Island 7 – Am Osten entlang in den Süden nach Höfn

Die Route führte mich entlang der Ringstraße weiter Richtung Osten und Süden bis nach Höfn. Unterwegs hatte ich einmalige, wunderschöne Fjorde fast für mich alleine….

Auf in den Osten

Ich verlasse meine Unterkunft mitten im Nirgendwo und fahre zurück auf die Ringstraße. Jetzt ging es Richtung Osten. Das Wetter war klamm, windig, wolkig und neblig – aber immerhin regnete es nicht. Der Osten Islands ist noch dünner besiedelt als die restliche Insel. Hier gibt es weite Fjorde, grüne Wälder und ewig lange Wanderwege. Die wenigen Menschen, die hier leben, leben meistens in kleinen Ortschaften. Der Großteil des Ostens ist unbesiedelt. Das Land hier gehört den Schafen. 

Reisebericht Island HöfnDer Süd-Osten präsentiert sich mir wolkig und neblig

Was man im Osten – mit etwas Glück – sehen kann sind Rentiere. Diese wurden im 18. Jhd nach Island importiert und auf Farmen gehalten. Da das nicht funktioniert hat, wurden die Tiere freigelassen. Heute gibt es auf Island rund 3000 Tiere, die überwiegend im Hochland leben. Seit neuestem ziehen sie aber immer häufiger in die Ostfjorde, was zu einem Nahrungskonkurrenzkampf mit den Schafen und Pferden führt. Ich habe keine Rentiere gesehen, aber ich musste aus Zeitgründen den Osten leider überspringen und bin nur „durch“ gefahren auf dem Weg in den Süden. 

Reisebericht Island Höfn

Ein Seeungeheuer, ein Wald und ein Wasserfall

Eine Sache wollte ich „aus dem Osten“ aber trotzdem mitnehmen. Da dieses Ziel bequem an der Ringstraße lag, war das auch kein Problem. Bei der kleinen Stadt Egilsstaðir befindet sich der See Lögurinn. Dieser wird aber meistens mit Lagarfljót gekennzeichnet, wobei es sich dabei um den 140km langen Fluss handelt, der durch den Lögurinn fließt. Um diesen See ranken sich div. Sagen über den Lagarfljótwurm. Ein fieser Riesenwurm – sozusagen das pendant zu dem schottischen Nessie. Er wurde das erste mal im 14. Jhd gesichtet und erlange 2012 Weltberühmtheit durch ein Youtube Video. Ganz geklärt ist das Mysterium allerdings noch nicht. Es gibt verschiedene Theorien, dass z.B. die aus der tiefe kommenden Strömungen irgendwelche Materialien an die Oberfläche spült. 

Reisebericht Island HöfnDer See Lögurinn – den Wurm Lagarfljótwurm konnte ich allerdings nicht entdecken

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Hier verlasse ich die Ringstraße und biege auf die Straße 931 ab. Mein Ziel: der vierthöchste Wasserfall des Landes Hengifoss. Um diesen Wasserfall sehen zu können, bedarf es aber zunächst ein wenig Beinarbeit, denn er befindet sich nicht direkt an der Straße. Einen 2,5km langer Wanderweg muss man erst zu ihm bewältigen. Da es dabei fast durchgängig bergauf geht, kann das auch ganz schön anstrengend werden. 

Ich mache mich auf den Weg. Da ich wiedermal früh dran bin, ist fast niemand außer mir hier. Die Landschaft ist schon mal grandios! Auf halber Strecke befindet sich der kleine Bruder des Hengifoss – der Litlanesfoss, auch wenn er gar nicht so klein ist. Wer nicht so gut bergauf ist, kann auch nur bis hier her wandern, das lohnt sich auch schon! 

Reisebericht Island HöfnAuf zum Hengifoss!

Reisebericht Island HöfnLandschaftlich lohnt sich diese Wanderung auf jeden Fall

Reisebericht Island HöfnDer Litlanesfoss sieht auch schonmal gut aus

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Reisebericht Island HöfnVon hier oben hat man auch eine schöne Aussicht auf den See Lögurinn

Für mich geht es nur bis zu einem Aussichtspunkt. Danach ist der Weg gesperrt. Schade. Hier oben schmiegt sich der Nebel um den Berg und den Wasserfall. Viel sehen tue ich von dem 118m hohen Hengifoss leider nicht, aber die Atmosphäre ist eine ganz besondere. 

Reisebericht Island HöfnHengifoss versteckt sich hinter dem Nebel

Reisebericht Island HöfnDu kannst nicht vorbei

Reisebericht Island HöfnDie Wanderung hat sich trotzdem gelohnt!

Ich wandere wieder zurück – bergab geht etwas leichter. Zurück im Auto folgte ich der 931 und überquere den See damit über eine kleine Brücke und fahre zurück Richtung Egilsstaðir. Neben der Straße tun sich immer mehr Bäume auf, welche zu einem richtigen Wald werden. Der Wald Hallormsstadhaskogur ist das größte, zusammenhängende Waldgebiet in Island. Hier verbringen viele Isländer gern ihre Freizeit. Beschäftigen kann man sich auch: Hier gibt es rund 40km Wanderwege. 

In Egilsstaðir mache ich nur einen kurzen Verpflegungsstop. Die Stadt mit rund 2.300 Einwohnern hat insgesamt aber auch keine besonderen Sehenswürdigkeiten zu bieten. Sie ist eher der Verkehrsknotenpunkt der Region. Von daher geht es nach einem Stop im Supermarkt und an der Tankstelle für mich schon wieder weiter. 

Reisebericht Island HöfnDer Wald Hallormsstadhaskogur – ein ungewohnter Anblick nach den eher baumlosen Landschaften Islands

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An den Fjorden entlang in den Süden

In den Süden Islands kommt man wegen der Gletscher und der Eisberge. Hier werden die Bergspitzen wieder weißer. Die Fjorde sind eingerahmt von hohen Bergen. Hier im Süden ist es immer etwas eisig. 

Wobei so ganz richtig ist die Überschrift eigentlich nicht, denn hier kann man nicht gemütlich die Fjorde entlang fahren. Es gibt zwar Straßen, die bis zum Ende führen, aber diesen Weg muss man dann wieder genauso zurück. Zumindest im Süd-östlichen Teil. Ich verlasse Egilsstaðir über die Ringstraße und folge ihr erstmal. 

Reisebericht Island HöfnIch erreiche das Meer vom Landesinneren bei Fáskrúðsfjörður

Schneller geht es von Egilsstaðir aus über die 95 und 936 – da verpasst man aber die schöne Landschaft. Einer der schönsten Fjordumrundungen soll die Straße entlang des Berufjord sein. Schöne Landschaften, Bergspitzen, die an einen Drachenrücken erinnern, kleine Bäche schlängeln sich durch die Landschaft. Dazu grün bemooste Felsen. Die Landschaft ist wirklich einmalig schön. Das Wetter bleibt bei wolkig und neblig. Das trägt aber nur mehr zur Stimmung bei. 

Reisebericht Island HöfnDie Gegend ist sehr malerisch – der Umweg lohnt sich

Reisebericht Island HöfnEin Drachenrücken, umspielt von ein paar Wolken

Reisebericht Island HöfnEs war eigentlich den ganzen Tag sehr wolkig – es folgen noch ein paar Bergspitzen-und-Wolken-Fotos

Reisebericht Island HöfnDie Straße entlang der Küste

Reisebericht Island HöfnEine Mauer aus Felsen

Reisebericht Island HöfnIch hätte da noch ein paar schöne mehr Berge-mit-Nebel-Fotos im petto… 

Im Hintergrund erhebt sich der Gletscherberg Vatnajökull. Er ist nicht nur der größte Gletscher Islands, sondern auch Europas (wenn man das Polargebiet nicht mitrechnet). Die Landschaft hier wird von Jahr zu Jahr flacher: das Gestein wird vom Gletscher abgetragen, ins Meer gespült und lagert sich vor den Fjorden ab. Die Straße führt entlang an steilen Schotterbergen. Hier können sich auch immer mal größere Steine lösen und auch auf die Straße fallen. An einigen Stellen gibt es zum Schutz aber zum Glück viele Netze. In der Region bis zur Stadt Höfn ist nicht viel los und ich genieße die Ruhe und Einsamkeit der Fjorde. 

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Ich mache einen kurzen Stop in Djúpivogur – ein kleines Küstendörfchen mit rund 500 Einwohnern. Auch hier leben die Einwohner von der Fischerei, wenn auch langsam der Tourismus hier ankommt. Der Handel blickt hier auf eine 4 Jahrhunderte alte Geschichte zurück, da Djúpivogur bereits 1589 ein Handelszentrum war. Hier gibt es ein paar Museen, Cafes und einen kleinen Hafen. Natürlich kann man von hier aus aber wieder schöne Touren ins Umfeld machen, oder z.B. auch eine Bootstour zu der kleinen Insel Papey vor der Küste. Während meines Besuches war das Wetter eine Katastrophe, also ging es für mich nach einem kurzen Stop im Zentrum weiter. 

Reisebericht Island HöfnDer kleine Dörfchen Djúpivogur 

Reisebericht Island HöfnDer kleine Hafen

Reisebericht Island HöfnEs geht weiter!

Mein nächster Stop ist der Strand Hvalnes – ein schwarzer Kieselstrand, der malerisch vor dem Berg Eystrahorn. Nebendran, auf der einen Seite, befindet sich ein Leuchtturm, auf der anderen Seite ein schmaler Sandstreifen. Ein hübscher Platz, der zu einem gemütlichen Spaziergang einlädt. In der Theorie. Das Wetter wurde bei mir immer schlechter und windiger, dass ich fast weggepustet wurde. Daher wurde es bei mir nur ein kurzer Stop.

Reisebericht Island HöfnEin bisschen „Strand“, mein Auto und der Berg Eystrahorn 

Reisebericht Island HöfnEigentlich ganz hübsch

Ich kämpfe mich weiter meinen Weg entlang. Die Landschaft ist wirklich sehr schön und auch die Wolken, die an den Berggipfeln hängen bleiben sind sehr hübsch. Wobei ich zugeben muss, das mir das ganze vom trockenen und windgeschützten Inneren meines Autos besser gefallen hat. 

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Ein verlassenes Wikingerdorf am Strand

Mein vorletzter Stop für diesen Tag war der Strand bzw. die Landzunge Stokksnes. Folgt man der Ringstraße aus Richtung Djúpivogur kommend, kommt man erstmal durch einen Tunnel. Direkt nach dem Tunnel biegt man dann links auf eine kleine Straße ab. Es folgt ein Schotterweg bis zu dem kleinen Viking Cafe. Da sich das Gelände Privatbesitz ist, muss man zunächst im Cafe 800 ISK (ca 6 €) bezahlen. 

Reisebericht Island HöfnDieser kleine Kollege begrüßt einen direkt hinter dem Cafe Richtung Wikingerdorf

Wofür bezahlt man Eintritt? Hier gibt es zwei Sehenswerte Spots: einmal ein kleines Wikingerdorf und einen sehr schönen Strand. Ich mache mich zunächst zu Fuß in Richtung Dorf. Das Auto muss hier beim Parkplatz vor dem Cafe stehen bleiben. Es sind ein paar meter zu laufen, aber die Vorfreude steigt, als das Wikingerdorf zu sehen ist. 

Reisebericht Island HöfnDas Dörfchen mit dem Berg Vestrahorn im Hintergrund

Gebaut wurde dieses Dörfchen als Kulisse für einen Film, der aber nie gedreht wurde. Wenn man genauer hinsieht, sieht man schon das es sich hierbei „nur“ um eine Kulisse handelt. Trotzdem hat das Dorf eine tolle Atmosphäre und ein kurzer Stop lohnt sich. 

Reisebericht Island HöfnDank des Wetters hatte ich es für mich ganz alleine

Reisebericht Island HöfnAuch wenn es nur eine Kulisse ist, haben die kleinen Hütten trotzdem tolle Details

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Reisebericht Island HöfnDer Blick auf den schwarzen Strand von Horn

Nachdem ich das Dorf erkundet habe, wandere ich zurück zum Parkplatz. Von hier aus geht es mit dem Auto ein Stück weiter nach Süden. Jetzt will ich mir den Strand ansehen, wo auch eine Radarstation und ein kleiner Leuchtturm steht. Man kann vom Dorf eine gemütliche Wanderung über den Strand zur Radarstation und zurück machen (Rund 6,5km). Aber das Wetter – ich möchte mich ungern wiederholen, aber es war so stürmisch und nass, dass ich lieber mit dem Auto das letzte Stück gefahren bin. 

Bezahlt man den Eintritt im Cafe, bekommt man ein Ticket, mit dem sich die Schranke öffnen lässt, die sich vor dem Eingang des Strands befindet. Ich fahre bis zum Ende und suche mir einen Parkplatz. Der 16m hohe Leuchtturm war noch bis 1992 in betrieb. Er wurde mit der Radarstation von 1955 bis 1988 von den Amerikanern im Auftrag der Nato benutzt. 

Reisebericht Island HöfnDie Radarstation und der Leuchtturm

Das besondere an diesem Strand ist aber die grandiose Aussicht. Auf der Landzunge befindet sich zahlreiche, durch den Wind aufgetürmte, Sanddünen, die mit Gras bewachsen sind. Das Grün und der schwarze Strand sind ein toller Kontrast. Dazu das wilde Meer und die Berge im Hintergrund. Wunderschön!

Reisebericht Island HöfnEin wirklich toller Fotospot

Reisebericht Island HöfnDie Berge im Hintergrund passen wunderbar zu der Landschaft

Reisebericht Island HöfnDazu die tollen Wellen des Meeres

Reisebericht Island HöfnHabe ich erwähnt, dass es nass und windig ist?

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Reisebericht Island HöfnEs geht zurück zur Ringstraße – die Straße zwischen ihr und dem Cafe

Höfn – die Stadt mit Hafen

Etwas aufgeweicht und durchgefroren geht es weiter. Bis zu meinem Endpunkt für diesen Tag war es nicht mehr weit. Mein Ziel war die Kleinstadt Höfn. Die kleine Stadt hat rund 1.700 Einwohner und liegt am Fuß des Gletschers Vatnajökull. Bekannt ist sie als „Hummerstadt“, denn die meisten Einwohner leben auch heute noch vom Fischfang & -verarbeitung und der Landwirtschaft. Besonders stolz sind sie auf ihren Hafen. Ein Hafen ist hier in der Region etwas besonderes, da die meisten Küsten hier zu flach sind. 

Reisebericht Island HöfnWobei so richtig hübsch ist der Hafen nicht…

Das Wetter wurde nicht wirklich besser, also habe ich mich in meine Unterkunft zurück gezogen. Gebucht habe ich das Höfn Guesthouse, ich wurde dann aber im  Guesthouse Dyngja untergebracht. Dort hat es mir aber sehr gut gefallen. Die Gastgeberin war wirklich sehr nett. Das Zimmer zwar sehr einfach, aber bequem. 

Reisebericht Island Höfn

Reisebericht Island Höfn

Siehe auch:
Teil 6 meines Islands Reiseberichts: Mývatn und der Diamond Circle (2)
Teil 8 meines Islands Reiseberichts: Der eisige Süden: Gletschersee Jökulsárlón
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route

Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)