Elsaß 4 – Burgen und Aussichten bis nach Mülhausen

Unser letzter Tag im Elsaß war gekommen, aber natürlich hatten wir uns noch ein paar hübsche Ziele raus gesucht, bevor es wieder zurück in die Heimat gehen sollte. Ein letztes mittelalterliches Dörfchen, mehrere Ziele in der Natur – ein schöner Abschluss für unseren Roadtrip!

Eguisheim – klein, aber richtig fein!

Eine weitere Perle des Elsaß erwartete uns in dem hübschen Weinstädtchen Eguisheim und seiner historischen Altstadt. Equisheim liegt inmitten zwischen den elsässischen Weinbergen und hier sind zahlreiche Winzerbetriebe ansässig –  zwei der besten Weine dieser Region werden hier produziert. Auch über mangelnde Blumendekoration kann man sich hier nicht beklagen – die Stadt hat sogar eine Auszeichen des Village fleuris mit vier Blüten erhalten.

Reisebericht Elsass ColmarDas hübsche Rathaus der Stadt Eguisheim 

Die historische Altstadt ist kreisförmig angeordnet, mit der Burg Egisheim in der Mitte. Die Gassen drum herum laden zum spazieren ein, denn sie sind einfach bezaubernd und wirken wie aus einer anderen Welt. Man sollte nicht verpassen, gerade den südlichen Gassen einen besuch abzustatten (Rue du Rempart).

Reisebericht Elsass ColmarIst das nicht zauberhaft?

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Reisebericht Elsass ColmarInteressante Dekoration gibt es hier auch

Wir stoppen bei der Église Saints-Pierre-et-Paul d’Eguisheim. Nachdem die vorherige Kirche für die stark gewachsene Bevölkerung zu klein wurde und 1787 sogar Teile während eines Gottesdienstes einstürzten, sollte die Kirche erneuert/neu errichtet werden. 1809 wurde die neue Kirche fertiggestellt. In dieser Kirche kann man auch einer Schreinmadonna einen Besuch abstatten. Diese ist eine der letzten elsässischen Jungfrauen aus Holz, die man öffnen kann. Klingt seltsam – ist aber so. Sie stammt aus dem 13. Jhd.

Reisebericht Elsass ColmarAuch die Kirche hat zwei Storch Nester zu bieten

Reisebericht Elsass ColmarAnlässlich des 900. Todestag des Papstes Leo IX. Hat die Kirche 1954 neue Kirchenfenster bekommen

Reisebericht Elsass ColmarDas Mittelteil der Schreinmadonna zeigt einen Strahlenkranz mit Glorienschein und Hostie

Als nächstes geht es zum Schloßplatz, wo die St. Leo-Kapelle und die Burg Egisheim auf uns warten. Die achteckige Wasserburg befindet sich genau in der Ortsmitte. Wann die Burg errichtet wurde ist unklar. Seit dem 19. Jhd ging man davon aus, dass die Burg Egisheim der Geburtsort des Papstes Leo IX gewesen war, allerdings gibt es dafür keine eindeutigen Nachweise. Da man aber um 1890 davon ausging, wurde ihm zu Ehren die St. Leo-Kapelle errichtet, die sich im Hof der Burg befindet. Die romanisierte Kapelle beherbergt eine Reliquie mit einem päpstlichen Schädelstück des Stadtpatrons und der Tag des heiligen Leo (19. April) wird jedes Jahr besonders festlich in Eguisheim gefeiert.

Reisebericht Elsass ColmarDer Schlossplatz – auf dem Brunnen steht eine Statue des Papst Leo IX.

Reisebericht Elsass ColmarDie Burg mit Blick auf den Hof und die Kapelle

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Reisebericht Elsass ColmarWer sieht hier noch Eistüten? 

Reisebericht Elsass ColmarDie Burg mit ihrem achteckigem Bergfried

Reisebericht Elsass ColmarDas hat fast ein wenig südländischem Flair

Die Drei Exen 

Von Eguisheim ist es nicht weit bis zu unserem nächsten Ziel: Die Route des 5 Châteaux – die Straße der 5 Burgen. Auf einer 11km langen und kurvenreichen Route kann man von Süden nach Norden durch die Berglandschaft westlich des Rheintales fahren. Da wir allerdings nicht so viel Zeit hatten und zwei dieser Burgen nur über eine längere Wanderung zu erreichen sind, haben wir uns auf die „Donjons d’Eguisheim“ oder auch die „Drei Exen“ konzentriert. Oberhalb von der kleinen Ortschaft Husseren-les-Chateaux parken wir auf dem Wanderparkplatz. Von hier aus folgt eine etwa 10 Minütige Wanderung. Oben angekommen findet man die drei Burgruine in unmittelbarer Nähe: Burg Dagsbourg, Burg Wahlenburg und Burg Weckmund.

Reisebericht Elsass ColmarVom Parkplatz geht es ein wenig bergauf bis man die Burgen erreicht hat

Als erstes sehen wir uns die Burg Weckmund an. Sie wurde im 12. Jhd als Turm erbaut, um den Eintritt zur den weiteren Burg zu verhindern. Nach dem Tod der letzten direkten Nachkommen des Grafen von Eguisheim, waren die Ferretten die nächsten Erben. Der Bischof von Straßburg beanspruchte allerdings auch das Erbe und zogen in den Krieg. Daher tat sich der Graf von Ferrette mit Heinrich, dem König von Deutschland zusammen.

Reisebericht Elsass ColmarDie Burg Weckmund besteht eigentlich nur aus einem Turm

Reisebericht Elsass ColmarEin geheimnisvolles Loch führt ins Innere…

Danach war die Burg Wahlenburg dran. Sie ist die älteste der drei Burgen und wurde im Jahre 1006 von dem Grafen von Eguisheim errichtet. 1026 wurde sie vom Herzog von Schwaben zerstört.

Reisebericht Elsass ColmarDie Burg Wahlenburg mit Blick auf Teile der Dagsburg

Reisebericht Elsass ColmarDieser kleine Kollege kreuzte unseren Weg

Als letztes die Burg Dagsbourg – sie wurde um 1144 erbaut und ist die jüngste der drei Burgen. Nachdem Krieg zwischen dem Erben Graf von Ferrette und dem Bistum Straßburg ging diese Burg an den Bistum Straßburg über und blieb es bis ins 15. Jhd. Dann ging die Burg an den Ritters Peter von Egisheim über, der über eine Nebenlinie ein Nachfahre des Papstes war. 1466 gewährte er Hermann Klee Asyl, der mit der etwa 35km entfernten Stadt Mülhausen wegen einer Geldforderung im Streit lag. Das war der Auslöser für den Sechs-Plappert-Krieg, während dem die Burg erobert und zerstört wurde. Seitdem ist die Burg eine Ruine.

Reisebericht Elsass ColmarDer Turm der Burg Dagsbourg

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Reisebericht Elsass ColmarÜberreste der Burgen

Reisebericht Elsass ColmarDie Aussicht von hier oben ist auch nicht schlecht

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Etwa 6km weiter liegt die Hohlandsbourg und weitere 2km weiter die Ruine Pflixbourg.

Auf dem Grand Ballon in den Vogesen

An unserem nächsten Stop hieß es ein wenig wandern, denn es ging zum Grand Ballon Vogesen. Mit seinen 1.424m ist er der höchste Berg der Vogesen und natürlich hat man von hier oben eine grandiose Aussicht auf die Rheinebene mit Mülhausen, Basel, sogar bis zu dem deutschen Freiburg und dem Schwarzwald. Bei günstiger Sicht kann man sogar bis zu den Alpen sehen. Am Fuß des Gipfels gibt es einen Parkplatz mit Restaurant, von wo man aus den Anstieg beginnen kann. Über verschiedene Wege hat man die Möglikchkeit nach oben zu wandern. Es geht zwar fast durchgängig bergauf, aber war ansonsten nicht besonders schwierig.

Reisebericht Elsass ColmarEine kurze, knackige Wanderung zum Gipfel des Grand Ballon

Reisebericht Elsass ColmarBei uns war es zwar nicht sehr klar, aber die Aussicht war trotzdem grandios

Auf dem Gipfel angekommen, kann man – neben der Aussicht – zwei Sachen entdecken: Einmal das Denkmal für die Blauen Teufel (frz. Diables bleus) von 1927 – in Erinnerung an ein Gebirgsjägerbataillon des Ersten Weltkrieg. Das Denkmal wurde 1940 von den Deutschen zerstört und war im Oktober 1960 wiederhergestellt worden. Zum Zweiten gibt es hier seit 1997 eine Radarstation, die die Flughäfen von Straßburg und Basel-Mülhausen beim Anflug von Flugzeugen unterstützt. Rund um die Station befindet sich eine Aussichtsplattform, von der man die Aussicht ganz besonders genießen kann.

Reisebericht Elsass ColmarDas Denkmal für die Blauen Teufel

Reisebericht Elsass ColmarDie Radarstation mit ihrer Aussichtsplattform

Reisebericht Elsass ColmarVon der Aussichtsplattform kann man die Aussicht richtig genießen

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Reisebericht Elsass ColmarDie Mitte der Radarkuppel befindet sich auf 1.435m Höhe

Reisebericht Elsass ColmarNachdem wir alles erkundet haben, ging es wieder zurück

Burg Engelsburg mit dem Hexenauge

Unser Elsaß Roadtrip näherte sich langsam dem Ende. Unser letzter geplanter Stop war bei der Burg Engelsburg (Château d’Engelbourg), die besonders für ihr Hexenauge (l’Œil de la Sorcière) bekannt ist. Die Burg wurde um 1224 von Graf von Ferette errichtet. Damit wollte er den Zugang zum Thurtal kontrollieren. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg schwer beschädigt und 1673 wurde sie teilweise abgerissen und abgetragen, da sie nicht mehr von strategischem Interesse war. Der Hauptturm zerfiel und ein großes Stück fiel auf die Seite, der Stadt Thann entgegen. So entstand das Hexenauge, welches die Stadt zu fixieren scheint und zu einem Wahrzeichen geworden ist.

Reisebericht Elsass ColmarDie Ruinen der Burg mit dem Hexenauge

Reisebericht Elsass ColmarVon der Stadt Thann aus sind wir direkt zur Ruine gewandert, aber sie schien durchaus auch Sehenswert zu sein

Reisebericht Elsass ColmarDie Aussicht auf das Tal ist auch nicht schlecht

Die Burg kann von der Stadt Thann aus über einen steilen und ein bisschen abenteuerlichen Zugang in etwa 15min oder über eine etwa 30 minütige Wanderung durch die Weinberge erreicht werden. Oben angekommen, kann man die Ruine und das Hexenauge erkunden und hat eine gute Aussicht auf das Tal und die Stadt Thann.

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Reisebericht Elsass ColmarEs benötigte 3 Versuche bis es gelang, den Turm zu sprengen

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Reisebericht Elsass ColmarDie Burg kann kostenfrei auf eigene Faust erkundet werden – im Sommer werden aber auch Führungen angeboten

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Mülhausen – die Industriestadt des Elsaß

Eigentlich war unsere Tour damit beendet, aber da wir eh Richtung Mülhausen zurück nach Deutschland wollten, haben wir hier auch noch einen kurzen Stop einlegt. Mülhausen liegt im Dreiländereck Frankreich, Deutschland, Schweiz und wurde das erste Mal im Jahr 803 erwähnt. Das Stadtwappen ziert eine Mühle, die der Stadt auch ihren Namen zu verdanken hat. Im 18. Jhd gewann die Stadt mit chemischen und mechanischen Industrien an Bedeutung und Mülhausen entwickelte sich zu einer erfolgreichen Industriestadt. Auch heute noch haben viele französischen Industrieunternehmen ihren Standort in Mülhausen. Auf den ersten Blick hat mich die Stadt wenig überzeugt, doch wenn man ein wenig sucht, findet man auch hier einige Sehenswerte Ecken.

Reisebericht Elsass ColmarBlumen gibt es hier zwar auch, aber deutlich weniger als in den anderen elässischen Ortschaften

Wir sind zum Place de Reunion spaziert, der das Herz der Altstadt darstellt. Schon im Mittelalter war hier das Zentrum des Lebens in Mülhausen und es fanden hier auch Messen und Märkte statt. Der mit alten Häusern gesäumte Platz ist der älteste Platz der Stadt und wurde in den 90er Jahren vollständig restauriert. Dabei konnte der frühere Zustand mit Pflaster aus Vogesensandstein wieder hergestellt werden.

Reisebericht Elsass ColmarDie Place de Reunion mit Karussell und Brunnen

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Nicht zu übersehen ist natürlich die prächtige Kirche St. Etienne. Die protestantische Kirche wurde zwischen 1858 und 1868 anstelle einer Kirche aus dem 12. Jhd errichtet. Besonders hervorgehoben werden hier die Glasfenster aus dem 14. Jhd, die aus der früheren Kirche übernommen wurden. Diese Fenster stellen 88 Szenen aus der Geschichte der Erlösung dar.

Reisebericht Elsass ColmarDank ihres 97m hohen Glockenturms wird sie auch gern „Dom von Mülhausen“ genannt

Reisebericht Elsass ColmarEiniges aus der wertvollen Innenausstattung stammt noch aus der Vorgängerkirche

Reisebericht Elsass ColmarDank des ganzen hin und hers ist auch die deutsche Sprache im Elsaß immer wieder präsent

Auch sehr schön anzusehen ist das Historisches Rathaus. Es wurde 1552 erbaut und zählt als Schmuckstück des rheinischen Renaissancestils. Mit dem Bau wurde die Treue der kleinen Republik zu ihren Freiheiten zum Ausdruck gebracht. Die Fresken an der Außenfassade wurden erst 1699 hinzugefügt – sie stellen die durch die reformierte Religion gepriesenen Tugenden dar und die Schweizer Kantone, mit dem die Stadt verbunden war.

Reisebericht Elsass ColmarIm Inneren des Alten Rathauses befindet sich heute das historische Museum

Reisebericht Elsass ColmarEin interessanter Aufbau auf der Place de Reunion

Von weitem werfen wir noch einen Blick auf die Tour de l’Europe, der mit 100m höhe der höchste Wolkenkratzer im Elsaß ist. Er wurde zwischen 1969 bis 1972 erbaut und gilt als das moderne Wahrzeichen der Stadt. Die Aussicht von da oben muss wirklich grandios sein!

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In der Auberge Du Vieux Mulhouse haben wir uns ein letztes mal ein leckeres elässisches Essen gegönnt (diesmal ohne Foto, denn es gab schon wieder Flammkuchen, ups! Nom nom ;-). Das Restaurant wirkt zwar recht touristisch, aber trotzdem war das Essen lecker und es ging auch recht schnell. Vollgefuttert sind wir zurück zu unserem Auto gewatschelt und haben uns auf die Rückfahrt in die Heimat gemacht.

Fazit Elsaß

Obwohl wir so viel gesehen haben, hat das Elsaß so viel mehr zu bieten und man könnte wohl noch einige Tage mehr in der Region verbringen. Auch wenn sich vieles wiederholt (ich gebe zu, gegen Ende ist mir die Beschreibung der einzelnen Dörfer und Städtchen recht schwer gefallen, weil gefühlt bei allen mehr oder weniger dasselbe gesagt wird), hat jede Ortschaft ihren eigenen Charme und ist sehenswert. Die hübschen Fachwerkhäuser, die kleinen Gässchen, Flüsse mit hübschen Brücken und die zahlreichen Blumen entführen einen in eine eigene, kleine „mittelalterliche“ Welt. Für uns aus Mittel/West-Deutschland braucht man auch nur wenige Stunden dorthin, was es zu einem perfekten Ausflugsziel macht. Ich werde mir sicherlich noch das ein oder anderen Ziel dort rauspicken und wieder kommen.

Siehe auch:
Teil 3 meines Elsaß Reiseberichts: Von Riquewihr, über Kaysersberg nach Colmar
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route

Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)