Finnland 01 – Eine Frostbeule im hohen Norden

Ich bin zwar eine Frostbeule und wie praktisch jeder bestätigen kann, so gut wie immer am frieren – aber das hält mich nicht davon ab, auch in den hohen Norden zu pilgern. Nach Finnland zum Beispiel. Eine Woche lang ging es mit einem Husky-Gespann durch die Weiten des verschneiten Lapplands. Ob mir irgendwelche Körperteile abgefroren sind, erfahrt ihr hier  :lol:

Reisebericht Finnland

Zeit für ein paar Fakten:

  • Hauptstadt: Helsinki
  • Sprache: finnisch, aber z.T. auch schwedisch
  • Einwohner: 5,4 Millionen Einwohnern
  • Währung: Euro, es gibt keine 1- und 2-Cent Münzen, Beträge werden aufgerundet
  • Strom: 220/230 V – es wird kein Adapter benötigt
  • Trinkgeld: man geht davon aus, das mit der Endrechnung alles beglichen ist – man kann aber Trinkgeld geben, wenn man möchte
  • Zeitumstellung: + 1 Std
  • Beste Reisezeit: Eigentlich das ganze Jahr – je nachdem was man machen möchte ;-)

Reisebericht Finnland Husky Tour

Finnland gehört zu den nördlichsten Ländern der Erde (ein Drittel liegt nördlich des Polarkreises) und den am dünnsten besiedelten Ländern Europas – ein Großteil der Bevölkerung konzentriert sich auf den Süden des Landes. Während es hier Ballungsgebiete gibt, ist der Norden z.T. Menschenleer. Die Hauptstadt ist Helsinki und liegt eher im Süden. Die Kriminalitätsrate ist sehr gering – das Land ist sehr sicher zu bereisen.

In den Polarkreis-Gebieten scheint im Sommer die Mitternachtssonne (d.h. es wird nie vollkommen dunkel) und im Winter herrscht Polarnacht (Kaamos)(die Sonne geht gar nicht oder nur sehr kurz auf). Das Land ist besonders Seenreich, deswegen trägt es auch den Spitznamen „Land der tausend Seen“: man schätzt die Anzahl auf etwa 187.888 Stk.

Unser Tour fand im nördlichen Lappland (auch Finnisch-Lappland, Suomen Lappi) statt. Sie ist die nördlichste Landschaft des Landes und hat nur 183.775 Einwohner (etwa 4% der Gesamtbevölkerung). Der Verwaltungssitz und gleichzeitig größte Stadt ist Rovaniemi.

Es gibt hier zahlreiche Tiere wie Elche, Rehe, Bären, Wölfe aber auch Biber, Polarfüchse und Schnee-Eulen. Die Bestände sind inzwischen stark dezimiert worden, aber es können auch noch Lachse gefangen werden. Natürlich gibt es auch Rentiere – sie sind das Wahrzeichen der Landschaft. Die ca 160.000 Tiere sind halbdomestizierte Nutztiere. Sie laufen das ganze Jahr über frei herum und werden nur im Spätherbst von den Besitzern zusammen getrieben um Schlachttiere auszusuchen.

Ein wenig Geschichte?
Die Besiedlung dieser Gegend datiert man auf 9000 und 6000 v. Chr, als sich die Gletscher der letzten Eiszeit zurück zogen. Da wanderten die ersten Einwanderer aus dem Osten ein. Man geht davon aus, dass sich im Laufe der Jahre die Einwanderer zwischen den Finnen im Süden (die Ackerbau und Viezucht betrieben) und den Samen (die jagdten) im Norden aufteilte. Durch verschiedene Ereignisse nahm die Anzahl der Bewohner im Lappland immer wieder zu und ab. Im 19. Jahrhundert nahm die Bevölkerung rapide zu, was den Bevölkerungsanteil der Samen immer weiter zurück gehen ließ. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert entdeckte man die Holzindustrie in Lappland und der bisher weglose Norden wurde an das Straßennetz angeschlossen. 1917, mit der finnischen Unabhängigkeitserklärung wurde Lappland zu eine selbständigen Teil von Finnland.

Die Urbevölkerung Lapplands ist das Volk der Samen und btw. das einzige Indige Volk der Europäischen Union. Heutzutage gehören sie zur Minderheit und Ihnen stehen daher besondere Minderheitsrechte zu. Während es insgesamt (mit Schweden, Norwegen, Russland und Finnland) heute noch etwa 60.000-100.000 Samen gibt, sind es in Finnland nur noch rund 6.000. Davon leben etwa 4.000 im Nordteil Lapplands. Die Sprache wurde inzwischen von vielen Samen aufgegeben – man geht davon aus, dass nur noch die Hälfte samischsprachig ist – da die verschiedenen Mundarten die Kommunikation so schwierig machte.

So. Da stand ich also. Samstags am Frankfurter Flughafen. Mit 6° noch recht kuschelig. Mit einem befreundeten Pärchen hatte ich eine Tour gebucht. Mit dem Flieger (FinnAir ) ging es zunächst von Frankfurt aus nach Helsinki.

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Ankunft in Helsinki. Ein kleiner, aber feiner Flughafen

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Das Essen war hier ziemlich teuer. Also gab es für uns eine sehr skandinavische Chinesische Nudelsuppe  :lol:  und eine äußerst großartige Zimtschnecke

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Kurz darauf ging es dann weiter Richtung Kittilä

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Dort kamen wir etwa gegen 18.30 Uhr an. Ein noch kleinerer Flughafen. Hier ist aber immerhin auch der „Ausguck“ weihnachtlich geschmückt  :kicher:

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Wir wurden von einem Sammeltransfer eingesammelt und ca 45 Min später sind wir in unserer Lodge, das Äkäskero Nature Resort, angekommen.

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Der Eingangsbereich – die komplette Lodge war aus Holz. Sehr rustikal.

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Hier kontne man auch schon einen Schlitten näher in Augenschein nehmen…

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In diesem Raum gab es Essen und hier hat man eigentlich auch immer jemandem zum Quatschen gefunden

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Der Flur  :mrgreen:

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Hier wurden wir bereits von unseren anderen Tour-Kollegen (wir waren insgesamt, ohne Guide 6 Leute) freudig erwartet – denn ohne uns gab es kein Essen  :mrgreen: – also schnell das Gepäck aufs Zimmer gebracht. Ich hatte ein Einzelzimmer. Es war sehr klein und spartanisch eingerichtet – aber es war alles da was nötig war.

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Es gab ein einfaches, aber leckeres Essen: zunächst irgendeine Creme mit Brot, einen Tomaten-Salat, Kartoffelsuppe und Elch-Geschnetzeltes mit Klößen. Als Nachtisch gönnte man uns Panna-Cotta mit Blaubeeren.

Zur Einstimmung gönnten wir uns auch eine Flasche Bier. Es gab zur Auswahl Lapin Kulta (Gold aus Lappland) und Karhu – mit ca 5 € pro Flasche kein Schnäppchen. Aber wir sind ja in Skandinavien. Ich habe mich die Woche an das letztere gehalten.

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Nach dem Essen gab es eine kleine Touren-Besprechung und dann waren wir frei. Wir haben außerdem unsere Ausrüstung für die „extreme Kälte“ bekommen. Diese bestand aus Winterstiefeln mit Innenschuhe (extra eine Nummer größer, damit man Platz für mind.  2 Paar Socken und etwas Bewegung hat), dicken Handschuhen und einer Mütze mit Fell. Natürlich außerdem noch einen hocherotischen ganz Körperanzug. Diesen sollte man eigentlich auch eine Nr. größer tragen. Da Größe M derzeit aus war, gab man uns zunächst Gr. L. Das war aber sooo meeega groß  :lol: Das ging gar nicht – also probierten wir unser Glück mit S und das war dann auch super.

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Nach einem kurzen Spaziergang um die Lodge herum haben wir den Abend ganz gemütlich ausklingen lassen.

Am nächsten Tag sollte es dann richtig los gehen. Um 7 Uhr gab es Frühstück (welches nicht weltbewegend war, aber völlig ausreichend). Ich wurde direkt morgens von der Rezeption-Dame angesprochen, das man draußen Nordlichter sehen könnte – aber nur ganz schwache. Also raus geflitzt, aber es war leider nicht so richtig „ich-hab-Nordlichter“-gesehen. Sie waren sehr sehr schwach und kaum zu sehen.

Um 8 Uhr brachte uns der Bus zur Huskyfarm, die zu der Lodge und der Tour gehört. Es ist noch völlig dunkel (es hat immer erst gegen 10 Uhr gedämmert) fahren wir die verschneiten Straßen entlang – ein wunderschönes Bild.

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Dann sind wir da und werden von unserem Guide Sasha in empfang genommen. Er spricht englisch (die meisten anderen aus der Lodge und der Farm sprechen deutsch, da das ganze von ausgewanderten Deutschen gegründet wurde) und gibt uns eine kurze Einführung wie der Schlitten und das Ganze funktioniert. Dann bekommen wir unsere Teams zugewiesen. Es gab 7 Teams und ich war Nr. 6.

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„Musher“ nennt man btw. die Menschen, die die Hundeschlittengespanne lenken. Der Schlitten wird nur durch gerufene Kommandos und einfache Bewegungen (z.b. nach links/rechts lehnen) und einer Bremse gesteuert.

Von unserem Reiseanbieter hatten wir ein kleines Buch mit unseren Reiseunterlagen bekommen. Hier erfährt man bereits vorab viele allgemeine Infos und das wichtigeste um sich in Stimmung zu bringen. Gibts natürlich auch auch so, z.B. bei Amazon *.

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Pro Team gibt es 4 fleißige Kerlchen. Meine Hunde sind wie ein wuseliger Haufen Flöhe auf Dope (und gar nicht so einfach zu fotografieren, da sie immer weg geguckt haben wenn ich abgedruckt habe). Alles Husky Hunde (es sind nicht immer alles Huskys) – und mehr werde ich dazu nicht sagen, denn ich habe von Hunden keine Ahnung :-D

Quest (Geboren 2012): mein kleiner „Kampfhund“ – der stärkste in der ganzen Runde. Ein fieses kleines Energiebündel, der mich echt fertig gemacht hat. Btw. der einzige Herr in der Runde  :mrgreen:

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Leni (Geboren 2011), eine ganz liebe, verspielte Hündin, die den treuen „Kuschel-Mich“-Blick echt gut drauf hatte…

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Zora (Geboren 2013) mein Lieblingshund in der Woche. So eine hübsche und treue kleine Wurst – hier gerade etwas müde. Ständig am rum hüpfen. Hat besonders gern sämtliche Leinen verknotet und mich damit in den Wahnsinn getrieben.

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Wolga (Geboren 2013) war wirklich eine verrückte Irre. Sie hatte zwei verschiedene Augenfarben und ist immer abgegangen als… naja… wäre sie verrückt :D

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In der Husky-Farm haben über 500 Hunde ihr zuhause. Es gibt neben einer eigenen Krankenstation für die Hunde auch eine Schlittenwerkstatt, wo das Team seine eigenen Schlitten in Handarbeit herstellen. Diese Schlitten sind extra für den Tourismus gedacht und leichter zu fahren.

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Man zeigt uns, wie wir die Hunde in das Geschirr bekommen und sie an den Schlitten kommen. Wenn sie einmal angeleint sind, muss man sie etwas unter kontrolle halten, denn sonst springen sie wild umher und die Leinen verheddern sich. Dazu wird laut gebellt und gezappelt wo es geht. Aaargh! Gar nicht so einfach. Ich war an diesem Punkt schon fix und fertig  :roll: :lol:

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Dann startet der Guide mit seinem Schlitten und einer nach dem anderen folgt. Und dann stehe ich da plötzlich auf meinem Schlitten. Die Hunde haben aufgehört zu bellen und man hört nur noch ihr keuchen und das Knirschen des Schnees unter den Kufen. Traumhaft. Wir machen zur Einführung einen Trail von ca 30km und kommen danach zur Husky-Farm zurück.

Wir sind etwa 3 Std unterwegs und es klappt soweit alles super. Ich war vorher etwas nervös, ob ich das alles hinbekommen würden – ich alter Schussel xD – aber es war eigentlich super easy. Meine Hunde sind richtig fit und ich muss die ganze Zeit fies auf der Bremse stehen, damit sie nicht außer Rand und Band jeden vor mir über den Haufen rennen.

Leider konnte ich während der Fahrt kaum Fotos machen, da man sich fest halten muss und meine Spiegelreflex zu kompliziert gewesen wäre für zwischendurch mal schnell. Die Landschaft war aber wirklich ein Traum. Der Himmel war wie gemalt. Als es zu dämmern begann und es langsam hell wurde, war der Himmel in einem putzigen schweinchenrosa getaucht.

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Bei einer kurzen Pause konnte ich dann ein paar Fotos machen. Der Schlitten wird – wenn man absteigt – mit einem Schnee-Anker gesichert. Wenn die Hunde ohne dich starten sind sie weg  :mrgreen: Zora hüpfte wieder die ganze Zeit über Leni drüber und es gab Leinen-Salat der wieder in Ordnung gebracht werden sollte. Dann löst sich der Schneeanker (es sollte noch einen Moment dauern, bis ich den gebrauch dieses höchst wichtigen Utensils korrekt beherrschen sollte :lol: ) und die Hunde denken, sie haben ihre Chance zur wilden, ungebremsten fahrt. Ich rette die Situation mit einem mehr oder weniger eleganten Hechtsprung auf den Schlitten drauf  :roll: :mrgreen:

Es fängt an zu dämmern (ca 14 Uhr) und wir kommen wieder an unserem Ausgangspunkt an. Die Hände und Füße sind inzwischen gefroren und tun langsam richtig weh. An diesem Tag hatten wir -25° – dies sollte auch unser kältester Tag werden. Die Hunde werden befreit und haben Feierabend.

Zum Aufwärmen geht es in eine kleine beheizte Hütte, wo es warme Getränke und eine heiße Suppe gibt. Das tut nach der ganzen Kälte richtig gut. Danach werden noch schnell die Hunde gefüttert und der Bus bringt uns zurück zur Lodge.

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Auf dem Rückweg sehen wir einige Rentiere die auf der Straße rum lungern. Die sind da wohl gerade Nachts und in der Dämmerung auf den Straßen ein Problem.

Zurück in der Lodge gibt es erstmal einer lange und ausgiebige dusche. Danach packe ich meinen Kram für die in den nächsten Tagen kommenden Wildnis-Tour. Das Gepäck sollte nicht mehr als etwa 6 kg wiegen. Alle Akkus werden nochmal aufgeladen, den unterwegs werden wir keinen Strom haben. Dann folgt wieder das Abendessen: Brot mit Gurkencreme, Tomatensuppe, Weißkraut-Salat, Lachs mit Reis und Gemüse. Als Nachtisch Eis mit Brownies. Sehr lecker.

Danach sind wir alle sehr müde und es ging zeitig ins Bett. Da es auch bereits sehr früh dunkel wird, ist der eigenen Rythmus ein wenig durcheinander.

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