Athen 4 – Tagesausflug zum Orakel von Delphi

Wer kennt es nicht, das Orakel von Delphi? Ich wollte mir ansehen, was dieser magische Ort zu bieten hat und begab mich dafür in das gebirgige Landesinnere von Griechenland… 

Von Athen nach Delphi

Delphi ist ca 180 km von Athen entfernt. Für den Tag hatte ich eine Tagestour bei Key Tours* gebucht. Vom Zentrum aus ging es für ca 3 Std. durch die schöne Landschaft von Griechenland nach Delphi. Der Bus war bequem und es gab sogar Wifi. Unser Guide Mariana war sehr nett, hat sehr gut englisch gesprochen und unterwegs allerlei interessantes zu Athen und Griechenland und natürlich auch Delphi erzählt. 

Reisebericht Athen Großartige Landschaften in Griechenland

Ein wenig Geschichte

Das Orakel von Delphi war im antiken Griechenland die wichtigste Weissagungsstätte der damaligen Welt. Eine Legende besagt, dass Zeus zwei Adler je von einem ende der Welt fliegen liess und in Delphi haben sie sich getroffen und so galt dieser Ort als Mittelpunkt der Welt. Eine weitere besagt, dass die Erdgöttin Gaia sich mit der Erde vereinigte und die geflügelte Schlange Python gebar. Diese Schlange hatte hellseherische Fähigkeiten. Gaia prophezeite Hera, dass Leto – eine Nebenbuhlerin um Zeus – ihm Zwillinge gebären werde. Die eifersüchtige Hera schickte Phyton um Leto zu töten, aber Zeus konnte diese Intrige verhindern. Leto gebar ihm Artemis und Apollon. Apollon tötete später Python – als Rache für den Anschlag auf seine Mutter. Das Blut Phytons wurde vergossen und so übertrug sich die hellseherischen Fähigkeiten auf den Ort Delphi. Ab da an befand sich dieser Ort dann auch unter dem Schutz Apollons.

Reisebericht Athen

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Der Aufstieg um diesen Ort ist ab dem 8. Jhd v. Chr. durch Funde dokumentiert. Der Ort wurde von den Pytho – einem damaligen Kult – bewohnt und geführt.  Bevor es zu einer Weissagung kam, musste es ein Omen geben: z.B. besprenkelte ein Priester eine Ziege mit Wasser – blieb sie ruhig, gab das Orakel keine Auskunft und der Fragende musste einen Monat später wieder kommen. Zuckte die Ziege zusammen, wurde sie als Tieropfer geschlachtet und das Orakel gab Auskunft. Das Orakel atmete vermutlich aus einer Erdspalte berauschende Dämpfe ein, welche sie in trance versetzte. Nur besondere Klienten bekamen ausführliche Antworten – die Ärmeren bekamen nur Ja oder Nein Antworten. Hierfür griff das Orakel in einen Sack mit schwarzen (Nein) und weißen (Ja) Bohnen.

Das Ende kam durch den christlichen Kaiser Theodosius, der 391 n. Chr, als er alle Orakelstätten verbot. 

Die Stätte des Orakel von Delphi

Unser erster Stop in Delphi war der Tempel der Athena Pronaia. Hier soll es drei Tempel zu Ehren der Athena gegeben haben – alle waren sie nach Süden zum Tal hin ausgerichtet. Man fand während Ausgrabungen hier über 200 Tonfiguren einer weiblichen Gottheit. Ursprünglich soll es hier eine Quelle gegeben haben, die einem die Dichtergabe verlieh wenn man aus ihr trank.

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Der bekannteste Tempel ist der dritte mit dem auffälligen Tholos – ein Rundbau aus Marmor. Einst gab es hier 20 Säulen, von denen später 3 wieder aufgestellt wurden. Dieses Tal kann kostenfrei besichtigt werden. 

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Dann geht es weiter zur eigentlichen Stätte des Orakels von Delphi. Der Eintritt kostet 6 € oder als Kombiticket zusammen mit dem Museum 9 €. Wir hatten einen wunderbaren Tag: es war relativ wenig los und es war absolut großartig frühlinghaft und angenehm. Das Gelände und die ehemaligen Gebäude wurden den Hang hinauf gebaut und die „Heilige Straße“ schlängelt sich 300 Höhenmeter von unten nach oben an den Gebäuden entlang.  Man muss sich vorstellen, wie das damals ausgesehen haben muss!

Reisebericht Athen Der Beginn der Heiligen Straße

Reisebericht Athen Überall sieht man kleine Ruinen oder einfach nur Steine

Reisebericht Athen Frühling in Delphi

Reisebericht Athen Im Hintergrund, das großartige Parnass-Gebirge

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Reisebericht Athen Auch hier gibt es viele Katzen :-)

Reisebericht Athen Eine sagenhafte Aussicht!

Hier sehen wir den Stein der Sibylle. Eine Sibylle war eine Prophetin, die im Gegensatz zu einer göttlichen Seherin unaufgefordert die Zukunft weissagte. Es ist unklar ob es hinter der Figur der Sibylle eine (einzige) wirkliche historische Person gegeben hat. Mehrere Orte erhoben den Anspruch, wo die/eine Sibylle eine Weissagung getätigt haben soll. So wurde der Name Sibylle zu einer Bezeichnung für einer weiblichen Prophetin. Der Stein der Sibylle in Delphi könnte darauf hinweisen, dass eine Sibylle evtl. eine Vorgängerin des Orakels sein könnte.

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Eines der besterhaltensten Gebäude hier ist das Schatzhaus der Athener. Es diente damals zur Aufbewahrung von Weihgeschenken der Stadt Athen – alleine die Errichtung eines solchen Schatzhauses spiegelt die Macht und den Einfluss der Stadt Athen in jener Zeit wider. Man tippt das Gebäude auf 510/480 v. Chr. – aber genauere Angaben hat man nicht. Auf dem Gelände gab es ursprünglich aber div. Schatzhäuser, von den meisten sind aber nur noch die Fundamente zu sehen.

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Reisebericht Athen Die Säulen passen farblich perfekt zu dem Gebirge dahinter

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Das Herzstück der Stätte war früher sicherlich mal der Tempel des Apollon. Von dem damaligen Sitz des Orakels sind heute nur noch die Grundmauern übrig. Er wurde aus finanziellen Mitteln, die aus ganz Griechenland nach Delphi kamen, errichtet.

Reisebericht Athen Der Tempel von Oben – es ist nicht mehr viel übrig

Reisebericht Athen Die Schlangensäule (mitte) vor dem Apollon Tempel ist ein nach dem Sieg über die Perser gestiftetes Weihgeschenk.

Reisebericht Athen Inschriften auf einer Säule

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Als nächstes erreicht man das Theater, welches etwa 5.000 Zuschauern platz bot. Das hübsch in den Berg eingearbeitete Theater wurde im 4. Oder 3. Jhd. vor Chr. errichtet und hier fanden die musischen Vorführungen, der Pythische Spiele – neben den Olympischen Spielen die zweitwichtigsten Spiele in der Antike – statt.

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Reisebericht Athen Das Orakel von Delphi gehört zu den wenigen Stätten auf der Welt wo es sogar Infotafeln in Blindenschrift gibt

Reisebericht Athen Um so weiter man nach oben kommt, um so toller ist die Aussicht runter auf das Tal

Wer jetzt noch motiviert war, konnte noch ein gutes Stückchen weiter laufen um oberhalb des Theaters das Stadion zu besichtigen. Es liegt auf dem höchsten Punkt der Stätte und gehört zu den am besten erhaltenen antiken Stadien Griechenlands. Hier fanden früher alle 4 Jahre die Pythische Spiele statt.

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Natürlich folgt noch der Museum des Archäologisches Museum Delphi. 5-10 Minuten braucht man etwa zu Fuß von der archäologischen Stätte zum Museum. In 14 Räumen werden Funde aus der archäologischen Stätte ausgestellt. Die Ausgrabungen finden hier seit 1892 statt und neben großartigen Statuen (u.a. auch von einer Sphinx) kamen auch Elfenbeinschnitzereien, Inschriften und Porträts zusammen.

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Reisebericht Athen So hat es hier wohl mal ausgesehen! Wie großartig!

Reisebericht Athen Mehr oder weniger erhaltene Figuren aus der archäologischen Stätte

Arachova

Unsere An- und Abfahrt erfolgt durch die kleine Bergstadt Arachova. Die Stadt befindet sich auf einer Höhe von 963m und liegt zwischen den Gebirgen Parnassos und Kirfi und der Ebene von Krissa. Die Stadt ist – durch die nähe von Delphi – touristisch geprägt. Inzwischen ist sie aber auch als größter und modernster Ski-Ort Griechenlands bekannt. Wir machen nur einen kurzen Fotostop außerhalb der Stadt und haben keine Zeit uns die Stadt selbst ansehen. Aus dem Bus heraus sieht sie aber sehr gemütlich aus.

Reisebericht Athen Sehr malerisch, oder nicht?

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Essen in Delphi

Man kann die Tour mit und ohne Essen buchen. Ich hatte sie ohne Essen gebucht, aber auch in dem Restaurant Villa Symposium gegessen. Das Essen war lecker, aber auch nichts besonderes – dafür aber verhältnismäßig teuer. Die Bedienung war sehr nett, aber man merkt, dass der Laden auf den Tourismus ausgelegt ist. Wer dort nicht essen möchte, sollte sich was zu essen mitbringen, denn es gab bei uns keine alternativen Restaurants oder Stände wo man sich etwas kaufen kann.

Reisebericht Athen Ich kann immer noch keine schönen Food-Fotos machen :-)

Hier endet mein Athen Reisebericht. Für mich ging es am nächsten Tag wieder nach Hause. Gefühlt machen die Meisten Ihren Griechenland Urlaub auf den ägäischen Inseln – dabei muss sich das Festland überhaupt nicht hinter den Inseln verstecken. Athen ist eine so großartige Stadt, die richtig viel zu bieten hat und auch das Landesinnere hat so viel tolle Landschaften zu bieten. Ich werde definitiv wieder kommen!

Siehe auch:
Teil 3 meines Athen Reiseberichts: Ein Tag in Piräus
Übersichtskarte mit allen genannten Punkten

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