Das Felsenlabyrinth Luisenburg

Es war wieder einmal Zeit für mein jährliches Wochenende in der Sächsischen Schweiz. Schon seit langem hatten wir das Wochenende festgelegt und bis zum Ende überlegt, ob es statt finden sollte oder nicht. Wir entschieden uns dann dafür, denn wir waren draußen im Wald mit einer Menge Platz. So packte ich also meine Sachen und fuhr gen Osten. Auf dem Weg dorthin, habe ich mir die Zeit in dem wunderschönen Felsenlabyrinth Luisenburg vertrieben.

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgAn einigen Orten im Felsenlabyrinth findet man alte Inschriften

Das Felsenlabyrinth Luisenburg

Das Felsenlabyrinth Luisenburg liegt im Osten Deutschlands, nicht weit von der tschechischen Grenze entfernt. Das beliebte Ausflugsziel ist ein Felsenmeer aus Granitblöcken und nebenbei das größte seiner Art in Europa. Es gehört zum Naturschutzgebietes Großes Labyrinth bei Wunsiedel und ist mit seinen 300 Millionen Jahre alten Blöcken die Hauptsehenswürdigkeit im Fichtelgebirge. Die verschiedenen Granitblöcke ergeben ein natürliches Steinlabyrinth, welches auf eigene Faust erkundet werden kann. Der Rundgang umfasst insgesamt 25 Stationen, die durch Markierungen gekennzeichnet sind. Besucht werden kann das Labyrinth von Groß und Klein, es sollte aber das passende Schuhwerk getragen werden. Der Weg führt einen durch enge Felsspalten, auch muss man sich mal bücken und teils steile Passagen passieren. Dafür wird man mit wildromantischen Wegen mit bemoosten Felsen, mystischen kleinen Höhlen und beeindruckenden Aussichtspunkten belohnt. 

Kilometer: 2,05km
Dauer gesamt: 1:40 (inkl. kleiner Pausen und Fotostops)
Aufstieg & Abstieg gesamt: ca 110m
Markierung: farbige Pfeile (blau Aufstieg, rot Abstieg, gelb alternative Route)
(gemessen mit einer Tracking App)

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgSchon am Eingang erwarten einen die ersten große Steine

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgKolossale Steinhaufen

Am frühen Mittag erreiche ich das Felsenlabyrinth. Der Himmel ist mit dicken grauen Wolken bedeckt und insgesamt wirkt es recht regnerisch, aber ich habe Glück – es bleibt trocken. Dank dem grauen Wetter, war die Location auch sehr leer und neben mir waren nur wenige andere Besucher vor Ort. Ich kann mir vorstellen, dass das an einem sonnigen Tag hier auch ganz anders aussehen kann. Mein Rundgang beginnt am Alten Theaterplatz, der sich nur wenige Meter hinter dem Eingang befindet. 

Im 16. Jhd kamen hierher die Wunsiedler Lateinschüler um am Magaretentag Beeren zu sammeln. Dabei wurde gesungen und dank der guten Akustik wurde der Platz fürs Theater entdeckt. Zwischen 1790 bis 1805 wurden hier selbst verfasste Stücke aufgeführt, mit deren Einnahmen der Ausbau des Felsenlabyrinths finanziert werden konnte. Dies war der Beginn der Luisenburg-Festspielen, die hier alljährlich zwischen Ende Mai/Anfang Juni und Ende August/Anfang September statt finden. 

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgEine Karte informiert über den Weg und die Stationen

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgDer Alten Theaterplatz

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgVom Alten Theaterplatz geht es in verschiedene Richtungen weiter

Das Felsenlabyrinth Luisenburg ist immer zwischen Ende März und Anfang November geöffnet und der Eintritt kostet 4,5 Euro. Parkplätze sind in ausreichender Anzahl vorhanden – es wird eine Gebühr von 3 Euro erhoben. Betreut und gepflegt wird das Felsenlabyrinth von der Stadtverwaltung Wunsiedel, die das Eintrittsgeld zur Pflege und Erhaltung des Naturdenkmales nutzen. 2002 ist es mit dem Gütesiegel „Bayerns schönste Geotope“ ausgezeichnet worden und seit 2006 befindet es sich auch in der Liste der 77 ausgezeichneten Nationalen Geotope Deutschlands. Wer während der Wanderung mehr über die einzelnen Station erfahren möchte, kann sich die App installieren, die Erklärungen über die entsprechenden Stationen bereit hält. 

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgEin kleines „Steinfenster“ bei der Tränengrotte

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgAuf dem Rundgang werden die Passagen auch mal richtig eng

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgManchmal steht auch eine Treppe zur Stelle

Der Rundweg ist nicht zu lang – ich bin mit allen Strecken ungefähr 2km gelaufen. Man findet auf der ganzen Route entsprechende Markierungen, die gut sichtbar sind. Der Aufstieg ist mit blauen Pfeilen markiert, während der Abstieg mit roten Pfeilen auf sich aufmerksam macht. Es gibt eine alternative Route, die auf der Karte mit gelb markiert ist. Die sogenannte Wolfsschlucht befindet sich beim Alten Theaterplatz. Hier habe ich keine eindeutige Markierung gefunden, man muss aber die Treppe auf der linken Seite hochgehen. Der Auf- und Abstieg kreuzt sich auf der Strecke mehrmals – der Rundweg kann also auch unproblematisch abgekürzt werden. 

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgHier gehts lang!

Reisebericht Felsenlabyrinth Luisenburg

Entstanden ist das Felsenlabyrinth über einen langen Zeitraum durch andauernden Verwitterung und Erosion. Das feuchtwarme Klima des Tertiärs ließ die gut gerundeten Formen der einzelnen Blöcke entstehen. Im Laufe der Zeit veränderten sich die Granitblöcke durch die Erosion und sie begannen sich zu verlagern. So entstanden nach und nach die engen Passagen zwischen den Granitblöcken, wie sie heute zu bestaunen sind. Das nach Königin Luise benannte Felsenlabyrinth ist seit dem 18. Jhd. touristisch erschlossen. Bürger der Ortschaft Wunsiedel begannen um 1790 damit, das Felsengebiet als Landschaftsgarten zu gestalten. Auch damals musste man sich schon bücken oder gar kriechen, – was für die damaligen Adeligen nicht so oft vorkam und ein zusätzlicher Reiz war. Die preußische Königin Luise kam 1805 auch für einen Besuch vorbei und sie berichtete ganz begeistert von diesem wildromantischen Naturwunder. Auch Goethe ließ sich das nicht entgehen und lobte es als architektonische Gartenkunst. 

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgHier findet man auch abenteuerliche Treppen

Reisebericht Felsenlabyrinth Luisenburg

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgEin bisschen Nebelstimmung liegt auch in der Luft

Ich konnte mich nicht so recht entscheiden, wo ich lieber lang gehen sollte, also bin ich beim Aufstieg durch die Wolfsschlucht spaziert und nachdem ich den Rundgang beendet habe, bin ich das Stück von dem normalen (roten) Aufstieg auch nochmal gelaufen. Die Wolfsschlucht hat ein paar sehr hübsche Plätze zu bieten, wie z.B. die Tränengrotte, den Friedrich Wilhelmsplatz und den Jean-Paul-Platz mit dem Regenschirmfelsen. Der Jean-Paul-Platz wurde nach dem deutscher Schriftsteller Johann Paul Friedrich Richter benannt, der 1763 in Wunsiedel geboren wurde. Der sich hier befindene Regenschirmfelsen hat seinen Namen erhalten, da der imposante Felskoloss an einen geschlossenen, umgedrehten Regenschirm erinnert. 

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgLinks: der Regenschirmfelsen – sieht man ihn zentral von vorne sieht er aus wie ein umgedrehter Regenschirm

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgHier gehts bergab

Reisebericht Felsenlabyrinth Luisenburg

Ich spaziere mich durch den Rundgang und bin begeistert. Es gibt zahlreiche Steinfelsen oder -blöcken in oft auffällige, manchmal auch skurrilen, Formen. Der Weg führt einen über typischen Waldboden mit riesigen Wurzeln, aber auch Stein- oder Gittertreppen und über kleine Schluchten. Es ist ein Fest für Waldfreunde. Manchmal möchte man gar nicht glauben, dass es an dieser oder jener Stelle noch weiter geht, da manche Öffnungen so klein wirken, das man sie manchmal gar nicht sofort sieht oder die Wege so verschachtelt sind. 

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgDer Weg führt uns u.a. über Steintreppen…

Reisebericht Felsenlabyrinth Luisenburg… und normalem, tollen Waldboden

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgAuf das Gelände verteilt findet man einige Ruhebänke zum chillen und genießen

Ich erreiche den Bundesstein mit Kreuz. Einer Legende nach sollen sich hier 1815 3 verstrittene Freunde wieder versöhnt haben. Über eine Stahltreppe kann man den Felsen bis zum Kreuz erklimmen und die weitläufige Landschaft auf das Fichtelgebirge bewundern. Der Felsen ist mit seinen 785m der höchste Punkt des Felsenlabyrinth. Das erste Holzkreuz an dieser Stelle wurde bereits 1815 errichtet und musste erst nach über 100 Jahren erneuert werden. An der Felsunterseite gibt es eine Innschrift über Freundschaft, die zur Legende der 3 Freunde passt. Wer noch motiviert ist, kann vom Rastplatz aus auch noch weiter wandern, z.B. zum Kaiserfelsen. 

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgDer Luisenburg-Kreuzfelsen (Bundesstein) mit dem Rastplatz

Reisebericht Felsenlabyrinth Luisenburg

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgWie das wohl entstanden ist?

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgSo viel toller Moos!

Ich erreiche die Markierung die drei Brüder – bei denen es sich um 3 eigentümlich geformte Felsblöcke handeln, die auf weiteren Felsblöcken stehen. Eine Sage erzählt, hier hätte ein Riese mit Steinen gewürfelt, aber der Name verweist eher auf die 3 Söhne des Johann Georg Schmidt, die den Ausbau des Felsenlabyrinths stark prägten. Johann Georg war bei der Erschließung der Hauptinitiator und damaliger Bürgermeister gewesen. 1811 führten die Söhne das Werk ihres Vaters fort. In verschiedenen Bereichen des Felsenlabyrinths lässt sich eine Kriminalgeschichte ablesen, die von einer Schmuggelaktion gegen Kaiser Napoleon erzählt. Wer diese Geschichte erfahren möchte, kann sich diese in der App anhören (Unter Extra, Kriminalgeschichte). 

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgDie drei Brüder

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgEine weitere auffällige Felsform

Reisebericht Felsenlabyrinth Luisenburg

Die Mariannenshöhe wurde 1815 von Florentin Theodor Schmidt als eine künstliche Ruine angelegt. Die Ruine sollen in einem das Gefühl der Erhabenheit und Einsamkeit hervorrufen und an verganene Zeiten erinnern. Die Mariannenshöhe übernahm aber auch recht schnell die Funktion eines Aussichtsturm. In Richtung Osten ist die Ruine offen und man kann bei gutem Wetter bis nach Böhmen blicken. Benannt wurde sie nach der Ehefrau des Kaufmanns Heinrich Johann Merck Marianne. Von hier aus kann man bis nach Karlsbad blicken, wo das Ehepaar später im Exil lebte. Aufgrund von Schmuggelhandel war der Kaufmann zu einer der reichsten Männer Hamburgs geworden. Die französischen Besatzer zu dieser Zeit verlangten, dass er eine Zwangserhebung zahlte, die er sich nicht leisten konnte und sie flohen aus der Stadt.

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgDie Ruine der Mariannenshöhe 

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgDer Blick von der Mariannenshöhe auf das Felsenlabyrinth

Reisebericht Felsenlabyrinth Luisenburg

Vom Burgplateau mit dem Altes Schloss hat man (bei klarer Sicht) einen herrlichen Ausblick auf die Stadt Wunsiedel und das Fichtelgebirge mit den zwei Gipfeln Schneeberg und Ochsenkopf. Hier befand sich mal die alte Loßburg – ein Wehrturm mit Ringmauer -, die als Straßensicherung diente. Der Pavillion wurde vermutlich um 1805 während der Arbeiten zum Königsbesuch errichtet. Der damalige Holzbau verfiel allerdings recht schnell, der heutigen Pavillion ist eine Rekonstruktion von 2005. 

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgDer Pavillion auf dem Burgplateau

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgDie Sicht war an diesem Tag nicht so klar, aber für die Aussicht auf Wunsiedel hat es noch gereicht

Der Rundgang ist fast beendet. Einer der letzten Punkte auf dem Weg ist die Insel Helgoland. Hier im Felsenlabyrinth besteht die „Insel Helgoland“ aus einem 7m hohen Felsbrocken mit einem kleinen Pavillon. Sie ist nicht nur Ausgangspunkt der Zuckerschmuggel Geschichte, sondern auch der markanteste Punkt. Errichtet wurde der Pavillon 1811, parallel zu einer Zuckerfabrik in Wunsiedel. Erinnern soll der Name an die echte Insel Helgoland, die damals während der Wirtschaftssperre gegen Napoleons Hauptfeind England zum Schmuggeln diente. Sie steht als symbolischer Ort der Opposition gegen die Kontinentalsperre.

Reisebericht Felsenlabyrinth LuisenburgHübsch und idyllisch: die Insel Helgoland

Reisebericht Felsenlabyrinth Luisenburg

Reisebericht Felsenlabyrinth Luisenburg

Nach meinem Rundgang verabschiede ich mich sehr zufrieden vom Felsenlabyrinth Luisenburg. Am Eingangsbereich gibt es ein kleines Restaurant in das man zum Abschluss noch mit Kaffee und Kuchen oder ähnlichem einkehren kann. Für mich ging es aber zurück zum Auto in Richtung Sächsische Schweiz. Der Besuch im Felsenlabyrinth hat mir sehr gut gefallen und lohnt sich mMn auf jeden Fall. Insgesamt gab es einige interessante Stationen und ich bin nur auf einen Teil eingegangen. 

Siehe auch:
Teil 2 meines Bodensee Reiseberichts: Sächsische Schweiz – Über die Heilige Stiege in die Bussardboofe
Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)

Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gern - die Antwort kann aber evtl. ein bisschen dauern ;-) Seid mir nicht böse