Die östlichste Stadt Deutschlands – Görlitz

Einen Tag habe ich in Görlitz – die östlichste Stadt Deutschlands – verbracht und war begeistert: die historische Altstadt mit dem Fluss Neiße, direkt an der polnischen Grenze hat mich ein klein wenig verzaubert…

Angekommen in Görlitz

Eine Kollegin erwähnte mal die Stadt Görlitz und das es da eigentlich ganz schön sein soll. Ich dachte mir: Görlitz? Noch nie gehört. Ich habe dann ein wenig das Internet befragt und ja, sieht ganz gut aus – kann man sich mal angucken. Die einfache Strecke von fast 600km ist nicht wenig, da aber mein jährlicher Trip in die Sächsische Schweiz anstand, war das die Gelegenheit beides miteinander zu kombinieren. Also habe ich früher Feierabend gemacht, mich in mein Auto gesetzt und bin gen Osten gefahren. Etwa 5 ½ Std später bin ich in Görlitz angekommen.

Reisebericht GörlitzHübsche Gebäude in der historischen Altstadt von Görlitz

Görlitz liegt direkt an der Lausitzer Neiße, die auch die Grenze zu Polen bildet. Der Fluss trennt die Stadt in zwei Teile auf – so liegt ein Teil auf der deutschen – der andere auf der polnischen Seite. Die eigenständige polnische Stadt nennt sich Zgorzelec. Im 4. bis 5. Jhd wurde diese Region von germanischen Stämmen bewohnt, die das Gebiet dann aber verlassen haben. Im 7. und 8. Jhd richteten sich hier slawischen Gruppen ein. Lange Zeit war die Region von Konflikten zwischen Böhmen, Polen und dem Heiligen Römischen Reich geprägt. Um 1220 entstand die Stadt Görlitz als Handelsplatz. Die Handelsroute „Via Regia“ (Hohe Straße) – eine der ältesten und bedeutendsten europäischen Handelswege – führte durch Görlitz. 1303 bekam sie, als erste Stadt in dieser Region, die Unabhängigkeit vom landesherrlichen Vogteigericht verliehen. 1339 kam noch das Recht für die Färbepflanze „Waid“ dazu und die Tuchproduktion florierte. Görlitz wurde zu einer der bedeutendsten Handelsstadt zwischen Erfurt und Breslau. Der Teil, den wir heute als historische Altstadt kenne, war im 13. Jhd von einer Stadtmauer umgeben und bildet heute den ältesten Teil der Stadt. Noch wohlhabender wurde sie im 15. Jhd unter der Herrschaft des ungarischen Königs Matthias Corvinus, was auch noch bis weit ins 16. Jhd anhielt. Im 19. Jhd erlebte die Stadt dann ihre zweite große Blütezeit und wurde zur reichsten Stadt Deutschlands. Dadurch wuchs die Stadt so schnell an, dass sie über die mittelalterliche Ummauerung hinaus wuchs.

Reisebericht GörlitzEinige Gebäude in Görlitz stehen aber auch leer – manche sind gut erhalten, manche sind verfallener

Glücklicherweise blieb sie im Zweiten Weltkrieg fast verschont. So sind viele Gebäude der historischen Altstadt noch gut erhalten geblieben und man kann hier einige Phasen der mitteleuropäischen Baustile bewundern. Dank großzügiger Spenden (Altstadtmillionen) konnten diese auch entsprechen restauriert werden. Durch solcher Gebäude ist Görlitz auch ein beliebter Filmdrehort (z.B. Die Bücherdiebin, Grand Budapest Hotel, In 80 Tagen um die Welt mit Jackie Chan, Inglourious Basterds) geworden, dem die Stadt den Spitznamen „Görliwood“ verdankt.

Reisebericht GörlitzDie hübsche Neiße mit der gewaltigen Peterskirche 

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Wegen der langen Autofahrt und der späteren Stunde war ich recht müde und habe den ersten Abend mit einem gemütlichen Spaziergang an der Neiße ausklingen lassen. Auf der polnischen Seite habe ich mir in einem Kantor ein paar Złoty getauscht. Meistens kann man in den Restaurants und Geschäfte an der Grenze auch in Euro zahlen, aber natürlich bekommt man hier einen verhältnismäßig schlechten Kurs. Mein Weg führte mich über die Altstadtbrücke, die die deutsche mit der polnischen Seite verbindet. Die heutige Fußgängerbrücke war früher die erste befestigte Überquerungsmöglichkeit der Neiße im Stadtgebiet. Nachdem die Brücke im Mai 1945 gesprengt wurde, wurde die Stadt auf deutsch und polnisch aufgeteilt. 2004 wurde schließlich ein Neubau fertiggestellt. Heute steht sie als Symbol für ein zusammengewachsenes Europa und für die wieder verbundenen Stadtteile.

Reisebericht GörlitzDie Altstadtbrücke 

Reisebericht GörlitzAuf gehts nach Polen!

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Reisebericht GörlitzAbendlicher Spaziergang auf der polnischen Seite

Rundgang durch Görlitz

Mein eigentlicher Tag in Görlitz begann am nächsten Morgen und mein Rundgang sollte an der fast von überall präsenten Peterskirche starten. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und macht mit der Neiße ein richtig schönes Bild. Vermutlich ist sie die älteste Kirche der Stadt. An dieser Stelle gab es bereits eine Burgkirche aus dem 11. Jhd, die mit dem heutigen mächtigen, fünfschiffigen Gebäude überbaut wurde. Der Umbau war 1423 beendet. 1691 wurde sie während eines Brandes schwer beschädigt, aber 5 Jahre später bereits repariert worden. Die großen Türme wurden erste 1891 hinzugefügt. Natürlich sollte man auch einen Blick in das Innere werfen, welches mit einer üppigen Dekoration beeindruckt. Die Kirche ist von 10-18 Uhr geöffnet. Wer fotografieren will, kann sich eine Fotoerlaubnis für 1,50 € (oder 3 € als Kombiticket für die weiteren Kirchen Dreifaltigkeitskirche, Frauenkirche und Lutherkirche – die jeweils 1,5 € kosten würden) kaufen.

Reisebericht GörlitzSchade, das die Türme gerade renoviert werden – die Kirche ist trotzdem hübsch

Reisebericht GörlitzFrühmorgendliche Aussichten

Reisebericht GörlitzDer Ausblick von der Kirche auf die Neiße

Reisebericht GörlitzVon Innen macht die Kirche auch etwas her 

Reisebericht GörlitzHier gibt es einige hübsche Details zu entdecken

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Ich schlendere die Nikolaustraße runter und werfe einen Blick auf den Nikolaiturm. Der 45m hohe Turm gehörte zur ehm. Stadtbefestigung und zum Schutz des nördlichen Stadttores. Bei einem Brand 1717 wurde die vorherige schlanke Spitze durch die barocke Haube ersetzt, die man heute noch sehen kann. Früher konnte der Turm nur über die Stadtmauer und einer außenliegenden Treppe erreicht werden. 1752 wurde ein ebenerdiger Eingang nachträglich hinzugefügt. Heute befindet sich in dem Turm das heimatgeschichtliches Museum.

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Wer schon etwas länger dabei ist, weiß dass ich eine schwäche für hübsche Friedhöfe habe. So kam ich nicht umhin, mich auf dem Alten Friedhof im Norden des Stadtzentrums um zusehen. Der 1847 angelegte Friedhof ist auch der größte Friedhof der Stadt und wurde im Laufe der Jahre mehrfach erweitert. Hier findet man einige prunkvolle Familiengräber, zwischen sehr viel grün. Südwestlich vom Friedhof befindet sich auch das Krematorium von 1913. Bei mir war es geschlossen. Von hier aus hat man aber schon mal eine ganze nette Aussicht auf die Stadt.

Reisebericht GörlitzGerade entlang der Bogstraße gab es einige sehr hübsche und alte Gräber zu sehen

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Reisebericht GörlitzDas Krematorium …

Reisebericht Görlitz… und ein bisschen Aussicht auf die Stadt

Mein Weg führt mich weiter zum Untermarkt, ein zentraler Platz. Das erste mal wird der Platz um 1305 erwähnt – damals einfach nur als „Markt“. Der nördliche und südliche Teil des Platzes ist durch eine mittige Bebauung getrennt – während die Landleute eher auf der Nordseite standen, waren die Handwerker auf der Südseite zu finden. Neben dem Rathaus und dem Neptunbrunnen, kann man auch die Alte Ratsapotheke hier bewundern. Letztere zählt zu den bekanntesten Bürgerhäusern der historischen Altstadt. Sie hat zwei Sonnenuhren und die drei Fenster auf dem Dach scheinen einen wie drei Augen zu fixieren. Bis 1832 war sie die einzige Apotheker der Stadt.

Reisebericht GörlitzDer Untermarkt mit Blick auf das Rathaus

Reisebericht GörlitzLinks das Hotel Börse und rechts die Stadtverwaltung 

Reisebericht GörlitzHeute wird die Alte Ratsapotheke (Mitte) nicht mehr als Apotheke genutzt

Ich bin auf Reisen gar nicht so Museumbegeistert, da mir oft die Ruhe fehlt, mich auf die Ausstellungen einzulassen oder sie zu viel Zeit fressen. In Görlitz hatte ich aber genug Zeit und dank des kommende und gehende Regens waren mir diese „Pausen“ auch eine willkommene Abwechslung. Gegönnt habe ich mir das Kombiticket für 7 € für das Barockhaus, der Kaisertrutz und der Reichenbacher Turm. Von dem Barockhaus mit dem Kulturhistorisches Museum, hatte ich schon einige prächtige Fotos im Internet gesehen. Wer hier Fotos schießen möchte zahlt nochmal zusätzlich 5 € drauf. Das finde ich etwas teuer (2-3 € hätten es auch getan), aber da ich mich bereits auf ein ganz besonderes Motiv gefreut hatte, musste das für mich sein.

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Nach dem Stadtbrand 1726 wurde das große Stadtpalais, in dem sich das Museum befindet, mit Wohn- und Handelsräumen im Herzen der Altstadt errichtet. Er ist der größte Barockhof in Görlitz. Von 1804 bis 1945 hatte die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften hier ihren Sitz, bevor das Museum 1951 dann ein Teil des städtischen Museums wurde. Auf zwei Stockwerken kann man die ehm. Wohnräume des Hausherrn und die barocken Sammlungskabinett besichtigen. Hier bekommt man einen authentischen Eindruck der früheren bürgerlichen Kultur des Barocks in Görlitz und der Oberlausitz.

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Eines meiner Highlights war der historischem Bibliothekssaal im 1. OG, der zu den schönsten Bibliotheksräumen Deutschlands gehört. Die historischen Regalen mit fünf kulissenartigen Bögen präsentieren hier rund 20.000 Bücher. Der Grundstock für diese wunderbare Sammlung wurde von den beiden Gründungsmitglieder der Oberlausitzischen Gesellschaft gelegt, die später ihre private Sammlung der Gesellschaft übertrugen. In der Sammlung findet man Inkunabeln aus der Frühzeit des Buchdruckes, Manuskripte des Frühaufklärers von Tschirnhaus, sowie die weltweit umfangreichste Sammlung von Schriften des Görlitzer Theosophen Jacob Böhme. Wie gerne wäre ich durch die Regale gehuscht und hätte in das ein oder andere Buch einen Blick geworfen. Natürlich sind sie aber für die Öffentlichkeit nur aus der Ferne zu bewundern.

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Nach der ganzen Lauferei war es Zeit für ein Päuschen. Es hat auch eh gerade geregnet, also bot sich die Pause doppelt an. Entschieden habe ich mich dann für das kleine Cafe Herzstück. Es gibt nicht viele Plätze, aber das Cafe ist sehr hübsch und gemütlich eingerichtet. Die Karte ist vegetarisch und vegan und neben Frühstücksoptionen und Kuchen gibt es auch ein paar warme Gerichte. Für mich gab es einen sehr leckeren veggie Burger und dazu eine ausgezeichnete, hausgemachte Limo. Die Bedienung war sehr nett und ich war rund um glücklich. Einen Besuch kann ich wirklich empfehlen.

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Die Brüderstraße verbindet den Untermarkt mit dem Obermarkt, welcher als Tor zur Görlitzer Altstadt gilt und einer der größten Plätze der Stadt ist. Er wurde um 1250 angelegt. Ein Brand 1717 zerstörte den halben Obermarkt – daher sind die ältesten Gebäude hier von 1717. In der Mitte befindet sich ein großer Parkplatz, der zwar nicht besonders malerisch ist, aber die hübschen Gebäude und Türme drum herum entschädigen dafür.

Reisebericht GörlitzBlick auf die Brüderstraße mit dem Rathausturm

Reisebericht GörlitzDer Obermarkt mit den Türmen des Rathauses und der Dreifaltigkeitskirche

Reisebericht GörlitzDer westliche Teil des Platzes mit Blick auf den Reichenbacher Turm

Am östlichen Teil des Obermarktes steht die Dreifaltigkeitskirche. 1234 begannen die Franziskaner mit dem Bau eines Klosters und einer Kirche – damals befand sich dieses Gelände noch außerhalb der Stadtmauern. 1245 konnte der Bau fertiggestellt werden. Geweiht wurde sie am Montag nach Mariae Himmelfahrt und zur Feier wurde seitdem die Kirchweihe immer am Montag nach dem 18. August hier gefeiert – bis ins 20. Jhd, der auch gleichzeit der beginn der Görlitzer Kirmesmarktes wurde. (Wie auch schon in der Peterskirche muss man ein Fototicket erwerben, wenn man im Inneren fotografieren möchte (1,5 € oder 3€ als Kombiticket))

Reisebericht GörlitzVon außen hat ich die Dreifaltigkeitskirche nicht so beeindruckt… 

Reisebericht Görlitz.. von Innen dafür aber um so mehr

Reisebericht GörlitzDer Denker

Es stand wieder ein Museum auf meinem Plan, bzw. der Reichenbacher Turm, der in dem Kombiticket (wie auch das Barockhaus) enthalten ist. Der Turm wurde 1376 das erste Mal erwähnt und ist der höchste der drei noch erhaltenen Wehrtürme Görlitzs. Der 51m hohe Turm war von 1521 bis 1848 durch zwei hohe Schildmauern mit dem gegenüberliegenden Kaisertrutz verbunden. Bis 1904 war er noch bewohnt. Heute befindet sich auf mehreren Stockwerken eine Sammlung mit historischer Waffen und Wetterfahnen. Wenn man die 165 Stufen bis ganz oben erklimmt, wird man mit einer ganz hübsche Aussicht auf Görlitz belohnt.

Reisebericht GörlitzDer Reichenbacher Turm in seiner ganzen Pracht

Reisebericht GörlitzNeben Waffen werden einem auch ganz alltägliche Dinge aus der damaligen Zeit präsentiert

Reisebericht GörlitzEine schöne Aussicht auf den Obermarkt und Görlitz

Auf der anderen Straßenseite befindet sich der Kaisertrutz. Er entstand als Verstärkung der Stadtbefestigung Ende des 15. Jhd. Tatsächlich wurde er aber nur während des Dreißigjährigen Krieges zur Verteidigung genutzt: die Schweden besetzten Görlitz und als 1641 die Truppen des Kaiser Ferdinands II die Stadt für mehrere Wochen belagerten, konnten die schwedischen Truppen sie abwehren. So erhielt der Kaisertrutz seinen Namen. Als im 19. Jhd die Verbindungsmauer zwischen dem Reichenbacher Turm und der Stadtmauer abgebrochen wurde, wurde das Gebäude zur preußischen Garnison umgebaut. In den 1920er Jahren wurde das Gebäude wieder Stadteigentum und es wurde zum Museum der Stadtgeschichte. Heute findet man hier auf mehreren Stockwerken Sammlungen zur Ur- und Frühgeschichte bis zur heutigen Zeit. Auch dieses Museum konnte ich mit dem Kombiticket besuchen. Wie auch schon im Barockhaus durfte man nur mit einer zusätzlichen Gebühr von 5 € im Inneren fotografieren. 

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Ich mache einen kurzen Abstecher nach Norden um den Neidkopf einen Besuch abzustatten. Ein Neidkopf ist eine Fratze, die man an Häusergiebeln, Türen oder Mauern finden kann. Der Name kommt aus dem althochdeutschen Wort „nid“, welches für Hass, Zorn oder Neid steht. Zeigen tut die Bronzeskulptur Lenin hinter einem fünfzackigen Stern.

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Mein eigentlicher Weg führt mich aber weiter nach Süden, zum Dicker Turm. Die Mauern des 46m hohe Turm haben im unteren Bereich eine Dicke von 5,34m. 1477 befand sich der Turm noch am äußeren Frauentor und erst nachdem die Tore 1852 abgerissen wurden, bekam der Turm seinen heutigen Standort. Über die Jahrhunderte hat sich das Aussehen des Turms kaum verändert. Wie auch der Reichenbacher Turm war auch dieser bewohnt. Während der 70er Jahre bis 1999 feierten die Görlitzer Studenten der Ingenieur-Hochschule hier ihre Studentenparties. Wer den Turm von Innen sehen oder die Aussicht auf Görlitz genießen möchte, kann dieses im Zuge einer Führung durch den Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec tun. Vor dem Turm befindet sich der gemütliche Marienplatz mit Palmen und ein paar Sitzgelegenheiten.

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Reisebericht GörlitzDer Dicke Turm und der Marienplatz

Auf der anderen Seite des Marienplatzes befindet sich das Kaufhaus Görlitz. Wer hier shoppen will wird – zumindest vorerst noch – enttäuscht werden. Dieses Kaufhaus ist eines der besterhaltenen Warenhäuser aus dem Beginn des 20. Jhd und wurde im Jugendstil errichtet. Es wurde nach dem Vorbild des Berliner Warenhauses Wertheim entworfen. Bis 2009 wurde dieses noch als Warenhaus betrieben – derzeit steht das Kaufhaus leer. Eine Bürgerinitiative bemüht sich, das Kaufhaus wieder zurück ins Leben zu rufen. Bereits 2013 wurde es von einem Unternehmer erworben, welcher es wiedereröffnen möchte. Der Name soll Kaufhaus der Oberlausitz, kurz „KaDeO“ in Anspielung an des Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) lauten. Derzeit wird das Gebäude noch renoviert. Zu bestimmten Terminen werden die Pforten für die Öffentlichkeit geöffnet und man kann einen Blick hinein werfen. Ich hatte das Glück, dass das Kaufhaus genau an diesem Tag zufällig „geöffnet“ hatte. Euch kommt das Innere bekannt vor? Dann habt ihr bestimmt den Film The Grand Budapest Hotel gesehen – der imposante Palast nutzte das Kaufhaus als Kulisse.

Reisebericht Görlitz1913 eröffnete das Kaufhaus und musste bereits eine Stunde später wieder wegen Überfüllung schließen

Reisebericht GörlitzHier beeindruckt nicht nur das bemalten Glaskuppeldach im Jugendstil

Reisebericht GörlitzWem kommt das auch bekannt vor?

Weiter geht es zur Frauenkirche. 1459 fand die Grundsteinlegung statt, 1473 wurde sie fertig gestellt. Wie auch die Dreifaltigkeitskirche befand sie sich damals noch außerhalb der Stadtmauern. Daher hatte sie damals eine wehrhafte Mauer rund um die Kirche und den damals hier liegenden Friedhof zu bieten. Dieser wurde 1350 für die Pesttoten außerhalb der Stadt angelegt und 1840 abgetragen. Bis 1870 hatte die Kirche keine große Bedeutung – danach wurde sie erneuert und der allsonntägliche Gottesdienst erfreute sich eines ansteigenden Zustroms. Während des Ersten Weltkriegs musste die Bronzeglocke eingeschmolzen werden, dafür hat sie nach dem Krieg gleich 3 als Ersatz bekommen. (Auch für diese Kirche gilt das Foto-Kombiticket für 3 €. Als letzte Kirche würde noch die Lutherkirche dazu gehören, diese war bei meinem Besuch leider geschlossen)

Reisebericht GörlitzHeute steht die Frauenkirche mitten im Zentrum

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Direkt nebendran befindet sich der Postplatz, der als einer der schönsten Stadtplätze in Görlitz gilt. Früher befand sich an dieser Stelle das Frauenhospitals. Dieses wurde 1863 verkauft und so konnte der Platz angelegt werden. Früher wurde der ganze Platz von Bäumen umsäumt, von denen heute aber nur noch 3 übrig sind. 1877 wurde die Verschönerung des Platzes angeregt, woraufhin 1887 der Muschelminnabrunnen errichtet wurde. Die Statuen mussten zwar während des Zweiten Weltkriegs engeschmolzen werden, seit 1994 kann man hier aber wieder originalgetreue Nachbildungen bewundern. Der Brunnen wird von 4 Marmorfiguren geschmückt, die Fischer, Jäger, Nymphe und Nixe darstellen. Gedeutet werden sie gern als Romantik, Nutzen, Veränderlichkeit und Kraft. Auf der Spitze steht eine 3,44m hohen bronzenen Figur, die eine Muschel auf ihrem Kopf trägt. Sie verkörpert die Natur und stellt die römische Naturgöttin Flora dar.

Reisebericht GörlitzDer Muschelminnabrunnen am Postplatz

Reisebericht GörlitzAuf der Ostseite des Platzes befindet sich das historische Postamt

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Wer doch noch etwas shoppen möchte, ist in dieser Ecke Görlitz eigentlich ganz gut aufgehoben. Hervorgehoben wird die Straßburg-Passage, die im Jugendstil errichtet wurde und in der sich verschiedenster Fachgeschäfte und Restaurants befinden. Ich möchte nicht shoppen, also ziehe ich weiter.

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Ich bewundere etwas das tolle Herbstwetter am Wilhelmsplatz. Er gilt als der größte Stadtplatz Görlitz und bietet eine Rasenfläche, die von Blumenbeeten umrahmt wird. 1849 wurde dieser Platz für Marktzwecke als Neumarkt eingerichtet. Den heutigen Namen trägt er seit 1871.

Reisebericht GörlitzHübsche Farben am Wilhelmsplatz

Ich bin zwar mit dem Auto nach Görlitz gekommen, aber ich werfen trotzdem einen Blick auf den Görlitzer Bahnhof. Deutschlands östlicher Bahnhof begrüßt täglich 120 Züge und 3.600 Reisende. Das mag zwar kein Grund für einen Besuch des Bahnhofs sein, aber vielleicht die imposante Decke mit hübscher Beleuchtung in der Eingangshalle. Bei einer Restaurierung 1984 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und in ihren Originalzustand zurückversetzt. 

Reisebericht GörlitzDas Gebäude wurde ursprünglich im September 1917 eingeweiht

Reisebericht GörlitzFrüher gab es hier für die 1. und 2., sowie für die 3. und 4. Klasse verschiedene Warteräume, die auch entsprechend geschmückt waren

Ich entferne mich weiter aus dem Zentrum und es geht weiter zum Neißeviadukt. Diese 475m lange Eisenbahnbrücke gehört zu den größten und ältesten Eisenbahnbrücken Deutschlands und wurde 1847 eröffnet. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die höchsten Bögen der Brücke gesprengt, welche in den 1950er Jahren unter polnischer Leitung wieder aufgebaut wurden. Da die Brücke als Grenzübergang galt, bezogen sowohl auf deutscher, als auch auf der polnischen Seite Grenztruppen stellung.

Reisebericht GörlitzDas gewaltige Viadukt mit einem beeindruckenden Himmel

Reisebericht GörlitzEinige Meter weiter befindet sich das Restaurant und Hotel Obermühle Görlitz

Auf dem Rückweg der Neiße entlang zurück zu meinem Hotel spaziere ich durch den Stadtpark. Im 18. Jhd begann man damit, die Wege vor der Staudtmauer mit Bäumen zu bepflanzen. Der Bereich, auf dem sich heute der Stadtpark befindet, wurde damals als Promenade angelegt und führte zwischen der Viehweide und Gärten wohlhabender Bürger entlang. 1830 begann man mit der Anlegung eines Parkes auf der Viehweide. 1910 wurde im südöstlichen Teil des Parkes eine Rosenterrasse angelegt. Heute wird der Park auch gern als Freilichtbühne genutzt.

Reisebericht GörlitzDie Rosenterrasse

Reisebericht GörlitzDer Park ist schön grün, mit vielen alten, gewaltigen Bäumen und einem kleinen Teich

Zum Abendessen nach Polen

Nach einem so aktiven Tag, musste ein leckeres Abendessen her. Dafür zog es mich auf die polnische Seite – dort kann man sehr gut und günstig Essen gehen. Geworden ist es das Restaurant Piwnica Staromiejska direkt an der Altstadtbrücke. Auch wenn der Name vielleicht nicht so klingt, habe ich mich für das typische polnische Gericht Russischen Piroggen (pierogi ruskie) entschieden. Diese Teigtaschen sind mit Quark, Kartoffeln und Zwiebeln gefüllt und knusprig in der Pfanne angebraten worden. Die Portion sieht nicht groß aus, aber mich hat sie mehr als satt gemacht! Sehr lecker. Das Restaurant ist mit seiner tollen Aussicht auf die Peterskirche ein schöner Platz um einen Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

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Empfohlen wurde mir auch das das Restaurant Przy Jakubie, welches sehr gut sein soll. Bei mir hat es nicht geklappt, da es wirklich sehr klein ist und schon voll war.

Eine Wanderung auf der Landeskrone 

Am nächsten Tag habe ich Görlitz schon wieder verlassen und bin weitergezogen. Da ich aber noch einen bisschen Zeit hatte, habe ich einen Abstecher zur Landeskrone gemacht. Die Landeskrone ist der Hausberg der Stadt mit 420 m ü. NHN. Ich habe am Fuß des Berges geparkt und bin über einen der unterschiedlichen Wanderwege entspannt hinauf gewandert. Auf der Spitze des Berges befindet sich ein Hotel mit Gaststätte und einem Aussichtsturm. Natürlich hatte ich es auf dem Turm abgesehen. Dieser ist frei zugänglich und man hat von da oben eine ganz hübsche Aussicht auf die Region. Unweit von dem Hotel befindet sich außerdem die Bismarcksäule, die zu den 47 Bismarcktürmen nach dem Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis gehört.

Reisebericht GörlitzDie Landeskrone aus Görlitz aus

Reisebericht GörlitzOben angekommen

Reisebericht GörlitzDer Besuch des Berges lässt sich bestimmt auch schön mit einem Essen in der Gaststätte abrunden

Reisebericht GörlitzSchöne Aussicht auf Görlitz und die Region

Reisebericht GörlitzDie Bismarcksäule

Damit war meine Zeit in Görlitz endgültig vorbei und es ging für mich weiter ins Erzgebirge und in die Sächsische Schweiz.

Siehe auch:
Boofen und grandiose Aussichten auf den Schrammsteinen – Sächsische Schweiz (Coming Soon)
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten und Route

Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)