Krakau 3 – Tagestour nach Ausschwitz und Salzbergwerk Wieliczka

An meinem letzten Tag in Krakau ging es für mich in das Umland zu einer Tagestour zu dem Konzentrationslagers Ausschwitz und in das Salzbergwerk Wieliczka…

Ein Besuch in Ausschwitz

Mit gemischten Gefühlen bin ich an diesem Tag aufgestanden und wartete vor meiner Unterkunft auf die Abholung. Ich hatte die ganztägige Tour über den Anbieter SuperCracow.com gebucht, inkl. Pickup und Eintritte. Der erste Stop an diesem Tag sollte das Konzentrationslager Ausschwitz sein. Ja… Muss das sein? Muss man sowas besuchen? Gute Frage. Ich hatte sehr lange darüber nachgedacht, ob ich mir das an tuen möchte und ob man sowas überhaupt besichtigen muss. Eine richtige Antwort habe ich immer noch nicht. Und es fällt mir auch recht schwer hier darüber zu schreiben. Wie kann man einem solchen Thema gerecht werden? Trotzdem schaue ich mir auf Reisen auch mal die negativen Seiten eines Landes/Ortes an, also hatte ich mich dazu entschieden.

Reisebericht Krakau Wieliczka

Das Wetter stimmt in meine gemischte Laune ein. Es ist regnerisch und hier und da tröpfelt es auch etwas. Dazu ist es noch richtig, richtig kalt. Nach einer kurzen Wartezeit kommt der Bus um die Ecke gefahren und sammelt mich ein. Kurz darauf befinden wir uns auf dem Weg zu dem etwa 70km entfernte geschichtsträchtigen Ort. Normalerweise braucht man etwa 1 ½ Std dorthin. Wir kommen deutlich später an. Die Straßen waren so glatt, dass der Verkehr nur träge voran ging.

Reisebericht Krakau Wieliczka

Ausschwitz war ein deutscher Lagerkomplex am Westrand der polnischen Stadt Oświęcim, welches als Konzentrationslager und als Vernichtungslager zwischen 1940 und 1945 genutzt wurde. Es bestand aus dem Konzentrationslager Auschwitz I, dem Vernichtungslager Birkenau (Auschwitz II), dem Konzentrationslager Monowitz und ca. 50 weiteren Außenlagern. Menschen aus ganz Europa wurden hier her gebracht. Davon waren 90% Juden. Man rechnet mit 1,1 bis 1,5 Millionen Todesopfern. Im Januar 1945 wurde das Lagerkomplex von der Rote Armee befreit. Heute ist der Auschwitz zu einem Symbol für den Holocaust geworden.

Reisebericht Krakau Wieliczka

Wir starten bei  Auschwitz I. Vor dem Museum stehen unglaublich viele Leute. Ein Gewusel an Menschen. Unser Fahrer erzählt uns schnell, dass es aufgrund der Glätte am Vormittag auf dem Gelände des Museums bereits zu Unfällen gekommen ist und es deswegen wieder vorübergehend geschlossen wurde. Eben erst (nach rund 2 Std.) wurden die Eingänge wieder geöffnet und alle warten jetzt darauf rein gelassen zu werden. Es ist mehr los als in der Hauptsaison! Puh! Es ist chaotisch. Keiner weiß so richtig wohin. Schließlich finden wir unsere Warteschlange und warten. Nach fast 2 Std, sind wir an der Reihe. Uns zur Seite gestellt wurde ein Historiker aus Krakau, der für uns den polnischen Guide übersetzen wird. Während des Wartens haben wir ein paar sehr interessante Gespräche geführt – so war die Wartezeit nicht ganz umsonst. Damit wir alles gut verstehen können und niemand schreien muss, bekommen wir ein Audiogerät. Bevor man das Gelände betreten kann, muss man durch eine Kontrolle, ähnlich wie beim Flughafen. Dann sind wir drin. Wir werden darauf hingewiesen, dass man aus Respekt keine Selfies machen soll. Normale Fotos sind größtenteils erlaubt. In manchen Gebäuden/Räumen nicht, aber darauf werden wir jeweils hingewiesen. Ich habe (insbesondere für meine Verhältnisse) kaum Fotos geschossen, da sich das irgendwie falsch angefühlt hat.

Reisebericht Krakau Wieliczka

Auf unserem Rundgang über das Gelände erzählt uns der Guide einiges über die Geschichte des Lagers und die Region. Wir betreten einige Gebäude und sehen verschiedene Ausstellungsstücke, wie Dokumente oder übrig gebliebener Besitz von Gefangenen. In einem Raum sehen wir unzählige Kinderschuhe. Es wird einem ganz anders, wenn man bedenkt, dass zu jedem dieser Paare ein Kind gehört hat. Eine bedrückende Atmosphäre begleitet uns auf Schritt und Tritt. Man weiß natürlich im Groben, was einen hier erwartet und ich hatte mich auch bereits vorher nochmal informiert, aber dann dort zu sein, die Geschichten zu hören, zusammen mit dem was man gezeigt bekommen. Puh. Einfach nur erschreckend, traurig, widerwärtig was den Gefangenen damals hier widerfahren ist. Ich schaue in die Runde: alle machen bedrückte und nachdenkliche Gesichter.

Reisebericht Krakau Wieliczka

Die Führung im ersten Lager ist vorbei. Aufgrund der Verspätung haben wir keine Zeit mehr nach Birkenau zu fahren, da wir sonst unseren nächsten Programmpunkt nicht schaffen würden. Ich muss gestehen, ich bin nicht traurig. Ausschwitz I hat mir bereits so zugesetzt, dass ich dankbar bin, dass wir gehen können. Jeder, der hier her kommen möchte, sollte sich darüber bewusst sein, dass der Besuch wirklich nicht ohne ist. Abgesehen davon, dass ich nicht weiß, ob man einen solchen Ort zur Touristenattraktion machen muss, fand ich den Besuch gut. Er regt zum Nachdenken an, über eine Zeit, die man vielleicht lieber vergessen möchte. Es wird einem auf schmerzliche Art und Weise bewusst, zu was Menschen in der Lage sind. Ein schlimmer Ort der Geschichte, der niemals vergessen werden darf und nie wieder passieren darf. Auch wenn es leider immer noch Orte gibt, wo so etwas passiert….

Weil das Museum sehr gut besucht ist, sollte man den Besuch möglichst vorabbuchen. Reservierungen kann man direkt über die Website machen. 

Das Salzbergwerk Wieliczka

Als nächstes ging es mit dem Bus in die etwa 15km südlich von Krakau entfernte Stadt Wieliczka. Das beklemmende Gefühl fällt langsam von uns ab. Hier gibt es das spektakuläre Salzbergwerk Wieliczka zu besichtigen, welches zu den ältesten und bekanntesten Salzbergwerke der Welt gehört. 

Reisebericht Krakau WieliczkaDer Eingang zur Mine mit einem Förderturm

Reisebericht Krakau WieliczkaKunstvolle Statuen aus Salz

Die Geschichte der Mine begann, als Mitte des 13. Jhd die Salzquellen erschöpft waren und man sich unter Tage nach neuen Quellen umsah. Bei dieser Gelegenheit wurden die Steinsalzlagerstätte entdeckt. Ab dem 15. Jhd wurden Maschinen zur Salzgewinnung eingesetzt und ab dem 17. Jhd Pferde. Bis zum 18. Jhd fand der Abbau nur bis etwa 60m tiefe statt, später wurden in weiteren Bereichen abgebaut, die bis etwa 340m Tiefe reichten. Im Jahre 1913 wurde eine Salzsiederei erbaut, die bis heute in Betrieb ist. 1992 beschädigte ein Wassereinbruch die Mine – glücklicherweise konnte das Bergwerk und das Kloster gesichert werden. Trotzdem wurde 1993 die Salzförderung eingestellt – seitdem dient das Bergwerk ausschließlich dem Tourismus. Um einen weiteren Einsturz zu verhindern, wird das Wasser in die Siederei befördert – so kann auch weiterhin Salz gewonnen werden.

Reisebericht Krakau WieliczkaAn manchen Stellen in der Mine wird die Arbeit der damaligen Bergleute nachgestellt

Reisebericht Krakau WieliczkaGefühlt endlose Gänge führen durch das Bergwerk

Auch hier müssen Tickets für feste Zeiten gekauft werden. Der Eintritt kostet zwischen 64-94 PLN (15-22 €) und kann hier vorab gebucht werden. Übrigens muss man seit ein paar Monaten keine Fotogenehmigung mehr dazu kaufen! Es ist bereits spät als wir das Bergwerk erreichen und schaffen es noch in die letzte Gruppe. Der Guide sammelt uns ein und jeder bekommt ein Audiogerät, damit auch die hintersten noch den Erzählungen des Guides folgen können. Man kann eine Führung mit verschiedenen Routen buchen – für uns gab es die Standardroute, die sogenannte Touristenroute. Hier bewegt man sich auf etwa 3km durch die Hauptstrecke der Salzmine. Auf dem Weg müssen wir 800 Treppenstufen auf- und absteigen (zum Glück geht es mehr bergab, als bergauf) und begeben uns in 135m Tiefe hinab in die Minen.

Reisebericht Krakau WieliczkaPrächtige Räume mit Kronleuchtern und Salz

Reisebericht Krakau WieliczkaVerschlungene Gänge führen uns in die Tiefe

Alternativ kann man auch die Bergmannsroute wählen, bei der man in Arbeitskleidung gesteckt wird und in voller Montur in dem ältesten erhalten gebliebenen Schacht sich selbst mal als Bergmann probieren kann.  Dann gibt es noch den Pilgerweg, auf dessen Route man von einem Priester begleitet wird. Für die, die sich etwas gutes für die Gesundheit tun möchte, ist das Salzgradierwerk evtl. etwas, wobei man hier auf der Oberfläche bleibt.  

Reisebericht Krakau WieliczkaÜberall ist Salz. In dieser „ursprünglicheren“ Form … 

Reisebericht Krakau Wieliczka… aber auch in „glatt geschliffen“!

Wir folgen unserem Guide durch die Mine. Auf unserem Weg gehen wir durch verschlungener Korridore und sehen schöne in Steinsalz gehauene Kammern, mehrere hübsche Skulpturen, die vollständig aus Salz geschaffen wurden und den ein oder anderen prächtigen hübschen Kronleuchtern. An manchen Stellen wird die schwere Arbeit der vielen Bergleute durch historische Bergbaumaschinen und Schaufiguren für uns veranschaulicht, während der Guide uns mehr über die Zeiten und die Techniken von damals erzählt.

Reisebericht Krakau WieliczkaÜbrigens liegt die Temperatur im Bergwerk zwischen 17 und 18° C. Für uns war es warm! 

Reisebericht Krakau Wieliczka

In einem Raum erweckt eine größere Figurenkonstellation unsere Aufmerksamkeit. Sie zeigt die polnische Herzogin Kinga von Polen, die ab 1239 Herzogin von Sandomir und ab 1243 von Krakau war. Sie gilt als die Schutzpatronin der Bergleute. Zu Kinga und dem Salzbergwerk erzählt man sich die Sage, das die ungarische Kronprinzessin ihren Verlobungsring in eine Erdspalte bei Krakau geworfen haben soll. An dieser Stelle fand man dann das Salz und das Salzbergwerk wurde hier errichtet. Sie förderte den Salzabbau und soll auch ungarische Bergleute ins Land geholt haben.

Reisebericht Krakau WieliczkaEin Bergmann übergibt Kinga ihren Ring, der von Salz umschlossen ist

Reisebericht Krakau WieliczkaBeeindruckend das solch eine Figur nur als Salz gemacht ist! 

Ein Höhepunkt der Führung ist die großen Heilige-Kinga-Kapelle (auch wenn es viel zu voll dort war). Zunächst kommt man durch einen Gang von oben an die Kapelle heran und hat einen tollen Gesamtblick auf den geschmückten Raum. Die 5 gewaltigen Kronleuchter aus Salzkristallen fallen besonders ins Auge. Früher wurden diese natürlich mit Kerzen betrieben – heute sind sie elektrisch. An den Wänden befinden sich detaillierte und hübsche Reliefs und am hinteren Teil des Raumes ein Altar. Und fast alles besteht aus Salz! Über die seitlichen Stufen steigt man zu dem Raum herab und kann sich die ganzen Details genauer ansehen. Die Kapelle – in der Rund 400 Menschen Platz finden – wird auch für Konzerte und Theateraufführungen genutzt.

Reisebericht Krakau WieliczkaDie Heilige-Kinga-Kapelle in ihrer ganzen Pracht

Reisebericht Krakau WieliczkaDer Altar am Ende des Raumes – wirklich wunderschön! 

Reisebericht Krakau WieliczkaBeeindruckende Reliefs an den Wänden der Kapelle

Reisebericht Krakau Wieliczka

Reisebericht Krakau WieliczkaDer Raum hat eine Höhe von 11m und eine Größe von 31 x 15 m 

Reisebericht Krakau WieliczkaAuch die Kronleuchter bestehen aus Salz – aus Salzkristallen

Für uns geht es weiter durch die Räume. Um die 20 von Hand geschaffene Kammern durchqueren wir auf unserem Rundgang durch die Mine. Ein unterirdische Salzsee ist auch dabei. Nach Rund 2,5-3 Std. ist die Führung beendet und es geht über Aufzüge wieder an die Oberfläche. Die Besucher werden in unterschiedlichen Gruppen aufgeteilt, die Aufzüge nur von den Mitarbeitern der Mine betrieben werden dürfen. Wir laufen und laufen und laufen und nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir bei unserem Aufzug an. Zurück oben angekommen, müssen wir feststellen, dass wir ganz woanders raus gekommen sind, als wo wir die Mine betreten haben. Nach einer kurzen Verwirrung, haben wir den Weg dank Internet zurück zu unserem Bus gefunden. 

Reisebericht Krakau Wieliczka

Reisebericht Krakau WieliczkaIch habe keine Ahnung, was hier steht

Reisebericht Krakau WieliczkaEin alter Mann mit Bart zeigt uns den Weg

Das Fazit der Mine: Ein schöner Ort für einen Besuch nahe von Krakau. Wenn man etwas mehr Zeit mitbringt als wir, kann man noch ein Museum besichtigen oder auch Untertage etwas Essen. Die Bergmannsroute ist sicherlich auch noch sehr spannend! Man muss sich aber darauf einstellen, dass es relativ voll ist. Gruppen nach Gruppe werden durch die Mine gebracht und natürlich ist es auch etwas touristisch aufgezogen. Trotzdem ein sehenswerter Ort!

Reisebericht Krakau Wieliczka

Gegen 20 Uhr endet unsere Tagestour wieder in Krakau. Wer sich beides ansehen möchte und zwei Tage Zeit hat, sollte sich jeweils einen Tag für jeden Ort einplanen, dann ist alles etwas entspannter und man hat mehr Zeit vor Ort. Für uns war es ein sehr langer Tag – was aber natürlich auch durch die Verspätung am Vormittag kam. Hat man nur einen Tag Zeit und möchte trotzdem beides sehen, dem kann ich diese Tagestour empfehlen.

Nach diesem letzten Tag in Polen ging es am nächsten Morgen wieder zurück in die Heimat. Ich war sehr zufrieden mit meinem Ausflug! 

Siehe auch:
Teil 2 meines Krakau Reiseberichts: Am Wawelhügel und im jüdischen Viertel
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route

Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)