Island 4 – Unterwegs im Norden bis nach Akureyri

Ich habe den Westen hinter mir gelassen und wage mich voraus in den Norden und in die Stadt Akureyri – die größte Stadt des Nordens…

Ein Canyon, eine Festung und ein Monster

Nachdem ich mein unnötiges Dilemma vom Vorabend verarbeitet hatte, sollte es am nächsten Tag natürlich wieder weitergehen. Heute war die Strecke insgesamt kürzer und es standen auch weniger Stops auf dem Programm. Das Wetter schien es insgesamt auch gut mit mir zu meinen. Der erste Stop war direkt um die Ecke – nur wenige km entfernt. Der Kolugljúfur Canyon. Eine kurze Schotterstraße führte mich von der Hauptstraße zu dem 1km langen Canyon. Eine Sage erzählt, dass der Canyon von einer Trollfrau Kola ausgehoben wurde. 

Reisebericht Island AkureyriEinen kleinen Wasserfall hat der Canyon auch: Kolufossar

Reisebericht Island AkureyriDer Canyon hat eine Tiefe von etwa 40-50m

Der nächste Stop lag ebenfalls nicht weit entfernt. Von der Schotterstraße ging es zurück auf die asphaltierte und dann wieder auf eine Schotterstraße. Diesmal war die Strecke länger. Die Beschaffenheit war nicht die beste, aber es ging noch. Mein eigentliches Ziel war noch nicht erreicht, aber ich mache unterwegs einen Halt bei Borgarvirki. Hierbei handelt es sich um einen hübschen Aussichtspunkt. Es wirkt die eine kleine Festung. Diese Ort ist teils von Menschen gemacht, teils natürlich entstanden.

Reisebericht Island Akureyri

Reisebericht Island AkureyriBorgarvirki thront auf einem kleinen Berg

Reisebericht Island AkureyriWozu dieser Ort gut war? Dazu existieren unterschiedliche Theorien, aber es bleibt ein Rätsel

Reisebericht Island AkureyriEin schöner Ausblick – im Hintergrund der See Hóp

Reisebericht Island AkureyriSchaut euch nur diese Wolken an!

Dann geht es weiter zu meinem eigentlichen Ziel: Hvítserkur. Wer die Strecke bis hier fährt, wird mit dem Anblick eines Basaltfelsens im Meer belohnt. Was den Felsen so besonders macht ist die interessante Form, die Interpretationsspielraum lässt. Die einen sehen ein Monster, die anderen ein Nashorn. Ich finde, es ist ganz eindeutig Dacky aus in einem Land vor unserer Zeit. 

Reisebericht Island Akureyri Diese Schotterstraße meint es gut mit mir

Reisebericht Island Akureyri je nach Gezeiten wird „Dacky“ mit Wasser umspült oder nicht 

Reisebericht Island Akureyri Der Felsen hat eine Höhe von 15m

Reisebericht Island AkureyriAber auch ohne Felsen macht die Landschaft was her

Im Norden angekommen…

Es geht weiter. Der Norden wartet auf mich! An dieser Stelle hatte ich zwei Möglichkeiten. Entweder etwas südlich über die Ringstraße oder etwas nördlicher über die 744 oder 745. Ich gehe davon aus, dass die letzteren Beiden Schotterstraßen sein werden. Ich bin einfach mal faul und entscheide mich für die Ringstraße. Es wird sicherlich noch genug Schotter auf mich warten. 

Reisebericht Island AkureyriAuf den anderen Straßen wäre die Landschaft wahrscheinlich schöner gewesen, aber auch auf der Ringstraße gibt es hübsche Spots

Ich verlasse die Ringstraße und folge der 54 nach Norden. Die Landschaft beginnt sich zu verändern. Schnee liegt auf den Berggipfeln. Obwohl ich erwartet hatte, dass es hier kühler sein würde, war es bei meinem Besuch tatsächlich aber sogar wärmer als die Tage zuvor. Lag wohl aber vermutlich an dem vielen Sonnenschein. Auch mal angenehm.

Ich mache einen kurzen Stop bei Grafarkirkja. Diese kleine, putzige Kirche befindet sich auf Privatgelände, ist aber für die Öffentlichkeit geöffnet. Man muss nur das Tor an der Einfahrt öffnen und natürlich auch schließen. Vom Parkplatz aus läuft man ein kurzes Stück über das Feld zu Kirche. Die Kirche kann man selbst nicht betreten, aber ich spähe durch die Fenster rein. Btw. soll sie die älteste Kirche Islands sein. 

Reisebericht Island AkureyriAb in den Norden!

Reisebericht Island AkureyriGrafarkirkj – so klein und putzig

Reisebericht Island AkureyriMit tollen Holzarbeiten!

Reisebericht Island AkureyriSchneebedeckte Berge im Hintergrund

Ich fahre weiter die Straße entlang Richtung Norden auf der Halbinsel Trollaskagi. Neben mir das Meer. Hier und da lohnt es sich, einen kurzen Foto-Stop zu machen.

Reisebericht Island Akureyri

Reisebericht Island AkureyriVon hier aus kann man einen schönen Blick auf die Insel Málmey werfen

Man merkt, dass man sich immer weiter von der Zivilisation entfernt. Die Straße wird wieder schlechter. Aber es ist auch insgesamt weniger los. Neben der Straße geht es steil bergab – sie führt direkt an der Klippe entlang. Es kommt ein interessanter Abschnitt wo sich Asphalt und Schotter alle paar Meter abwechseln. Teilweise wirklich nur für wenigere Meter. Ich frage mich warum. An der Spitze mache ich einen Stop. Ich glaube, das zählt noch nicht mal als Ortschaft. Es ist weit und breit niemand zu sehen. Ein paar Häuschen, ein quietsch orangener kleiner Leuchturm und eine atemberaubende Küstenlandschaft. Großartig! Der Weg hierher hat sich gelohnt!

Reisebericht Island AkureyriLandschaften im Süden

Reisebericht Island AkureyriDer Leuchtturm…

Reisebericht Island Akureyri…Und die grandiose Landschaft der Küste im Norden

Siglufjörður – die kleine Stadt im Norden

Als nächstes Fahre ich durch meinen ersten Tunnel: Strákagöng. Er unterquert den Berg Siglufjarðarskarð, der bis ans Meer reicht. Bevor der Tunnel 1967 fertiggestellt wurde, konnte die Ortschaft nur umständlich über eine Passstraße erreicht werden. Aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse war die Straße 7-8 Monate im Jahr geschlossen. Der Tunnel ist 830m lang und der zweitälteste der Insel. 

Dahinter befindet sich die kleine Handelsstadt Siglufjörður. Sie ist die nördlichste Stadt der Halbinsel. Zu den besten Zeiten des Heringbooms lebten hier mal 3.000 Menschen. Heute sind es nur noch etwa 1.200. Hier gibt es eigentlich nicht viel zu sehen. Da sich kaum Touristen hier her verirren, gibt es auch keine großen Angebote. Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen?) hat die Stadt einfach Charme. Die Wege sind kurz, so lohnt sich ein kleiner Spaziergang. Die vermutlich einzige Attraktion ist das Herring Era Museum. Wie der Name schon vermuten lässt: ein Museum über Heringe, die Arbeit auf See und Fabriken.

Reisebericht Island AkureyriSiglufjörður – und im Hintergrund verschneite Berge

Reisebericht Island AkureyriSteht da was spannendes drin?

Reisebericht Island Akureyri Im Winter liegt hier bestimmt viel Schnee

Reisebericht Island Akureyri Nahe des Hafens gibt es ein paar hübsche Häuser zu sehen

Reisebericht Island AkureyriDas Heringmuseum – hübsch hergerichtet

Reisebericht Island Akureyri

Reisebericht Island Akureyri Schiffe im Hafen

Reisebericht Island Akureyri Siglufjörður von einem nahegelegenen Parkplatz aus

Ich verlasse Siglufjörður Richtung Süden und komme wieder durch einen Tunnel. Diesmal heißt er Héðinsfjarðargöng. Dank dieses Tunnels wurde die Fahrtstrecke zu der nächsten Ortschaft von 60km auf 15km verkürzt. Wenn das Wetter schlecht war und man über die Ringstraße ausweichen musste, waren es sogar 230km! Der Tunnel wurde 2010 eröffnet. Der erste Teil ist 3,7km lang, der zweite Teil 6,9km. Kurz vor Ólafsfjörður verlässt man den Tunnel. Ich folge weiter der Straße entlang der Küste bis zu meinem Endziel für diesen Tagl. 

Reisebericht Island Akureyri Ólafsfjörður begrüßt mich mit einer tollen Aussicht

Reisebericht Island Akureyri

Sicherheit in Island

Wie sieht es mit der Sicherheit in Island aus? Vor Menschen muss man in Island keine Angst haben – hier gehört das Land wohl zu den sichersten der Welt. Es gibt praktisch keine Kriminalität. Vor Tieren muss man eigentlich auch keine Angst haben – es gibt keine gefährlichen in Island. Das einzige, wo man etwas vorsichtig sein muss, ist die unberechenbare Natur. Wenn ein Bereich abgesperrt ist, sollte man dort auch nicht hingehen. Auch zum eigenen Schutz. Bereiche können z.B. unstabiler sein, als man auf den ersten Blick denken könnte. Manche Löcher können z.B. auch mit Moos bewachsen sein. 

Über das Autofahren habe ich mich ja bereits in den ersten 3 Beiträgen ausgelassen. Hier möchte ich trotzdem nochmal die Website safetravel.is erwähnen. Bei meiner Autovermiertung gab es auch kleine, visitenartige Karten von denen mit allgemeinen Infos, die ich ganz praktisch fand. Auf der Website findet man aktuelle Reisewarnungen, die nicht nur für das Autofahren hilfreich sein können. Wer eine längere (mehrtägige) Wanderung plant, kann sich auch hier zur Vorsicht eintragen. Längere Wanderungen im Hochland können je nach Region gefährlich werden. Ggf. ist eine Tour mit einem Guide sicherer. 

Die Notfallnummer ist 112. Wenn man in etwas abgelegeneren Gegenden unterwegs ist, sollte man unbedingt immer genug Trinken und Essen dabei haben. Evtl. trifft man über längere Strecken keinen Supermarkt an. Wenn man den Shopping Stop für Abends bei der Unterkunft einplant, sollte man im Hinterkopf behalten, dass die Supermärkte z.T. früher schließen als bei uns. 

Akureyri – die bunte Stadt im Norden

Und dann war mein letztes Ziel für heute erreicht: die Stadt Akureyri. Sie ist die viertgrößte Stadt Islands und größte des Nordens, weswegen sie auch gern Hauptstadt des Nordens genannt wird. Akureyri sieht sich selbst gern bunt, freundlich, jung und weltoffen. Supermärkte und Tankstellen findet man eher im Norden der Stadt im Neubaugebiet. Für Touristen und Besucher ist allerdings eher der Süden interessant, im Zentrum und in Hafennähe. Wer sich für Museen interessiert, wird hier sicher was interessantes finden: Spielzeug-, Industrie-, Flugzeug-, Gedenk- und Motorradmuseum. Ein Stadtmuseum darf natürlich auch nicht fehlen und eine Kunsthalle gibt es auch. Ansonsten gibt es über das Jahr verteilt 40 Festivals.

Reisebericht Island Akureyri Wie kann man den roten Ampeln hier böse sein?!

Reisebericht Island AkureyriTrolle und Streetart in Akureyri

Reisebericht Island Akureyri Im Zentrum gibt es zahlreiche Cafes, Restaurants und kleine Geschäfte

Ein paar Sehenswürdigkeiten hat Akureyri auch im Petto. Am bekanntesten ist bestimmt die Kirche, die Akureyrarkirkja. Mit ihren zwei Türmen und ihrer langen Treppe ist sie kaum zu übersehen. Ganz hübsch muss die Orgel sein, die überdimensional sein soll. Bei mir war die Kirche geschlossen, also konnte ich mich nicht selbst überzeugen. Über dem Altar gibt es ein viktorianisches Fenster, welchem man unterstellt es käme aus der Kirche von Coventry in England und wurde aus Schutz vor Luftangriffen der Deutschen während des Krieges hier her geschmuggelt worden. Wirklich belegt ist das allerdings nicht.

Reisebericht Island Akureyri Die Kirche schmiegt sich passend in das Stadtbild Akureyris ein

Reisebericht Island Akureyri Die Kirche ist das Wahrzeichen der Stadt

Einen Blick wert ist natürlich auch der Hafen. Nahe des Hafens gibt es einige hübsche und alte Häuser zu sehen. Ansonten auch das Infozentrum Menningarhús.

Reisebericht Island AkureyriDas Infozentrum Menningarhús

Reisebericht Island Akureyri Ein paar wenige Boote im Hafen

Reisebericht Island Akureyri Aussicht auf die Berge

Reisebericht Island Akureyri Eine Segelschiffskultpur und eine kleine Brücke – hübsch!

Übernachtet habe ich im Apotek Guesthouse*. Es liegt zentral im Zentrum. Parken kann man auf dem nahe gelegenen Stadt-Parkplatz beim Infozentrum. Von hier läuft man aber ein paar Minuten bis zum Guesthouse. Oder man hat Glück und ergattert, wie ich, einen Parkplatz direkt vor der Tür. Diese sind normalerweise kostenpflichtig – außer man kommt nach 16 Uhr und geht vor 10 Uhr. Für mich hat es perfekt gepasst. 

Die Rezeption des Guesthouses ist leer. Dafür liegen ein paar Umschläge auf dem Tisch. Auf einem steht mein Name. Ich checke mich also selbst ein. Das Zimmer ist sehr einfach eingerichtet, aber ausreichend. In einem der oberen Stockwerken gibt es eine große Küche. Die Sonne knallt bis in die späten Nachtstunden auf meine Fensterfront – so wird es richtig kuschlig warm in meinem Zimmer. 

Reisebericht Island Akureyri

Reisebericht Island Akureyri

Ich gehe zeitig schlafen, denn der nächste Tag sollte wieder zeitig beginnen…

Siehe auch:
Teil 3 meines Islands Reiseberichts: Die Halbinsel Snæfellsnes
Teil 5 meines Islands Reiseberichts:Whalewatching in Húsavík und der Diamond Circle

Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route
Sehr hilfreich beim Planen der Reise und beim schreiben der Berichte war der Reiseführer Stefan Loose Island*.

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