos: einfach überall! Viele Marokkaner füttern die kleinen Tiger auch. Ich als Katzen-Mensch kann mich definitiv nicht beschweren: ich fand es großartig! (Zumal ich auch nicht eine fiese getroffen habe)

Reisebericht Marokko CasablancaKatzen! Überall Katzen!

Reisebericht Marokko Casablanca

Reisebericht Marokko CasablancaSouvenir Läden in den Straßen von Rabat

Wer noch ein schönes Foto von der Kasbah machen möchte, kann das kurze Stück bis zum Hafen hinunter laufen. Von hier aus hat man eine schöne Sicht auf das Gesamtwerk, welches ich persönlich sogar schöner fand, als die Panorama-Aussicht von dem Cafe aus. 

Reisebericht Marokko CasablancaVom Hafen hat man eine schöne Sicht auf die Kasbah… 

Reisebericht Marokko Casablanca… und den Hafen sieht man auch noch

Was kann man sich sonst noch in Rabat ansehen?

Zu diesem Punkt kann ich nur bedingt was sagen, da wir nur die Kasbah besucht haben. Ein weiteres beliebtes Sightseeingobjekt in Rabat ist der Hassan-Turm. Es ist das Wahrzeichen der Stadt. Der 44m hohe Turm sollte einmal ein 87m hohes Minarett von Marokkos größter Moschee werden. Die Arbeit wurde 1192 begonnen, aber nachdem der Bauherr verstarb wieder eingestellt. Auf dem Platz vor dem Turm befinden sich viele alten Säulen und ein Brunnen. Dahinter liegt ein Mausoleum, welches die Überreste von König Mohammed V beherbergen. Sicherlich nicht uninteressant. Ansonsten ist bestimmt auch die Medina spannend!

Reisebericht Marokko CasablancaDer Hassan-Turm und das Mausoleum

Es stimmt schon – beide Städte sind jetzt keine Must-sees. Wenn man also nicht so viel Zeit hat, kann man beides ohne ein schlechtes Gewissen auslassen und wird nicht viel verpassen. Hat man aber genug Zeit, ist auf jeden Fall die Hassan II Moschee einen Stop wert, und wenn man noch etwas mehr Zeit hat ein Besuch in Rabat.

Tee & Gebäck

Selbst wenn man es nicht aktiv bestellt – früher oder später wird man den marokkanischen Tee serviert bekommen. Der Tee ist das Nationalgetränk des Landes und man bekommt ihn häufig als Begrüßungsgetränk serviert. Der grüne Tee wird häufig mit frischer Minze serviert und spektakulär in einem hohen Bogen in das Glas ausgeschenkt, damit ein wenig Schaum entsteht. Man sollte auf keinen verpassen, ihn zu probieren!

Reisebericht Marokko CasablancaGhriba und Tee – yummi!

Was die Marokkaner auch wunderbar können ist Gebäck. Um ein paar zu nennen: Ghriba ist ein Gebäck mit Mandeln oder auch Kokos und Gries, welches gern zum Tee serviert wird. Kaab Lghzal (oder auch Gazellenhörnchen) ist ein traditionelles Gebäck, welches zu besondern Anlässen wie eine Hochzeit serviert wird. Es besteht aus halbmondförmigen Teigtaschen, die mit einer köstlichen Mandelpaste gefüllt sind. Und und und. Marokkanisches Gebäck findet man eigentlich überall: im Supermarkt gibt es frische Mischungen zu kaufen, oder aber auch auf Märken. So oder so – man sollte sich hier mal etwas durchprobieren! Nom nom!

Reisebericht Marokko CasablancaOben rechts ein Stück Kaab Lghzal – den Rest konnte ich namendlich nicht identifizieren

Siehe auch:
Teil 2 meines Marokko Reiseberichts: Chefchaouen, die blaue Stadt
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route
Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse