Eine stürmische Nacht in der Sächsischen Schweiz

Im Oktober stand unser jährliches Treffen in der Sächsischen Schweiz an und ich zog wieder gen Osten. Wir hatten uns ein besonderes Ziel auf unserer Route ausgesucht, das ich unbedingt sehen wollte. Der Termin für Mitte Oktober stand bereits länger und waren überrascht, wie angenehm warm und sonnig es noch war. Normalerweise hat es in der Sächsische Schweiz in den letzten Jahren immer geregnet und war kalt. Das hat mich sehr gefreut, vor allem da der goldene Herbst meine Lieblingsjahreszeit ist.

Jetzt wo die Afrika- und Weihnachtsbeiträge online sind, kommen noch ein paar Nachzügler aus dem Herbst. Da hat sich noch ein bisschen was angesammelt, was jetzt nach und nach kommen wird.

Eine Nacht in einem Steinbruch

Lange Rede, kurzer Sinn. Wie es die Tradition verlangt, wurde der Freitag Abend noch im Erzgebirge verbracht. Da für diesmal kein Regen angesagt war, konnten wir ein bereits vor einigen Jahren geplantes Ziel anpeilen. Ein stillgelegter Steinbruch. Als wir die Location erreichen, ist es bereits dunkel und ich kann nur erahnen, wie es hier aussieht. Aber es ist unglaublich idyllisch. Die Sterne funkeln über uns und sind gut sichtbar – wir können sogar einen Hauch der Milchstraße erkennen. Irgendwo rauschte ein Fluss und der Wind weht sanft durch die Bäume. Nachdem wir ein wenig gegrillt haben, machen wir uns ein kleines Feuer. Bei einem leckeren Wein sinnieren wir über Gott und die Welt und kriechen erst recht spät in unsere Schlafsäcke. Es ist auch überhaupt nicht kalt…

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Ein kleines Feuer auf einer Einweg-Grill-Schale

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Wir haben Feuer gemacht!

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Außerdem haben wir uns leckeren, heißen Grog gemacht

Spannend wurde es dann am nächsten Morgen. Ich wache auf, als es langsam hell wird. Vögel zwitschern. Es liegt Tau auf dem Boden. Unsere Schlafsäcke sind nass und es ist unglaublich kalt geworden. Das mit der Kälte könnte auch daran liegen, dass ich meine Isomatte vergessen hatte und ich mit meinem Schlafsack direkt auf dem Boden geschlafen habe (Also, immer eine gute Isomatte dabei haben!). Ich krieche aus meinem Schlafsack und erkunde den Steinbruch, während sich langsam die Sonne dazu gesellt. In der Mitte befindet sich ein kleiner See – der so ruhig da liegt, dass sich die steinigen Wände perfekt in ihm spiegeln. Wunderschön.

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Der Steinbruch am frühen Morgen – endlich kan ich ihn bei Tageslicht sehen

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Eine Wasserfläche wie ein Spiegel

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Wie es bei einem Steinbruch zu erwarten ist, liegen hier auch noch viele Steine herum

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Unser Schlafplatz (und nein, wir haben nicht auf den Steinen geschlafen ;-)

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Die Sonne kommt langsam auch dazu…

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Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Der See ist teilweise schon recht tief, aber das Wasser ist sehr klar!

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Pilze gibt es hier auch!

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Tschüß Steinbruch, es war sehr schön bei dir!

Der Steinbruch ist wirklich ein magischer Ort und unsere erste Nacht im Freien (für dieses WE) war einfach fantabulös. Gefühlt komplett alleine, ist man umgeben von so viel wunderschöner Natur. Sehr schade fand ich allerdings, das z.T. viel Müll rum gelegen hat. Wer kommt denn an so einen Ort und lässt dann seinen Müll liegen?! Frei nach dem Motto „Hinterlasse nichts außer Fußabdrücke, nimm nichts mit außer Eindrücke“ sollte man immer, immer, _immer_ seinen Müll mitnehmen! OK. Genug gepredigt. 

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Vom Erzgebirge in die Sächsische Schweiz

Da wir noch etwas Zeit hatten, bevor es in die Sächsische Schweiz gehen sollte, haben wir einen kurzen Stop in Freiberg gemacht. Die kleine Stadt hat einen historischen Stadtkern und eine 800 Jahre alte Bergbau Geschichte, die die Stadt sehr geprägt hat. Der Name lässt sich von der Bergfreiheit – das Schürfrecht für jeden Zuwanderer – ableiten. Im Mittelalter war Freiberg eine wohlhabende Stadt, denn die Umgebung war für ihren Silberreichtum bekannt. Heute ist die Stadt u.a. für die älteste Bergakademie weltweit bekannt.

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Der Fortunabrunnen stellt die Glücksgöttin Fortuna da, die auf einem Lebensbaum sitzt und Wasser
des Glücks aus ihrem Füllhorn plätschern lässt

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Wir haben einen kleinen, spontanen Rundgang in der historischen Innenstadt gemacht

Wir erreichen den Obermarkt, ein historischer Platz. Der rechteckige Platz ist gesäumt von hübschen Häusern. Nicht zu übersehen ist das Rathaus – eines der wichtigsten historischen Gebäuden von Freiberg. Das Gebäude wurde 1410 errichtet, aber seitdem wurden viele Umbaumaßnahmen vorgenommen. In der Mitte des Platzes befindet sich das Brunnendenkmal von 1897, der Otto den Reichen – den Stadtgründer – zeigt. Ansonsten erwähne ich hier noch den Ratskeller mit einem auffälligen Torbogeneingang. Seit 1880 befindet sich in dem Gebäude eine Gaststätte. Errichtet wurde es 1545/46 und war zunächst ein kleines Kaufhaus.

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Es ist übrigends eine Tradition, dass Freiberger Studenten die Löwen vom Brunnendenkmal „reiten“ 

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Freibergs Zentrum hat das ein oder andere hübsche Detail in petto

Als nächstes kommen wir am Schloss Freudenstein vorbei. Es wurde 1312 ursprünglich noch als Burg errichtet, zum Schutz des Silberbergbaus. Es wurde immer wieder erweitert und umgebaut. 1577 war der Umbau in ein Renaissance Schloss dann beendet. Später wurde es auch immer wieder für militärische Zwecke benutzt und das Schloss wurde zum Magazin umgebaut – z.B. wurden die Renaissancefenster durch kleine Speicherfenster ersetzt. Seit 2004 befindet sich das Schloss wieder im Besitz der Stadt Freiberg. Heute befindet sich in dem Gebäude ein kleines Restaurant/Cafe und eine Dauerausstellung zu Mineralien.

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Das ehem. Schloss vom Schlossplatz aus

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Der Eingang zur Dauerausstellung und seltsame Fenster

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Ein Relief über den Bergbau befindet sich am Eingang des Schlosses

Nicht weit entfernt von dem Schloss befindet sich der Untermarkt – ein weiterer, wichtiger Platz der Stadt. Die meisten Gebäude an diesem Platz stammen aus dem 16. Jhd. Ein bekanntes Gebäude ist der Dom zu Freiberg, der zu den am reichsten ausgestatteten Gotteshäuser Sachsens gehört. Während des großen Stadtbrandes 1484 wurde die ursprüngliche Kirche aus dem 12. Jhd fast vollkommen zerstört. Nur weniges blieb erhalten, und ein Neubau folgte. Daneben befindet sich das Museum Freiberg im ehem. Domherrenhof. Im Museum kann man historische Blank- und Schusswaffen sehen, wie auch sächsisches Kunsthandwerk.

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Links der Dom, rechts das Museum

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Der Dom zwischen kleinen Straßen

Wer so viel läuft, muss auch mal was Frühstücken. In einem kleinen Cafe habe ich mir eine Spezialität der Region bestellt: die Freiberger Eierschecke. Dieses Gebäckstück, das z.T. aus schaumig geschlagenem Eiweiß besteht, hat sogar eine Geschichte: Eigentlich wurde diese Eierschecke früher mit Quark gemacht. Im 13. Jhd verbrauchte man aber den ganzen Quark zur Ausbesserung der Freiberger Stadtmauer (verrückt, aber wahr). Da kein Quark übrig blieb, verwendete man mehr von allem anderen – wie z.B. mehr Eier. Die Eierschecke gibt es in verschiedenen Variationen, wie mit z.B. Rosinen, Mandeln, Schokolade oder oder…, und ist überwiegend nur in Sachsen bekannt. Mir hat sie sehr gut geschmeckt!

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Mmh, lecker! Eierschecke und heißer Kakao

Wir haben dann Freiberg verlassen. Auf dem Weg in die Sächsische Schweiz sind wir quer durchs Erzgebirge gefahren und haben die tolle Aussicht auf die Landschaft genossen. Unterwegs haben wir einen kurzen Stop an der Burg Frauenstein gemacht. Die um 1200 erbaute Burg thront auf einem Felsen bei der Stadt Frauenstein und diente damals zum Schutz der Handelsstraßen und des Silberbergbaus. Sie macht auf jeden Fall eine hübsche Figur auf dem Berg.

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In der Sächsischen Schweiz zur Himmelsleiter

Dann ging es aber schließlich in die Sächsische Schweiz! Geparkt wurde am Lichtenhainer Wasserfall (Aber Achtung: hier muss man fürs parken bezahlen. Man kann aber immer nur für den aktuellen Tag zahlen (es gibt nur Tageskarten). Uns wurde aber von der Gaststätte versichert, dass wir über Nacht stehen bleiben können und morgens nicht kontrolliert wird). Und dann ging es endlich ab in den Wald!

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Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Walddekoration

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Die Sächsische Schweiz – so schön wie eh und je

Unser erstes Ziel war zwar ein kleiner Umweg zu unserer Boofe, aber das war es allemal wert! Wir wollten uns das Felsentor „Kuhstall“ ansehen. Um den Namen ranken sich verschiedene Theorien, z.B. das hier die von der ehemaligen Burg Wildenstein auf diesem Gelände erbeuteten Kühe untergebracht wurden. Sie soll am ende nämlich zu einem Räubernest verkommen sein. Eine andere Theorie ist, dass die Bevölkerung während des Dreißigjährigen Kriegs hier ihr Vieh versteckte. 

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Der Kuhstall ist das größte Felsentor der Sächsischen Schweiz auf der deutschen Seite

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Könnt ihr euch das voller Kühe vorstellen?

Der Kuhstall befindet sich auf dem Neuen Wildstein und ist 17m breit, 24m tief und 11m hoch. Heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel und im Sommer bestimmt sehr gut besucht. Für die, die es gern gemütlich und lecker haben, gibt es um die Ecke auch noch eine Gaststätte. Die Aussicht ist schon mal nicht schlecht. Aber es wird noch besser. Etwas verwinkelt bei dem Kuhstall gibt es eine Treppe, die in einen schmalen Felsspalt eingebaut ist. Die sogenannte Himmelsleiter ist schon ein verrückter Anblick für sich – aber sie führt zu einem Aussichtspunkt, der die Aussicht tatsächlich nochmal toppt! Wer wieder runter möchte (oder sich nicht durch die Felsspalte quetschen möchte), nimmt die normale Treppe auf der Rückseite des Gipfels – so besteht keine Staugefahr. 

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen ein verrückter Anblick: die Himmelsleiter! 

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Von der Aussichtsplattform hat man eine geniale Sicht auf die Sächsische Schweiz

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Wie wunderschön! Ich liebe diesen Ort!

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Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Wie herbstlich kann ein Foto sein?

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Die Sonne beginnt schon unterzugehen – wir müssen uns sputen!

Danach ging es straight zu unserer Boofe. Wir sind zunächst den Neuen Wildstein herunter geklettert um kurze Zeit später den Gleitmannsturm wieder hinauf zu wandern. Aber dann haben wir unsere Boofe erreicht: die Boofe am Nördlichen Gleitmannsturm (N50.91223 E14.26126). Zugegeben, nicht die Boofe mit der schönsten Aussicht, aber dafür nicht ungemütlich!

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Diesmal führen uns normale Treppen vom  Neuen Wildstein herunter

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Tadaaa! Boofe erreicht…

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen … und mit dem Rucksack „markiert“

In der Boofe angekommen musste einer von uns feststellen, dass er seinen Tabak vergessen hat. Oh nein! Wir hatten uns zunächst gefreut, dass wir die Boofe für uns hatten. Als es bereits dunkel war, tauchten aus dem Nichts plötzlich zwei weitere Wanderer auf, die sich zu uns in die Boofe gesellten. Es folgte die obligatorische Frage: „Habt ihr Tabak?“ und die prompte Antwort: „Ja!“ – es folgte eine Spaßfrage: „Habt ihr noch ne Isomatte?“ und die Antwort: „Ja!“ Ende gut, alles gut. Unser Wanderer hatte seinen Tabak und ich plötzlich eine Isomatte! Juhu! (Wir glauben ja im Nachhinein, dass das gar keine Wanderer waren, sondern Ranger. Die materialisieren sich unserer Erfahrung nach nämlich immer dann, wenn ein Wanderer in Not ist ;-)

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Unser Lager – könnte auch das Lager von zwei Pennern sein 

Nun gut. Der Abend verging und irgendwann krochen wir in unsere Schlafsäcke. Es war recht kalt geworden und ein fieser Wind fegte durch die Boofe. Und dieser Wind sollte die ganze Nacht hindurch wehen. Zum Teil sogar recht heftig, dass ich dachte, wir werden mitsamt Gepäck und Schlafsäcken davon geweht. Während ich da so in meinem Schlafsack lag, wurde mir auch eins klar: bei so einem Wind, wird es keinen Nebel morgen früh geben! Dabei sind die Sächsische Schweiz-Nebelfotos doch immer mein Highlight für den nächsten Morgen! Ich war schon etwas traurig, aber auch dafür hatten die Ranger, äh… Wanderer eine Lösung: nicht weit entfernt von unserer Boofe, gibt es einen Aufstieg zu einem Aussichtspunkt und von dort soll man einen hervorragenden Sonnenaufgang als Alternative sehen können. 

Ok, das muss man mir nicht 2 mal sagen. Noch im dunkeln packten wir unsere 7 Sachen und begannen den etwas anstrengenden aufstieg (ächz, wir sind erst 5 Minuten vorher aufgestanden) auf den Gleitmannsturm-Gipfel. Und ja, der Sonnenaufgang war einfach nur…. perfekt! (Achtung, es folgen unzählige Sonnenaufgangsfotos. Das Sortieren war eine Qual!) 

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Angekommen auf dem Gipfel – was für eine Aussicht!

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Hach, die Sächsische Schweiz ist einfach so schön!

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Oh! Da! Ein Licht! Die Sonne kommt!

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Da ist sie! Willkommen neuer Tag!

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Ein Sonnenaufgang über der Sächsischen Schweiz

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Geht die Sonne auf oder geht sie unter?

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Jetzt auch mit Sonnenstrahlen!

Schweren Herzens lösen wir uns dann von dem Sonnenaufgang und wandern zurück in die Zivilisation. Wie es sich gehört querfeldein. Zurück beim Parkplatz hieß es für dieses Jahr wieder abschied nehmen. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr!

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Ein herbstlicher Wanderweg

Reisebericht Sächsischen Schweiz boofen Zurück am Parkplatz Lichtenhainer Wasserfall

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