Boofen und grandiose Aussichten auf den Schrammsteinen – Sächsische Schweiz

Ein weiteres Jahr infolge ging es für uns ins Erzgebirge und in die Sächsische Schweiz zum boofen. Ein paar schöne Aussichten dürfen auch nicht fehlen. So führte uns eine – für mich recht abenteuerliche – Wanderung auf die Schrammsteine.

Eine Nacht im Erzgebirge

Nachdem ich Görlitz verlassen habe, ging es für mich Richtung Erzgebirge. Wie es die Tradition verlangt, wird die Nacht vor unserer Wanderung in die Sächsische Schweiz im Erzgebirge verbracht. Auch hier suchen wir uns jedes Jahr ein neues Fleckchen zum nächtigen. Ich habe das Gebirge im Süden Sachsens zwar in vergangenen Beiträgen bereits erwähnt, aber noch nie so richtig darüber geschrieben. Da es im Juli 2019 zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde, dachte ich mir: das ist der Moment für ein paar Zeilen. Das Mittelgebirge liegt zwischen Sachsen und Böhmen. Die höchsten Erhebungen sind der Keilberg (1.244m) und der Fichtelberg (1.215m).

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineWunderschönes Erzgebirge

So richtig wird das Erzgebirge erst seit dem 12. Jhd besiedelt – obwohl es vorher auch schon hier und da bewohnt wurde. Interessant wurde die Region, als man 1168 die ersten Silbererze in der Ecke des heutigen Freibergs (hier habe ich Freiberg einen kurzen Besuch abgestattet) entdeckte. Darauf folgte das „erste Berggeschrey“ – die sich schnell ausbreitende Kunde von reichen Erzfunden, worauf hin zahlreiche Bergleute, Händler und Abenteuerer hier ihr Glück versuchten. Der Bergbau boomte und die Region entwickelte sich zum bedeutenden Erzlieferanten. Früher wurde die Region „Miriquidi“/ „Dunkel- bzw. Finsterwald“ genannt – dann wurde es zum Erzgebirge. Zahlreiche Bergstädte wurden gegründet, bedeutende Handelsstraßen schufen Verbindungen nach Dresden und Böhmen – eine Industrialisierung setzte ein. Es wurde fleißig abgebaut: Silber, Zinn, Eisen, aber auch Zink und vieles mehr. Vor dem Bergbau-Boom war das Gebirge vollständig mit Wald bewachsen. Dieser musste dem Bergbau weichen: wegen dem hohen Bedarf an Holz für Hütten, aber auch als Brennstoff, begann man im 12. Jhd mit der großflächige Abholzungen. Aber selbst die Wälder konnten den Bedarf nicht decken. Um die restlichen Wälder noch zu erhalten, wurde im 18. Jhd Kohle als Brennstoff gefördert.

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineEin paar Wälder sind uns hier zum Glück noch erhalten geblieben

Der Boom neigte sich im 17. Jhd aber langsam seinem Ende entgegen. Die Menschen suchten sich andere Erwerbsmöglichkeiten, wie z.B. die Spitzenklöppelei, das Posamentieren und die Holzschnitzerei. Zwar erlebte der Bergbau um 1770 und auch im Laufe der weiteren Jahrhunderte immer wieder mal einen Aufschwung, aber die Ausbeute war nicht mehr dieselbe wie im 16. Jhd. 1765 wurde die Bergakademie in Freiberg gegründet, die dank neuer wissenschaftliche und technologische Erkenntnisse den Übergang in das Industriezeitalter einleitete. Um 1990/91 wurden die letzten Werke geschlossen und damit ist der Bergbau weitgehend eingestellt. Über 800 Jahre Bergbau haben Land und Leute der Region nachhaltig geprägt und der Einfluss ist noch heute in vielen Bereichen zu spüren.

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineHier begrüßte uns das Erzgebirge mit einem schönen Sonnenuntergang

Dieses Jahr hatte es uns auf eine Anhöhe Nahe des Schwarzwassertals verschlagen. Nach Rücksprache mit dem Erzgebirgsverein durften wir uns hier für eine Nacht einquartieren. Als wir unser Ziel erreichen, ist die Sonne dabei hinter den Wäldern zu verschwinden. Nach einem kurzen Rundgang, machen wir uns ein kleines Lagerfeuer und der Abend verstreicht mit Essen, Wein und Gesprächen. Die Nacht war recht stürmisch und der Wind in den Bäumen reißt uns immer wieder aus dem Schlaf. Trotzdem habe ich sehr gut geschlafen. Hier und da ließ mich der wolkenreiche Himmel auch mal einen Blick auf den Sternenhimmel erhaschen. Schön!

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineEin gemütliches Lagerfeuer

Die morgendliche Ruhe wird gestört, als plötzlich ein Wecker klingelt. Es wurde vergessen der morgendliche Wecker für die Arbeit auszuschalten. Jetzt bin ich wach. Aber das ist nicht tragisch, denn ich liebe den Morgen in der Natur. Ich schlängel mich aus meinem Schlafsack und ziehe – bewaffnet mit meiner Kamera – über die Anhöhe um sie nochmal etwas genauer zu erkunden. Die Sonne wacht auch gerade auf und taucht das Tal in ein schönes Licht.

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineDie Sonne wacht mit mir zusammen auf

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine

Die Anhöhe ist wirklich ein hübscher Platz – hier gibt es eine Feuerstelle, Platz zum Grillen und die ein oder anderen überdachten Bänke. Der Bereich ist schützend von einigen Felsen umgeben, inmitten eines kleinen Waldes. Nach einigen Metern hat man den kleinen Wald durchquert und man hat eine schöne Sicht auf die kleinen Ortschaften in der Umgebung.  

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineSehr gemütlich und wie in einer eigenen kleinen Welt

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Hier gibt es auch ein Kriegerehrenmal, welches für die Opfer des Ersten Weltkrieges errichtet wurde. Später kam auch eine Namenstafel der Opfer des Zweiten Weltkrieges hinzu, die die Namen von Menschen aus der Ortschaft und die Hausnummern der damaligen Wohnhäuser enthält. Die Liste ist ganz schön lang für eine so kleine Ortschaft.

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine

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Nach einem kurzen, knackigen Frühstück packen wir unseren Krempel zusammen und verlassen diesen schönen Ort…

Eine Boofe bei den Schrammsteinen

Die Rucksäcke werden umgepackt, das letzte Essen wird verstaut. Jetzt geht es in die Sächsische Schweiz. Dieses mal haben wir uns eine Ecke im Westen des Nationalparks rausgesucht. Für den Start unserer Wanderung suchen wir uns einen Parkplatz in der Nähe der Gaststätte Schrammsteinbaude, wo wir glücklicherweise auch einen ergattern können. Hier dürfen wir auch die ganze Nacht stehen. Ein wenig nördlich der Gaststätte biegen wir auf den Schießgrund weg ab und beginnen mit unserer Wanderung. Wir kommen auf den Elbleitenweg, der im südwestlichen Teil der Sächsischen Schweiz entlang führt. Er beginnt beim Falkenstein und führt an den Schrammsteine entlang Richtung Schmilka. Von hier aus, biegen wir ab in den Wald auf der Suche nach einer Boofe.

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine

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Natürlich hatte ich schon vorab im Internet nach ein paar hübschen Plätzchen geschaut, aber wie so oft kommt es in der Sächsischen Schweiz anders als man denkt. Wir verpassen den richtigen Weg – meine Navi-App ist nicht die beste und vermutlich war der gesuchte Weg auf einer anderen Höhe. Wir befinden uns hier am Hohen Torstein, der zu den Schrammsteinen gehört, und hier geht es ziemlich bergauf. Möglicherweise liegt der Weg einige Meter über uns. Vielleicht gibt es diesen Weg aber auch gar nicht (mehr) – wer weiß das schon so genau. Wir finden auf unserer Suche eine andere Boofe und beschließen nach kurzem hin und her hier unser Lager aufzuschlagen. Geworden ist es dieses Jahr also die Boofe am Hohen Torstein (SW-Seite), unterhalb Knirpelwand (N50.91328 E14.20028).

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineEine Treppe führt uns nach oben… 

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine… zu unserer Boofe für dieses Jahr

Die Boofe liegt geschützt von den Bäumen im Felsen. Baumstämme befinden sich hier – sie bilden eine Art „Gehege“ –  und sollen vermutlich das herunter kullern von schlafenden verhindern. Hier geht es nämlich ziemlich steil bergab. Wir nutzen die Balken als sehr praktische Sitzgelegenheit und bewundern die Natur, den nahenden Sonnenuntergang und lassen uns unser Essen schmecken.

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineUnsere Boofe liegt gut versteckt zwischen Felsen und Bäumen

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Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineEine wackelige Angelegenheit wenn ihr mich fragt…

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineUnser Gipfelbier darf auch dieses Jahr nicht fehlen!

Wir erkunden die nähere Umgebung und krackseln hier und da auf den Felsen herum. Ich werde ein wenig nervös dabei, da es hier nicht wirklich richtige Wege gibt, oder wenn doch, sie schmale Wege entlang des Felsens sind und meine Höhenangst sich hier und da bemerkbar macht. Trotzdem schaffe auch ich es zu ein paar hübschen Spots, wo wir nochmal eine grandiose Aussicht auf die Umgebung genießen können.

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineWie grandios ist diese Landschaft und wie grandios ist dieses Licht?

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineHier geht es zwar überall steil bergab, aber auch bergauf

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineTolle Ausblicke bis zum Großen Zschirnstein

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Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineEin weiterer Sonnenuntergang in der Sächsischen Schweiz

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In der Nacht stürmte es ein wenig und es soll sogar geregnet haben. Wir lagen zum Glück gut geschützt in unserer Boofe und ich habe zumindest nichts davon mitbekommen. Tatsächlich war es aber in dieser Boofe nicht ganz so idyllisch, da sie in Richtung Bad Schandau ausgerichtet ist. Wir waren erstaunt, wie weit Geräusche bis in die Sächsische Schweiz transportiert wurden. Die Züge von der anderen Seite der Elbe waren die halbe Nacht hindurch zu hören. Mich hat es zumindest beim schlafen nicht gehindert, aber man fühlte sich nicht ganz so alleine in der Natur, wie in anderen Boofen. Beim nächsten Mal wird unsere Wahl definitiv wieder auf ein etwas abgelegeneres Gebiet fallen.

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine

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Wir waren mit unserer Tour trotzdem zufrieden und nach einem kurzen Frühstück haben wir auch diese Boofe wieder verlassen. 

Auf zur Wanderung zu der Schrammsteinaussicht 

Ganz fertig waren mir mit der Sächsischen Schweiz für dieses Jahr allerdings noch nicht. Der Hohe Torstein gehört zu den Schrammsteinen – eine langgestreckte und zerklüftete Felsgruppe. Er ist der höchste der Felsen mit 425m, gefolgt vom Mittlerer Torstein (423m). Früher befand sich hier mal die Burgwarte Schramensteyn, die der Herrschaft Wildenstein als Beobachtungsstand diente. 1456 galt sie bereits als verfallen und erst 1993 wurden ihre Reste durch Bergsteiger auf dem Vorderen Torstein wiederentdeckt. Wir hatten von der sagenhaften Aussicht gehört und wollten uns diese genauer ansehen. Es gibt mehrere Wege zum Aussichtspunkt in verschiedenen Schwierigkeiten. Wir folgten weiter dem Elbleitenweg und haben dann die Abzweigung auf den Schrammsteinweg genommen.

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineZunächst begann der Weg sehr einfach…

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine… und es ließen sich unterwegs einige hübsche Felsen entdecken

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine

Dann kam der – zumindest für mich – unangenehme Part. Wir hatten von zwei verschiedenen Wegen aus dieser Richtung gehört. Wovon einer, der Wildschützensteig, schon etwas schwieriger sein sollte. Der zweite Weg sollte nur über Treppen führen und recht einfach sein. Tja, was soll ich sagen. Ich bin einfach nicht so schwindelfrei, also entschied ich mich für den zweiten, den Jägersteig. Ich hatte gehofft, so recht einfach zu meiner grandiosen Aussicht zu gelangen, aber bereits nach einigen Meter wurde mir klar: so einfach wird das nicht. So wirklich schlimm war der Weg nicht, aber einige der Treppen stellten sich dann als recht steile und lange Leitern heraus, wo ich ehrlich schon weiche Knie bekommen habe. Dazu noch mit Sack und Pack. Im Schneckentempo bin ich dann irgendwie oben angekommen und kam endlich zu  meiner Aussicht.

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineZumindest gab es zwischen den ganzen Leitern und Treppen auch ein bisschen normaler Wanderweg

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineAch, wie schön! Der Aufstieg hat sich trotz weicher Knie gelohnt

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine

Der Jägersteig endet kurz darauf auf dem Gratweg, der ein beliebter Weg bei Wanderern ist. Generell sind die Schrammsteine ein sehr beliebtes Ausflugsziel in der Sächsischen Schweiz. Wer sie besichtigen möchte, sollte dies möglichst früh am Morgen tun. Wir hatten an diesem Tag wirklich super Wetter und als wir mit dem Abstieg begannen, kam uns bereits eine Horde an Menschen entgegen. Was bei den vielen Leitern und nicht ganz einfachen Wegen recht schnell anstrengend werden kann. 

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineWas für ein hübscher Herbstwald!

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineDer Hohe und Mittlere Torstein – auf der anderen Seite war unsere Boofe gewesen

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineWer findet den Kletterer? Bei seinem Anblick ist mir direkt ganz anders geworden :-)

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineWie wärs mal mit einer Torstein Überquerung? – Neeein… lieber nicht….

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine

Wir waren froh, das wir der Meute nochmal zuvor gekommen sind. Nachdem wir die Aussicht ausgiebig genossen haben, ging es für uns auch schon wieder bergab und endgültig zurück zum Auto. Zurück ging es auf dem Schrammsteinweg – diesmal in die andere Richtung, der uns durch einen hübschen Canyon führte. 

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineEine der leichten Treppen

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineDie Sächsische Schweiz und ihre Sandsteinfelsen – immer wieder schön! Ich freue mich schon auf das nächste Jahr

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineDurch einen kleinen Canyon geht es zurück zum Parkplatz

Reisebericht Sächsische Schweiz Schrammsteine

Reisebericht Sächsische Schweiz SchrammsteineTschüß, Sächsische Schweiz. Wir sehen uns nächstes Jahr

Einige Zeit später verlassen wir wieder die Sächsische Schweiz und fahren mit unserem Auto davon. Dies war unser 5. Jahr infolge 

Hinweis: Alle genannten Unterkünften/Touren/Restaurants/etc. habe ich selbst gebucht und bezahlt. Dies sind lediglich Empfehlungen bzw. Erfahrungsberichte meinerseits und es erfolgte keine Zusammenarbeit mit einer Firma. Ich wurde für die Verlinkung/Werbung nicht bezahlt. Ich bin ein privater Blog und verdiene damit keinerlei Geld. Ich habe einfach nur Spaß am bloggen und reisen und teile dies mit der Welt :-)