Krakau 1 – die historische Altstadt

Im Dezember trieb es mich nochmal für ein verlängertes Wochenende in die wunderschöne Stadt Krakau nach Polen. Ich wollte ein wenig Sightseeing machen, Geschichte erleben und auf einem hübschen Weihnachtsmarkt den ein oder anderen Glühwein trinken…

Auf nach Krakau!

Da ich nochmal ein längeres Wochenende verreisen wollte, suchte ich mir eine Stadt mit einem schönen Weihnachtsmarkt raus. Meine Wahl fiel auf die 2t größte Stadt Polens: Krakau. Sie gilt als das Paris an der Weichsel und nicht ohne Grund ist sie mit Abstand die am meist besuchteste Stadt in Polen – so gilt sie auch als die älteste und schönste Stadt unserer Nachbarn. Das Zentrum ist nicht besonders groß, aber hier findet man alles was das Herz begehrt: Die Kultur kommt mit Galerien und Museen nicht zu kurz, die Altstadt aus dem Mittelalter überzeugt durch ihren Charme. Wer shoppen möchte, wird in den dutzenden Geschäften sicherlich fündig. Eine schicke Flusspromenade lädt zu langen Spaziergängen ein und neben einem imposanten Schloss, gibt es auch noch eine Legende mit einem Drachen! Da die Stadt während des Zweiten Weltkriegs nicht zerstört wurde, kann man auch heute noch in der Studentenstadt viele Gebäude von der Romantik bis zum Jugendstil bewundern.

Reisebericht KrakauKrakau im Dezember

Die „heimliche Hauptstadt Polens“ war von 1038 bis 1596 tatsächlich die Hauptstadt des Landes. Eine Legende erzählt, dass sie nach dem Stammesführer Krakdie benannt wurde, der sie im 6. Jhd gründete, nachdem er den Drachen erschlagen haben soll. Im 10. Jhd entwickelte sie sich zu einem bedeutendsten Handelsplatz, der während des 13. Jhd immer wieder zum Angriffsziel der Tataren (Mongolen) wurde. 1241 erfolgte der größte Angriff, bei dem ein Großteil der Stadt zerstört wurde. Danach wurde sie im gotischen Stil wieder aufgebaut. 1281 erfolgte der letzte Angriff, der aber dank der Turmbläser der Marienkirche abgewehrt werden konnte. Besondere Aufmerksamkeit bekam die Stadt durch die erste Königskrönung 1320 im Krakauer Dom, die die Stadt zur Krönungs- und Begräbnisstadt der polnischen Könige machte. Krakau entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer Industrie-, Wissenschafts- und Kulturstadt.

Krakau erreiche ich bequem von Frankfurt aus in etwa 1 ½ Std mit dem Flugzeug. Von Flughafen aus kommt man ganz einfach mit dem Bus 208 bis zum Hauptbahnhof. Die Fahrt dauert etwa 50 Min und kostet 4,60 PLN (ca 1 €). Tickets kann man am Automaten ziehen oder beim Busfahrer kaufen (beim Fahrer braucht man es allerdings passend!) und müssen dann noch im Bus entwertet werden. 

Zeit für ein paar Fakten:
  • Land: Polen (Hauptstadt Warschau)
  • Sprache: polnisch 
  • Einwohner: 765.320
  • Währung: Złoty (PLN)
  • Strom: Typ E (für schmale Stecker ist kein Adapter nötig, bei dicken schon)
  • Trinkgeld: keine Pflicht, ist aber nicht unüblich den Betrag angemessen aufzurunden, ca 10-15%
  • Zeitumstellung: keinen Zeitunterschied

Reisebericht Krakau

Gut zu wissen: Alkohol trinken ist in der Öffentlichkeit verboten. Bei größeren Veranstaltungen, Konzerten und dem Weihnachtsmarkt sowie in der unmittelbaren Nähe von Kneipen/Restaurants darf Alkohol konsumiert werden, aber ansonsten ist es verboten und kann bei Missachtung zu höheren Bußgeldern führen. Auch gut zu wissen: Fußgänger haben an Zebrastreifen keine Vorfahrt. Nur wenn man bereits auf dem Zebrastreifen ist, müssen die Autofahrer anhalten. Ansonsten muss man warten, bis das Auto vorbei ist oder sie einen netterweise passieren lassen.

Die historische Altstadt

Als ich Krakau erreicht habe, war es kalt. Richtig kalt. Dafür empfing mich die Stadt mit einem strahlend blauen Himmel. Mein Rundgang durch die Altstadt beginnt am Grunwalddenkmal – das Reiterstandbild des Königs Wladyslaw Jagiello II. Das Denkmal wurde am 500. Jahrestag der Schlacht bei Tannenberg 1910 eingeweiht. 1939 wurde es von den deutschen Besatzungstruppen zerstört und 1976 wieder rekonstruiert. Das Denkmal steht auf dem Jan Matejko Platz, von wo aus auch der Königsweg startet (dazu später mehr).

Reisebericht KrakauIm Hintergrund sehen wir die St. Florianskirche, von wo aus der Königsweg startet

Eine Möglichkeit die Altstadt zu betreten ist das Florianstor im Norden der Altstadt. Es ist das letzte erhaltene Tor der Stadtmauer und wurde Anfang des 14. Jhd erbaut. Der 34,5cm hohe Turm zeigt auf der Innenseite ein Relief des St. Florians, der ein Offizier der römischen Armee und Oberbefehlshaber einer Einheit zur Feuerbekämpfung war und in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird. Hier befindet sich auch die Barbakan – eine spätmittelalterliche einem Stadtmauertor oder einer Burg vorgelagerte Verteidigungsbastei. Diese gilt als eine der größten erhaltenen Barbakans Europas und wurde 1498/99 errichtet. Heute befindet sich hier ein Teil des Historischen Museums der Stadt Krakau.

Reisebericht KrakauDas Florianstor in seiner ganzen Pracht

Reisebericht KrakauDie Barbakan zusammen mit dem Florianstor

Reisebericht KrakauDie Barbakan

Hier steht auch das Słowacki Theater, welches nach dem Vorbild der Pariser Oper 1893 errichtet wurde. Das Gebäude steht für das florierende und blühende Polen im 19. Jhd und wurde nach dem Dichter Juliusz Słowacki benannt.

Reisebericht KrakauDas Słowacki Theater von der Marienkirche aus 

Die historische Altstadt ist von einem grünen Gürtel, dem Planty Park, umgeben. Hier findet sowohl Einheimische, als auch Touristen etwas Ruhe von dem geschäftigen Stadtkern. Der Gürtel hat eine länge von etwa 4km mit Bäumen, Blumenbeeten und einigen Brunnen und wurde anstelle der alten Stadtmauer errichtet. Im Winter ist er natürlich etwas kahl und trist – aber im Sommer ist hier bestimmt ein schöner Ort für eine kleine Pause!

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Ich durchschreite Florianstor und befinde mich jetzt auf der Straße Floriańska. Die weihnachtlich geschmückte Straße führt direkt zu dem Marktplatz mit Blick auf die Marienkirche. Gesäumt ist sie von zahlreichen Häusern mit prächtigen Fassaden, die den (ehm.) Reichtum Krakaus wiederspiegeln.

Reisebericht KrakauDurch das Florianstor in die Altstadt

Reisebericht KrakauWeihnachtliche Deko mit der Marienkirche im Hintergrund

Ein wenig nordwestlich des Marktplatzes befindet sich der Szczepański-Platz, der zu Beginn des 19. Jhd angelegt wurde. Eigentlich war der Name Plac Gwardyi Narodowey (Platz der Nationalgarde), da hier 1811 die erste Nationalgarde eingesetzt wurde. Der Name wurde aber von der Bevölkerung nicht angenommen. Früher war hier einer der größten Marktplätze Krakraus, später bis 2007 ein Parkplatz. 2010 wurde der Platz dann modernisiert und mit einem Brunnen versehen. Umgeben ist der Platz von hübschen Gebäuden im Jugendstil.

Reisebericht KrakauIm Winter hat der Brunnen zwar kein Wasser, aber dafür eine hübsche weihnachtliche Deko

Das Zentrum der Stadt rund um den Marktplatz

Der Platz um den man im Zentrum wohl nicht herum kommt ist der Markplatz Rynek Główny. Es gehört zu den Wahrzeichen der Stadt und zu den größten mittelalterlichen Plätze Europas – obwohl er durch die vielen Gebäude gar nicht so groß wirkt. Der Platz ist gesäumt von einer Vielzahl an Cafés und Restaurants in den Kellergewölben und von beeindruckenden Kirchen und Palästen. Hier finden auch regelmäßige Märkte statt und an Weihnachten natürlich auch der Weihnachtsmarkt. Überall stehen Stände mit Handwerk, Nippes und Essen. Der Platz wird geteilt durch die Tuchhalle – ein Renaissancegebäude, in dem früher mit Tüchern gehandelt wurde. Im Laufe der Jahrhunderte, wurde die Halle immer wieder zerstört, wieder aufgebaut, erneuert und modernisiert. Heute gibt es hier weniger Tücher zu kaufen, als alle möglichen Souvenirs und Handwerkskunst.

Reisebericht Krakau Der Marktplatz gilt als einer der schönsten Orte in ganz Polen

Reisebericht KrakauDie hübsche Tuchhalle im Renaissancestil

Reisebericht KrakauDie Tuchhalle teilt den Marktplatz, wodurch er gar nicht mehr so groß wirkt

Reisebericht Krakau

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Reisebericht KrakauIn der Tuchhalle selbst ist natürlich auch einiges los

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Reisebericht KrakauDie Bronze Skulptur Eros Bendato hinter dem Rathausturm

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Hier befindet sich auch der Rathausturm, welches ebenfalls zu den Wahrzeichen der Stadt gehört. Betrachtet man den 70m hohen Turm fällt auf, dass er ein wenig schief steht – um genau zu sein, gibt es in der Senkrechten eine Differenz von 55cm. Der Turm wurde aber nicht schief errichtet – dies ist die Folge eines Sturmes im Jahr 1703, wo er um einen halben Meter abneigte. Errichtet wurde er im 13. Jhd und im 16. Jhd im Renaissancestil deutlich erweitert. Was man heute sieht ist ein Relikt, da der freistehende Turm wegen Baufälligkeit im 19. Jhd abgetragen wurde. Früher befand sich hier Gefängnis, Folterkammer und Galgen. Heute kann man hier ein Teil des Historischen Museums besichtigen. Von der Aussichtsplattform soll man eine schöne Aussicht auf den Marktplatz haben.

Reisebericht KrakauDer Rathausturm wird auch der schiefe Turm von Krakau genannt ;-)

Reisebericht KrakauDer Rathausturm und die Tuchhalle von der Marienkirche aus

Von überall präsent ist die mächtige Marienkirche. Sie ist eine Basilika, die während des 13. bis zum 15. Jhd errichtet wurde. Einmal stündlich ertönt von dem Nordturm das Trompetensignal „Hejnał“, welches plötzlich sehr abrupt endet. Dies soll an einen tapferen Trompeter erinnern, der vor einem bevorstehenden Tartarenangriff (Mongolen) im Jahr 1241 zu warnte. Während er noch trompetete wurde er von einem Pfeil getötet.

Reisebericht KrakauDie prächtige Marienkirche am Marktplatz

Reisebericht KrakauAn der Fassade der Kirche befinden sich verschiedene Gedenk- und Grabsteine

Schaut man sich die Kirche an, wird auffallen, dass die Türme unterschiedlich hoch sind. Dazu hat Krakau auch eine Sage parat: die Türme sollen von zwei Brüdern errichtet worden sein. Der ältere Bruder errichtete den 81m hohen nördlichen Turm und war als erstes fertig. Sein Bruder arbeitete noch an dem südlichen Turm. Aus Angst, sein jüngerer Bruder könnte am Ende den höheren Turm bauen, erstach der ältere ihn. So erreichte der südliche Turm nur eine Höhe von 69m. Später bereute der ältere Bruder seine Entscheidung und stürzte sich von seinem Turm in den Tod. Noch heute kann man das Tatwerkzeug an der Tuchhalle sehen.

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Eine zweite Möglichkeit, den Marktplatz von oben zu sehen, ist durch eine Turmbesteigung der Marienkirche. Da ich gelesen hatte, dass die Aussicht von der Marienkirche hübscher sein soll, als die vom Rathausturm entschied ich mich für diese. Tickets gibt es für 15 PLN (ca 3,5 €) und diese sind zeitlich gebunden. Natürlich ist der Turm auch sehr beliebt, weswegen es sehr wahrscheinlich ist, dass man nicht für sofort ein Ticket bekommt (kann nicht vorab online gekauft werden). Es werden nur eine begrenzte Anzahl an Leute jede halbe Stunde hinein gelassen. 

Reisebericht KrakauDer Marktplatz und Krakau von oben – pünktlich zum Sonnenuntergang

Zunächst hieß es einige Treppen hinaufsteigen, bis man die auf etwa 54m gelegene Turmstube erreicht hat. In der Stube gibt es in jeder Himmelsrichtung ein Fenster. Ich hatte bereits gelesen, dass man diese für ein schöneres Foto öffnen kann, also habe ich mal den Anfang gemacht. Der Rest der Gruppe folgt. Die Fenster werden auf und zu gemacht. Fotos geschossen. Pünktlich zu unserem Besuch beginnt die Sonne unterzugehen. Die Stadt wird in ein orange-rotes Licht getaucht. Man hat das Gefühl, dass Dampf von den warmen Häusern in die kalte Luft aufsteigt. Sagenhaft. Die Aussicht von hier oben ist wirklich grandios!

Reisebericht KrakauEine Vorschau auf die Burg Wawel

Zufälligerweise war ich zur vollen Stunde in dem Turm. Von hier aus wird das bereits erwähnte Trompetensignal „Hejnał“ gespielt. Der Spieler spielt das Signal in jede Himmelsrichtung. Wir schauen ihm dabei zu.

Reisebericht KrakauZum Glück wurde heute niemand von einem Pfeil erschossen

Als nächstes wollte ich mir das Innere der Kirche ansehen. Hochgelobt wird der kostbare Hochaltar von Veit Stoß. Wer diesen sehen will, kann ein Ticket für 10 PLN (ca 2,33 €) kaufen. Ansonsten kann die Kirche wohl kostenfrei besichtigt werden. Als vorbildlicher Tourist besorge ich mir ein solches Ticket. Wenn der Altar schon so toll sein soll, weil ich ihn natürlich auch sehen. Ich hatte auch etwas von einer Fotogenehmigung gehört, aber sehe sie nirgends auf einem Schild, noch wird sie kontrolliert. Ich betrete das Innere und man wird von der Pracht fast erschlagen! Vergoldungen, soweit das Auge sehen kann. Dazu eine prächtige Decke in blau-gold. 

Reisebericht KrakauWelch eine überladene .. äh.. prächtige Innendekoration

Reisebericht KrakauDie Decke hat mir besonders gut gefallen!

Ich suche den Hochalter. Er ist der größte dieser Art in Europa und entstand 1477-1489. Sind die Türen geöffnet, erzählt er die Geschichte der Freude Marias von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt. Sind die Türen wiederum geschlossen, sieht man 12 Szenen von den Leiden Marias. Ich finde ihn nicht. Dafür ein Gerüst, was das Zentrum der Kirche verdeckt. Ein kurzer Blick in mein Infoblättchen erklärt mir, dass sich dahinter der Hochalter befindet. Das kann man sich wohl auch nur in einer großen Touristenattraktion erlauben, Geld für etwas zu kassieren, dass man gar nicht sehen kann. Vielleicht wollte auch deswegen niemand die Fotogebühr kassieren. Auch wenn die Kirche wirklich sehr hübsch ist, fühle ich mich ein wenig über den Tisch gezogen. Naja, ich nehme es mit Humor und bei ein bisschen mehr wie 2 € kann man das auch noch verkraften.

Reisebericht KrakauHier könnte sich Ihr Hochaltar befinden

Reisebericht KrakauDie Kirche ist auch ohne Altar sehr hübsch

Reisebericht KrakauDie Marienkirche macht auch im Dunklen eine gute Figur

Direkt hinter der Marienkirche befindet sich die St.-Barbarakirche. Wann sie errichtet wurde, weiß man nicht so genau. In einer Sage erzählt man sich, dass sie gleichzeitig mit der Marienkirche errichtet wurde. Dabei soll sie aus den übrig gebliebenen Steine der Basilika gebaut worden sein. Dafür gibt es aber keine eindeutigen Hinweise. Wahrscheinlicher ist, dass eine Friedhofskapelle den Ursprung hat, die in den Jahren 1394-1402 zu einer Kirche erweitert wurde. Später wurde, aufgrund der wachsenden deutschen Gemeinde, die Gottesdienste in polnischer Sprache aus der Marienkirche hier her verdrängt. Als das nationalen Selbstbewusstseins und der Nationalstolz wuchs, wurde gegen 1536/37 der polnische Gottesdienst wieder in die Marienkirche verlegt, während der deutsche in der Barbarakirche abgehalten wurde.

Reisebericht KrakauVon Außen wirkt die Barbarakirche nicht so spannend…

Reisebericht Krakau… dafür ist sie von Innen umso hübscher

In einer Ecke des Marktplatzes befindet sich die kleine St.-Adalbert-Kirche. Sie wirkt vielleicht auf dem Platz mit seinen vielen Renaissancegebäuden etwas fehl am Platz – dies kommt daher, dass sie bereits im 11. und 12. Jhd im romanischen Stil errichtet, bzw. ein hölzernes, heidnisches Bauwerk war, welches umgebaut wurde. Zwischen 1611 und 1618 wurde sie im Barocken Stil umgestaltet. Sie ist nicht nur eine der ältesten Kirchen der Stadt, sondern auch eine der kleinsten. Diese Kirche diente nicht nur als Gotteshaus, sondern diente auch zur Verteidigung während der Tartarenangriffe.

Reisebericht KrakauDie kleine St. Adalbert-Kirche

Reisebericht KrakauIm Inneren lohnt sich ein Blick in die Kuppel

Im unterirdischen Krakau

Am Marktplatz befindet sich auch das Unterirdische Museum von Krakau (Rynek). Es gehört zu den historischen Museen der Stadt und beschäftigt sich mit der 1000 jährigen Krakauer Geschichte und dem alltäglichen Leben im Mittelalter. Man kann hier gut erhaltene Pflastersteinwege sehen, Fundamente alter Wohnungen und ausgegrabene Marktstände entdecken – die hier an dieser Stelle damals genutzt wurden. Krakau wurde während der ersten Jahre häufig zerstört und wieder neu aufgebaut. Damals war es Sitte, dass die Stadt einfach auf den Überresten wieder neu aufgebaut wurde. Außerdem befand sich im 10. Jhd hier schon der Marktplatz. Abfälle wurden damals nicht beseitigt, sondern einfach mit Sand zugeschüttet. So entstand Schicht für Schicht und Erdgeschosse wurden nach und nach zu Kellern.

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2005 begann man mit den archäologischen Ausgrabungen, die ursprünglich nur für 6 Monate geplant waren. Aufgrund des großen Umfang dauert es aber deutlich länger. Der ehm. Marktplatz wurde mit einer Betonplatte überdacht und seit 2010 ist es als Museum für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Funde – darunter auch zahlreiche Münzen, Kleidungsstücke und Handwerksarbeiten – wurden konserviert und können hier nun bewundert werden – 4m unter dem heutigen Marktplatz.

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Auf 3300m² Fläche wird einem mithilfe einer Multimedia Ausstellung Einblick in das Krakauer Leben des 11. – 18. Jhd gewährt. Diesem Museum ist die größten archäologischen Fundstätte Polens. In einer Dauerausstellung wird der Handel und das Alltagsleben dargestellt. In separaten Räumen gibt es eine Ausstellung über die Geschichte des polnischen/Krakauer Volkes. Insgesamt ein schönes Museum und einen Besuch wert, wenn man sich für die Geschichte interessiert. Der Eintritt kostet 21 PLN (ca 5 €). Wer sich die Ausstellung unbedingt sehen möchte, sollte sich überlegen, die Tickets vorab zu buchen, da sie sonst evtl. ausgebucht sein könnte. Es dürfen immer nur 30 Personen gleichzeitig in den Untergrund. Vorbuchen kann man hier.

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Das Universitätenviertel

Vom Marktplatz aus ging es für mich in den südwestlichen Teil der Altstadt – dem Universitätsviertel. Die dortige Jagiellonen Universität ist die älteste polnische und die zweitälteste Universität in Ost- und Mitteleuropa. Sie wurde 1364 von dem damaligen König Kazimierz der Große als Akademie gegründet. Dort sollten die zukünftigen Diplomaten und Beamten der Monarchie ausgebildet werden. Nach seinem Tod verfiel die Universität allerdings, bis die Königin Jadwiga 1400 der Universität eine Spende zukommen ließ und daher eine unabhängige und freie Entwicklung ermöglichte. In diesem Zuge wurde das Collegium Maius errichtete. Im 15. Und 16. Jhd erlebte sie ihre Blütezeit. Der gute Ruf der Universität verbreitete sich schnell und viele Stunden aus ganz Europa wollten an der berühmt gewordenen Uni studieren. Zu den berühmtesten Studenten zählen der Astronom Nikolaus Kopernikus und Papst Johannes Paul II.

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Reisebericht KrakauKopernikus hat hier auch ein Denkmal bekommen

Ich schlendere alleine durch das Viertel und sehe mir die Gebäude an. Wer mehr sehen und erfahren möchte, bucht am besten eine geführte Tour. Man kann in den Räumen der Universität astronomische Instrumente von Kopernikus sehen (z.B. der ältesten Globus, auf dem Amerika abgebildet ist). Mein Weg führt mich zur St. Anna-Kirche – die wichtigste Studentenkirche. Sie gilt als eine der schönsten Barockkirchen Polens und wurde 1689-1705 erbaut.

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Reisebericht KrakauKirchen können die Polen, das muss man ihnen lassen

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Weiter geht es zum Collegium Maius. Es ist mit seinen 500 Jahren das älteste erhaltene Universitätsgebäude in Polen. Während sich im EG Vortragssäle befinden, waren im OG die Wohnräume der Professoren und eine Bibliothek. Seitdem letzteres in das Gebäude der neuen Jagiellonischen Bibliothek umgezogen ist, befindet sich hier das Universitätsmuseums. Ich bewundere den wirklich sehr hübschen Innenhof.

Reisebericht KrakauKreuzgänge im gotischen Stil in dem Collegium Maius

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Direkt daneben befindet sich der Professorengarten, der eigentlich nur zwischen Ende April und Ende Oktober geöffnet ist (kostenfrei). Die Tore sind aber offen, also schlüpfe ich kurz rein um einen Blick zu riskieren. Im 15. Jhd wurde hier noch Obst und Gemüse für die Professoren angebaut – daher der Name. Ende des 19. Jhd wurde er dann von der Botanik neu angelegt und 2010 erlebte er eine weitere Neugestaltung. Heute ist der kleine Garten ein Ort der Ruhe mit 5 Stationen, an der man mehr über die Universitätsentwicklung erfahren kann.

Reisebericht KrakauWenn nicht gerade Winter ist, ist es hier bestimmt schön grün!

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Ich arbeite mich durch den restlichen südlichen Teil der Altstadt und schaue mir noch ein paar Kirchen an. Gerade in alten, geschichtsträchtigen Städten finde ich Kirchen – die bereits vor mehreren Jahrhunderten erbaut wurden! – immer wieder spannend, auch wenn ich dem religiösen Hintergrund nicht wirklich etwas abgewinnen kann. Mein Weg führt mich zur Dominikanerkirche, die eine der größten römisch-katholischen Kirchen Krakaus ist. Sie wurde 1222 – zunächst nur aus Holz – errichtet. Nach einem Stadtbrand 1850 musste sie neu errichtet werden. Im Inneren gab es für mich diesmal nicht so viel sehen, da hier fleißig renoviert wurde – aber das ganze hätte potential gehabt. 

Reisebericht KrakauDie Dominikanerkirche hätte auch ein klein wenig Märchenschloss Potential, oder nicht?

Als nächstes ist die St.-Peter-und-Paul-Kirche dran. Berühmt ist diese Kirche für die Statuen der zwölf Apostel, die beeindruckend auf den Pfeilern vor der Kirche thronen. Sie wurde Ende des 16./Anfang 17. Jhd als eine der ersten Barocken Kirchen Krakaus nach dem Vorbild der römischen Il Gesù-Kirche errichtet. In der Kuppel wurde ein Foucaultsches Pendel aufgehängt, welches durch seine Abweichung beweist, dass die Erde sich dreht. Die Figuren der Apostel sind übrigens Kopien, die sogar ein weiteres Mal ersetzt werden mussten, da diese im 18. Jhd und 2003 durch Luftverschmutzung fast völlig zerstört waren. Das Innere konnte ich mir hier nicht ansehen, da gerade ein Gottesdienst statt gefunden hat und während der Zeit keine Besichtigung gewünscht ist.

Reisebericht KrakauDie St.-Peter-und-Paul-Kirche und ihre Apostelfiguren

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Direkt daneben befindet sich die Andreaskirche, die nicht so ausgeschmückt aussieht. Spannend fand ich, dass sie – wie auch die St.-Adalbert-Kirche am Marktplatz – auch als eine Verteidigungsfestung genutzt wurde, die den Bürgen als Zufluchtsort im Falle einer Gefahr diente. Während der beiden Tartaren Angriffe 1241 und 1259 blieben alle Bürger, die sich in die Kirche retteten, unversehrt. Zu der Kirche gehört auch ein Kloster der Klarissen-Schwestern, welches aber nicht besichtigt werden kann.

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Reisebericht KrakauWie wärs mit einem Buch für zwischendurch? Geht auch aus Stein?

Weihnachten in Krakau

Natürlich habe ich mir aus ausgiebig Zeit genommen, um den Krakauer Weihnachtsmarkt am Marktplatz zu erkunden. Er gilt als einer der schönsten Weihnachtsmärkte in Polen. Mit zahlreicher Lichtdekoration wird der gewaltige Weihnachtsbaum vor der Marienkirche in Szene gesetzt. Überall ist es weihnachtlich geschmückt. 

Reisebericht KrakauNeben dem Weihnachtsbaum warten zahlreiche Kutschen, die einen auf eine Stadtrundfahrt entführen wollen

An den zahlreichen Ständen wird leckeres Essen, Glühwein, Souvenirs, Handwerksstände wie Keramik, Schmuck, Weihnachtsdekoration und vieles mehr verkaufen. Glühwein wird an 1-2 Ständen verkauft und darf nur – wegen dem allgemeinem Alkoholverbot auf den Straßen – nur im Raum des Weihnachtsmarktes getrunken werden. Davon gönn ich mir den ein oder anderen Becher und er schmeckt! Ich schlendere durch die, durch die Stände entstandenen Gässchen, und schaue mir die Angebote an.

Reisebericht KrakauMit Lichtdekoration wird in Krakau nicht gespart

Eine Tradition, die sich bis ins 19. Jhd zurückverfolgen lässt, ist das anfertigen von Weihnachtskrippen. Die Krakauer Krippen sind berühmt und haben es auch schon zu einer Ausstellung im Europäischen Parlament geschafft. Mit den kleinen, reich verzierten Bauten konnten sich die damaligen Maurern – die in den Wintermonaten keine Beschäftigung hatten – einen zusätzlichen Verdienst sichern. Seit 1937 findet ein jährlicher Krippenwettbewerb statt (mit Unterbrechung während des 2. Weltkriegs) und die Tradition wird von Generation zur Generation weitergereicht. Die Stücke werden auf dem Weihnachtsmarkt präsentiert und bis Februar ausgestellt. Bei Interesse können die kleinen Gebäude käuflich erworben werden.

Reisebericht KrakauEinige Stücke wurden auf der Bühne präsentiert – man sah sie aber auch über die Stadt verteilt in kleinen Glaskästen

Reisebericht KrakauStände mit leckerem Essen – Pierogi dürfen natürlich auch hier nicht fehlen

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Reisebericht KrakauBraucht noch jemand etwas Weihnachtsdeko?

Reisebericht KrakauWeihnachtliche Lichter und die Marienkirche

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Eine Spezialität in Krakau, die es auf dem Weihnachtsmarkt zu kaufen gibt ist der Oscypek Käse! Dies sind kleine Käse Fladen aus geräuchertem Schafskäse, die mit Cranberrys serviert werden und mich ein bisschen an diesen Quietsche-Grillkäse erinnert hat. Ich als Käse-Fan kam da nicht drum rum und ich fand sie großartig. Perfekt auch als kleinen Snack für Zwischendurch oder auch als Mitbringsel. Es gibt sie aber auch in größer und ungeräuchert. Btw. darf sich dieser Käse nur Oscypek nennen, wenn dieser von Schafbauern in der Tatraregion Zakopane hergestellt wird. Gekostet hat mich der Spaß putzige 4 PLN (ca 0,9 €).

Reisebericht KrakauLecker Käse! Aber so ein Fladen ist eigentlich viel zu klein!

Reisebericht KrakauZum Glück gibt es diese auch in größer und unterschiedlichen Formen

Apropos Essen…

Essensmäßig habe ich es es mir in Krakau auch richtig gut gehen lassen. Auch wenn die typische polnische Küche von Fleisch, Kraut und Pilzen geprägt ist – was drei Sachen sind, die bei mir eher nicht auf dem Speiseplan stehen – habe ich leckeres gefunden und konnte trotzdem auch die lokale Küche probieren.

Ein absolut typischer Snack ist der Obwarzanek – ein Kringelgebäck, welches es an mobilen blauen Verkaufsständen zu kaufen gibt. Übrigens stammt der in den US beliebten Bagel ursprünglich nicht von aus Amerika, sondern aus Krakau! Er wurde von der polnischen jüdischen Kultur mit nach Amerika gebracht. 

Reisebericht KrakauTauben scheinen den Snack auch zu mögen!

Das nächste ist wohl eher was traditionell ungarisches (?), aber das hindert mich ja nicht daran es in Krakau zu probieren. Chimney Cake! Dabei handelt es sich um eine Art Schornsteinkuchen, der aus fluffigem Teig besteht in Form einer Spirale. Für mich gab es die ganz klassischen mit Zimt und Zucker, aber es gibt diese auch in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Man kriegt diese leckeren Küchlein bei der Chimney Cake Bakery im Planty Park, aber auch an einem Stand im jüdischen Viertel und auf dem Weihnachtsmarkt habe ich die glaube ich auch gesehen. Im Sommer gibt es diese auch mit Eis.

Reisebericht KrakauMmmh! Mega! Chimney Cake

Krakau ist sehr modern und auch hip! Kein wunder, dass man hier auch sehr gut vegetarisch bzw. Vegan essen gehen kann. Wer hier etwas leckeres sucht, findet alleine in der Altstadt 3 verschiedene Restaurants zu diesem Thema: Krowarzywa Vegan Burgers, Farma Vegan Burgers und NO BONES Vegan Food. Ich habe mir das letztere angesehen. Neben dem putzigen Logo und der hübschen Einrichtung, konnte ich meine erste vegane Pizza genießen. Nom nom! 

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Noch mehr leckeres Essen und Sightseeing gibt es in meinem zweiten Krakau Teil …. 

Siehe auch:
Teil 2 meines Krakau Reiseberichts: Am Wawelhügel und im jüdischen Viertel
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route
Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse