Der Süden Afrikas – 03 – wildes Zelten im Okavango-Delta [Botswana]

Inmitten von Botswana erwartete uns ein besonderes Abenteuer: für eine Nacht sollte es in die Wildnis im Okavango-Delta gehen: dort würden wir ein Lager in der Wildnis aufschlagen und sehen, was die Natur für uns zu bieten hat…

Von Gweta nach Maun

Wieder einmal hieß es Zelt abbauen. Der heutige Tag sollte uns weiter nach Westen bringen – genauer gesagt 220km weit nach Maun. Wir sind wieder stundenlang auf den Straßen unterwegs und beobachten mit Begeisterung die Landschaft und halten natürlich auch wieder nach Tieren ausschau. Unsere Geduld wird belohnt, wir sehen massenweise Zebras und sogar auch Giraffen. Die Straßenverhältnisse sind aktuell auch noch nicht so schlimm, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta

Ein bisschen anstrengend sind div. Kontrollen, die wir auf der Strecke passieren müssen. Ich weiß nicht, ob diese Kontrollen immer statt finden oder nur derzeit aufgrund von bestimmten Gründen. Zumindest sollen bei dieser Gelegenheit die Reifen aller Fahrzeuge, aber auch alle Schuhsohlen desinfiziert werden. Damit soll wohl einer Krankheit, die Kühe befällt (?) vorgebeugt werden. Prinzipiell keine schlechte Sache, allerdings sind diese Station teilweise so lächerlich nah bei einander, das man sich unwillkürlich fragt, wo man sich in diesen 20km die Krankheit eingefangen haben sollt. Das nervige an der Geschichte ist natürlich nicht nur, dass man immer aus dem Fahrzeug aussteigen muss um mit seinen Schuhen in eine nicht gut riechende Flüssigkeit zu stapfen – die Kontrolleure glauben dir nicht, dass du nur ein Paar Schuhe dabei hast. An manchen Stationen ist es ihnen egal, an anderen lassen sie dich nicht passieren, wenn du nur ein Paar Schuhe hast. Glücklicherweise hatte ich noch ein Paar Flip-Flops zum duschen eingepackt – sonst hätte ich tatsächlich nur ein paar Schuhe dabei gehabt und würde vermutlich jetzt immer noch an der Kontrollstation stehen…

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Stehen sie nicht einfach mal perfekt in der Gegend rum?

Wir erreichen am frühen Nachmittag unser nächstes Camp für die Nacht: das Sedia Hotel. Diese Unterkunft hat einen großen Pool und eine nette Bar/Restaurant mit sehr leckerem Essen. Auch hier kann man natürlich auch normale Zimmer, aber auch Touren buchen. Wer das Okavango-Delta aus der Luft sehen möchte, hat hier eine wunderbare Gelegenheit dazu – so gilt Maun auch als Tor zum Delta etwa 120$ für etwa 40 min). Wie auch schon bei den anderen Städten zurvor, hat die größte Stadt in dieser Umgebung wenig spektakuläres zu bieten. Die Attraktionen von Botswana liegen halt eindeutig in der Natur.

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Die Zelte wurden schonmal besser aufgebaut…

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Ein riesiger Pool, direkt bei der gemütlichen Bar

In Maun hieß es für uns Füße hochlegen und umpacken! Denn am nächsten Morgen sollte es in das Okavango-Delta gehen und dorthin durften wir nur ein reduziertes Gepäck für eine Nacht mitbringen. Wir verbingen den restlichen Tag am Pool und an der Bar und genießen ein wenig Free Wifi – denn dieses ist in der wildnis Afrikas eher selten und eher schlecht anzutreffen. Es beginnt sogar ein wenig zu regnen – was uns nicht so recht ist, wo doch unsere selbstgewaschenen Klamotten zum trocknen draußen hängen. Aber das ist auch schnell wieder vorbei. Nachts kuscheln wir uns in unsere Schlafsäcke – die Nächte sind hier sehr kalt!

Auf ins Okavango-Delta!

Am nächsten Morgen holt uns ein Safari-Wagen ab. Wir nehmen nicht nur unseren Rucksack, mit unserem Zeug für eine Nacht, mit – es werden auch unsere Zelte, Matratzen, Essen und Kochequipment eingepackt. Ganz schön viel Krempel! Auf einer wirklich holprigen Fahrt geht es zum Ufer des Deltas, wo man bereits auf uns wartete. Unser Abenteuer in der Wildnis würde mit einer Fahrt in einem Mokoro – einem Einbaum-Boot – durch die zahlreichen kleinen und großen Wasseradern des Deltas beginnen. Immer zu zweit besteigen wir so ein Boot, unsere Matratzen dienen uns als Lehnen und Equipment & Essen wird auf div. Boote verteilt. Zum Glück müssen wir nicht selbst fahren – die Boote werden von Polern gefahren.

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Die Boote warten auf ihren Einsatz

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Gar nicht mal so groß – mal sehen, was da alles reinpasst

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Ich und mein Krempel – wir passen zumindest rein, Juhu!

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Das Wasser ist sehr klar und gar nicht mal so tief

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Die Landschaft zieht leise und still an uns vorbei

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Schilf, soweit man sehen kann

Das Okavango-Delta gehört mit seinen 20.000 Quadratkilometern zu den größten und tierreichsten Feuchtgebieten Afrikas. Hier hat man eine spektakuläre Sumpflandschaft mit sehr vielen Tieren auf unglaublich großer Fläche: bisher wurden 71 Fischarten, 33 Amphibienarten, 64 Arten von Reptilien, 444 Vogelarten und 122 Säugetierarten gezählt. Man findet hier außerdem schwimmende Inseln, mit Gras überzogene Ufer, und mal mehr oder mal weniger breite Wasserfläche, in denen massenweise Schilf wächst. Während der Trockenzeit erreicht das Delta wohl seinen Höchststand und ist damit ein Segen für die vom Wasser abhängigen Tiere. Die Fahrt mit dem Mokoro ist einmalig: man bewegt sich so leicht und leise. Die Ruhe ist unglaublich. Man hört nur das gelegentliche Plätschern des Wassers. Man streift den Schilf. Entspannt lehnen wir uns zurück und lassen uns treiben. Man nennt das Delta nicht ohne Grund das letzte Paradies auf Erden – oder auch das Juwel der Kalahari Wüste oder der Fluss der nie das Meer findet (OK, jetzt ist genug mit kitschigen Sprüchen) –tatsächlich hat das Wasser hier Trinkwasserqualität (wobei der feine europäische Magen hier trotzdem erstmal etwas vorsichtig sein sollte), denn obwohl sich hier viel Salz löst, hat man keine Versalzung. Mit den Mokoros kann man Stellen erreichen, die einem sonst verwährt blieben. Viele Bereiche im Okavango-Delta sind auch ansonsten nur mit einem Flugzeug zu erreichen.

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Von mir aus hätten wir ewig mit den Mokoros ab der Landschaft vorbei fahren können

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta So ruhig, so friedlich

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Die Poler sind top fit und steuern die Boote hervorragend 

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Termiten gibt es auch im Okavango-Delta 

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Mein zerknitterter Hut und ich genießen die Fahrt

An einem Ufer schlagen wir auch unser Camp auf. Wir haben nur das zur Verfügung, was wir uns mitgebracht haben. Fließendes Wasser haben wir in dieser Nacht nicht (wofür auch – haben wir den Delta doch direkt vor der Nase) und unsere Toilette ist ein geschaufeltes Loch hinter einem Busch. Am Lager befindet sich eine Schaufel (um sein Geschäft zu verstecken) und das System ist denkbar einfach: Ist die Schaufel an ihrer Stelle, ist die Toilette frei. Ist die Schaufel weg, ist die Toilette besetzt. Wir befinden uns hier mitten in der Wildnis: wir dürfen uns alleine nicht weiter als 250m vom Lager entfernen, denn vielleicht ist ein Raubtier unterwegs auf der Suche nach einem Snack. Tatsächlich stattete uns nur ein Elefant einen besuch ab, der nahe an unserer Toilette vorbei spazierte. Natürlich ist auch im Dunkeln eine größere Vorsicht geboten und man sollte nicht alleine das Kloloch aufsuchen.

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Unser Zelt in der Wildnis (und es sieht von Tag zu Tag schlimmer aus :-)

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Die Mokoros am Ufer

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Das Lager ist aufgebaut – erstmal ’nen Tee

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta

Wer Lust hat, kann sich am Nachmittag von den Polern noch zeigen lassen, wie man ein Mokoro steuert, bevor es für uns alle dann wieder in die Boote geht um noch ein wenig das Gelände zu erkunden. Wir fahren tiefer in das Okavango-Delta hinein, denn ein Spaziergang in der Wildnis steht an. Nachdem wir uns ein Ziel ausgesucht haben, geht es im Gänsemarsch durch die Savanne und wir begeben uns auf Spurensuche (oder besser gesagt, unser Guide). Natürlich gelten auch hier Regeln: keine auffällige Klamotten Farben, natürlich beim Guide bleiben und seinen Anweisungen folgen. Eigentlich ganz einfach. So stapfen wir hinter ihm her. Ich hab den Eindruck, wir trampeln wie eine ganze Elefantenherde über die Steppe und ich bezweifle, das wir irgendwas zu sehen bekommen. Schließlich sehen wir aber doch noch einige Büffel, Giraffen und natürlich Zebras. Der Guide erklärt uns noch einiges über das Delta und die Tiere hier. Leider haben wir immer noch keine Löwen gesehen (oder vielleicht ist das auch besser so?), aber wir sollten später noch eine letzte Gelegenheit auf unserer Reise haben…

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Meint ihr etwa uns?!

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Die Zebras galoppierten episch an uns vorbei…

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta … um sich dann vor dem Sonnenuntergang zu positionieren

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta selbst alte Elefantenknochen sehen sich noch den Sonneuntergang an

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Bald wird es dunkel – es wird Zeit zu gehen

Auf der Rückfahrt kollidiert unser Weg mit ein paar Nilpferden. Einer fühlt sich offenbar von uns etwas gestört und bewegt sich in unsere Richtung. Wie man ja inzwischen weiß, gehören Nilpferde zu den gefährlichsten Tiere und ich fühle mich in diesem Moment sehr unbehaglich. Unser Poler fährt uns ruckartig rückwärts in den Schilf, wo wir einen Moment verharren. Die Gefahr scheint gebannt zu sein. Im Schilf beobachten wir einen traumhaftschönen Sonnenuntergang, bevor es dann heil zurück ins Camp geht.

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Hat der uns etwa im Visier?!

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta So viele tolle Sonnenuntergänge wie in Afrika sieht man selten

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta Noch schnell ein Foto gemacht im sicheren Schilf

Der Abend verläuft ereignislos. Wir genießen unser Essen unter freiem Himmel und bewundern voller Begeisterung den absolut pornorösen Sternenhimmel mit großartiger Milchstraße. Später singen und tanzen die Poler noch für uns in ihrer Sprache und natürlich müssen wir am Ende auch noch mit machen. Zu späterer Stunde krieche ich in meinen Schlafsack und lausche den spannenden Geräuschen der Wildnis und schlafe dazu ein. Nachts waren wohl tatsächlich auch Löwen nicht unweit von unserem Lager unterwegs – den man berichtete mir von dem Löwengebrüll, der zu hören war. Ich hab diesen natürlich verschlafen und nur hier und da das jaulen der Hyänen gehört.

Am nächsten Morgen erwache ich zeitig. Ich habe hervorragend geschlafen! Draußen ist es wirklich sehr kalt und es kostet mich ein wenig Überwindung aus dem mollig warmen Schlafsack zu kriechen. Aber ist man mal in Bewegung, ist die Kälte auch gar nicht mehr so schlimm. Nach dem Frühstück brechen wir unser Lager ab und achten besonders darauf, keinen Müll oder anderes in der Wildnis zurück zu lassen. Mit den Mokoros geht es dann zurück in die Zivilisation….

Malaria? Prophylaxe – Ja oder Nein?

Bisher hatte ich mich auf all meinen Reisen vor dieser Frage drücken können, da ich bisher in keinem richtigen Malaria Gebiet unterwegs gewesen war. Das sollte sich mit dieser Reise ändern, denn ich sollte mich in einigen Hochrisikogebiet aufhalten, wie die Victoria Falls, der Chobe Nationalpark und der Okavango-Delta in Botswana und der Norden von Namibia (Etosha-Nationalpark). Das Risiko steigt meistens noch während der Regenzeit, aber trotzdem blieben einige Ziele Hochrisikogebiete.

Malaria wird von der Stechmücke übertragen, dank deren Stich man Parasiten ins Blut bekommt. Die Infektionskrankheit kann bei Nichtbehandlung tödlich enden – besonders bei Kinder und gesundheitlich gewächte Menschen. Bei schneller Behandlung kann die Krankheit aber effizient behandelt werden. Die Inkubationszeit beträgt mind. 5 Tage – die Krankheit könnte allerdings auch noch Monate später ausbrechen. Daher sollte man nach so einer Reise bei den Symptomen (Fieber, Schüttelfrost, Durchfall, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen) unbedingt zum Arzt gehen. Eine Impfung gibt es leider noch nicht, aber eine Prophylaxe in Tablettenform kann helfen.

Die Prophylaxe ist allerdings für ihre nicht so schönen Nebenwirkungen bekannt und daher nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Tabletten müssen vom Arzt verschrieben werden. Wenn man sie nicht nur zur Vorsicht dabei hat (und dann erst bei Ausbrechen der Krankheit nimmt), beginnt man am Besten bereits im Heimatland diese zu nehmen. So kann man nochmal die Verträglichkeit vor der Reise testen. Ansonsten nimmt man sie gemäß der Packungsbeilage – bei mir: ein paar Tage vorher und eine Woche nach verlassen des Gebietes.

Reisebericht Afrika Botswana Okavango-Delta

Ansonsten helfen natürlich weitere Vorsichtsmaßnahmen, wie helle, lange Kleidung und auf ein Moskitonetze achten (oder in unserem Fall: Zelt immer geschlossen halten). Ein gutes Insektenschutzmittel ist natürlich auch gold wert. Ich hatte mich mit No Bite Hautspray* (welche Marke auch immer, sie sollte 50% DEET enthalten) und No Bite Kleidungsspray* ausgestattet. Das hat bei mir tatsächlich sehr gut geholfen und ich hatte nicht einen Insektenstich während meiner Malaria Hochrisikogebiete-Authenthalte zu verzeichnen. Und normalerweise werde ich immer komplett aufgefressen. Fairerweise sollte ich aber auch noch erwähnen, dass die Plage bei uns bis auf wenige Ausnahmen nicht so groß war. Da ich nicht gestochen wurde, hatte ich die tägliche Einnahme nach den Risikogebieten abgebrochen.

Dies ist selbstverständlich keine Beratung! Lasst euch vor einer solchen Reise von einem Reisemediziner beraten und frischt eure Impfungen auf!

Siehe auch:
Teil 2 meines Afrika Reiseberichts: Nach Botswana: im Chobe-Nationalpark
Teil 4 meines Afrika Reiseberichts: die Wüste Kalahari [Botswana]
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten

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