Der Süden Afrikas – 05 – nach Namibia: in Windhoek

Endlich sollten wir Namibia erreichen! Ich hatte mich bereits sehr auf das Land mit den unglaublichen Farben und Landschaften, den Wüsten und Küsten und den endlosen Weiten gefreut! Unsere Reise begann in der Hauptstadt Windhoek…

Zeit für ein paar Fakten:

  • Hauptstadt: Windhoek
  • Sprache: Englisch, viele sprechen aber auch deutsch
  • Einwohner: 2.324.388 
  • Währung: Namibia-Dollar
  • Strom: 220/240 V, 50 Hz; Adapter ist notwendig (Typ D und M) (ich bin aber auf der komplette Reise mit meinem Typ M Adapter für Südafrika weitergekommen)
  • Trinkgeld: 10-15%
  • Zeitumstellung: UTC+2 / keine Zeitumstellung zu Deutschland (Winterzeit + 1 Std)
  • Beste Reisezeit: April bis September (kaum Niederschlag, milde Temperaturen)

Reisebericht Namibia

Über Namibia

Namibia liegt im Südwesten von Afrika und zählt zu den facettenreichsten und faszinierendsten Ländern Afrikas. Es ist bekannt für die Namib-Wüste mit den höchsten Dünen der Welt, den Etosha Nationalpark – ein einmaliges Naturschutzgebiet –, charmanten Küstenstädten, großartigen Panoramen mit faszinierenden Landschaften, aber auch skurrilen Bäumen und natürlich den grandiosen Sternenhimmel. Im „Land der roten Stille“ – so wie Namibia auch genannt wird – kann man neben der kargen und rauen Landschaft (was gleichzeitig auch seine Schönheit ausmacht) die endlosen Weiten und Ruhe spüren. Meistens ist es in Namibia sonnig. Von November bis März kann es zu heftigeren Stürmen und Regen kommen. Mit teilweise über 40° C wird es im afrikanischen Sommer warm. Im Winter sind die Temperaturen hier mit 20-15° C recht angenehm und es ist sehr trocken. Nachts kann es dafür sehr frisch werden.

Visum & Einreise

Wir sind über die B6 nach Namibia eingereist. Heute war – mit 520km Gesamtstrecke – wieder einer der etwas längeren Tagen im Fahrzeug. Ich freute mich über die Landschaft – zumal sie sich in Namibia wieder zu verändern begann. Während Botswana recht flach war, kann man in Namibia majestätische Berge im Hintergrund entdecken. Mit einem deutschen Pass bekommt man eine Einreiseerlaubnis für 90 Tage pro Kalenderjahr kostenfrei an den Grenzstationen oder am Flughafen erteilt. Wie immer direkt den Stempel und die Gültigkeitsdauer der Einreiseerlaubnis kontrollieren. Absurderweise muss man den Einreisezettel für Botswana auch nochmal ausfüllen (da man diese nicht, wie in anderen Ländern, zurück bekommt um ihn bei Ausreise abzugeben). Juhu! Wir sind in Namibia!

Gut zu wissen in Namibia

In Namibia bezahlt man mit Namibischen Dollar – welche man ganz normal vor Ort an Geldautomaten bekommt. Die Während ist an den südafrikanischen Rand gekoppelt und entspricht diesem 1:1. Während man mit den südafrikanische Rand in Namibia ganz normal bezahlen kann, kann man den Namibischen Dollar in Südafrika allerdings nicht mehr ausgeben. Namibia gehört zu den sichersten Länder in Afrika – trotzdem sollte man seine Sachen (wie immer!) nicht aus den Augen lassen oder offen im Zimmer/Auto rum liegen lassen (besonders in den Städten). Fahrzeugdiebstähle sind ein größeres Problem. Namibia leidet unter Wasserarmut. Wenn man Unterwegs ist, sollte man darauf achten, immer genug Trinkwasser dabei zu haben und noch einen Notvorrat einpacken. Homosexualität ist in Namibia verboten, wird aber im privaten Umfeld nicht weiter verfolgt. Es ist aber nicht unüblich, dass sich Freunde des gleichen Geschlechts z.B. an den Händen halten.

Aufgrund der Zeit wo Namibia noch eine deutsche Kolonie war, wurden viele Sitten, Gebräuche, Essgewohnheiten und auch die Sprache ins Land gebracht. Die Kolonialzeit ist vorbei, aber man kann die Einflüsse heute noch sehen. Es gibt deutsche Bäckereien, Bier nach deutschem Reinheitsgebot, deutsches Essen und nicht selten trifft man Einheimische die auch deutsch sprechen.

Angekommen in Windhoek

Nachdem der Sand langsam überall angekommen war – selbst in den Muffins zum Frühstück – freute ich mich auf eine Nacht in der Stadt. Übernachtet haben wir im Urban Camp*. Auf diese Übernachtung hatten wir uns schon ganz besonders gefreut: Denn heute hieß es ausnahmsweise mal nicht Zelte aufbauen. Die Zelte waren schon aufgebaut! Und zwar großartige permanent Zelte mit riesig viel Platz, Betten, Licht UND beheizbare Matratzen! Wir haben uns gefühlt wie im Paradies! Der Camping Platz ist außerdem sehr groß, es gibt natürlich auch normale Zimmer zu buchen und es gibt einen großen Bar/Restaurant Bereich. Sehr schön!

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Der „Camping-Platz“ ist schön aufgebaut – so hat man sogar noch etwas Privatsphäre 

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Der Eingang zum Paradies…

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Nach vielen Tagen des Campings ist ein Bett und Platz der wahre Luxus

Ich kann jetzt schon spoilern, dass ich göttlich geschlafen haben und das obwohl es fies gestürmt hat und der Wind an dem Zelt gezerrt hat.

Ein wenig Geschichte

Die ersten Europäer kam im 15. Jhd nach Südwestafrika. Doch aufgrund der klimatischen Bedingungen besiedelten sie das Gebiet nicht besonders ausgiebig. Ab dem 17. Jhd wurde es langsam mehr, was auch dazu führte, dass die heimischen Stämme vertrieben wurden. Im 19. Jhd kamen immer mehr Europäer aus England, Deutschland und Portugal ins Land und 1884/85 wurde Namibia schließlich als Südwestafrika zu einer Kolonie des Deutschen Kaiserreiches, welches auch nach dem Vorbild in Europa verwaltet wurde. Mit den Stamm der Herero wurde ein Schutzvertrag abgeschlossen, der sie vor den Nama schützen sollte, allerdings wurde dieser wieder gekündigt, als die Siedler ihr versprechen nicht einhielten. Dies führte dazu, dass die Siedler sich gegen die Herero richteten und sie durch Kredite und Güter immer weiter in die Abhängigkeit der Weißen trieben. Die horrenden Summen konnten die Herero nur mit ihrem Vieh und Land begleichen. Dies führte dann zu Aufständen – während des deutschen Kolonialkrieges 1904 und 1908 verloren 70.000 Herero und Nama ihr Leben. Im Ersten Weltkrieg verloren die Deutschen die Kolonie an die Briten. Ab 1920 wurde das Land von der Südafrikanischen Union verwaltet und ab März 1990 war Namibia endlich unabhängig  und wurde zu einer demokratischen Republik.

Unterwegs in Windhoek

Wir hatten nicht übermäßig viel Zeit in Windhoek (früher auch Windhuk) und außerdem war Wochenende – d.h. es ist überhaupt nichts los, da die Geschäfte früh schließen und die Straßen dann recht leer sind – trotzdem wollten wir einen Blick auf die namibische Hauptstadt werfen. Die Stadt ist das politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Der Name leitet sich aus dem Afrikaans ab und heißt so viel wie „windige Ecke“ – was ich auch nur bestätigen kann – in Windhoek war es sehr windig!

Als wir an der Rezeption unseres Camps gefragt haben, wo wir am besten ein Taxi her bekommen, wurde uns ausdrücklich davon abgeraten mit einem Taxi zu fahren. Es wäre nicht sicher. Das hat uns schon etwas gewundert. Da laufen auch nicht in Frage kam, sind wir dann doch mit dem Taxi gefahren – was recht witzig war, denn scheinbar kann hier jeder Taxi Fahrer werden, wie er es möchte. Erkennen tut man die Taxen an Nummern, die auf dem Auto stehen. Da rollen dann z.T. kleine Privatkarren an, in den schrägsten (für ein Taxi) Farben. Manche kannten sich auch überhaupt nicht aus, und wir haben ihnen dann per Google Maps den Weg gesagt. Aber wir sind heil angekommen und fühlten uns nicht unsicher.

Für eine Hauptstadt ist Windhoek wirklich sehr übersichtlich und man kann das Zentrum in etwa einer Stunde abhaken. Hier haben wir dann auch den Unterschied zu dem Reisen auf dem Land und in der Stadt bemerkt: in Windhoek wurden wir ziemlich seltsam von div. Leuten angeguckt. Das war schon etwas unangenehm.

Unser Rundgang begann an der Christuskirche, die zwischen 1907 – 1910 errichtet wurde und gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt. Die im neoromantischen Stil mit Jugendstil-Einflüssen erbaute Kirche wirkt zunächst etwas eigenartig in Afrika – ist man hier doch einen anderen Stil gewöhnt.

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek zunächst wurden die Fenster nach dem Transport von Nürnberg nach Namibia falsch rum eingebaut – dies fiel erst gegen Ende des letzten Jhd auf

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Geweiht wurde die Kirche 1910 nach dem Krieg zwischen den Deutschen, Nama, Herero und den Ovambo

Gegenüber der Kirche befindet sich der von 1912-1913 als Verwaltungsgebäude errichtete Tintenpalast. Heute ist er Sitz des Parlaments in Namibia. Der Name ist eine Anspielung auf die damals zahlreichen deutschen Bürokraten und deren hoher Tintenverbrauch. Vor dem Palast hat man eine schöne Gartenanlage, die bei der Bevölkerung sehr beliebt ist.

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Wir konnten nur einen Blick von draußen auf den Palast werden, denn bei uns war er geschlossen

Direkt hinter der Christuskirche befindet sich das Unabhängigkeits-Gedenkmuseum und die Alte Feste. Das Museum ist seit 2014 geöffnet und das Nationalmuseum der Stadt. Die Alte Feste von 1901 beherbergt Teile des Musuems. Sie wurde ursprünglich errichtet um den Frieden zwischen den Name und Herero zu sichern. 2014 wurde die Feste geschlossen, da sie saniert werden soll. Der Innenhof ist vorübergehend noch erreichbar – dort steht das Reiterdenkmal, welches 1912 errichtet wurde um an die Kolonialkriege zwischen den Deutschen, den Herero und den Nama zu erinnern. Das Reiterdenkmal (kein Foto, da die Feste geschlossen war) ist bei der Bevölkerung nicht sehr beliebt, da es an die deutsche Kolonialzeit erinnert und so wurde es in der Vergangenheit immer wieder von Vandalismus. 2009 sollte es dann abgerissen und vernichtet werden, der deutsche Kulturrat organisierte aber einen Umzug. 2013 ist es erneut umgezogen – diesmal in den Innenhof der Festung.

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Vor dem Museum befindet sich ein Denkmal des Gründungspräsidenten Sam-Nujoma

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Das Denkmal des Ehepaars mit kaputten Ketten vor der Alten Feste soll an den Völkermord von 1904 erinnern

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Bei der Alten Feste stehen immer noch Geschütze aus der deutschen Kolonialzeit

Begibt man sich Richtung Independence Avenue, wo man auch am Zoo Park vorbei kommt. Dabei handelt es sich um einen öffentlichen Park, der neben dem Garten des Tintenpalastes der einzig größere Park in der Innenstadt ist. 1961 fand man die etwa 5000 Jahre alten Überreste eines Elefanten und so wurde der Park 1990 unter Denkmalschutz gestellt. Wie der Name es erahnen lässt, gab es hier mal einen Zoo, der allerdings zw. 1958 und 1963 aufgelöst wurde.

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek In der Mitte des Parks befindet sich das Kriegerdenkmal in Erinnerung an die gefallenen Deutschen Soldaten während des Nama-Aufstandes

Die Independence Avenue ist die Hauptstraße und wichtigste Einkaufsstraße der Stadt – bei uns war nichts los und sie war nicht so spektakulär – aber die Geschichte waren auch geschlossen. Sicherlich kann die Avenue sich auch in einem anderen Licht präsentieren. Die Straße hieß ursprünglich mal Kaiserstraße und wurde 1990 umbenannt. An einem Platz – in einer kleineren Seitengasse – befindet sich das Gibeon-Meteorit Denkmal. 31 Bruchstücke des Meteoriten wurden 1836 gefunden und in die Hauptstadt gebracht.

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Man kann den deutschen Einfluss noch heute bemerken – die Uhren liefen allerdings alle falsch :-)

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Eine Datierung der Meteoriten Stücke ergab ein Alter von etwa 13.000 bis 30.000 Jahren

Hier sehen wir die St. Marien-Kathedrale – der Dom des Erzbischofs und wichtigste römisch-katholische Kirche in Namibia. Die zw. 1906-1908 errichtete Kirche liegt etwas erhöht und die quadratischen Kirchtürme ragen 30m in die Höhe.

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Die St. Marien-Kathedrale ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek eine weitere Kirche – wieder mit falscher Uhrzeit ;)

Fazit: es gibt noch ein paar weitere Ecken die man in Windhoek erkunden kann, aber unterm Strich gibt es nicht viel zu sehen. Wenn man die Zeit hat, ist ein Spaziergang durch das Zentrum echt ganz hübsch. Wenn man die Zeit nicht hat, hat man nicht besonders viel verpasst!

Pendouka im Township Katutura von Windhoek

Townships sind die Armenviertel – aber dazu ein ander mal mehr. Ein Programmpunkt in Windhoek war der Besuch des Pendouka am Rande des Townships Katutura. Dabei handelt es sich um ein Sozialunternehmen, das benachteiligten Frauen unterstützt. Sie können hier eine Ausbildung machen und dann ein Kleinunternehmen gründen oder weiter in der Einrichtung arbeiten. Hier werden 515 Jobs in der Herstellung von handgefertigen Produkten, im Restaurant oder für die Betreuung der Übernachtungsmöglichkeiten der Touristen angeboten.

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Das 1992 gegründete Unternehmen ist von Zuschüssen und Spenden abhängig

Essen in Windhoek

Abends ging es für ein leckeres Essen noch in Joe’s Beerhouse – eine richtig schick eingerichtete, riesige Location, unweit von unserem Camp und scheinbar DIE Anlaufstelle in Windhoek. Das Essen war hervorragend – es gibt hier neben klassischen deutschen Gerichten, auch Fleisch aus der Region und einen leckeren Nachtisch. Eine klare Empfehlung von mir!

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek kein schönes Foto – aber dafür eine umso schönere Location!

Siehe auch:
Teil 4 meines Afrika Reiseberichts: die Wüste Kalahari [Botswana]
Teil 6 meines Afrika Reiseberichts: im Etosha Nationalpark [Namibia]
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten

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