Der Süden Afrikas – 04 – die Wüste Kalahari [Botswana]

Als nächstes ging es für uns weiter nach Westen, tiefer in die Kalahari Wüste rein – auf den Spuren der San, die uns etwas von ihrem Leben erzählen sollten…

Von Maun nach Ghanzi

Zurück aus dem Okavango-Delta hieß es für uns direkt weiter zum nächsten Ziel! Diesmal ging es 300km weit bis nach Ghanzi. Dort übernachteten wir im Trail Blazer Camp – ein sehr einfaches Camp (seeehr einfach, die Toiletten hatten nicht einmal Türen :-) mit lustigen runden Häuschen. Hier wollten wir uns mehr mit der Kalahari Wüste und den San beschäftigen…

Reisebericht Afrika Namibia Windhoek Geier am Straßenrand – auf den Straßen Botswanas gibt es immer was zu sehen

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Der Campingplatz wird optisch geprägt von den putzigen runden Häuschen – für uns hieß es aber weiterhin zelten

Die Kalahari Wüste

Die Kalahari Wüste erstreckt sich vom Norden Südafriks, über Namibia und Botswana. Sie gehört zu dem fast doppelt so großen Kalahari-Beckens, das sich sogar noch bis nach Angola und Sambia erstreckt und zu einer der größten zusammenhängenden Sandfläche der Erde gehört. Sie hat verschiedene Regionen: z.T. ist sie eine Dornstrauchsavanne, teilweise aber auch eine Trockensavanne und dann auch eine klassische Wüste. Sie wird gern als Halbwüste bezeichnet, weil der Niederschlang für eine Wüste mit zwischen 100mm und 500mm recht hoch ist (je nach Region) – als Vergleich: in der Nambiwüste hat man lediglich einen Niederschlag von 50mm. Dadurch ist die Pflanzen- und Tierwelt reichhaltiger: es wachsen Gräser, Dornsträuche und Akazienbäume. Diese Pflanzen können die längeren Trockenperioden in der Wüste überleben. Im Gegensatz zu anderen Wüsten hat die Kalahari keine Wanderdünen, da diese durch dort wachsende Pflanzen stabilisiert werden.

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Woher der Name kommt ist unklar: man vermustet, dass die damaligen Kolonialherren das Setswana
Wort Kgalagadi (für „groß/weit“) falsch geschrieben haben

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Eine San mit Nachwuchs…

Unterwegs mit den San

Kaum angekommen, hatten wir gerade so Zeit um unsere Zelte aufzubauen, bevor es für uns auf einen Bushwalk mit den San ging. Gekostet hat diese Tour 10$ und konnte direkt über unsere Unterkunft gebucht werden. Die San ist eine ethnische Gruppe im südlichen Afrika, die ursprünglich vom Jagen und Sammeln gelebt hat. Man geht davon aus, dass heute noch etwa 100.000 San leben, aber nur noch wenige den traditionellen Lebensstil pflegen. Die meisten von Ihnen leben in Botswana in der Kalahari Wüste. Rein optisch unterscheiden sie sich durch ihre eher kleine Körpergröße von 1,5m und ihre gelb-braune Hautfarbe.

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Der Spaziergang beginnt

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Die Löcher, die aussehen wie lachende Münder sind die Löcher eines Skorpions

Ursprünglich lebten sie im Einklang der Natur friedlich mit ihrem Umfeld zusammen und hatten kein Besitzdenken. Die Stämme hatten ihre Gebiete und die Grenze der Nachbarn wurde geachtet. Sie waren Meister im Spurenlesen und konnten anhand der Spuren eines Tieres erkennen, ob es jung oder alt oder gar verletzt war. Sie waren außerdem große Sammler, die ca 250 Pflanzenarten unterscheiden und sie als Ess-, Heil- oder Giftplanzen nutzten konnten. Die Stämme waren ständig auf Wanderschaft – immer den Tieren hinterher. Ihre Unterkünfte waren recht einfach unter freiem Himmel: sie banden Zweige zusammen, die mit Gras gestopft wurden um sich vor Wind und Regen zu schützen oder übernachteten in Höhlen. Mit Pfeil und Bogen konnten die San hervorragend umgehen. Gejagt wurde meistens mit einem Gift um die Tiere zu lähmen.

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Der Älteste – immer noch unglaublich fit – ich bin beeindruckt

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Die San wissen unglaublich viel nützliches über ihr Land

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Hier wird schnell und effektiv ein Feuer gemacht

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Ein Sonnenuntergang in der Kalahari Wüste

Auf unserem Rundgang erzählten uns die San – in Ihrer Khoisansprache mit diesen Klicklauten, welche uns von einem Guide übersetzt wurde – über ihr Leben und welche Pflanzen sie im Alltag für welche körperlichen Probleme einsetzen können. Der Rundgang war nicht nur amüsant gestaltet, sondern auch noch sehr informativ.

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri

Abends haben wir noch an einem Bushdance teilgenommen (ebenfalls 10$, ebenfalls über unsere Unterkunft gebucht). Die San erzählten uns von ihren Geschichten, sangen und tanzten. Eine schöne Darstellung, die auch nochmal zeigte, wie fit und agil die San unterwegs sind. Selbst die Älteren konnten noch tanzen wie die Jungen!

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Um den Gesang zu untermalen hatten die Tänzer Knochenketten um ihre Beine gewickelt, die
zu ihren Bewegungen klapperten

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Bei den San gibt es ein Heilritual bei dem getanzt wird um übernatürliche Kräfte zu wecken. Dabei tanzt der Heiler
während das Publikum in trance fällt – wir sind zum Gück wach geblieben ;-)

Verschiedene Völker im südlichen Afrika

Die indige Bevölkerung Afrikas hat große Akzeptansschwierigkeiten – sie leiden unter Diskriminierung und sind rechtlich stark benachteiligt – auch heute noch. Häufig wurden diese Völker vertrieben um Nationalparks zum Schutz der Wildnis und Tiere zu gründen. Folgende Völker habe ich auf meiner Reise kennengelernt:

Über die San haben wir bereits etwas erfahren. Sie lebten ursprünglich eher in der Kapstadt Region und wurden von den Niederländern im 17. Jhd während deren Kolonialisierung ins Landesinnere verdrängt oder versklavt. Es gab seitens der Regierung keinerlei Anerkennung für die San auf eigenen Boden, bis 1738 die Herrnhuter Missionsstation in Baiaanskloof (später umbenannt in „Genadendal“ (Tal der Gnade)) gegründet wurde. Die San wurden hier unterrichtet und bekamen gleichzeitig ein Niederlassungsrecht. Damit waren nicht alle Siedler einverstanden und es kam immer wieder zu Konflikten. Die San lernten Landwirtschaftliche und Handwerkliche Tätigkeiten und irgendwann harmonisierte sich das Verhältnis zu den Buren. Leider ist die Geschichte der San damit aber nicht beendet, im Laufe der Jahre wurden sie immer wieder von ihrem Land vertrieben. Heute ist der Großteil der San als Arbeiter auf Farmen angestellt. Nur noch wenige leben tatsächlich noch auf die traditionelle Art und Weise.

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Die San – eine Kultur die vermutlich leider aussterben wird…

Die Herero waren ein Hirtenvolk im südwestlichen Afrikas. Heute leben etwa noch 120.000 Hereros – die meisten davon in Namibia. Im 16 Jhd. wanderten sie aus Zentralafrika Richtung Süden in das heutige Botswana. Dort kam es zu Auseinandersetzungen mit den Einheimischen dort und so zog ein Teil von Ihnen im 17. Jhd in das heutige Namibia. Sie dehnten sich weiter nach Süden aus und verdrängten die dort lebenden Nama, die die Herero aber später wieder auf die Höhe Windhuk zurückdrängen konnten. Im 19. Jhd kam es zu Auseinandersetzungen innerhalb der Herero und den Nama. Missionare förderten diese Konflikte weiter indem sie Alkohol und Schusswaffen verkaufen und dafür deren Rinder in Zahlung nahmen. So wurden schnell hohe Schulden erzeugt, wodurch die Stämme schnell verarmten und zu Raubzüge unter den Stämmen führten. Ende des 19. Jhd konnten sie sich mit Hilfe wieder davon erholen. Dann kamen auch schon die ersten deutschen Siedler ins Land, die Land von den Herero für ihre Farmen erwarben. Zunächst war das Verhältnis gut, aber dann kam es zu Konflikten wegen Land- und Wasserrechten, Diskriminierung, Unterdrückung und Ausbeutung der Einhemischen. Es kam zu Auseinandersetzung zwischen den Herero und den Deutschen, welche zu einem Krieg führten, der bis zu 80.000 Hereros das Leben kostete. Seit Juli 2015 hat die Bundesregierung die Ereigenisse als Völkermords anerkannt. Heute arbeiten die meistens Hereros als Arbeiter auf Farmen oder Händler und Handwerker. Die Herero Damen sind für ihre prachtvollen Roben und deren mächtigen Kopfschmuck bekannt, dessen Tradition sich im 19. Jhd während der Kolonialzeit entwickelte, wo das ursprünglich spärlich Bekleidete Hirtenvolk seinen Kleidungsstil anpasste und sich mit bunt bedruckten Stoffen, Kopfbedeckungen und Accessoires schmückten.

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Irgendwie nicht typisch Afrika – aber gleichzeitig doch

Die Himba sind ein (halb)nomadisches Volk in Namibia und haben z.T. dieselben Vorfahren wie die Herero. Sie wanderten im 15/16. Jhd in das heutige Namibia ein und lebten hier als Jäger und Sammler, überwiegend im Nordwesten des Landes. Die christianisierten Hereros trugen bald westliche Kleidung und betrachteten ihre noch ursprünglichen Brüder und Schwester als „zweitklassige Hereros“. So kam es, dass sich die Himba von ihnen trennten und auch wohl bis heute keine westliche Kleidung im Allgemeinen tragen. Sie betonen lieber ihren Haarschmuck und bemalen ihren Körper. Es ist wohl möglich, alleine durch den Wechsel der Gebräuche ein Herero oder Himab zu werden. Im 19. Jhd gerieten sie in den Krieg zwischen den deutschen Kolonialherren und den Herero – so flohen sie nach Angola, kamen aber anfang des 20. Jhd wieder zurück um ihre traditionelle Lebensweise zu bewahren. Es kam immer wieder zu Rückschläge für die Himab und als in den 80er Jahren Dürre und Krieg herrschte stand die Kultur der Himba am Ende. Das Ende des Krieges, die Unabhängigkeitserklärung Namibias und Regen brachte Verbesserung und die Himba konnten wieder wachsen. Heute schätzt man ihre Anzahl auf 7.000 Menschen. Viele von ihnen leben ohne Ausweis in einfachen Verhältnissen. Sie sind heute bekannt für ihre einfache Kleidung – meist besteht die nur aus einem knappen Lendenschurz und der Rest ist unbekleidet – und ihre aufwändigen Frisuren, die den Stand eines Mitglieds entsprechend geschmückt sind. Außerdem sind sie meist von Kopf bis Fuß mit einem eisenhaltigen, roten Pulver eingerieben. (Leider ohne Foto, da man für diese bezahlen musste, aber guckt mal hier)

Die Damara sind eine Volksgruppe in Namibia, die sich selbst aber Nukhoek (schwarze Menschen) nennt. Obwohl sie überweigend schwarzafrikanischen Ursprungs sind, sprechen sie eine ähnliche Sprache wie die Nama und San. Sie waren nie ein dominates Volk und immer den anderen (z.B. Herero, Nama etc) untertan. Trotzdem genossen sie eine gewisse Wertschätzung für Ihre Kunst des Eisen- und Kupferschmelzens und Schmieden im Allgemeinen. Durch die Beherrschung anderer Stämme, ging die Kultur der Damara z.T. verloren. 1973 wurde das Damaraland für sie als Heimat eingerichtet. Heute leben sie häufig in ärmlichen Verhältnissen und vom Gartenbau und der Viehzucht.

Reisebericht Afrika Botswana Kalahri Mit Spaß bei der Arbeit ;-)

Siehe auch:
Teil 3 meines Afrika Reiseberichts: wildes Zelten im Okavango-Delta [Botswana]
Teil 5 meines Afrika Reiseberichts: nach Namibia: in Windhoek
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten

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