Im Teutoburger Wald: Externsteine & Hermannsdenkmal

An einem wunderbaren Samstag war es mal wieder Zeit für eine Tagestour, welche mich zu den Externsteinen in den Teutoburger Wald führten. Die beeindruckenden Steinen die schon seit Jahrtausenden als Kultstätte verehrt wurde, war aber nicht mein einziges Ziel: es ging noch zum Hermannsdenkmal.

Zu den Externsteinen

Es war mal wieder Zeit für eine Tagestour und das Wetter sollte grandios werden. Also setzte ich mich ins Auto und fuhr gen Norden. Genauer gesagt zum Teutoburger Wald. Denn endlich sollte ich den Externsteine einen Besuch abstatten. Dabei handelt es sich um insgesamt 13 markante Sandsteinfelsen, die zu den beliebtesten Natursehenswürdigkeiten in Deutschland gehören. Die Anreise erfolgte unspektakulär. Parken kann man für 3 € Parkgebühr am nahegelegenen Infocenter, aber da ich solche Tagestouren gern mit einer Wanderung verknüpfe und ich mir die 3 € sparen wollte, habe ich etwas abseits (51.860720 N 8.929680 E) geparkt. Von hier aus kann man mit einer einfachen, aber schönen Wanderung starten.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Ein frühmorgendlicher Spaziergang durch einen herrlich ruhigen Wald

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Wandern kann man hier viel: ich habe die orangene Strecke plus einen zusätzlichen Teil hinter den Externsteinen gemacht

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Juhu! Da sind sie! Die Externsteine!

Was für eine grandiose Felsformation! Die Felsgruppe ragt bis zu 47,7m in die Höhe und mehrere 100m in die Länge. Man kann die Steine kostenlos von außen betrachtet – möchte man sie besteigen, wird Eintritt fällig: 3,50 € oder als Kombiticket zusammen mit dem Hermannsdenkmal 4,50 €. Manchmal werden auch spezielle Führungen angeboten. Der Name Externsteinen hat btw. weniger was mit „extern“ im Sinne von draußen/außerhalb von irgendwas zu tun. Man leitet dies von dem niederdeutschen dialektalen Bezeichung für „Egge“ ab, was für einen Gebirgszug steht. „Stein“ war im altsächsischen „Sten“. Und so veränderte sich der Name von „Agistersten“ (Agister, germanisch für scharf, kantig, spitz) (1093) zu „Eghesterensteyn“ (1379) zu „Egestersteine“ (1571) zu „Eggsternstein“ (1598) zu „Egerster Stein“ (1627). Seit 1962 befinden sich die Steine schon unter Naturschutz. Heute umfasst das Naturschutzgebiet 127ha.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Die Geschichte um die Steine ist lang: sie begann vor rund 130 Millionen Jahren, als das Meer des Niedersächsischen Beckens noch an das Münsterländer Festland grenzte. Die Ablagerungen am Meeresgrund verhärteten sich zu Sandstein und durch die Verschiebung der Erdkrusten wurden die Sandsteinschichten im Laufe der Jahre senkrecht aufgestellt. So entstanden nicht nur die Externsteine, sondern auch der Gebirgszugs des Teutoburger Waldes. Quellbäche und die Eiszeit formten die Steine zu dem, was sie heute sind. Funde von u.a. Feuersteinspitzen konnten auf die Altsteinzeit/Mittelsteinzeit um 10.000 v. Chr. datiert werden. Feuerstellen in den Grotten wurden wohl bereits im 6. Jhd genutzt. Man geht auch von einer vorchristlichen Nutzung zur Himmelsbeobachtung aus. In einer Urkunde ist vermerkt, dass die Steine 1093 vom Paderborner Kloster gekauft worden sind, was aber nicht ganz sicher ist. Es gibt zahlreiche Theorien zu der Geschichte und Legenden, die teilweise belegt, teilweise Spekulation sind. Im 17. Jhd wurde hier ein Lustschloss erbaut, welches aber ungenutzt blieb und verfiel und 1810 wieder abgerissen wurde. 1836 wurde der Wiembecketeich aufgestaut. Während des Nationalsozialismus wurde er für Grabungszwecke abgelassen und 1945 wieder neu angelegt.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Zwei der Felsen können über eine Treppe bestiegen werden, der Dritte über die Brücke

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

In den Felsen, die sich nahe des See befinden, gibt es mehrere Grotten: die Kuppelgrotte, die Hauptgrotte und die Nebengrotte. Hier hat man Feuerstellen aus dem 6 Jhd gefunden. Die Feuereinwirkungen haben die Grottenformen z.T. auch noch weiter geprägt. Zu bestimmten Terminen können die Grotten im Zuge einer Führung besichtigt werden – ansonsten sind sie für die Öffentlichkeit geschlossen.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal links: viele steile Stufen; rechts: der Eingang einer Grotte

Hier sehen wir das Kreuzabnahmerelief, das neben den Grotten in den Außenfels gehauen wurde. Es gilt als das älteste in massivem Fels gehauene Steinmetz-Relief nördlich der Alpen. Man ist sich aber nicht ganz sicher, wie alt das Relief ist. Eine Theorie geht davon aus, dass es aus dem 12. Jhd ist und durch den Klosterkauf zur Kreuzzugszeit entstanden ist. Eine andere geht davon aus, dass das Relief viel älter ist (816 – 822) und einen vorchristlichen Hintergrund hat. Einer Deutung nach soll man hier eine umgeknickte Weltenesche sehen. Dies wurde auf Irminsul hindeuten, was die Externsteine zu einem alten Germanenheiligtum machen würde. 

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Der markante Felsen in der Mitte wird aufgrund seines Äußeren als Turmfels bezeichnet. Man kann ihn über eine gebogene Brücke über den Felsen daneben erklimmen. Oben befindet sich fast eine Art kleiner Raum, wo sich neben ein paar kleinen Nischen auch eine Art Podest, evtl. ein Altar befindet. Über dem Altar befindet sich ein kleines rundes Fenster – man geht aufgrund der Ausrichtung davon aus, dass es zur astronomischen Beobachtung und der Aufgangspunkt der Sonne zur Sommersonnenwende genutzt wurde. Ein weiteres Fenster im Nordwesten passt zur Position des Untergangspunkt der Sonne zur Sommersonnenwende. Hier findet man auf dem Felsen auch lauter Münzen – vermutlich sollen sie Glück bringen?!

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Die Brücke führt vom Treppenkopfgipfel zum Kammerkopf

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Der Altar mit dem Sommersonnenwende Loch

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal links: die Brücke; rechts: Über 120 unterschiedliche hohe Stufen muss man bis oben erklimmen

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Hier kann man „Geld zum Fenster raus werfen“ :D

Gegenüber vom Turmfelsen befindet sich der Grottenfelsen. Oben gibt es eine Art Aussichtsplattform. Nicht nur von hier hat man eine grandiose Sicht auf den Teutoburger Wald. 

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Das Münz-Fenster vom Grottenfelsen

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Die Grotten vom Wasser aus gesehen

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Natürlich sind die Externsteine zur Waldpurgis- oder Mitsommernacht ein beliebtes Ausflugsziel. Von esoterischen Gruppen wird der Platz als „Kraftort“ wahrgenommen

Durch den Teutoburger Wald

Für mich ging es noch weiter durch den Teutoburger Wald. Die Wanderung war mit 5,53 km und 185m Auf- und 156m Abstieg (Vom Parkplatz inkl. Besichtigung der Steine) nicht zu anstrengend. Manche sagen dem Waldstück bei den Externsteinen eine besondere, fast mystische Atmosphäre nach. Feinfühlig wie ich bin, ging das an mir vorbei, aber nichtsdestotrotz ist es ein sehr schöner Wald mit schönen ruhigen Wanderwegen. Die Wanderung lief nicht 100% wie geplant ab, da manche Teile wohl zugewachsen sein sollen und ich sie offenbar übersehen habe. Querfeldein nach dem Weg suchend, bin ich aber trotzdem dort gelandet, wo ich hin wollte. 

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Ruhe und idylle: wunderschöne Wanderwege im Teutoburger Wald

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Hier wächst auch in zahlreichen Mengen von der Stechpalme Ilex. Einige geschütze Tierarten haben ihren Brutplatz und Ihren Lebensraum in diesem Wald. Vielleicht ist er doch was besonderes ;-)

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Meine Runde durch den „hinteren“ Teil des Waldes ist vorbei und ich komme wieder bei den Steinen heraus. Gelegenheit, sie noch mal von Hinten zu begutachten. Der restliche Wanderweg führt mich über einen Hügel zurück zu meinem Auto. Eine wirklich schöne Wanderung! Zu empfehlen für alle, die gern ein bisschen Energie verbrennen wollten und die Natur zelebrieren, anstatt bis vor die Haustür zu fahren!

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Rechts oben sehen wir den Wackelstein. Der Weg zwischen den Steinen wurde vor 200 Jahren angelegt

Das Hermannsdenkmal

Damit war mein Ausflug aber noch nicht beendet. Es ging noch weiter zum etwa 10km entfernten Hermannsberg, wo das Hermannsdenkmal steht. Auch hier kann man sich die 3 € Parkgebühr sparen, wenn man etwa 500m vor dem Touristen Parkplatz am „Wanderparkplatz“ hält. Dafür sind die 500m etwas steiler zu erklimmen, aber zu anstrengend war es nicht. Die Miniwanderung mit Denkmal und Spaziergang drum herum war mit 2km und 59m aufstieg keine Völkerwanderung.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Der südlichere Parkplatz war kostenfrei und war mit dem Rundwanderweg A4 eine schöne Kombi

Ich nähere mich dem Denkmal vom hinten: die Kolossalstatue wurde zwischen 1838 und 1875 erbaut. Es erinnert an den Cheruskerfürsten Arminius und die Schlacht im Teutoburger Wald, wo sich die germanische Stämme im Jahre 9 n. Chr. gegen die römischen Legionen stellten und siegten. Das Denkmal hat eine Gesamthöhe von 53,46m (die Figur selbst 26,57m) und ist damit die höchste Statue Deutschlands. Bis zur Erbauung der Freiheitsstatue 1886 war sie sogar die höchste Statue der westlichen Welt. Sie wurde errichtet, als die Deutschen nach der Niederlage durch Napoleon Bonaparte eine nationalie Identität in der germanischen Vergangenheit suchten. So bot sich Arminius als einer der ersten „deutschen“ Einiger an. Der Standort wurde nicht nur gewählt, weil man früher davon ausging, dass die Schlacht im Teutoburger Wald statt gefunden hat, sondern auch aus ästhetischen Gründen: auf der Berghöhe konnte man ihn bereits von weitem sehen. Heute geht man davon aus, dass die Schlacht wahrscheinlich bei Bramsche statt gefunden hat.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Auch ein schöner Rücken kann entzücken 

Die 360° Aussichtsplattform der Statue kann für 3,50 € (oder eben das Kombiticket für 4,50 €) bestiegen werden. Dafür muss man eine nicht allzu hohe Wendeltreppe erklimmen und dann kann man die Aussicht genießen.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Was trägt der Hermann unter seinem Röckchen?

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Die Aussicht auf mehr Teutoburger Wald 

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Von oben: links: eine Plattform mit Figuren, rechts: blick auf den Bismarckstein

In Sichtweite befindet sich der 1895 aufgestellte Bismarckstein. Er wurde zu Ehren des ersten deutschen Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck errichtet.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Bei Ausgrabungen im Jahre 1905 entdeckte man hier auch Pfostenspuren, die eine Vorrömische Ringwallanlage aus dem 3 Jhd v. Chr. bewiesen. Nahe des Bismarcksteins findet man hier eine kleine Rekonstruktion.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Ebenfalls nicht weit entfernt von dem Denkmal befindet sich die Bandelhütte. Hier findet man in einer kleinen Holzhütte lauter Informationen zum Denkmal, zum Bau dieses und über den Erbauer Ernst von Bandel selbst. In den letzten Jahren der Erbauung hat er hier zusammen mit seiner Frau gewohnt.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Ein weitere Erinnerung an Ernst von Bandel – diese Tafel befindet sich auf der terassenartigen Plattform zu Füßen des Denkmals

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Der Hermann streckt sein Schwert gen Westen – etwa eine Mahnung gegen Frankreich?!

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Die Inschrift auf dem Schwert: Deutsche, Einigkeit, Meine Stärke, meine Stärke, Deutschlands Macht; auf dem Schild steht: Treufest

Ich wandere den Grotenburg Weg (Rundweg A4) um das Denkmal herum. Im vergangenen Winter hat es hier wohl richtig ordentlich gestürmt, wordurch viele Bäume umgekippt sind und die Wälder erhielten bis März ein Betretungsverbot. Viele Auswirkungen dieses Sturms konnte man immer noch sehen und immer wieder musste ich über Bäume drüber krackseln. Das hatte fast was abenteuerliches ;-)

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Der Hermann ist von überall präsent

Als letztes komme ich noch an der Waldbühne vorbei – hier befindet sich, mit Blick auf den Hermann, eine kleine Waldbühne mit 999 Sitzplätzen. In den Sommermonaten wird hier viel Kultur angeboten, wie Musikveranstaltungen, Comedyveranstaltungen, aber auch Kinovorstellungen mit Höhepunkten des aktuellen Programmkino.

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal Gerade ist hier nichts los…

Ein letzter Blick auf den Hermann und seine Flügelchen und dann ging es für mich wieder zurück nach Hessen. Fazit: zwei tolle Ziele für einen schönen, gemütlichen Tagesausflug! 

Reisebericht Externsteine, Hermannsdenkmal